Einzelbild herunterladen
 

ÄamltN'K Ammer

«inrückungSgebühr»

sie Sgespccktene Kolonelzeile oder deren Raum 30 Pfg. im Reklameteil die Zeile 1. Mk.

Offertengebühr 25 Pfg.

KotationSbrnck und Verlag: Waisenhaus-Buchdruckerei ȟ> -Buchhandlung in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stabt- «ib Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.

Bezugspreis»

Vierteljährlich 3.75 Mk., monatlich 1.25 Wk., für Post, bezug vierteljährlich 3.75 Mk monatlich 1.2sML

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Verantwortlich für die Redaktion: Gustav Schrecker» für Anzeigen mNeklamen: Aug. B r o dt, beide in Hanau.

Nr. 104 ^« Dienstag den 6. Mai °«WL«^ 1919

Die Friedensverhandlungen.

Versawer Peinlichkeiten.

W. B. Berlin. 6. Mai.

Unter der UeberschriftVersailler Peinlichkeiten" schreibt dieDeutsche Allgemeine Zeitung": Für den 25. April war die deutsche Friedensdelegation nach Versailles eingeladen, und der Dringlichkeit der Einladung trugen unsere Delegierten durch tunlichste Abkürzung ihrer Reise­vorbereitungen umso bereitwilliger Rechnung, als man auf deutscher Seite den aufrichtigen Wunsch hatte, keinen Tag zu verlieren, der der Förderung des Friedenswerkes dienen könnte. Nun sitzen unsere Delegierten seit dem 29. April in Versailles und warten der Dinge, die da kommen sollen, warten in einer Umgebung und unter dem Druck wenig würdiger äußerer Verhältnisie, die das an und für sich schon so peinliche Warten zu^einem förm­lichen Martyrium machen müssen. Der Grund für das französische Verschleppungsmanöver ist, so fährt das Blatt fort, klar genug; nicht blos die Schwierigkeiten mit Italien sollen ausgeglichen werden, bevor der Friedensvertrag vorgelegt wird, sondern auch andere Differenzen sind zu beseitigen, vor allem jene, die durch die Haltung Belgiens wegen seiner Finanzansprüche entstanden sind. Wir unsererseits spekulieren nicht auf Mißhelligkeiten zwischen den Alliierten, wie Graf Brockdorff-Rantzau erst neuer­dings wieder mit aller Entschiedenheit erklärt hat. Man wird ihm zustimmen, wenn er eine solche Spekulation als eine schlechte Politik kennzeichnet, weil sie un­ehrlich, töricht und aussichtslos wäre. Wir wollen auf der Grundlage des Wilsonprogramms, auf das sich ja M^rmjere Gegner verpsucytet haben, einen sieben des Rechts und der Versöhnung zustande bringen. Darauf allein richten wir unser Augenmerk und gerade darum muffen wir gegen die Verschleppungstaktik der Entente schärfsten Protest einlegen. Sie schafft nicht die Atmosphäre, die für die Förderung des Friedenswerkes vonnöten ist, sondern im Gegenteil, sie führt zur Gereiztheit, zu ner­vösen Spannungen, zu Verbitterungen, kurz zu Stim­mungen, die dem Friedenswerk abträglich sein müssen, ja sogar ihm gefährlich werden können. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" weist zum Schluß darauf hin, daß den drei Reichsministern und der großen Zahl leitender Beamten, die in Versailles sitzen, unmöglich zugemutet werden könne, in peinlichem Warten nutzlos ihre Zeit zu vergeuden. Es sei durchaus verständlich, wenn man sich in den Kreisen der deutschen Delegation gegen diese unerhörte Zumutung auflehne und die Frage der einst­weiligen Rückkehr in die Heimat erwäge, bis der defini­tive Text des Vertragsentwurfes und der Termin der Überreichung festgelegt sei. Solche Erwägungen lägen umso näher, als die äußeren Verhältnisse, unter denen unsere Delegierten in Versailles zu leben gezwungen seien, infolge der Rigorosität der französischen Behörden, die mit den Geboten der internationalen Höflichkeit kaum wehr in Einklang zu bringen sei, immer drückender würden.

Das Friedensdokument.

WB. Versailles, 6. Mai.

Auf die Anfrage der deutschen Delegation, wann das Friedensdokument überreicht werden würde, ist heute Aachmittag die Antwort eingegangen, daß die Ueber- feichung am Mittwoch, den 7. Mai, nachmittags 3 Uhr, iw Trianon-Pala st- Hotel stattfinden werde.

Die italienischen Drohungen.

WB. Amsterdam, 5. Mai.

Der Pariser Berichterstatter desDaily Telegraph* meldet, düß man in England angesichts des von den verantwortlichen italienischen Blättern gegen England geführten Feldzuges kaum seinen Augen traut. Der Korrespondent schreibt: Die kalte» Ischen Blätter veröffentlichen Drohungen, in denen ausge­sprochen wird, daß Italien Rache nehmen würde und in oenen sogar auf Anstiftung von Unruhen in Aegypten, Arabien

Indien hingewiesen wird. Dies seien Worte, die nicht sogleich, vergessen würden und auf die italienischen Blätter würde die volle Schande fallen, die zwischen England und Taljen bestehende Sympathie vermindert zu haben.

Eine Pariser Stimme.

WB Versailles, 6. Mai.

Unter dem TitelVorspiel in Versailles" erklärt der >,TempS" in einem eingehenden Leitartikel, die deutschen Be­vollmächtigten hätten in Versailles bereits auf die Abwesen- seit der Jtalieüer angespielt. Demgegenüber sei festzustellen, aus der Erklärung Orlandos in der italienischen Kammer ^vorgehe, daß die Vertragsklausel betreffs Deutschland ^i» sehr den Willen Italiens wie denieniLen aller anderen

affoziierien Regierungen zum Ausdruck bringen. In Wahr­heit gebe es eine andere Prsjudizfrage, welche die deutsche Delegation angehe und auf einem ganz anderen Boden ans» gerollt sei. Die beuHdie Delegation sei in Versailles mit der von Ebert und Scheidemann unlei zeichneten Vollmacht angelangt, Gemäß bietet Vollmacht müsse man armehmen, daß Deutschland sich eine unendliche Besprechung aller Ver­tragsklauseln Vorbehalte und die deutsche Delegation, falls man sie auffordern werde, eines Tages die Debatte zu schließen und unverzüglich zu unt-rzeichnen, sich dem ent­ziehen werde, indem sie erkläre, sie sei zur Unterzeichnung der Klausel, über die man sich nicht freundschaftlich verstän­digte, nicht berechtigt. Wenn dem so sei, solle man es jetzt schon sagen. Dadurch würde man nutzlose Worte und auf­reizende Verzögerungen ersparen; aber vorausgesetzt, daß die deutsche Delegation unterzeichne, so tue sie dies nur vorbe­haltlich der Zustimmung ihrer Regierung. Gemäß der pro­visorischen deutschen Verfassung müsse in diesem Falle die Zustimmung der Nationalversammlung, des deutschen Staa- tenhanses oder sogar der preußischen Nationalversammlung eingeholt werden. Werde inzwischen die endgültige deutsche Verfassung eingeiührt, so könne der Reichstag den Vertrag ratifizieren, jedoch könne gegebenenfalls auch zur Volksab- stinimung geschritten werden. Wie denken die deutschen Delegierten über solche eventuellen Komplikationen?

Straßenkämpfe in München.

WB. München, 6. Mai.

Am Sonntag nachmittag nach 5 Uhr setzte wieder .Mtiar^kmefalea^^ vouhMschi ne ng? wM en ein. Bald krachten wieder die Schläge der Kanonen und Minen. Der Kampflârm kam aus der Gegend der Maillinger- und Eloirastraße im Münchenbergviertel. Dort wurde beltig aus rückwärts gelegenen Häusern ge­schossen. Der Kampf war sehr hartnäckig. In der Gegend des Rotkreuzplatzes kam es in den Nachmittagsstunden des Sonntags zu heftigen Kämpfen, die mehrere Stunden an­dauerten. Dann mußten auch Panzerautos in Aktion treten. Am erbittertsten tobte der Kampf um das Reservelazarett 10 in der Sch ul st raße. Dort schossen Verwundete aus den Fenstern. Aus gegenüberliegenden Häusern wurde geschossen und Handgranaten geworfen. Schließlich gelang es den Regierungstruppen, das Spartakistennest auszuheben. Gegen 100 Gefangene, darunter auch Fraueu, wurden, die Hände am Hinterkopf, unter starker Bedeckung in das Militär­gefängnis gebracht. Aus dem Lazarett wurden 70 Gewehre und ein Maschinengewehr herausgeholt. Aehnlich ging es beim Garnisonlazarett zu. Hier hat es sich gezeigt, daß die gefangenen Spartakisten ohne Rücksicht ihre eigenen Genossen verraten. Ueber die Gesamtzahl der bisherigen Opfer liegen noch keine zuverlässigen Nachrichten vor. Nach den bis­herigen Feststellungen sind rund 900 Soldaten und Zivil­personen verletzt worden. Im gerichtsmedizinischen Institut und in den Kirchhöfen lagen bis zum Montag etwa 250 Tote. Wie dieMünchener Zeitung" meldet, soll Toller bei dem Kampf in Dachen gefallen sein. Gustav Landauer wurde in der Wohnung der Frau Eisner in Groß-Hadern ver­haftet. Nach einer Privatmeldung wuide er auf dem Transport nach Etadelheim erschossen, weil er die Vegleitmann. schäften gegen ihre Führer aufzureisen versuchte. Der Spartakistenführer Haußmann wurde im Angerviertel erschossen. Von Nisien-ttevine und Dr. Levien fehlt noch jede Spur. Am Samstag wurde in den Gasteinanlazen der Redakteur der MünchenerRoten Fahne" verhaftet und standrechtlich erschossen. Verhaftet wurde der be­kannte Freidenker Sontheimer. Wie dieMünchen- Augsburger Zeitung" berichtet, war der in Freising ver­haftete Volksbeauftragte Paulukum nach seinem Ge­ständnis unterwegs nach Nürnberg, um dort die Räte­republik auszurufen. Er wollte sämtliches Heeresgut in Nordbayern für die Rüteregierung beschlagnahmen. Während auf den Straßen in aufregenden Kämpfen die Soldaten sich für die werdende Ordnung einsetzen, ar, beiten in der Stadtkommandantur bie militärischen Führer und die Vorstände der Zivilverwaltung fieberhaft, um die Geschäfte möglichst rasch wieder in die Wege zu leiten, eine schwere Aufgabe, denn man steht vor einem Chaos aus allen Gebieten. Die Münchener Lebensmittel, Versorgung war während der kommunistischen Wirtschaft die denkbar schlechteste. Die Einwohnerschaft erhielt außer Brot fast nichts. Milch fehlte gänzlich. Auch gab es weder Gemüse, Kartoffeln noch Fleisch. Es ist ein wahres Wunder, wie sich die Münchener Bevölkerung durchgehungert hat.

WB. Berlin, 5. Mai.

Wie wir erfahren, kam es gestern nachmittag in München, besonders an der Max-Kajerne und in der

Dachauerstraße zu Stratzenkämpfen. Es wurden ver- schiedene Gliedmaßen aufgesunden, die darauf schließen lassen, daß mehr als 10 Personen umgebracht sind. Stuck und Döderlein sind nicht als vermißt gemeldet.

Belgische Knebelung der freien Meinungsäußerung.

DDP. Berlin, 5. Mai.

Um gegenüber den belgischen Behauptungen di- wahre Stimmung der Bevölkerung im Kreise Eupen fest­zustellen, hat das Zentrum und die Deutsche Volkspartei vor kurzem Listen zirkulieren lassen, auf denen innerhalb 24 Stunden 4000 von 8 000 wahlberechtigten Bürgern und Bürgerinnen der Stadt Eupen für den Verbleib bei den Rheinlanden und dem Deutschen Reich stimmten. Am Tage darauf wurde dann den deutschen Parteien der Listenumlauf von dem belgischen Stadtkommandanten verboten. Es war mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sonst wenigstens 90 Prozent aller Wahlberechtigten die Listen unterschrieben hätten. Die deutsche Kommission in Spa hat gegen diese Knebelung der freien Meinungs­äußerung und Selbstbestimmung entschieden Protest ein­gelegt.

Rumänischer Vormarsch auf Ofenpest.

DDP. Paris, 6. Mai.

Nach einem aus dem Haag in Brüssel eingetroffensN offiziellen Bericht fetzen die Rumänen ihren Vormarsch fort. Sie stehen 60 Kilometer vor Ofenpest und an der Mündung der Save südlich von Klagenfurth. Das rechte Ufer der Drau wurde vom Feinde gesäubert. Mehr als 800 Gefangene und mehrere Geschütze wurden erbeutet. Ein ungarisches Korps unter dem Kommando des Generals Kaioczwrl, dem militärischen Erzieher des Erzherzogs Josef begleitet die gegen Ofsnpest marschieren- .den rumänischen Truppen. Zahlreiche Offiziere der früheren aktiven Armee, sowie viele andere Ungarn marschieren mit dieser Armee. Sichere Informationen besagen, daß sich mehrere andere Staatsmänner bei diesen Truppen befinden, um die provisorische Regierung in Ofenpest zu bilden.

Die deutschen Kriegsgefangenen in England.

DDP. Haag, 6. Mai.

Wie Cecil im Unterhaus mitteilte, beträgt die Zahl der noch in England befindlichen deutschen und öster­reichischen Kriegsgefangenen 96000 Mann, davon wurden 40 500 für Arbeiten verwandt, 9 500 sind krank oder untauglich, 3500 werden in den Lagern verwandt, 10000 stehen vor der Abreise nach Frankreich oder sind auf dem Wege dorthin, 11300 sind nicht beschäftigt und 21000 sind Offiziere und ihre Burschen, 7000 Invalide und Sanitätspersonen sind nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes in ihre Heimat zurückgesandt worden.

An-Hanau Stadt und Land.

Hanau, 6. Mai.

Die Auflösung des Thüringischen Ulanen- regiments Nr. 6.

Heute unb morgen verlassen als letzte Teile des Thäringi- schen Ulanenregimenis Nr. 6 die auâ ihm gebildeten beiden Freiwilligen Eskadronen unsere Stadt, die dem Regiment nahezu ein Vierteljabrhundert hindurch die Heimat gewesen ist. Als am 23. September 1894 das Regiment aus seinen alten Garnisonen Mühlhausen und Langensalza, wo eS 43 Jahre untergebracht war, in Hanau einzog, gab der da­malige Oberbürgermeister bei der Begrüßungsfeier der Hoff- nung Ausdruck, daß das Verhälmis zwischen dem Regiment und der Einwohnerschaft sich zu einem dauernd freundschaft­lichen gestalten möchte. Das ist eingetroffen : Manche Fäden von Person zu Serien, von Familie zu Familie, haben sich in den langen Jahren angeknüpft und das Gestühl des Zu­sammengehörens fand besonders sichtbaren Ausdruck in der Beteiligung aller Bevölkcrnngsschichten an der am 18. Februar 1913 hier stattgefundenen Hundertjahrfeier des Regiments. Nun ziehen die letzten beiden Schwadronen hinaus, um als Freiwilligen-Formalioncn dem Vaterland zu Hilfe zu eilen, genau wie damals, als Lützows schwarze Schar, bte, frei» loidig, auf dem Willen des einzelnen beruhend gegründet, anszog, um an der Wiedererrichtung unseres Vaterlandes nach schmachvoller Unterdrückung miizuhelfcn. Der Garnison- älteste, Herr Oberstleutnant Ritter ». Poschinger, Der« abjchiedete sich von den Schwadronen mit folgenden Worten.'

Ulanen! .

Die 1. und 2. Frciwilligen-Lrkadron verlasse« morgen und über morgen die Garnison, nm beim Ostschutz Verwendung zu finden. Da' mit scheiden die letzten Teile vom Stamm des Regiments und da- Lbürmaiickr Ulanenreaiment Nr. 6 hat zu bestehe» aufgehort. Se»