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Verantwortlich für die Redaktion: Gustav Schrecker für Anzeigen u.Reklamen: Aug. Brodt, beide in Hana«.

cn» 1 AK Fernfprechanfchliiffg Nr. 1237 und 1238

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Mittwoch den 7. Mai

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Fernsprechanfchlüffe Nr. 1237 und 1238 1 Ql Q

Geschäftsstelle und Redaktion: Hammerstraße Nr. S

In Erwartung der^

Unnütze Wartezeit.

Am Sonntag und Montag verflossener Woche verließen die Züge der deutschen Friedensdelegation Berlin, um einen Tag später bereits in V rm lles einzutreffen. Sei! dieser Zeit haben die Mitglieder der deutschen Delegation Gelegen­heit, im Regen im Park von Trianon, so weit er nicht durch Stacheldrähte abgesperrt ist, zu lustwandeln. Zu solchen Spaziergängen hätte ihnen auch Berlin Gelegenheit geboten. Deswegen brauchte man einen solchen großen Apparat nicht erst nach Versailles zu bemühen. Das Warten auf die Friedcnsbrdingungen hätten zwei Geheimräte und ein paar Kanfleidiener genau so gut gekonnt wie die drei Reichs­minister, deren Aufgaben und Arbeiten in Deutschland so dringend sind, daß zwei von ihnen, der Reichspostminister und der Reichsjustizminister, bereits Versailles wieder ver­lassen müssen, um wenigstens in Berlin das Allernotwendigste erledigen zu können. Es läßt sich nun im Augenblick schwer sagen, wie weit dieses Warten Absicht der Gegner ist und wie weit es aus dem Lauf der Verhältnisse entstanden ist. Zn dieser Zell des Wartens, die heute abläuft, hat Graf Brockdorff-Rantzau einem Aus-rager gegenüber noch einmal wiederholt, daß er durchaus mit der Möglichkeit einer An- dahnung des Friedens rechnet, und jede Möglichkeit, wo sie sich ergibt, verfolgen wird. Der Reichsminister hält es aber für falsch, mit Mißhelligkeiien zwischen den Alliierten zu rechnen. Denn die wirtschaftlichen Fragen schmieden noch wehr als die politischen unsere Gegner fest zusammen. Solche Hoffnungen sind daher nur Phantastegevilde, die vor der i^füustigen Wirklichkeit verfliegen werden. Wir sind nur auf imS selbst angewiesen, aber untere Delegation weiß, daß sie ein 70 Millionen Volk hinter sich hat, dem man das Recht (um Leben nicht rauben kann. R.

Der FrieDensausschuß der Nationalver­sammlung.

W. B. Berlin, 7. Mai.

In der gestrigen Sitzung des Friedens-Ausschusses im Reichsfinanzministerium verlas Präsident Fehrenbach Telegramme, in denen die Mitgliederder National-Ver- sammlung gegen die Verlegung der Versammlung nach Berlin Verwahrung einlegten. Ministerpräsident Scheide­mann hob hervor, daß eine Anfrage an die Alliierten, wenn die Uebergabe der Bedingungen stattfinden solle, ergangen sei, weil die Fachminister dringend in Berlin benötigt werden. Auf eine Anfrage stellte Reichsminister Erzberger fest, daß die Regierung einstweilen keinen Eruud habe, an der feierlichen Erklärung von franzö­sischer und polnischer Seite, daß Angriffsabsichten der Polen nicht bestünden, zu zweifeln. Dem Abg. Traub antwortete Reichsminister Erzberger, daß auch für die Rückführung der Kriegsgefangenen die notwendigen technischen Vorbereitungen getroffen seien. Reichs­mehrminister Noske schilderte dann die Lage in Lettland. Die Reichsregierung hat beim Eingang des Waffenstillstandes ausdrücklich ihr Desinteressement an den Gebieten jenseits der östlichen Reichsgrenzen erklärt. Ter Minister teilte mit, daß der Befehl des Generals m d. Goltz, der darauf hinwies, daß sämtliche in Lett- ^nd stehenden Truppen, auch die lettischen und baltischen, 'bm unterstellt seien, erst nach dem Putsch gegen die Attische Regierung erfolgt sei. Sowohl die alte wie die yue Regierung, ebenso die lettischen Sozialdemokraten hätten an den General das ausdrückliche Ersuchen ge- uchtet, die deutschen Truppen nicht zurückzuziehen, da iMlst die erforderliche Sicherheit gegen räuberische Horden ^fyt gegeben sei. Selbstverständlich herrsche im Kabinett Allste Uebereinstimmung darüber, daß sobald wie irgend Möglich der letzte deutsche Soldat über die Reichsgrenze surückgenommen werden muffe. Abg. Cohn-Nordhausen brängte darauf, daß unverzüglich noch vor Beginn der «rredens-Verhandlungen die deutschen Truppen über die Landesgrenze zurückgenommen werden möchten. Nächste bißung Dienstag nachmittag.

Die EuLLLmschung Belgiens.

DDF. Rotterdam, 7. Mai.

DemNieuwe Rotterdamsche Courant" zufolge Halle der Peiser Korrespo ipent desDaily Expreß" eine Unterredung einer ofsizelleu belgischen Persönlichkeit, die dem Korrc- poiibenten auseinandersetzte, weshalb Belgien so enttäuscht |f'; Es fühle, daß es insbesondere von England im Stich Dassin mol beii sei und schreibe dies den niederländisch ge= ^»ten Männern Bolha-Smuts zu, die einen Druck auf «aoi Geoâk« LUsüben.

rie-ens"bedingungen.

Formalitäten.

WB Versailles, 6. Mai.

Neber d'e Vorkehrungen für die Ueberreichung des Fr>e- densvertrages berichtet die französische Preffe folgende Ein­zelheiten: Gemäß den von Clemenceau, Wilson und Lloyd George gestern in Versailles persönlich getroffenen Maß­nahmen ist ein großer, hufeisenförmiger Tisch aufgestellt worden, an dessen Kopfseite Cstmencean mit Lloyd George zur Rechten und Wilson zur Linken Platz nehmen wird. An der rechten Längsseite werden die französischen Vertreter und Foch, die Engländer, Italiener, Belgier, Brasilianer, Portu- aiesen, Serben, an der linken Längsseite die Amerikaner, die Vertreter der englischen Dominions, die Japaner, Rumänen, Polen und Tschecho-Slovaken sitzen. Der Kopfseite gegen­über ist ein gesonderter Tisch für die deutsche Abordnung, dahinter ein Tisch für die Sekretäre, Stenographen und Dolmetscher ausgestellt. Weiter hinten ist der Platz für die Journalisten aller Nationen. Die Feierlichkeit selbst soll laut Echo de Paris" ziemlich kurz sein. Punkt 3 Uhr müssen die Vertreter der Alliierten an ihren Plätzen sein. Sodann wird Oberst Henry die deutschen Bevollmächtigten einiühren. Clemenceau wird als Vorsitzender der Konferenz der deutschen Abordnung das Friedensinstrumeut persönlich überreichen. Vorher wird Clcmenccau namens der Alliierten und Asso- zierten eine Ansprache halten, die etwa 10 Minuten dauern dürfte. Seine Rede wird im Gegensatz zu den diplomatischen Gebräuchen dem Grafen Brockdorff-Rantzau im Voraus nicht mitgeteilt. Ob Graf Brockdorff-Rantzau ant« worlen werde Jei. noch ungewiß. Die Eröffnungs- ft^ung werde nach etwa 20 Minuten geschlossen. Ferner willEcho de Paris" erfaßen haben, die Deutschen hätten eine Frist von 14 Tagen, um schriftlich Bemerkungen vorzu­bringen, sodaß man ihre Gegenvorschläge vor dem 22. Mai erwarten dürfe. Man werde den Dent'chen kein Hindernis in den Weg legen, falls sie Sendboten an die Regierung nach Berliii zur Prüfung des Vertrages schufen wollten. Die Unterzeichnung des Vertrages sei zwischen dem 3. und 5. Juni zu gewärtigen.

Nochmalige Umarbeitung des Friedens- Vertrages.

DDP. Senf, 6. Mai.

Lyoner Blätter teilen mit, daß der Entwurf zum Vor- frieben einer nochmaligen Umarbeitung unterzogen wird, wobei die Zahl der Artikel um mehr als die Hälfe vermindert wird.

Dienordschleswigsche Frage".

WB. Kopenhagen, 6. Mai.

Der dänische Verteidignngsminister Munch sprach sich gestern in einer Versammlung folgendermaßen über die nord- ichleswigsche steige aus: Die Lösung der dänischen Grenz­frage bietet nicht dieselben Schwierigkeiten wie die Grenz­fragen, die an gewissen Orten die Leidenschaften in Be­wegung setzen. Von allen Grenzfragen, die gegenwärtig in Paris und Versailles erörtert werden, ist sie wohl am leich­testen zu lösen. Wir haben Grund, auf Bereitwilligkeit zur Erfüllung der Wünsche des dänischen Volkes zu rechnen. Darüber ist kein Zweifel; das dänische Volk besteht auf der Forderung, in der gleich nach 1854 die Dänen nördlich und südlich des Königsau sich vereinigt haben. Wir wünschen das Selbstbesiimmungsrecht der Völker, das nun sowohl von den Siegern wie von den Besiegten verkündigt wird. Unsere Wünsche gehen dahin, daß die Grenzen des Reiches nach dem Willen der Grenzbevölkerung gezogen werden. Wir roiinf^en alle Gebiete, wo die Bevölkerung ernstlich dänisch denkt nnd fühlt, mit Dänemark vereinigt und nicht mehr. Wir wollen keine Bevölkerung dadurch anlocken, daß wir ihr einen augenblicklichen ökonomischen Vorteil in Aussicht stellen. Wir legen darauf keinen Wert, daß Leute, deren Herzen in Deutschland bleiben, dänisch stimmen. Die, welche sich uns nicht national angeschlossen fühlen, müssen dableiben, wo sie hingehören. Die schleswigsche Frage muß jetzi gelöst werden. Sie darf nicht von Süden her über unsere Grenze verpflanzt lverden. Das neue Dänemark muß ein reines Land sein, nur von Dänen bewohnt. Das nationale Einheitsgepräge, das unsere Stärke war, muß gewahrt werden; nur dadurch werden die Bedingungen geschaffen, um die Lösung, die nun bcvorsteht, dauerhaft und endgültig zu machen.

DieBestrafung" des früheren Kaisers.

WB. Amsterdam, 7. Mai. (Reiner.)

Auf eine Anfrage im Unterhaus, ob beschlossen worden sei, daß der frühere deutsche Mailer nicht betraft werden wird, aniwonele der Staatssekretär für Inneres, daß d e,e Ansicht nicht den Tatsachen entspreche.

Aus München.

DDP. Berlin, 6. Mai.

DieB. P. R." melden aus München, daß über die Verhaltung der Witwe Eisners hier nichts bekannt ist, ebenso ist nichts über das Verschwinden Leviens, Levines und Totters bekannt. Mühsam ist verhaftet worden.

Stimmungsbilder.

WB. München, 6. Mai.

Das Geschäftsleben in München kehrt wieder in normale Bahnen zurück. Der Straßenbahnverkehr ruht noch, dagegen ist der Postzustellungsdienst wieder aus­genommen. In der Nacht zum Dienstag hat es noch in verschiedenen Stadtteilen neuerdings kleine Schießereien gegeben. Unter Verfolgung der Dachschützen wurden zahl­reiche Haussuchungen und Verhaftungen vorgenommen. Einzelne Straßen sind zur Sicherung abgesperrt, zum Teil mit Drahtverhauen ; auch hat man Geschütze und Maschinengewehre aufgestellt. Wie dieMünchener Post" meldet, sind dem Aktionsausschuß der sozialistischen Partei eine beträchtliche Anzahl von Beschwerden über willkürliche Verhaftungen, brutale Behandlung von Ge­fangenen, über drakonische und überhastete Exekutionen zugegangen. Der Aktionsausschuß hat die sofortige Ein­setzung eines besonderen staatlichen Untersuchungskom­missars für diese Fälle bei der Regierung Hoff­mann beantragt. Der Münchener Stadtkommandant hat bis auf weiteres die Herstellung und Verbreitung von kommunistischen, spartakistischen undbolschewistischen" Zeitungen nnd Zeitschriften sowie der sogen. Skandal- und Revolverblätter verboten. Von dem während der Kommunistenherrschast eingerichtet gewesenen . Revolution, Liribunal hub bsr^L riuiae-Mftäder vMa- et worden/ darunter 2 Rechtsanwälte. Dein Vorsitzenden soll der Prozeß wegen Hochverrats gemacht werden. D e Kom­munisten haben in München lautAbendzeitung" für über eine Million Mark falsche 20-Markscheine gedruckt und in Umlauf gebracht. Unter den Toten befinden sich, wie nunmehr einwandsrei festgestellt ist, u. a. der Führer der roten Armer der Student Toller, der Oberkowmandant Egelbofer und der Freidenker Sontheimer. Am Montag abend wurde die Privatsekretärin Egelhofers verhaftet, die sich nach Zeiner Meldung der Achtuhr-Abendzeitung bereits an den epar, takistenaufständen in Bremen und Leipzig beteiligt hat, Nach demBayerischen Kurier" wurde im Keller des Luitpold-Gymnasiums, wo der Geiselmord erfolgte, ein Schaff mit menschlichen Eingeweiden, ferner Finger unt Schädelteile gefunden. Es wird vermutet, daß noch mehr Geiseln ermordet und die Leichenteile verscharrt oder in einen Bach geworfen wurden. Untersuchung ist eingeleitet Die wirtschaftliche Lage Münchens hatte sich seit 13. April geradezu trostlos gestaltet. Die Kohlennot hatte sich der­art zugespitzt, daß in den industriellen Betrieben ein« regelmäßige Arbeit unmöglich wurde. Nach einer Mit, teilung des städtischen Finanzreferenten Dr. Kronenberger sind die Einnahmeausfälle und die Schäden, die die Stadt» gemeinde selbst infolge der Sticitiage und der Unruhen ohn, Einrechnung der Sachschäden erlitten hat, auf etwa zwv Millionen Mark zu berechnen. Der Magistrat beschloh in geheimer Sitzung, die Beerdigung der ermorde en Geifelr auf Kosten der Stadt zu übernehmen und an her Bahre der Opfer Kränze niederlegen zu lassen. An der Becrdigun; wirb auch eine Abordnung des Magistrats teilnehmen.

Der Eisenbahnverkehr.

DDF. Berlin, 7. Mai.

Ueber den Verkehr auf den deutschen Eisenbahnen erfährt derLokalanzeiger" von gut unterrichteter Seite: Die zu­nehmende Förderung von Kohle im Kohlenbezirk macht st es in den meisten Direktionen dadurch bemerkbar, daß die burd die Slrecks herabgeminderten Bestände an Eifenvabndienstkohli immer größer werden. Es wird daher nur noch acht Tag« dauern, daß die Zahl der Züge fährt, die vor den Oster tagen gefahren sind. Für ben Sommer- und Badeverkch sind die Aussichten noch immer schwach. Es ist noch im nie. zweifelhaft, ob der in Aussicht gestellte Verkehr der Ba « und Sommerzüge durchgeführt werden kann.

Plünderungen.

DDP. Hamburg, 6. Mai.

In Travemünde an der Elbe ist es wieder zu Mehl magazinplünderungen gekommen. In der oergangenet Nacht wurde ein großes Proviantamt von einer großei Menschenmenge gestürmt und über 600 Faß Honig uni 500 Sack Hafer entwendet. Von Stendal anrückend- Husaren sind mit der Wiederherstellung der Ordnun« beschäftigt. Zu ernsten Zusammenstößen ist es »ich gekommen.