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Verantwortlicher Redakteur: Gustav Schrecker, ^
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? Redaktion 64® - Ervedkion 289
Freitag den 25. April
F«rnfpr«chanfch»»tz
Redaktion 648 — Ervrdttion 219
1919
Italien und sei
* Wilson und der Weltfriede.
Aus Pan« kommt die Kunde, daß die italienische Dele- gation den Entschluß zur Ab eise gefaßt hat, weil Wil on den italienischen Standpunkt in der Frage Fiumes nicht zu Mltu vermag. Ob noch Verm tielung vorst läge kommen »eiben, bleibt abzuwartrrr. Aus Berlin läßt sich die ^Frlf. A>g°" melden:
A's das im gegenwärtigen Augenblick Wertvollste an W'lsanS Erklärung ist jedenfalls das erneu e Bekenntnis an- zusrhen, daß nickt das Interesse,. sondern das Recht ausschlaggebend für die Regelung des Weltfriedens fein soll. Die'rs erneu'e Bekenntnis ist willkommen zu eurer Z?ü, wo Unsere FrKdensdeleoatron ihre Koffer für Versailles packt. Nicht Machtgier und Interessenpolttik sollen bei der Fest» sepung der Fliedensbedingunaen rutsche dend fein, sondern das Recht üb r die Selbstbestimmung der Völker. Gewiß, Italien treibt Machtpodtik mit seinen Forderungen, gegen die W lson sich wen et, aber genau solche Macht- und Zntei esseupolitik treiben England und Frmrkreich, ganz besonders 684 letzt e, in all' den Forderungen, die auch nach einer kühlen RbwZ >ung des barü^erbis jetztBekanntgewsrdeneu von ihm in den Medrnsbedingungen gegen Deutschland ausgestellt und angeblich orschlsssen worden sind. Selbst der erhabendste Gedanke per völkerbesreienden Gerechtigkeit, der Völkerbund, ist I« Viesen Feststellungen entstellt und zum Instrument von Machtpolilik und JnLeressenverfolgung gemacht worden. Wir werden ja bald authentisch wissen, wie weit Wilson diesen seinen Verbündeten gegenüber von seinen Erund- jß^en schon nachgegèben hat. Aber jedenfalls eröffnet è uMeren âiedeNsheleMUM â...,MMMMLsie M legenhsit. unter Hinweis auf Wilsons Mnâe Erklärung. Be die Fragen eindringlich zu verhandeln, in denen uns gegenüber gegen dis Wilsonschen Grundsätze verfahren Werden soll. Es liegt darin eine gewisse Verstärkung der Hoffnung, daß durch diese Verhandlungen noch ein Resultat erzielt werden kann. Denn man hat immer wieder den Eindruck, daß bei dem, was in den Friedensbedingungen den Polen, Tschechen, Italienern und Franzosen konzessioniert wird, auch eine weitgehende Unkenntnis oder absichtliche Entstellung geschichtlicher, geographischer »nd ethnographischer Tatsachen vorliegt. Da gilt es, mit Zähigkeit Aufklärungsarbeit zu leisten. Nicht nur die Italiener sind getrieben worden durch Machtpolitik und Egoismus, sondern treiben diese auch jetzt noch, wo es um den Frieden geht. Alle koalierten und assoziierten Freunde Wilsons treiben nur mit geringen Gradunterschieden seit Monaten dieselbe Politik.
Kündgämgeir der i-äli-nischer» Pr-ffe.
WB. R-m, 24. April. (Stefani.)
Die Zeitungen sagen in ihren Kommentaren zur dip, lomatischen Lage in Paris einstimmig, daß das italienische Programm das Minium der für Italiens Würde und Licherhrit, ausgestellten Forderungen enthalte. Die »Tribuna" sagt: „In dieser größten Krise des Krieges und des Bündnisses werden wir ruhig und einig sein. Ohne die Intervention Italiens hätten die Bereinigten Staaten keine Zeit gehabt, in den Krieg einzutreten und mit den Deutschen als Sieger rechnen müssen, die rot Mexiko bis nach Japan Amerika eingeengt hätten. Die Märkte Europas wären Amerika dann verschlossen ge, vesen«. Die „Tribuna" entrüstet sich, daß Wilson sich weigert, den Vertrag von London auzuerkennen, da er während seiner zweijährigen diplomatischen Korrespondenz nie erklärt hat, daß er ihn nicht anerkenne. Die Zeitungen heben hervor, daß Wilson, der nur éin ein. ziges Regiment gegenüber zwei Millionen an anderen Fron en nach Italien geschickt habe, kein Recht habe, von den Italiern zu verlangen, daß sie auf ihre Ansprüche verzichteten. Der „Sortiere d'Italia" hebt hervor, daß die von den italienischen Parlamentariern an Orlando gerichtete Depesche die Unterschrift von Politikern aller Parteien tragx. Diese Einmütigkeit entspreche der Einig, leit der öffentlichen Meinung des Landes, das die Verwirklichung seiner Mmimalforderungen verlange. Der „Epoca" hebt hervor, daß der Augendl ck äußerst einst st „Dre Ver- anuvoriung unserer DUeg-erten," sagt sie, „ist sehr gioß; mit b-ängstigende Unruhe muß ihre Herzen erfüllen. Um hierfür einen Begriff zu bekommen, muß man dazu die Situation ganz Italiens zum Maßstab nehmen/ DaS „Glornale d'Jlaiia" sagt: .One Jiali ns Freundschaft wären die Dinge der letzten fünf Jahre ganz andeis ge« kommen." Nach der „Zdea Nationale", werden alle Italiener sich um die iialien'lche Friedensdelegallon scharen. Das Platt schließt feine Betrachtung mit der Ermahnung, Mgn wüsje mit Disziplin warten unb# wen» die Stunde gekommen â trvWâ m MaferiÄ ma«m». -
t Machthunger.
Was Orlando sagt
WB Amsterdam, Ss. Apnl.
Nach dem Reuterfchrn Büro erklärte Orlando, daß feine Kollegen vielleicht noch einige Tage in Paris verweilen würden und fügte hinzu: Wir verlassen Par'S nicht, um mit den Citierten zu brechen, wir werden sie nur ersuchen, die Wahrung unserer Interessen zu übernehmen.
Die deutsche Fristzensderegation.
= Berlin, 25. April.
Der Ministerrat hat beschlossen, daß mit der deutschen FnedenSdelkgaiwn 15 Pressevertreter mit nach Versailles reifen. Der Esnderzug verläßt am Montag mittag Berlin und trifft Dienstag gegen Abend in Versailles ein.
Auslieferung des Imperators.
= Hamburg, 25. April.
Der Dampstr »Imperator" soll in der nächsten Woche an England ausgeliefert werden.
Die Düsseldorfer Opfer.
«2 Düsseldorf, 25. April. fPrioaièelegramm).
Nach /amtlicher Feststellung wurden bei den letzten Unruhen 40 Zivilisten und 10 Soldaten getitet# sowie . 14<L j^iij^ uM II EalèalM^ «ermtwbet „
WB. Essen, 25. April.
Nach Mittelung des Bergbaues hat die Zahl bet «Streik nben wieder ab genommen. In den Bergwerken von Lünen, Werden, Wanenscheid, Witten, Nord- und Süd« Bochum und Dortmund III kann der Ausstand «18 er" löschen angesehen werden.
Ausschreitungen in Hindenburg.
WB. Hindenburg, 25. April.
Nach dem Oberschl. „Wanderer" haben die schweren Ausschreitungen in Z a b o r z e in Hindenburg eint traurige Fortsetzung erfahren. Da eine Versammlung von etwa 3000 Personen gegen das Militär eine drohende Hal- tung annahm, war dieses gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Bei der ELubrrung der Straßen wurde ein l7jähr,ger Bursche getötet.
Große Offensive der Polen.
WB: Amsterdam, 25. April.
Nach Reuter begann die polnische Armee in Sitauen auf einer Front von 150 Meilen eine große Offensive, die noch im Worrückrn begriffen ist. Dit Polen machten be- irächtilche Beute.
Die Kommunalisierung der Francn
In der „Südd. Dem. Korr." schreibt Dr. F. Liebl: ?,Aus dem bolschewistischen München wurde jüngst ge. melbet, daß die dortigen Kommunisten sich mit dem Ee- danken der „Kommunalisierung der Frauen« trügen. Co weit man bisher übersehen kann, ist diese Idee noch nicht verwirklicht worden. Der Plan verdient es aber keines, wegs, bloß als Witz oder Zeitungsente bespöttelt zu werden. Die Münchener Bolschewisten folgen in allem und jedem ihrem russischen Vorbild. In Rußland aber ist dieser Plan schon in mindestens 14 Distrikten verwirklicht worden. Er hängt zusammen mit der Idee des Bolschewismus, neue Menschen zu züchten. Lenin, das- Oberhaupt der Bolschewisten, vertritt schon in seiner Schrift „Staat und Revolution« den Gedanken, daß die heuugen Menschen für die kommunistische Wirtschaft vielfach noch nicht reif seien. Deshalb müßten die auserwählten Menschen, nämlich der „Vortrupp des Proletariats«, d. h. die überzeugten Kommu. nisten, eine „Diktatur des Proletariats" aufrichteru Unter dieser „Diktatur des Proletariats*, die fdton einige Ge- schlechter bau^n? konnte, würden die Menschen durch „Ge- roobnung* und Zwang in ihrem Wesen umgeb IM werden. Während die hultigen Meufchen vielfach nur aus Angst vor Rot atbeiteten, werde für diest Menschen der kommunistischen Zukunft bie Aâit das „oberste Bedürfnis ihre« Lebens" »»erde«- Oe Me rücke« würde» MW «t« innerem Triebe
heraus so tüchtig arbeiten, daß jeder alles erhalten könne, was sein Herz begebre. Die darwinistttch denkenden unter den Bolschewisten aber begnügen sich nicht mit dieser Züchtung der neuen Menschen durch Gewöhnung. Eie modelt auch das zweite Prinzip Darwins, nämlich bie geschlechtliche Zuchiwahl für dir „Züchtung" wahrhaft kommunistisch gesinnter Menschen nutzbar machen. Deshalb haben sie in zahlreichen Teilen Rußland« gesetzlich bestimmt, daß alle Frauen und Mädchen im Alter »an 18 bis 36 Jahren zu kommunalisieren sind. Diese Frauen, im besten Alter, werden in Kaseinen, Stiaßm ww^ zusammen« gesperrt. Der Staat übernimmt die Sorge für ihren Ledens« unterhalt. Ihre Kinder übernimmt wiederum der Staat gab erzieht sie zu „klassenbewußten Pro'etariern", das heißt Kommunisten. So glauben die radikal derwinistilch gesinnten Bolschewisten neue Menschen zückten zu können, die sch»« durch die Zeugung jene Eig-nichaftcu vererbt erbalten, bereit fommumftiidie Menschen bedürfen, wenn ihre Staats- und Gesellschaftsordnung B-stand haben soll. In München ist b est Züchtung kommnunistischer Kinder, wie schon gesagt, bisher nur erörtert, aber noch nicht eingeführt worden. Es darf aber nicht übersehen werden, daß gerade in München viel« Darwinisten und Rassetheoretiker zu dem Dolschewismus übergegangen sind, b. h. Menschen, denen derartige Züchtungs- gtbanfen nabeliegen. Außerdem wirkt auf sie das russisch» Vorbild, baS sie in allem sklavisch nachahmen. Der EitlhusiltSmus und bie Geistesgestörtheit, bie vielen Bolschewisten eigen ist, läßt anbei bem darauf schließ«», bab sie «Gel v«t suchrn werden, ihre Religion zu verwirklichen. Senn als solche sehen str den Bolschtwismu« an. Gelingt e« also nicht, die bolschewistische Dewrgung niederzuhalttn, so droht der Ebre und der GesunbheU unserer Frauen und Mädchen bie größte Erfahr«
Die Eenrokr«tkfitr«nS der vrsntzifckeN Berwaltnus
Sie die Politischen Informationen bSren, soll die vom Minister- vräsldknttn Hirsch in Aursickt gestellte Demokratisierung der vreuhischtn Verwaltung nach Möglichkeit vor der Vertagung der prenhiichen 2mt- deSversammlnng zu den Sommerferien in der Hauvtiache erledigt werden. Im wesentlichen dürfte ihre DurchfLbning nach zwei Hause- gesicktsvunkten erfolgen. Einmal wird die weitere Besetznng der wichtigsten Aemter mit der Regierung genehmen Persönlichkeiten, also der Personmwechskl in durchgreifender Weise weiter zu führen fein, tmb dann handelt er sich um eine Vereinfachung der Äerioaltung. Eie vrr- lautet, werde« die Oberpräsidenten von Ostpreuge« v. Patocki, von Sachsen v. d. Schulenburg, von Hannover v. Rechter sowie die von Rheinland und Westfalen auf ihrem Posten zunächst verbleibe«, < während die übrigen Oberpräsidentenstellen entweder neu besetzt sind, oder neu besetzt werden. Man rechnet ferner bamit, daß etwa zwei Drittel der alten Reglerungtzvräfidenten zurücktreten, uns da» über 100 Landratstellm ihren Inhaber wechfettt werten. Ob die Vereinfachung der Verwaltung den Wegfall der Oderpräfldenlen oder der RtgierungSvröfidrnLen bringen wird, steht zurzeit noch dahin.
Deutfche Echo »de. Unter dieser Spismartr lesen wir in bet .Deutsch. Tgztg.": Sm v'orzdeimer Äeichâftoman» teilte einem Freuade unseres Blatte« mit, daß gewisse Sehnten dieser Stadt zurzeit eine günstige Konjunktur baten, weil sie ein grobe! SeschLit in Eiserne» Kreuzen machen, die die Satextesoldaten »ameatilch die Amerikaner, al« Anbeuten kauften; eine Fabrik allein -ade einen Auftrag von 150 OOo Eiserne» Ärenjen in Arbeit!
Die EntschüLbguvssansprüch«. Die „Zimas" vom 21. A^rU onöf^ntlidjt einen Bericht ihres Pariser Korrespondenten iw dem gesagt wird, Msrschall Foch, General Wilson unb EeaeraL Blitz hätten bereits ihren Plan fertig, falls Deutschland das verlangte Programm nicht ausführen sollte. Man nimmt an, daß diese Pläne eine Ausdehnung der Befetzungszone in Deutschland und bie Besetzung der deutschen HSfe« durch die eirglifche Flotte in sich schlössen. •
Die Deutsche KolenialgefrMcheft, Abteilung Berlin, nähr» eine Entschließung an, in welcher sie die Erwartung aussprichr. Latz die Reichsregierung bei der Friebensverhandlungen mit stärkstem Roch druck auf Rückgabe unserer Kolonien bestehe. Ein Frieden, der uns unsere Kolonien raubt, wäre für Deutschlarst* unerträglich. -
Eine n«chahmensn7«rt< Maßregel. Der Stadtrat zu Dresden beabsicktigt, den .^. N. N." zufolge, für bie männlichen «â weiblichen Erwerbslosen im Alter von 14 bis 17 Jahren Schvl- unterrid tsfarfe einzurichten. Der Unterricht soll schon Anfang Mai beginnen und täglich mehrere Cturden dauern. Wer ihn nichtMegelmätzig besucht und sich nicht gesittet benimmt, dem soll die Ertrerbsldsenunterfilitzung entzogen werden.
In Srnunf^wet g sind die früheren Bolksbeauftr-M«» O e'r t e r und Eckardt auf Anordnung des Reichswehrmt. Nisters ans her fast enttnen worden. Das Verfahren gegen sie wird dadurch nicht berührt. — Die Meldung, dah der amerikanische Lebensmittelkommissar Hoover in Berlin eingetrofteR sei, bestätigt sich nicht; dagegen wird heute gegen mittag ein Mitglied seiner Kommissio i in Berlin eintreffen. — Der Rerchs- anzemer veröffentlicht das Eesetz bett, die Aenderung bw Kriegs st energesetzes vom 21. Juni 1916 (N-b-^W. Seite 561) und eine Verordnung zum Schutz gegen die Wirkung bet Stillegung der D a n k b et r i eb e. — Die Anklagesache aeaen den Abgeordneten Ledebour soll, wie es heiht, in i^t nächsten Èdn trctridtetagung am Landgericht I in Borlrn jOc VerhamdliMg gelangen und zwar im Mai.