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Dienstag den 29. April

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1919

Eine beachtenswerte Aeußerung Noskes

Noske gegen den Terror.

Reichswehrminister Noske hat in Danzig eine beach­tenswerte Rede gegen die Umtriebe der Unabhängigen Md Epertakiften gehalten. Er sagte laut Frks. Ztg. u. a.:

Wir haben das Unglück gehabt, die Geschäfte des Rei- <hes in einem Augenblick zu übernehmen, wie er trostloser vnd unglücklicher nicht gedacht werden konnte. Wir Sozia­listen haben früher gedacht, daß ein gewisser Höchststand in politischer und wirtschaftlicher Beziehung der deutschen Arbeiterschaft eine Bedeutung und Gewalt zu geben im Stande sein würde, daß sie eines Tages unter Nachhilfe von mehr oder weniger starkem Druck die Möglichkeit haben würde, ganz oder auch nur teilweise die Reichsge- Mfte zu übernehmen. Statt dessen sind wir zur Leitung berufen worden, als das Land bettelarm war, alle Macht­mittel zerstört waren und die Wirtschaft des Reiches voll­ständig zum Erliegen und Erlahmen gebracht war! Unsere Leute kamen Hals über Kopf nach Hause, kamen in die Revolution hinein, in Not und Elend, Sorgen, Arbeits­losigkeit, standen vor verschloßenen Fabriktoren und wenn fie. in die Werkstätten hineinkamen, vor leeren Dreh­bänken und leeren Webstühlen. Wir Sozialdemokraten legen unsere ganze Potttik dahin aus, daß wir den Leuten Rechte geben. Wenn der Mensch aber zufrieden sein soll, muß er einen gefüllten Magen haben; solange die Leute nicht satigen.ocht werden können und arbeitslos auf den Straften umher liegen, solange wird eine leidlich zufrie­dene Stimmung nicht aufkommen. Nun sehen wir die be­trübende Tatsache, daß diejenigen Leute, die noch ver MWk Monaten stramm gestanden haben vor ihren Vor-

weitesten aufreißen. Leider finden sie bei einem Teil der Lrbeiterfckaft Gehör, wenn sie mit den wüstesten Phrasen kommen. Ich kann unseren Parteigenossen nicht dringend 5mug ans Herz legen, allen Oppositionen und Widerstän- en gegenüber unter allen Umständen stark zu dem zu stehen, was sie für richtig halten! Eine Anzahl meiner Parteigenossen haben mit einem gewisten Unbehagen meiner Tätigkeit zugesehen, aber wir konnten nicht anders handeln. Ich bin der Ueberzeugung, daß mein Rezept das richtige gewesen ist! Wir dürfen uns nicht auf der Nalse herumtanzen lasten. Wir wollen unsere demokratischen Grundsätze nicht verleugnen; wir haben stets gesagt, daß die Mehrheit des Volkes entscheidet. Dor allem dürfen wir nicht tatenlos zufehen, wenn eine noch geringere Minder­heit als die Unabhängigen, die noch weit links von den Unabhängigen steht, uns den Schädel einfchlagen will! Wenn es sich darum handelt, daß auf einen Buckel ge- priigekt werden soll, so sehe ich nicht ein, daß das gerade Mein £m del fein soll, sondern suche mir den andern dazu <ws! Das allein ist die Taktik, mit der man als vernünf­tiger Mensch vorwärts kommen kann. Mir sind die Stun­den nicht leicht geworden, in denen ich mich entschließen mußte, das Standrecht und andere Dinge zu verhängen; ich habe mir meine Tätigkeit anders gedacht, als in den Straften gegen die eigenen Volksgenosten Maschinenge­wehre und Minenwerfer auffahren zu laßen! Unsere '^4^^^^ den Mut Habens in den Betrieben km TrekhM einer Minderheit entgegenzutreten. Was A das für ein Zustand, daß in einer ganzen Reihe von Trieben meine Parteigenosten die Mehrheit bilden und M wir es dann erleben, daß diese Masten von Arbeitern H aus den Betrieben herausbringen laßen zu Streiks Mittel der Parole:Nieder mit der Regierung! Röte- ^vublik!" Wird der Versuch gemacht, Terror auszuüben 7s nun gut, dann zu einem Knüppel gegriffen und sich zur ^hr gefetzt; das ist doch einfacher, als wenn ich eines ^agce Soldaten hinschicken muß! Unsere Leute müßen M Kurage haben, dann können sie sich gegen politische Hetzereien zur Wehr fetzen. Es ist politische Rückgrallosig- 'eit, wenn- ich aus lauter Anständigkeit aus einem Be­hieb herrusgehe, weil dort eine Anzahl von Großschreiern ks große Mort führt. Ich werde für meinen Teil in den Ttvatsbetrieben dafür Sorge tragen, daß solchen terro- ^tisâ>en Tr/bereien ein Ende bereitet wird, soweit mein dazu ausreicht! Das sind Dinge, die mich natürlich "M zum Liebling einer Anzahl Leute machen. Ich sage wk aber imn er wieder: Einer muß den Dreck ausfreßen, M do fid vorläufig kein anderer dazu meldet, sehe

ein, warum ich nicht den Versuch maV - n kh, aus« Listen, soweit es möglich ist. Das werde ich besorgen, ^ange ich auf meinem Platze stehe! Konflikte werden ^kchgefochten werden, weil sie durchgefochten werden ^ Ich gehe nicht so west, daß ich vor jehM ArbLitsr-

rat in die Knie breche. Aus verschiedenen Betrieben, wo Terrorismus geübt worden ist, wie man sich ihn niedriger und schamloser nicht denken kann, habe ich so Id)« Betriebs­räte entfernen lassen und der Drohung mit dem Streik

sehe ich mit kühler Gelassenheit entgegen. Wenn ich die Staatsbetriebe sozialisieren soll, so ist es blanker Unsinn, -

wenn mich diese Betriebe alle drei Tage bestreiken! Es ist blanker Unsinn, in den Staatsbetrieben bei einem Achtstundentag 2.40 Mark pro Stunde Arbeitslohn zu zah­len, wenn die Werkstätten benutzt werden als politisches Tribunal! Voraussetzung für den Achtstundentag ist in­tensive Arbeit, sonst können wir «inpacken mit uns ganzen Sozialisierung und sind erschlagen bei dem Versuch, auf dem Weltmarkt zu konkurrieren! Die Staatsbetriebe zum Tummelplatz zu machen für Agitationen gegen die Regierung ist ein Unfug, den ich mir unter keinen Um­ständen gefallen laßen werde. Solange ich etwas zu sagen habe, räume ich damit auf. Deshalb habe ich die Span­dauer Betriebe restlos schließen lassen und werde dafür Sarge tragen, daß sie in einer Form wieder geöffnet wer­den, bei der natürlich die Arbeiterinteresten ihre erforder- lidie Berücksichtigung finden werden; dasselbe wird in allen übrigen Staatsbetrieben durchgesetzt. Wir wollen nicht infolge von Echafsgeduld uns zu Prügelknaben einer politischen Minderheit machen laßen! Jeder Einzelne mutz mit frohem Elauben daran erfüllt sein, daß unser Volk trotz aller Röte eine große, schöne Zukunft haben kann, wenn jeder mit dem erforderlichen Eifer und der nötigen Hingabe für.seinen Kreis und dadurch für das ganze Volk wirkt!

Arbeiten.

DDP. Weimar, 29. April.

In Weimar sollen heute die parlamentarischen Arbei­ten wieder ausgenommen werden. Am Vormittag tritt der Hau'shaltsausschuß zum Beginn der Etatsbe­ratung zusammen. Nachmittags von 4 Uhr ab wird der Verfassungsausschuß die erste Beratung des Verfaßungs- werkes fortfetzen. Morgen früh trifft der Präsident der Nationalversammlung, Fehrenbach wieder in Weimar ein. Für den Nachmittag ist der Aelteftenausschuß einbe­rufen, der u. a. darüber entscheiden soll/ob der Friedens- ausschutz in Berlin oder in Weimar tagen soll.

Gegen die bayerischen Kommunisten.

DDP. Landsberg a. Lech 29. April.

Die Ortswehren von Gar misch Partenkirchen und die benachbarten Orts wehren haben lautV. T." bei Frarchant Schützengräben ausgehoben und in dem günstigen Gelände eine Falle für fpartakistifche Auto­mobile, die aus München kamen, angelegt. So wurden diese Automobile, denen der Rückweg abgeschnitten war, abgefangen. Die Ortswehren nahmen drei Automobile fest und töteten 10 Spartakisten. 20 Spartakisten wurden gefangen genommen.

Zur italienischen Krise.

DDP. Zürich, 29. April.

In amerikanischen Blättern heißt es, daß die Unter­zeichnung des Friedensvertrages auch ohne Italien mög­lich fein werde. Man behauptet sogar, daß die Verpflich­tung im Londoner Vertrag, kein Sonderabkom­men mit Deutschland abzuschließen, durch den Waffenstillstand vom 11. November aufgehoben sei. Italien habe tatsächlich gegen Deutschland nur die Wie­dergutmachung einiger Torpedoschäden und Beschlag» nähme des italienischen Eigentums in Deutschland geltend

zu

machen.

Demonstrationen gegen Amerikaner.

WB. Agram, 29. April.

In FiuM kam es zu Demonstrationen der Italiener gegen die Amerikaner. Amerikanische Offiziere wurden auf der Straße mit Pfuirufen begrüßt.

VerletzungDorWiiffsnsti^

WB. Agram, 29. April.

Eine Belgrader Zeitung meldet, daß 180 bulga­rische S oldaten entgegen den Bestimmungen der Wafsenstillftondsbedingungen in Strumitza cinge­drungen siâ

Russische Hilfe für Ungarn.

DDP. Stockholm, 29. April.

Die Truppenzusammenziehungen für bie Hilfsaktion Rußlands zugunsten der ungarischen Sowjetrepublik neh­men besonders in Südrußland nach den letzten hier ein­treffenden Meldungen einen beachtenswerten Eharakber an. Es soll beschloßen worden sein, daß schon in den aller- nächsten Tagen mehrere gut diszipliniert« Armeekorps, die zurzeit in der Richtung von Kiew zusammen gezogen werden, in Richtung Bessarabien in Marsch gesetzt werden. Trotzkij verlas im Sowjetausschuß ein Telegramm Bela Kuns, wonach die Lage der Buda­pester Regierung zwar ernst sei, die Regierung sich aber unter allen An.siänden halten werde, wenn ihr ein an­nähernder Termin für das russische Eingreifen bekannt ge­geben würde. Darauf wurde beschloßen, zu telegraphieren, daß die Expedition in etwa 10 Tagen erfolgen werde. In Südrußland finden fortgesetzt Einberufungen statt. Selbst der Krim geht man bereits zu Aushebungen über.

' x Das Streikfieber.

DDP. Oppeln, 29. April.

Gestern sind plötzlich im Industriebezirk überall Streiks ausgebrochem Di« Elektrizitätswerk« haben die Arbeit noch nid;t ausgenommen. Die Streik- fo-rderungen sind größtenteils politisch. Es wird die Er­setzung des Grenzschutzes durch eine Arbeitermiliz, die Aufhebung des Belagerungszustandes, die Freilasiung politischer Gefangener, seck,5stLndige Arbeitszeit und Selbstverwaltung von Oberschlesien verlangt. Di« Lage ist sehr ernst. Es ist mit einem Generalstreik zu rechnen. Für den 3. Mai ist von polnischer Seite eine groß« Kundgebung geplant als Feier des Tages, da vor 128 Jahren die polnische Derfasiung zustande kam. Polnische

polnische Agitatlon u Armee sehr erregt ist.

WB. Stettin, 29. April.

Als Protest gegen die blutigen Vorgänge am Sonntag traten die Arbeiter der großen industriellen Werke in den Ausstand. Ein Zug von 10 000 Arbeitern zog zur Hafenterasie, wo die Unabhängigen Ansprachen hielten.

Streik der Hamburger Hafenarbeiter in Sicht.

DDP. Hamburg, 29. April.

Am Hamburger Hafen droht ein neuer Lohn« fampf. Eine Massenversammlung der organisierten Hafenarbeiter aller Branchen lehnte das Angebot des Hafenbetriebsvereins auf Gewährung einer Teuerungs­zulage von 1.50 Mark pro Tag ab und beschloß, an der ursprünglich aufgestellten Forderung von 6 Mark täglicher Teuerungszulage unter allen Umständen festzuhatten. Falls bis zum 2. Mai keine Einigung erzielt wird soll bte Arbeit im Hamburger Hasen stillgelegt werden. Dadurch besteht die Cefahr, daß die im Hafen ankonnmenden Lebensmittelschiffe nicht gelöscht werden können.

Im Ruhrgebiet. *

= Essen, 29. April.

Xn der gestrigen Mittagsschicht ging die Zahl bet fehlenden Bergleute auf 6736 gegen 30 894 am «amstag zurück. '

Die Streiklage in Ol-erschlesien.

= Beuthen, 29. April.

Seit gestern mittag hat sich bk Streit lag« in Ober, schlesien wieder verfchlechtert.In Gleiwitz ruht jede Arbeit.

Untersagung der Mai'eier im besetzten Gebiet.

= Berlin, 29. April.

Wie Lyoner Blätter aus Koblenz melden, unter« I ß ^t e der Oberkommandierende der Besetzungsarmee dr« Maifeier.

Entkommen deutscher Krieqsaefangener.

= Berlin, 29. April.

DemL.-A." zufolge ist es in den ätzten Tagen dewst fdwn Gefangenen wiederholt gelungen, aus franzopsi.,e« Gefangenenlagern in der Nähe von Belfort über btt . Schweiz zu entkommen. Ein Zug kam gestern wredet in Basel an, wo er verpflegt wurde.