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Redaktion 846 - CrneblHon $81

Montag den 28. April

Fernfprechaafchluß

Redaktion 846 TrpeLition 23t

1919

Sie IMitoie Ser MMiW in SinSen gefdieitert

In zwölfter Stunde.

V , Don Dr. A. Schultze.

Soeben wird aus Paris die Veröffentlichung des Ent­wurfs für den Völkerbund gemeldet. Danach werden die ehemaligen deutschen Kolonien im Interesse der Zivi- Uation durch dLW ausgewablte Staaten in der Eigen- Mft als Mandatare des Völkerbundes verwaltet, der seinerseits die 'allgemeine Oberaufsicht führen wird.

Das aHo ist die Auslegung, die der vielbesprochene Punkt 5 von Wilsons vierzehn Thesen findet!

Das Endurteil lautet: Deutschland ist nicht mehr wur- mg und fähig, das, was es sich in mühseliger Aljähriger Arbeit da draußen geschaffen, zu verwalten. Und das trotz der glänzenden Urteile, die englische hohe KoLmialbe- amte, wie Johnston, Eliot und auch Amerikaner über deutsche Kolonialorieit vor dem Kriege, ja noch während des Krieges, schriftlich niedergelegt hatten! Trotzdem noch kurz vor Kriegsausbruch von maßgebenden Engländern und führenden englischen Zeitungen viele der deutschen Kolonialernrichtungen den eigenen Landsleuten zur Nachahmung empfohlen wurden!

Es ist so, als ob durch die augenblickliche Wehrlos- »achung Deutschlands alle vernünftigen Regungen bei unseren Gegnern getötet worden seien.

Ma« mache sich einmal klar, was es heißt, daß ein Laud wie Frankreich mit 40 Millionen Einwohnern fein Kolonialreich, das schon vor dem Kri^e an Größe ein Vielfaches der deuücken Kolonien war und M besten Be­wirtschaftung ihm die Menschen fehlten, jetzt noch direkt

Deutschland dagegen mit seinen Mst 7V MiMöMr W tchen soll nicht einen Fußbreit behalten, dasselbe DsuÄch- land, das während des Krieges infolge des Fehlens der Zette und allen anderen Kolonialvrodukten Hunde-rt- umfende von Männern, Frauen und Kinder verloren hat anb gerade jetzt feine Kolonien dringend benötigt, um seine total unterernährte Bevölkerung wieder zu Kräften zu bringen! Diel krasser noch liegt der Fall bei England, dös vor dem Krieg ein Fünfte! der ganzen Erde besaß. Käme es wirklich so. wie die Pariser Meldung besagt, ft Lietze das, das Nebeneinander von unermeßlichem Reichtum und tiefstem Elend, wie es Wr Englarchs Haupt-. Mdt charakteristisch ist, ins Stege übertragen. England Dare in diesem Falle der Mann, der in märchenhaftem Reichtum schwelgt, Deutschland der zerlumpte Bettler. der dum ein Stückchen Brot zum Stillen des nagendsten Hun« vrs bat.

Unsere Regierung darf, wie auch immer sie zusammen­gesetzt fei. nie urL nimmer ibre Unterschrift unter einen Friedensvertrag setzen, der Deutschland feiner Kolonien beraubt! Enn solcher Frieden würde das Elend, in dem Bh leben. zu einem dauernden macken. Es wäre ein Friedensschluß. der So viel gefWrlichsn Zündstoff zurück- lreße, eine solche Dtmosvbäre von Erbitterung und Rach- jucht schaffen würde, daß. trotz des Völkerbundes. Europa binnen kurzem das Elend eines neuen Kriegs erleben Dürde. Das deutsche Volk hat jetzt die Pflicht, viel ener- Slscher als bisher zu verlangen, daß die Wilfonichen Zu- Üchrrungen, die von allen Beteiligten gebilligt wurden, Ungehalten werden: viel lauter und leidenschaftlicher als bisher muß es seine Kolonien zurückverla-ngen, auf die es tin Recht Lat und die ihm eine Lebensnotwendigkeit be­deuten. Nachgiebigkeit und Gleichgültigkeit find jetzt so­viel wie Selbstmord, denn die Erfahrung hat gelehrt, daß Nachgiebigkeit immer nur neue maßlose Forderungen unserer Feinde zur Folge hatten. Wer dauernden Frieden und Ruhe will, der darf jetzt nicht teilnahmslos zusehen, Denn die Fei-Le Deutschlands durch den Raub der Kolo­ßen unsere Versklavung zu einer dauernden machen wollen.

Deutsch-Oesterreich und die Friedensfrage.

DDP. Wien, 28. April.

Wie der Wiener ,Meue Tag" von bestunterrichteter ^ntentefttte hört, entbehren alle in Wien verbreiteten ^erLhte über eine domnächftige Berufung deutsch-öfter- ^ichifcher -Delegierter nach Paris, um an den Beschlüssen bes Diererratv über die zukünftigen Grenzen des deutsch- österreichischen Staates teilzunehmen, jeder Grundlage. Das verspätete Eintreffen der betitlest er. Delegation und ^er italienisth-amerikaaische Konpift verzögerten jede kartier KeWußfassuus über DeutzchL esterreich.

Die Vorgänge in Bayern.

» = Berlin, 28. April. (Privattelesramm.)

Wie demBert Lok.-Anz." aus Nürnberg gemeldet wird, fft die Machtprobe, die bte Nürnberger Kom­munisten angekündigt hatten und die zur Ausrufung der Räterepublik führen sollte, völlig zu deren .Ungunften verlaufen. Das Generalkommando batte im entscheidenden Augenblicke eine so starke mili­tärische Macht entfaltet, daß die Kommunisten selbst mit der Möglichkeit des Sieges nicht mehr rechnen konnten. Der Sonntag ist völlig ruh^g verlaufen. Inzwischen hat eine aus allen Ständen gebildete Bürgerwehr den Sicher­heitsdienst wieder Ausgenommen,

= Bertin, 28. April. (Brioottelegramm.) , Wie derDost. Sig.* berichtet wird, verschlechtert sich die Lage der Münchener Kommunisten zu­seh e n d s. Zn einem Bericht desBerl. Tagebl." heißt es: Ob das Schicksal der bayerischen Hauptstadt durch einen blutigen Kampf entschieden wird, dürfte sich in den nächsten Tagen Herausstellen. Wenn auch die Kommu­nisten einen Kampf um jeden Preis fordern, so ist doch auch die Möglichkeit stark vorhanden, daß die besonnenere« Organe der Räterepublik sich für eine Lösung der Frage aus dem Verhandlungsweg entschließen.

i Differenzen in München.

München, 28. April.

der kurzen Spanne der Räterepublik vom Staate mehr Geld verausgabt worden sei, als von den anderen Regie­rungen in der gleichen Zeit. Er erstatte, mit dem Be- auftragten Axelrod in Differenzen geraten zu sein, da dieser die Vermögensabgabe sofort durchführen wollte, während Maenner sie erst für Ende Mai in AusWt ge­nommen hat. Auch wegen der Beschlagnahme der in den Safes liegenden Juwelen und Wertpapiere izt er in Kon? flikt geraten, da er sich weigerte, die Schlüssel M den Safes auszuliefern, die die russischen Kommunisten ver« langten. Da die Regierung Hoffmann di« Notenpvesie in Sicherheit gebraut hat, versucht bte Räteregierung die Herstellung von Noten auf photochemischam Wege. Maen­ner weist darauf hin, daß, falls die Dachauer Papier» fabrik in den Händen der Roten Garde bleibe, die Aus­gabe von Noten vier bis sechs Wochen fortgesetzt werden könne. Man dürfe? aber nicht wundern, wenn die Re­gierung Hoffmann das als Falschmünzerei bezeichnen werde. Die Bettungen werden morgen wieder erscheinen, die bürgerlichen unter Vorzensur. Di« Buchdrucker haben erklärt, sie würden insgesamt die Arbeit einstellen, wenn den bürgerlichen Blättern das Erscheinen nicht gestattet werde. Zhnen hat sich das gesamte Personal der Zeitungen und Lanknotendruckereien angeschlossen. Levine-Rissen hat dieses Auftreten der Buchdrucker als einen gegen den Bestand der Räterepublik gerichteten Plan bezeichnsr.

Protest der deutschen Delegierten in Versailles.

DDP. Senf, 28. AprN.

Die in Versailles weilenden deutschen Beamten haben demPetft Journal" zufolge Beschwerde geführt, daß der der der deutschen Delegation zvr Verfügung gestellte Teil des Parkes zu eng begrenzt sei. Freiherr von Serener ließ dem Chef des Sicherheitsdienstes Oudaille gestern mitteilen, er wolle nach Versailles hinein spazieren gehen. General Nudant habe der deutschen Delegation verspro­chen, daß sie völlige Bewegungsfreiheit haben werde. Auf die Erklärung der französischen Beamten, daß das nicht ginge, antwortete Lersner:Es patzt mir nicht, auf einen so engen Raum beschränkt zu sein, sodaß es je aussieht, als ob wir Gefangene wären. Wir haben die ftanzöfischen Offiziere anders behanüvlt, die sich in Uniform bewegen durften." Das Ersuchen Lersners, den deutschen Dele­gierten den ganzen Park freizuoeben, wird Herr Oudaille den Lehörd«r übermitteln. (B. T.)

Fiume.

DDP. Wien, 28. April.

Das Wiener Korrefpondenzbureau meldet lautVoff. Ztg." aus Agram: Das ehglitye Bataillon, das zur inter­nationalen Besatzung von Fiume gehörte, ist abmarschiert. Man glaubt, daß eine Volksabstimmung über Fiume ent- »he i Leu wird.

Die amerikanische Presse zum italienische»

DDP. Amsterdam, 28. April. (Prrvattclegrammr.)

DerDaily Telegnoph" yrfschrt ans NeWyork vom 25. April: Die amerilk- :ii^*W^' »^ die öffentliche Meinung fasten die Lage im allgemeinen so ernst auf, wie man nach einzelnen beunruhigenden Mitteilun­gen aus Paris und London erwarten mußte. Man glaubt in Amerika, daß die Italiener das Für und WLer in der schwebenden Streitfrage sorgfältig in Erwägung ziehen und schließlich einsehen werden, daß weder Fiume noch die ganze Frage des Adriattfchen Meeres so viel wert sei wie der Weltfriede. Die Amerikaner glauben, daß die Zta» liener zu großen Opfern bereit sein würden, wenn dies für nottvondig erachtet wird, um sich die Freundschaft bet Vereinigten Staaten, Frankreichs und Englands zu er» halten, die für die Zukunft des italienischen Volkes ein Lebensintereste bildet.

SLreLkdrohung der Eisenbahner.

=, Berlin, 28. April.

Eine von; Deutschen Eisenbcchnerverband einberufene Versammlung, die gestern in Berlin stattfand und von über 8000 Eisenbahnern besucht war, beschloß einstimmig, bett Eisenbahnminister aufzu fordern, bis spätestens 7. Mai diebekanntenForderungenzubewil. ligen, widrigenfalls die Eifenbahiker die Arbeit er «stellen würde«.

Unruhen in Stettin.

WB. Stettin, 27. April.

Heute vormittag war auf dem Schloßhofe von, kommun l^lj^rS^M|lll^|!^eTleH^ll!l^^^ Redner Dr. Schultz-Berlin zu sprechen begann, ertönten von allen Seiten Trohrufe a^f. die Regierung Ebert-Scherdenurnn. Eleichzettig werden von Leuren in Soldatsmmiform nreb- rere Handgranaten geworfen, Lurch welche ein Mann ge­tötet und viele Personen verletzt wurden. Auf ben Red-, ner würben Schüsse aus Armeerevoloern abgegeben; er wurde aber anscheinend nicht getroffen. Der Menschen­menge bemächtigte sich eine ungeheure Panik. Bei dem Gedränge nach den ziemlrch engen Ausgängen sind viele Personen, darunter zahlreiche grauen und Kinder, ver­letzt Wörben,

Der 1. Mai.

DDP. Berlin, 27. April.

An dem durch die Nationalversammlung festgesetzten Feiertag des 1. Mai ruht der Eisenbahngüterverkehr im gleichen Umfang wie an Sonn- und Festtagen. Weirer- gehende Eiâränkungen von Dienst- rmd Aebeitsz-ft würden dastVerkehrslehe« empfindlich schädigen. Insbe­sondere würde die Ausdehnung der Sonntagsruhe auf den Personenverkehr der großen Städte, auf die Straßen­bahnen und ähnliche V«rkehr«untsrnehjnuagen sehr nach­teilige Folgen haben. Eine entsprechende Kundmachung der Regierung dürfte in Kürze zu erwarten sein.

Berliner Straßenbahner und 1. Mai.

= Berlin, 28. April.

Die Straßenbahner Berlins haben gestern die Direk. tion durch ein Schreiben davon in Kenntnis gesetzt, daß nach einem gefetzten Beschluß em 1. Mai die Aroeit von den Arbeitnehmern unterbrochen wird. Eine Be­zahlung für diesen freien Tag wird nicht verlangt.

Intemationale SoMlifienkonserenz.

WB. Amsterdam, 27. April.

Die holländische sozialistische Arbeiterpartei veranstal­tete gestern abend zu Ehren der Mitgliede-r der Z n t e r - »ationalen Sozialistenkonferenz ein Fest­esten im ^tel Krasnapolski. Gestern find Haase, Gerson und Versenowitsch (?) in Amsterdam «ingettoffen. Bern- stein und Kautsky werden abends erwartet. Ueber bte gestrige Sitzung wurde ein otzizieller Bericht nicht aus- gegeben.

Bolschewisten als Brandstifter.

WB, Reval, 27. April.

Am 25. April entstand durch eine Beschießung durch die Bolschewisten in Narwa ein großer Brand. 100 Häuser wurden eim geäschert. 50C0 Einwohner ünb obdachlos. Es wurde eine Hilfsaktion enter Fuhrzorg . der aWerikanifche« KomwiKo« einseleltei.