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Geucral-Akzeiger

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Verantwortlich für die Redaktion: Gustav Schrecke» für Anzeigen u. Reklamen: Aug. B r » d t, beide in Hana»

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München vom

Kopfarbeit und Handarbeit.

Bei der N-ueinrichtung unseres Wirt>chafis- unb ffiiTtur« [tHS haben bisher meist immer nur die Vertreter der breiten Masten der Arbeiter und der Angestellten ihre Forderungen nhoben. An diejenigen Angestellten, die sich in leitender Stellung befinden, die nicht nach einem Schema arbeiten, sondern die völlig selbständig geistige Arbeiten zu verrichten jäten, hat man bisher nur wenig gedacht. Desgleichen hat »an auch das Problem der Künstler und Schriftsteller im sozialen Staat wenig beachtet. Man hat es wohl hier und da theoretisch beleuchtet, da man doch so ganz von biedern Thema nicht loskommen zu können glaubte, aber daS Schwer» gewicht wurde doch aus die Interessen der Handarbeiter ge­fegt und wirklich praktische Vor'chläge, wie auch die Interessen der geistigen Arbeiter »ei treten werden können, sind bisher nur in sehr geringer Anzahl vorbanden. Es wäre für unser Volk ein Mt wieder gutrumackenderSchaden, wenn e« im gegenwärtigen Sauf der Entwicklung dahin käme, daß die Kopfarbeiter zu Gunsten der Handarbeiter benachteiligt oder gar ^geschaltet würden. Es wird jetzt so viel davon gesprochen, isß produktive Arbeit den sozialen Staat erst zu einer wirk­lichen Demokratie machen soll, wenn diele Arbeit ihre an» gemessene Vertretung findet. Es dürste deshalb auch wohl »i*t undemokratisch sein, wenn man hier einmal hervorhebt, »aS die Verfechter deS Räleqedankes immer wieder hervor- itien, daß nämlich die formale Demokratie, das Gesetz der Hoheit Zahlenmehrheit den geistigen Arbeitern eine Ver- itfhmg, so wie sie und das Volk sie nötig hat, nicht zu fassen vermag. Wenn hier und da zu Beginn der Revo- We» ^rmucht wuxde, 3?äte geistiger Arbeiter zu Mgen, so waren das doch mehr Dekorationsstücke? die keine praktische politische Bedeutung hatten. Bei best Wahlen M Arbeiterral muß ein Modus gefunden werden, der ben geistigen Arbeitet» eine ihrer Bedeutung entsprechende Vertretung zusichert. Mehr wollen die geistigen Arbeiter licht. Aber das ist eine Forderung, die un- edingt gestellt werden muß. Erfreulicherweise beginnt nun endlich auch eine straffe Organisation der geistigen Arbeiter, und sie regen sich überall, um ein Versinken in den breiten Massen au ver­hindern. Der Schlitzverband Deutscher Schriusteller tritt mit bemerkenswerten Vorschlägen an die Oeffentlichkeit, der Re chsverband der deutschen Presse hat in seiner letzthin statt- zesundenen Jahresversammlung die Vergewerkichaft» lichimg beschlossen. Neben den fre en geistigen Arbeitern veidenen auch jene besondere Erwähnung, die sich als Angestellte in leitender ^ biellung befinden und de jetzt nach den bestehenden Bestimmungen sich noch nicht einmal eine Vertretung in dm Angestellten» Ausschüssen sichern können. Auch diese Angestellten müssen in den Produküonsprozeß eingegliedert werden und gerade sie, ganz gleich, ob es sich um Prokuristen oder Bevollmäch­tige handelt, können bei der Lösung der sozialen und wirt­schaftlichen Probleme in hervorragender Weise Mitwirken. Stellen sich die Handarbeiter aber allein auf den Boden ihrer zahlenmäßigen Ueberlegenheit, so würde daraus dem deutschen Bölke ein Schaden erwachsen, der Nicht wieder gutzumachen ®iit, R.

Zu den Verhandlungen in Versailles.

DDP. Versailles, 5. Mai.

Aach den letzten Nachrichten wird, lautVoss. Ztg.*> der ^tberieichunz des Textes des Präliminar friedens auch Mar- fchall Foch beiwohnen. Die Ueberreickung wird in de« "oßen Spei'esaal des HotelsTrianon-Polast* stallfinden, zum ständigen Versammlungssaal der Entente mit den Deutschen bestimmt sei. Nur die feiet liebe Unterzeichnung M Vorfrikdensveriragrs wi d im Schlosse von Versailles in ^r Cpiegelgallerie vorgenommen werden. Der Spn'esaal "t! HotelTlianou-Palast" liegt zu ebener Erde mit zahl­reichen Fenstern nach dem Park Trianon hinaus. In der ^llte ist eine große Huleisentafel ausgestellt, die mit rotem Tuch überzogen und an der 28 Sitze für die Hauptdelegier- len vorgesehen sind. An den Wänden stehen kleinere T sche sur die Sekretäre und Dolmetscher. Außer dem großen Haupiversammlungssaal gibt es noch einige kleinere Konferenz- We, die frühere Hotelhalle und zwei kleiner anschließende die für Besprechungen der Hauptd legierten unter sich glimmt sind. Gestern fand in einem dieser Säle der Aus- iausch der Vollmachten statt. Im butten Stockwerk sind für °n deutschen Delegierten biet' aneinanderstoßende Hotelzimmer ,U|9mcbt(t, in welchem sie sich zu ganz vertrau ichen Be- kaiungen angeblich ungestört einfinden können. Es ilt fest- llen, daß die ersten engeren Berührungen der deut'chen ^ksse mit der verbotenen Außenwelt, insbesondere mit alliier» Llsstjierrn sich tu sehr weltmännischer Form abspreltm.

Terror befreit.

Iouhaüx als Vertreter für die Friedens­konferenz zurückgetreten.

DDP. Versailles, 5. Mai.

Lèca Iouhaux, Generalsekretär der französischen Gewerkschaften der bei den Demonstrationen am 1. Mai verwundet worden war, hat sein Mandat als Fachdele­gierter der Friedenskonferenz zurückgezogen. Er teilte dies Clemenceau in einem Briefe mit in dem er ferner sagt: Als Vertreter der französischen Arbeiterklassen in die Konferenz berufen, ist es mir unmöglich meine Auf­gabe zu erfüllen, nach dem die französische Regierung die Rechte der Arbeiter in so brutaler Weise unterdrückt hat. Sie haben gegen die Pariser Arbeiter ihre Polizei und ihre Armeen mobil gemacht. Sie haben Männer, Frauen und Verstümmelte mit unerhörter Grausamkeit hinmorden lassen, obwohl sie für sich nur eine Freiheit beanspruchen, die ihren Genossen in der ganzen Welt gewährt wird. Wenn sie diese Freiheit den Arbeitern verweigern, so ist es deren Vertreter nicht möglich für sich diejenige Frei­heit zu erwarten, die er für seine Tätigkeit bei der Konferenz bedürfte.

FranzösischerVerdienstausderSaar-Kohle.

DDP. Versailles, 5. Mai.

Die Franzosen fördern jetzt monatlich 200000 Tonnen Saarkohle aus der Thyssen-Grube. Auf einen Bescheid hin wurde erklärt, daß 40 Mk. pro Tonne gut geschrieben werden. Bis jetzt freilich ist eine Gutschrift nicht ein- ^^^^^^^

an die Schweiz mit 110 Francs und in Elsaß-Lothringen mit 50 Francs für die Tonne verkaufen. Dadurch hat Frankreich einen großen Zwischengewinn erzielt. Von deutscher Seite wurde Protest eingelegt mit dem Ver­langen, den französischen Verkaufspreis als Gegenwert für Lebensmittel gut zuschreiben. Es kommt viertel­jährlich der Betrag von 60 Millionen Franken in Betracht

Neuer amerikanischer Kredit an Italien.

DDP. Versailles, 5. Mai.

Aus Washington meldet der ,.Temps«, daß die Ver­einigten Staaten Italien einen neuen Kredit von 150 Millionen eingeräumt haben, damit Italien die fälligen Wechsel bezahlen kann. Mit diesem neuen Kredit sind die Schulden Italiens an die Vereinigten Staaten auf 1750 Millionen Dollars gestiegen. Nun­mehr beträgt der gesamte Kredit, den Amerika der Entente gewährt hat, 9 238 829 000 Dollar. Aus dem neuen Kredit, den Amerika Italien gewährt die Verhandlungen hierüber gehen bereits seit Januar d. 3s. __ schließt man, daß es nunmehr zu einem Kompro­miß zwischen Wilson und Orlando gekommen ist.

Die ungarische Räteregierung kapituliert.

DDP. Paris, 5. Mai.

Ein Telegramm meldet, daß die Ofenpester Regierung die Bedingungen der Alliierten angenommen habe. Sie bestehen in dem sofortigen Rücktritt der Räteregierung und der Ablieferung aller Waffen und Munition, sowie in der Besetzung Ofenpests durch die Alliierten.

Die Münchener Vorgänge.

6000 Verhaftungen.

DDP. München, 5. Mai.

In München find bis jetzt 5000 Verhaltungen »or- genommen woiden. Schwabing, das Nest der Spartakisten ist heute besonders ausgeräumt worden. Dort ist auch heute vormittag gekämpft worden. Landauer ist wieder verhaftet.

Eine Aufklärungsnachricht deS Reichswehr- ministers.

WB. Berlin, 5. Mai.

Nachdem die militärischen Operationen gegen München zu in Abschluß gekommen sind, wird von zuständiger Seite dazu folgendes mitgetciU: Die vom würitemdergisckm Kne^s- MiNisterium he>ausgeqebent Meldung, daß die Oberleitung in den Händen des ReicdSivehrministers liege, war durchaus zutikffnid. Die würtlembergi^che und baptu'dte Regierung hatten da u ihr Elnvrrstândnis gegeben. Nachdem beträcht­liche Truppenmcngen der Reichswehr nach Bayern in Be­wegung gesetzt worden waren, mußte eine Garantie dafür Lejchassen werben, daß die Operationen auch durchaus «v»

heitlich geleitet und konsequent zu Ende geführt werben würden. Es wäre ein unerfreulicher Zustand eingetreten, wenn nicht die Truppen der drei Kontingente straff zu- sammengelaßt worden und an ihre Aufgabe 5erangegangen wären. Deswegen ist natürlich auch die Acsiungsnachricht falsch gewesen, daß der bayerische Kriegsminister Cchneppenhorst ehe der direkte Vormarsch gegen München begann noch einmal zu Verhandlungen mit den Auf­rührern nach Ingolstadt gegangen sei. Bis zur Ein­nahme München» hatte Generalleutnant v. Oven ledig» lich den Direktiven Folge zu leisten, die ihm vom Reichr- wehrminister zugingen. Nach der Wiederherstellung ge» ficherter Zustande in München geht selbstverständlich auch die militärische Leitung wieder vollständig in bayerisch« Hände über. Die Ueberführung der bayerischen Ver­bände, die in den letzten Tagen aus dem Boden ge­stampft werden mußten, in die Reichswehr wird nun unverzüglich von statten gehen. Aus Bamberg ^rraf bei der Reichsregierung eine Depesche folgenden Inhalte« ein: Der Ministerrat des Volksstaates Bayern wieder­holt die schon früher abgegebene Erklärung, daß die Er­richtung einer bayerischen V«!kswehr sich nicht gegen das Reichswehrgesetz gerichtet, sondern sich unter dem Drucke der damaligen besonderen politischen Lage Bayerns voll» zogen habe. Nachdem in naher Zeit durch die Beendi» gung des von München ausgegangenen Aufstandes eine politische Beruhigung Bayerns in Aussicht steht, erklärt der Militärminister und der Ministerrat schließt sich dieser Erklärung einstimmig an, daß er unmittelbar nach eingetretener Beruhigung dazu schreiten wird, di« Reichswehr, das Reichswehrgesetz und dessen Ausführung», bestimmungen entsprechend aufzustellen. Die schon mehr­fach in Aussicht genommenen vorbereitenden Besprechungen mit dem Reichswehrministerium können alsbald erfolgen. Zum Zwecke von Besprechungen der bayerischen Militär- ange en mit dem 3 Militärminister Schneppenhorst mit militärischer B«-. gleitung am Mentag nachmittag in Berlin ein. ^Ge- neralleutnant von Oven in München, der die Ober­leitung der militärischen Operationen in München hat, erhielt folgendes Telegramm; Für die umsichtige und erfolgreiche Leitung der Operationen in München spreche ich Ihnen meine volle Anerkennung und der Truppeden herzlichsten Dank für ihre Leistungen aus. Oberbefehlshaber, gez. Noske, Reichswehr minister.

Die ermordeten Geisel».

München, 5. Mai.

Die zuerst im Betriebsrat in der Nacht zum Donners­tag im Hofbräuhaus mitgetetUe bestmlische Ermsrdunq von Geiseln hat in der ©labt und auswärts Entietz n hervor- geru'en. Ueber d-eses scheußliche Verbrechen wird von den ^Münch. Neuesten Nachrichten' noch mitgeteilt: Die Er- morbung erfolgte vor Mitternacht im Garten des Luitvold« rold-Gymnasiums. Die Geiseln wurden an die rückwärtige Wand gestellt. Den Befehl zum Feuern gab em Mann der Roten Armee namens Seidel; da die Soldaten des Leib- regimentS sich weigerten, zu schüß-n, wurden auch die Russen veranlaßt, die Ermordung auSzuführen. Einige Geiseln wurden durch Kolbenschläge und Bajonettstiche getötet. Unter den Ermordeten befindet sich auch eine Frau. Die Leichen waren beraubt und derart verstümmelt, daß sie bisher mit Ausnabme von dreien noch nicht erkannt weiden konnten. Bei zwei Leichen fehlt die obere Hälfte deS Kopfes. Die Leichen wurden in das gerich lich-medizinische Institut gebracht. Bis­her konnten unter den getöteten Geiuln fefigcfiellt werden: Studienrat Berger, Essenvabusekrelär Anion Daumenlang und Fürst von Thurn und Taxis (österreichische Linie). Von zuständiger Stelle wird noch mitgeteUt: Es 'onnie noch eine weitere Leiche feftaefteöt werden alsGräfin Westarp. Weiter be» fanden sich unter den Ermordeten auch zwei sächsische Soldaten, deren Namen noch nicht feflnestellt werden konnten. Zu'ze't der Ermordung befanden sich Niffen-Levinö und Dr. Semen t* Keller des' Luitpold-Gymnasiums. Sie wußten von der Tat. auch die militätischen Führer der Kommumsten waren davon unterrichtet, doch gab den Befehl zum, Feuern Seidel auf eigene Faust. Man plant, die noch unbekannten Leichen auszustellen und so ihre Jsontifizierung herbeizuführen.

Folgen der Streiks.

DDP. Essen, 5. Mai.

Krupp teilte lautV. Lokalanz.- seinen Arbeitern mit, das Ausland vergebe, obwohl es seine neutrale Aufträge lieber nach Deutfchand gäbe, seine Bestellungen neuerdings nach Amerika und England, weil es infolge der vielen Streiks befürchte, die Bestellungen würde« nicht erledigt werden. Krupp habe mehrere Auftrag«, auf die er großen Wert legte, infolgedessen verloren.