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Nr. 108 wÄMÄÄ B5 ^. « Samstag den 10. Mai .XtBi LLS ^. , 1919
Der Erdrosselungsfriede
Was wird werden?
Deutschland und der Glemsueeaufriede.
Das deutsche Volk steht fassungslos vor Grauen und Kenschlichster Empörung vor dem Werke der Clemenceau und Lloyd George, zu dem der Präsident der Vereinigten Staaten Wson nicht nur seine Genehmigung erteilt hat, sondern zu dem er auch tätigste Beihilfe lieh. Aber, nachdem der erste Sturm der aufgeregten Gefühle der gebieterisch notwendigen nüchternen Ueberlegung gewichen ist, ziemt es uns, mit un« bestechlichem Blick dem Schreckensbild dieses „Wilsonfrieden«" ««bewegten Herzens entgeqenzutreten. Das ist eine ungeheuer schwere Aufgabe, denn, wie immer man sie anzupacken sucht, scheinen sich jedem sachlichen Urteil unübersteigliche Schranken Migegenzustelleir. Kein Mensch klaren Sinnes hat daran gezweifelt, daß der vollständige Sieg, mit dem der „Tiger" Clemenceau seine Lebensarbeit gekrönt sah, diesen Gewalt- Mtiker ältesten Schlages, dazu führen würde, die Sieger Don 1870/71 nicht nur bis zur Bewegungslosigkeit zu knebeln, sondern nach Möglichkeit ganz zu erschlagen. Diesen Mann hat kein Hauch deS neuen Zeitalters bewegt, das nach ter Hoffnung der Besten in aller Welt nach dem großen Ringen heraufsteigen sollte. Ihm sind Völker und Länder «och immer willenlose Objekte, mit denen man — mit der tilgen Macht im Rücken — bedenkenloseste Schiebergeschäfte einten kann, und was er jetzt vollbracht hat, liegt nur in der Richtung seiner seit langem bekannten Anschauungen. An sich hat unS auch die furchtbare Niederlage nicht überrascht, Sie ^Mirceau mid mit ihm im Verein Lloyd George dem P^enten der Union bereitet haben. Es liegt un« auch fern, in höchst überflüssige Klagelieder auszubrechen, daß der große Präsident sich als so kleiner Charakter erwiesen hat. 8leicho,ültig ist eS, ob diejenigen Recht haben, die in ihm von Anfang nur einen Wortmacher sahen, oder ob eher die Ansicht zutrifft, daß es dem Massenaufgebot französischer Dialektik und britischer Geschäftsgerissenheit gelungen ist, ihm seine 14 Punkte aus den Händen zu disputieren. Für alte Zeiten aber wird dieser Friede des „Recht» und der Gerechtigkeit" als ein Schandmal menschlicher Kleinheit be* Men bleiben, denn niemals ist eine große Idee zu so klägliche« Schiffbruch verurteilt worden. Aller Augen richten sich in Deutschland nunmehr in höchster Spannung tos die Männer, die berufen sind, die Entscheidung über ja «der nein zu fällen, die die Haltung Deutschlands zu diesem brutalsten aller Gewaltfrieden bestimmen sollen. Eine furcht- dare Verantwortung lastet auf ihnen, aber das deutsche Volk $ gewiß, daß sie dessen inne sein werden. Bergehoch türmt sich die Fülle der Probleme, die in "schreckend kurzer Frist gelöst werden sollen. Jeder einzelne Absatz des „Todesurteils über den Frieden", daS in 53er« Jaill« gefällt wurde, enthält eine Schicksalsfrage und die «trzige Erleichterung der schier übermenschlichen Aufgabe Mserer leitenden Männer erwächst ihnen aus dem Vor- Mt/ die letzte und eigentliche Entscheidung von der Aalionalvtrsammlunq zu fordern. Wenn man am Donnerstag Vormittag, so teilt einer unserer Bericht- «kstatter mit, Gelegenheit hatte, mit führenden Parlamentariern über die Haltung der Parteien zu den ver« dichtenden Bedingungen unserer Feinde zu sprechen, dann wie man durchweg, daß dieser Friede in unveränderter Gestalt einfach unannehmbar sei. Kurz beleuchten Mollen wir u. a. einmal die Schadenersatzfrage, denn Hler begreift man absolut nicht, wie Frankreich und Eng. land die aufgezählten Milliarden von uns erhalten wollen, mährend wir jetzt nicht einmal genug Geld haben, um die wenigen Lebensmittel zu bezahlen, die uns das Düsseler Abkommen zugesteht. Aber Unverstand und ^buwitz stellen ja eigentlich alle Bedingungen dieses 6riedensinstrumentes dar. Wenn die Sache nicht »on M ungeheurer Tragik wäre, könnte man nur lachen über Mr haushohe Brutalität, daß für die Ententestaaten bei uns das Vorrecht der Meistbegünstigung und der offenen Dür gelten soll, während dem deutschen Fabrikat und dem deutschen Kaufmann der Zutritt zu den Entente- Märkten nur unter den größten Vorsichtsmaßnahmen ge» IWtet sein soll. Die deutsche Regierung hat trotzdem °uf eine sofortige uneingeschränkte Ablehnung dieses «liebens verzichtet. Sie hat geglaubt, im Interesse der , H trotz alledem und alledem in eine sachliche Prüfung Antreten zu sollen. Wie immer aber auch die Dinge kaufen mögen und ob auch dieser Friede zur Wirklichkeit mird oder nicht, eines steht als grauenvolles und sicheres Ergebnis schon heute fest: anstatt daß ein dauernder «Hebe heraufgeführt worden wäre, ist der Krieg verewigt morden. Anstatt daß eine brüderliche Gemeinschaft gleich- derechtigt nebeneinanderlebender Völker geschaffen worden ^t. treibe» die Dinge unaufhaltsam neuen blutigen
Konflikten zu. Und der einzige Trost ist dabei der, daß Deutschland dann unbeteiligter Zuschauer sein und die Forderungen nach Recht und Gerechtigkeit vorlegen wird, die ihm jetzt unerfüllt bleiben. E.
Die deutschen Gegennoten.
WB. Versailles, 9. Mai.
Der erste Delegierte der deutschen Friedensdelegation, Reichsminister des Aeußeren Graf Brockdorff-Rantzau hat heute abend folgende Noten an den Präsidenten der Friedensdelegation, Herrn Clemenceau gerichtet:
Versailles, 9. Mai 1919.
Herr Präsident! Die deutschen Friedensdelegierten haben die erste Durchsicht der überreichten Friedensbedingungen vollendet. Sie haben erkennen müssen, daß in verschiedenen Punkten die vereinbarte Basis des Rechtefriedens verlassen ist. Sie war nicht darauf vorbereitet, daß die ausdrücklich dem deutschen Volke und der ganzen Menschheit gegebene Zusage auf diese Weise illu- sorisch gemacht wird. Der Vertragsentwurf enthält Forderungen, die für kein V ol k e rt r ä g l i ch sind, vieles außerdem nach Ansicht unserer Sachverständigen unerfüllbar. Die deutsche Friedensdelegation wird den Nachweis im Einzelnen erbringen und den alliierten und assoziierten Negierungen ihre Bemerkungen und ihr Material fortlaufend zugeben lassen. Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung.
gez. v. Brockdorff-Rantzau.
Versailles, 9. Mai 1919.
Herr Präsident! Die deutsche Friedensdelegation beehrt sich zu der Frage des Völkerbundes Stellung zu nehmen, indem sie an» bei ein deutsches Programm überreicht, das ihrer Meinung nach zum Problem deS Völkerbünde« welenttlche ^Mrc^Wrn «ÄL Die deutsche Friedensdelegation behält sich vor, sich noch eingehend zum Entwurf der alliierten und assanierten Regierungen zu äußern. Sie macht schon heute auf den Widerspruch aufmerksam, der darin liegt, daß Deutschland zwar daS Statut des Völkerbundes als einen Bestandteil des uns überreichten Vertragsentwurfes unterzeichnen soll, sich aber nicht unter den Staaten befindet, die zum Eintritt in den Völkerbund ein geladen sind. Die deutsche Delegation stellt die Anfrage, ob und gegebenenfalls unter welchen Umständen eine solche Einladung beabsichtigt ist. Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung.
gez. v. Drockdorff-Rantzau.
Notiz: Das in der zweiten Note erwähnte Programm ist der seinerzeit in der deutschen Presse veröffentlichte Entwurf eines Völkerbundsvertraze».
Die auferlegten Viehlieferungen.
WB Versailles, 9. Mai.
Die laut F-riedensvertrag von Deutschland zu leistenden Viehlieferungen belaufen sich im einzelnen auf folgendes: 1. An die französische Regierung sind 50 Zuchthengste von 3 bis 7 Jahren, 30000 Stutenfüllen und Stuten von 18 Monaten bis zu 7 Jahren von ardennischer, boulogifer und belgischer Raffe, 2000 Stiere von 18 Monaten bis zu 3 Jahren, 90 000 Milchkühe von 2 bis 6 Jahren, 1000 Böcke, 100 000 Schafe und 10 000 Ziegen zu liefern, 2. an die bergische Regierung 200 Zuchthengste von 3—7 Jahren, 5000 Stuten von 3—7 Jahren, 5000 Stutenfüllen von 18 Monaten bis 3 Jahren, sämtlich schwere belgische Raffe, 2000 Stiere von 18 Monaten bi» 3 Jahren, 50 000 Milchkühe von 2 bis 6 Jahren, 40 000 Köpfe Jungrind, 200 Böcke, 20 000 Schafe und 15 000 Mutterschweine. Die abgelieferten Tiere müssen von normaler Gesundheit und Verfassung sein. Fall« die gelieferten Tiere nicht al» verschleppt« oder beschlagnahmte indentifiziert werden können, wird ihr Wert Deutschland kreditiert werden.
Eine Denkschrift zum Friedensvertrag.
DDP. Rotterdam, 9. Mai.
Der „Nieuwe Rolterdamsche Courant" meldet an» Paris, daß von den deutschen Delegierten eine große Denkschrift zu dem Friedensvertrag erwartet wird, die u. a. den Vorschlag enthalten dürfte, daß Deutschland selbst die Wiederherstellung der verwüsteten Gebiete übernehmen wird. D>e Alliierten dürften indessen diesen Vorschlag ablehnen. Man erwartet außerdem, daß die Deutschen den Vorschlag machen werden, daß alle Staaten, die die Haager Verträge unterzeichnet haben, desgleichen auch der Papst, in den Völkerbund ausgenommen werden.
Die Arbeit unserer Delegation.
WB. Versailles, 9. Mai. Gestern abend fand unter dem Vorsitz BrockdorffS eine Sitzung der gesamten Friedensdelegation ein* schließlich der Kommissare und Sachverständigen statt. Die Sitzung dauerte von 9 bis Mitternacht. Es werden 5 Arbeitskommissionen gebildet, eine politische, wirtschaftliche, Finanz-, soziale und rechtè- polrtische Kommission. Die Auffassung geht übereinstimmend dahin, daß der Entwurf in der vorliegenden Fassung nicht annehmbar ist.
Gegen die Gewalt des Vertrages.
WB. Versailles, 9. Kat
Die sozialistischen Blätter protestieren heftig gegen den Frieden, den die „Humanitâ" einen Frieden der Gewalt und Ungerechtigkeit nennt Das französische Proletariat verweigert die Unterschrift zu dem Vertrag.
In wenigen Tage» wird er sich gegen dieser Dokument im Bismarck-Stil wenden, das eine Beschimpfung des Völkerrechts und der Moral ist. Wenn der Vertrag vor die Kammer kommt, wird kein sozialistischer Deputierter dies diplomatische Schriftstück gutheißen dürfen, das die Geschichte als eine verbrecherische 8 er* letzung gegebener Versprechen und als ein Attentat gegen Moral und Völkerrecht bezeichnen wird. Die „Humanität gibt dann Analysen der Bestimmungen, die sich auf das Saarbecken und die deutschen Kolonien beziehen und nennt die Klausel über das Saar- gebiet die schlimmste Gewalttat de» Vertrage«. Die französische Zeitung fordert die Deutschen deS Saargrbiet« auf, mit Heroismus der Gewalt und Korruption Widerstand zu leisten, die jetzt gegen sie versucht werden. Sie sollen sich ihren nationalen Sinn erhalten. Die französischen Sozialisten werden für sie eintreten, wie sie für alle unterdrückten Völker eingetreten sind. Ebenso schlimm sei die Wegnahme der Kolonien. DaS volkreiche arbeitsame Deutschland brauche Kolonien wie jedes andere große Volk. Wilson habe den größten Fehler begangen, all er zustimmte, daß die Kolonien zum Vorteil der Sieger geraubt werden.
Schwedische und norwegische Blätter- stimmen.
^ Stockholm, 9. Mai.
Der Friedensvertrag der Entente mit Deutschland erregte in der schwedischen Presse ungeheures Aussehen. Sämtliche Blätter heben schon in den Ueberschriften die Forderungen der Entente hervor. Obwohl der ganze Text des Vertrages noch nicht bekannt ist, nehmen doch bereit« mehrere Zeitungen dazu Stellung. Hierbei offenbart sich eine einmütige Entrüstung.
Kristiania, 9. Mai.
Die von sämtlichen Morgenblättern im Reuterauszug veröffentlichten Fricdknsbtdingungen werden von der gesamten Presse al« außerordentlich hart, teilweise über jede« Erwarten schwer bezeichnet. Nur der Leitartikel von „Aftenposten" ist auf den Ton: Gereckte Strafe für die Schuldigen gestimmt, während alle übrigen Blätter mit Ausnahme von „Tideiis Tegn" und „Jntelligenssedler", die sich der Stellungnahme enthalten, in den Friedeusbedingungen bett Sieg des Machtwillens über Wtlson« ursprünglichen Rechtsgedanken erblicken.
Die englischen Arbeiter.
Berlin, 10. Mai.
Die englische Arbeiterpartei erläßt ein Manifest, woin sie betont, daß einzelne Teile des Friedensvertrages den früheren Wilson scheu Erklärungen zuwider sind.
Spenden für die Befreier Münchens.
DDP. Bamberg, 10. Mai.
In der Gruppensammelstelle wurden b^her eingeliefert: Dier schwere Felohaubitzeir Nr. 13, eine Feldhaubitze Nr. 16, etwa 550 Maschinengewehre und 1300 Gewehre. Die Beute wächst ständig. — Das Oberkommando meldet weiter: Die Spartakislenführer Edelhö^r, Landauer und Sontheim sind tot, Männer, Schübler, Michel und Fremmer sind verhaftet, Leviens - Levinös und Toller« Aufenthalt ist unbe» könnt. Aus Bankkreisen sind dem Oberkommando 690 000 Mark zur Verteilung an die Truppen überwiesen worden. Weitere Sammlungen der Einwohnerschaft sind im Gange. Die Stadt München hat für jeden Solbaten täglich eine Mark, ein Liter Bier und einmalig 50 Zigaretten verteilt
Die Entente besetzt Budapest nicht?
DDP. London, 9. Mai.
Die „Times" meldet, daß die Entente nicht die Absicht habe, jetzt Budapest zu besetzen.
Der rumänische Waffenstillstand nicht angenommen.
DDP. Parks, 9. Mar.
Nach einem Telegramm der „Petit Parisien" hat Bel» Khun die rumänischen WaffenstillstandSbedmguugru ab-«lehHj