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'Vecantwortllcher Redakteur: Gustav Schrecke».
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Nr. 100
Ferniprechar. | $ I « ß Redaktion 048 — Erprdi ton 88t
Mittwoch den 30. April
Fernlprechanichliß
Redaktion R40 — Trueditian 28t
1919
Wilson und die Friedenskonferenz
Versailles.
Der Sonderzug, der am Montag Nachmittag von Berlin abfuhr und der dazu bestimmt ist, die deutsche Friedensabordnung mit allem, was dazu gehört, nach Versailles zu bringen, trägt das Schicksal des deutschen Volkes. Nur noch wenige Tage trennen uns von der I Kenntnis jener tausend Artikel des Vorfriedens, aus denen wir dann ersehen werden, was unser Schicksal werden soll und ob wir in der Lage sind, dieses schwere Schicksal zu tragen. Ein holländisches Blatt hat jüngst behauptet, unsere Unterhändler brächten nach Versailles nichts mit als eine leere Brieftasche und das Bild Lenins. Das ist eine Formel die wir nicht ohne weiteres gelten [ lassen können, sondern die Mehrheit unserer Volks- ? genoffen verlangt mehr von unseren Unterhändlern. Sie verlangt, daß nun endlich das Wort wahr werde, das alte Vibelwort, das stets zum Weihnachtsfeste erklang: I „Friede auf Erden allen, die guten Willens sind.« Wir I sind die Unterlegenen. Wir haben teige politischen I Druckmittel, haben nicht mehr die Machtmittel der alten I Politik, aber wir haben den guten Willen zu neuer I Weltanschauung. Unsere Unterhändler, wenn sie nun wieder in jenes Versailles kommen, können nur den I Gedanken des Rechts vertreten. Die deutsche Delegation I bringt den Entwurf eines Völkerbundes zur Stätte der I Verhandlungen mit, der auf dem Boden des Rechts und I der Gerechtigkeit gewachsen ist. Hoffentlich ist dieser I deutsche positive Gegenvorschlag nicht der einzige, den I man den Forderungen der Gegner entgegenzustellen ver- " Stag. Es ist dem deutschen Volke von der Regierung
frieden ännehmen können sind daß die deutsche Ab- ordnung sich nicht auf einen Butz-, Sühn-, Gewalt-, Nacht» oder Vergeltungsfrieden einlaffen kann. Noch missen wir ja nicht, wie jener Vertrag aussehen wird, den man uns vorlegt. Die Reden, die wir bisher von Wilson gehört haben, sind'klar, eindeutig und voll echter Menschenliebe gewesen. Wir können uns deshalb auch sicht denken, daß die Entente die Wilsonsformel bis zur Unkenntlichkeit verfälschen konnte. Wilsons Programm- punkte waren derart, daß der Peist, der in ihnen lebt, völlig klar ist. Es ist der Geist der Gerechtigkeit, und um im Geiste der Gerechtigkeit kann die Ausdeutung im einzelnen erfolgen. Tüfteleien und Verdrehungen sind mit einem solchen Frieden unvereinbar, wie der Raub des Sachgebietes und die Polonisierung Danzigs mit
über das R,
ihm unvereinbar sind. Alle, die jetzt zum Friedenswerke schreiten, mögen sich bewußt sein, daß sie Schicksal der Welt entscheiden.
Wilson gibt nicht nach.
DDP. Lugano, 30. April.
Die Wilson nahestehende „Chicago Tribune" behauptet, Wilson fei entschlossen, eher die Konferenz zu verlaffen und einen Sondervertrag mit Deutschland zu schließen, als irgend einen der amerikanischen Grundsätze M opfern. Wilson wolle ferner eine neue Botschaft erfassen und fest [teilen, daß Clemenceau wie Lloyd George seine Erklärung zur Adriafrage vorher kannten, sie vollauf billigten und Wilson rieten, kein Sota daran ra ändern.
Unsere Kriegsgefangenen.
DDP. Haag, 30. April.
Aus Paris wird laut „B. T." aus amerikanischen Preisen gemeldet, daß die Absicht besteht, die deutschen Kriegsgefangenen so lange zu dem Ausbau des ver» wüsteten Nordfrankreichzu verwenden, bis eine enilprcchende Anzahl von Arbeitern aus Deutschland an die Stelle der Kriegsgefangenen treten wird.
Unsere Kolonien.
DDP. Bern, 30. April.
Eine der Klauseln des Vorfriedens wird von Deutschland den Verzicht auf seine Kolonien verlangen. Eine von Japan, Frankreich, den Vereinigten Staaten ^d England genehmigten Klauseln besagt, daß die Werung, die ein Mandat dazu »rhält, auf den ehe- I öligen deutschen Gebieten alle nötigen Dispositionen Men kann, um die Deutschen in ihre Heimat zurück- Mringen. Aus diesen Klauseln geht hervor, daß sich deutsches Plebisstt nicht mit der definitiven Ent» ^sidung über die Kolonien zu beschäftigen hat.
Die deutsche Friedensdelegation.
WB. Bern, 30. April.
Die telegraphische Verbindung des Hotels du Reservoirs, wo die deutschen Delegierten abgestiegen sind, mit Frankfurt a. M. ist hergestellt. Der Trianonpark ist den deutschen Delegierten zur Verfügung gestellt.
Der 1. Mai.
- Berlin, 30. April.
Die preußische Regierung erläßt eine Bekanntmachung, nach der der 1. Mai 1919 als allgemeiner Seiet» tag wie die übrigen gesetzlichen Feiertage gilt Soweit wie möglich, soll der Güterverkehr ruhen.
-Berlin, 30. April.
Infolge der Maifeier werden am 1. Mai in Berlin keine Zeitungen erscheinen. Auch am Freitag morgen werden die Zeitungen leine Ausgaben herausgeben.
= Ludwigshafen, 30. April.
Die französische Besatz ungsbehörde hat den 1. Mni als Feiertag erklärt.
= Bern, 30. April.
Clemenceau h<rt die Maiumzüge genehmigt.
Die Stettiner Unruhen.
DDP. Stettin, 30. April.
In Gegenwart des Kommandierenden Generals haben beim Oherpräsidenteil unter Hinzuziehung von Vertretern einerngunff^^ führten. Es wird gegen die Schuldigen eine strenge Untersuchung eingeleitet werden. General von Stockhausen hat sich bis zrzr Erledigung des Zwischenfalles der vorgesetzten Behörde zur Verfügung gestellt. Ein wegen des Aoischenfalles eingetretener Sympathiestreik ist infolge des befriedigenden Verlaufes der Verhandlungen -beendet.
Einigung der Jenaer Sozialisten.
. DDP. Jena, 29. April.
Äie sozialdemokratische Arbeiterschaft aller drei .Gruppen ist heute früh laut Voss, Ztg. in den politischen Streit getreten, obwohl die Regierungstruppen gegen deren Anwesenheit sich die Demonstration richtete, in der vergangenen Nacht mit unbekanntem Ziel abgezogen sind. Der GemeiNdevorstand und die Gemeindevorsitzenden ersuchen.die Bürgerschaft, von einem (5egenftreit abzusehen, um nicht die Lage zu verschärfen. Zur Maifeier haben sich die drei sozialistischen Parteien Jenas vereinigt. Die Einigung hat sich auf dem Boden der extremsten Forderungen vollzogen. Offenbar haben sich die Mehrheitssozialisten völlig einschüchtern lassen. Zu den Forderungen gehört nicht nur die Beseitigung der Regierung, sondern auch die proletarische Räteregierung und die Verbrüderung mit Sowjet rußland und Sowjetungarn.
Die Wirren in Bayern.
WB. Augsburg, 30. April.
Die Regierungstruppen sind, geante in Starnberg eingetrosfen.
WB. Nürnberg, 30. April.
Aus I i^g olstadt wird berichtet, daß sich die Verhandlungen mit der Rüt«rcpublik in letzter Stunde zer
schlagen haben.
WB. Ansbach, 30. April.
In der Nähe ist ein Flugzeug mit zwei Insaffen, die Flugblätter für die Regierung Hoffmann abwerfen wollten, abgestürzt. Die Insaffen sind tot.
= Berlin, 30. Aprik. (Privattelegramm.)
Dem „Berl. Tagebl." berichtet ein Gewährsmann aus ; Bamberg, daß es zwischen Levine und den Münchener Kasernenräten zu ernsten Differenzen gekommen sei. Die letzteren wollen mit den*Soldaten der auswär. tigen Garnisonen verhandeln, was Levin« verhindern will.
Lebensmitlelzulagen im besetzten Gebiet. |
WB. Bern, 30. April.
Nach Lyoner Blättern ist begiessen worden, den sieben - Millionen Deutschen in den besetzten Gebieten eine tä g» | liche Lebensmitte 1 zulage von 930 Gramm zu- | zuweisen, ' •
AnsHanauStadtnnd tand.
Hana«, 30. Aprik.
Die Fett- und Fleischversorgung des Landkreises
hat im Augenblick besonder« kritische Zeiten kurchzumachen. Die Klagen der Landwirte über die Eingriffe in ihre Viehbestände und die durch die Niedrighaltung der Schlachi»i«h» preise verursachten Veriuste sind allgemein bekannt und teer» den jetzt, nachdem im benachbart^' Hess n die Preise herauf» gesetzt sind, mit besonderem Nachdruck erhoben. Ob für Preußen die gleiche Erhöhung durch; »setzen sein nnrk, ist zweifelhaft und nach der grundsätzlich ablehnenden Stellung- nähme des Reichsm'nisterium« vorerst kaum zu erwarten.
Umsq erfreulicher ist es daher, daß den amtlichen Stelle« unseres Kreises nunmehr eine Belieferung mit erheblichen Mengen ausländischen Svecks und Schweinefleische« für die nächste Zeit zugesichert worden ist. Zunächst ist angeordnek worden, daß der im Kreise gesammelte Hacwhallungskpkck dort für dieJndustrieoite verbleibt und an die Heranwachsenden Kinder, werdend»« und stillenden Mütter, Kranke und sonstigen notleibenben Teile der Bevölkerung verteilt w rd Näherânweisnug erfolgt darüber in den nächsten Tagen durch die Kreisfleischstelle.
Von wesentlich größerer Bedeutung für die Allgemeinheit ist die in nahe Aussicht gestellte Anlieferung von 50 0 8 t r. ausländischer Schweinefleisch- Produkte. Die Ausgabe an die Versorgungsderechtigten erfolgt nach Weisung und auf Zusatzkarlen des Kreises unter Zugrundelegung einer Wockenkoomenge von 12» Gramm. Die 500 Ztr. mästen für m ndestens 4 Wochen autreichrn, beveutrn aber auch mit dieser Einschränkung eine außerordentlich srwünichte Erletch erung unserer im Augenblick besonders
ueber Sie »ander Fn lense vertMgte Nk?ssch!iesung Bptub' Haft arbenslo er Perionen von der Belirierung mit Zusatz- ledevsmitteln sind durch den Siaatskommrffar .für Volks- ernährung besondere Bestimmungen getroffen. Als schu. dHast arbeitslos anzu ehe» sind nur diejenigen, welche den ihnev nach § 8 der Verordnung über Eciveroslosen'üNorge vom 13. Nov 1918 (R.-G.-Bl. 1305) obliegende,, Verpflegungen' nicht Nachkommen, d. b. nachgemlesene geeignete Aiberr aus- schlagen, sowie Teilnehmer an sogenannlen »müde« Streiks", b. h. Streits, welche ohne Anruiung oder entregen den Beschlüsse» der nach Ker De ordnung über Tarifverträge, Arbeiter» und Angestellten« .«schliffe und Schlichtung von Arbettsstreitigkeiren vom 23 Dezember 1918 (R.»G.-Bl. 1456) zuständigen Schlichtungssrellen begonnen worden sind, oder forigesetzt werden. Es ist zu Hoffey, daß von diesen ein- schlänkenden Bestimmungen nur in seltenen AuSnahmesâllen wirb Gebrauch gemacht werden muffen.
Liederabend von Marion Oblf-Vick.
Eine zahlreiche Zühörerschar versammelte der Lieder« abend, den Frau Ohl f- Vick gestern in der Central- Halle veranstaltete. Neben der Konzertgeberin war Fräulein Lisa Keller, Frankfurt, rezitatorisch be. schäfligt, und die Damen Anni und Pauli Weiffenbach sangen Duette zur Laute. F r a u V i ck trug zuerst Lieder von Richard Strauß vor. Ihre wohlgeschulte, in alle« Registern trefflich ausgeglichene Stimme brachte, in Ver. bindung mit gefühlswarmem Vortrag, alle Feinheiten bestens zur Geltung. So vor allem in dem ^Traum durch die Dämmerung". Hatten wir hier Gelegenheit uns ihrer leicht ansprechenden Kopftöne zu erfreuen, so brachte andererseits Fischhoffs mächtige „Hymne", d' Alberts „Das Mädchen und der Schmetterling" und Feinkomisches wie „Eeburtsta^slied" und „Tanzliedchen" manch andere Saite ihrer Stimmtechnik zum Erklingen. Li s a Ke l ler spricht gut und giebt ihren Gestalten Blut und Leben. Die ernste Muse zeigte sie in ihrem eigentlichen Element. Das bewies der von starken Impulsen getragene Vortrag: „Das Iudenmädchen von Worms" und „Das Regiment Forcade bei Hochkirch». Der „Luftlallon" und „Ein Schulexamen" war auf den rechten gemütvoll-lustigen Ton gestimmt. Lieder zur Laute hört man ja oft. Seltener Duette. Eine ganze Reihe solcher im Volkston auf Löw'sche Dichtungen komponierter brachte eine angenehm« Programmbereicherung. Die Stimmen der beiden Damen paffen sich gut aneinander an. Zusammengehen und Aus« spräche war sicher und deutlich. Am Alt hatte die Sopranistin eine warmè Stütze. Gewiß ist bei weiterer Pflege und Entwicklung des vorhandenen Materials einzeln, wie "auch im Zweigesang, manch neue Aufgabe lösbar.
Die Begleitung der Lieder führte Fräulein Lin» Zahn in bekannt dezenter, feinfühliger Weise aus.