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GeneM-Anzeiger
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Verantwortlicher Redakteur: Gustav Lchreiketz,
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Nr. 93
Ferniprechanfchl sst
Nedukil^n 640 — Eruedl lmi 28®
Dicnstag den 22. April
Fernlprechanfchkuß
Veboftton 046 — Ervebittor. 28®
1919
WWM WM SmInWzlNt ÖH® MM«.
DiZ Aussichten unserer Ernährung.
Der N-icksernährungsminister Schmidt hat vor einer Anrahl von Pressenertreiern die Laue der deutschen Volks- Mäbrnnq für das lauernde Wirtschiftssahr dargeleg«. Was rsr allem an seinen E klâ>n"gen auffällt, was als Refrain immer wiederßebrte, ist die Fkststeüung der vollkommenen Abbängia'eit der Ernährung von dem ungestörten Fo'tgang her öffentlichen Wirt-chaft. Die fortdauernden Streiks, br- f-nders b e vet' änqni^volle Einstellung der Kohlenförderung, jaden Folgen nach sich gezogen, von denen die Oeffenllickke't auch h-ute noch keine Abnnng Hai. Der Transport vorhandener 8ebensmi"el gerät immer von neuem ins Stock n, weil die Bahnen infolge des Mangels an Kohle N'chi funktionieren, große Bestände an Nahrnngsmiiteln müsten ,u ssninde geben, weil sie ihrer V'rwertttnq nicht znqeiührt werden können. D»r Landwi'isckast fehlen die künstlichen Düngemittel. Die S'ick'affwerke können nickt produzieren, weil sie keine Kohle zum Heizen der Kessel ha^en. Im Anstand sinkt liniere Va'uta immer mehr, sviulagen von Tag zu $na, weil nimand mehr das Vertrauen in untere Zukunft hat, auf ^runb dessen allein Kredite eröffnet werden. Die unmittelbare Folge davon ist, daß auch die Einkäufe 'M Aus« land, die wir auf irgend eine Weise noch zu begleichen verwögen, uns doch von Tag zu Tag and von Woche zu Woche teurer zu st-hen kommen. Die Belastung gerade des kleinen Mannes steigt dadurch ins Ungeheuerliche. Man erinnert sich des hkfiiqen Streite» der Anhänger einer Beibehaltung her Zwangsmirtlcha.t auf der einen und der Anhänger einer Meiaabr deS Handels auf der anderen Seite. Nun, das küchsernährnngSministermm hat es zu ve tchiedenen Malen Sersuchi, so west eS heute angängig war, einzelne Produkte d'M freien Handel zu überlasten. Welcke Folgen das gezeitigt hat, ergibt sich am drastischsten durch das Beispiel des Eierhandels. Wenn Produzenten und Händler nicht in absehbarer Zeit zur Vernunft und Billigkeit znrückkrhren, wird nichts anderes helfen, als auch hier wieder die -wangsweise Newiitfchastung einzulühren. Selbstverständlich ist und bleibt ter speie Handel, die Entfaltung der ungehemmten Konkurrent, der SbraigiiRanb. In den meisten Fällen ist er aber heute schon aus dem einfachen Grunde nickt möglich, weil wir auf he Rationierung der uns zur Verfügung stehenden Vorräte nicht verzichten können. Wenn wir auch mit Hilfe der uns ziigtlagten Einfuhren unsere Ernährung schon im lautenden Jahre weitaus zu verbessern imstanee sein werden, immer vorausgesetzt, daß die Entente ihre Veriprechungen hält und daß im Innern endlich jene Ruhe und Konsolidierung ein» tritt, dir nötig ist, damit uns wieder im Ausland« geborgt wird, so werden wir dock noch über manchen Berg hinüber- Nüssen, bevor lebt Krisis vorüber ist. Es bleibt uns nur, wie Minister Schmidt auch se-nerleitS betonte, die Wahl zwischen dem Bekenntnis zur Arbeit und der Erzwingung btr inneren Ordnung und dem unausbleiblichen Ruin.
Die deutsche Negierum zur Friedensfrage.
= Berlin, 32. April. (Telegramm).
Anschließend an das deutsche Telegramm vom 19. April übergab General Rudant gestern in Spaa die Antwort der Verbündeten und assoziierten Regierungen, in der die Entsendung von Bevollmächtigten nach Versailles gefordert wird, die ebenso ermächtigt sind, über die Gesamtheit der Friedensfrage zu verhandeln, wie die alliierten und assoziierten Vertreter. Hierauf antwortete der Reichsminister des Aeußern Graf v. Broâdorff-Rantzau, die deutsche Regierung werde nunmehr in der Voraussetzung, daß im Anschluß an die Uebergabe des Entwurfs der Friedensbedingungen Verhandlungen über den Inhalt beabsichtigt werde, als Delegierte die Reichsminister Graf v. Vrockdorff- Rantzau, Landsberg, Eiesberts, Präsident Leinert, Dr. Melchior, Prof. Schllâing entsenden, wenn Bewegungsfreiheit, sowie freier Drahtverkehr mit der deutschen Regierung gewährleistet werde.
Die Heimkekr Wilsons.
WB Brest, 21. April. (Havas).
Der Dampfer „George Wahngiou", welcher Wilson halb den Vereinigten Staaten bringen soll, ist auf der hiesigen N ' angekommen.
Der Friedensansschuß der Nationnl- mlammhmg.
= Berlin, 32. April. (Telegiamm.s
Der Fr'ebenSausschuß der Nationalversammlung w ib nicht, wie vorgesehen, am 26. April, sondern nicht vor dem 1. M a i zusammentreten.
Der Wirworr in Bayern.
=. Berlin, 22. April (Privattelegramm).
Nach den Morgenblättern scheint sich die Vermutung, daß den Spartakisten in München geschulte Führerzur Verfügung stehen, zu bestätigen. Dem „Berl. Tagebl" zufolge, werden 6 aktive Offiziere namentlich genannt. Nach demselben Blatt fälscht derBolksbeauftragte der Finanzen und sein Gehilfe^ der bekannte Bolschewist Axelrod, im großen Stil die bayrischen Banknoten und geben für die beschlagnahmten Bankguthaben Gutscheine aus.
— Ulm, 22. April (Privattelegramm).
2n Lindau wurde nach einer Bolksabstimmung die Räterepublik mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Regierungstruppen besetzten am Morgen des 20. April Augsburg, hierbei gab es auf beiden Seiten Tote und Verwundete. — Am 19. April wurde ein aus München kommender Zug mit Soldaten der Roten Armee angehalten und die Jnsasten gefangen genommen. Ebenso wurde der Kriegsminister Reinhardt von der Roten Armee gefangen genommen.
Weitere Leöensmrttelsendungen.
WB. Bremerhaven, 22. April.
Der amerikanffche £ eben =ir rtt e tb amp far „The Limas", welcher in Norderham bereits 1800 Tonnen seiner Ladung gelöscht Hatte, wird hier vollständig entlöscht. Der Damyfer, welcher SP<"i venire bi, Bohnen, Erbsen, kondensierte Milch, Speck und Sckirvlz geloden hat, enthält noch über 6000 Tonnen Lebensmittel. Für diesen Dampfer wie für alle später in Bremerhaven ein treffenden ist die Löscharbeit durch die Besonnenheit der Ar- • Betten?etbämbe unbedingt gewährleistet.
Die Fraqe von Fiume.
WB. Paris, 21. April. (9t?ufer.)
Die Frage von Fiume hnt setzt eine politische Gestalt angenommen. Wilson blieb dem >Rat der Vierer fern nnb beriet statt beffen mit der amerikanischen Delegation, welche einstimmig beschloß, eine öffentliche Darstellung über den Gegenstand herauszugeben, wenn die Stockung den ganzen Tag andauern werde.
HaLers Truppen in Warschau.
WB. Wien, 21. April.
Aus Warschau wird gemeldet, daß dort die ersten Truppen des Generals Haller eingetroffen sind.
Abwehrstreik in Bremen.
WB. Bremen, 21. April.
Nach einer Meldung von „Bosmanns Tel.-Bureau" ist am Ostersonntag in Bremen der allgemeine bürgerliche Abwehrstreik proklamiert worden Alle Betriebe in der Stadt mit Einschluß der behördlichen stellen von heute ab den Betrieb ein. Ueber Bremen wurde der Belagerungszustand verhängt.
Die Leiche Neurings nicht gefunden.
WB Dresden, 21. April.
Die Leiche des ermordeten Kriegsmmist°rS Neuring ist, entgegen anders lautenden Mitteiluttgeir noch lischt aufgesunden.
Weitere Verkehrseinschränkungen.
WB. Stuttgart, 21. April.
Die Generaldirektion der württembecgischen Staatseisenbahnen teilt mit, daß wegen Kohlenmangels auf sämtlichen rechtsrheinischen Strecken vom 24. April ab der gesamte Personenverkehr eingestellt wird.
Unruhen in Indien und Ägypten.
WB. London, 21. April.
Die englische Preffe vom 17. April bringt Nachrichten über sehr ernste Unruhen und Ermordungen an Europäern und offenem organisierten Widerstand gegen die britischen Behörden inallenTeilen Indiens und Äavoten
2hi$QanauStabtunb tand.
H^sna«, 22. April.
Ein Zweckverband.
Am Karfreitag nachmittag komm im ,.Engel" in Fechts heim die Gemeindevertretungen der Orte Bergen-Enk» 1 eim , Bischofsheim, Dörnigheim u. Fechenheim zur Bildung eines Zweckverbande» zusammen. Man ring b i der allgemeinen Aus prache, ander fich hauptsächlich d>e Herren Wörner sun. zu Bischofsheim, Dr. Äödel, En?» beim, Puth und Schieber, Fechknhrcm wortführeud beteiligten, davon ans, daß die eeographiscke Lage und bie gemeinsame» Wirtschaftsbeziehungen, die mehr nach Frankfurt, wie nach Hanau h nneia-rr. den Zusammenschluß der genannten Orte zu einem gross m Kommunalverd and zur Notwendigkeit machen. Auch die Gemeinde Hochstadt müsse für den gleiche» Zweck gewonnen werben. Jbr nachiräglrcher Anschluß wirb als selbstverständlich vorausgesetzt.
Als Hauvtanfcrzöè des Verdandes witrbe u. a. bezeichnet: gemeinsame Forstwirtichast, soweit die Waldungen ört ick zu» 'ammen'ieaen, Einheitlichkeit beim Vorgehen bei der Elekri» Herung, Regelung der Beamtengehäl er, der Angestellten», Gemeinde- und Notstands-Arbeiter-Verhällniffe, Reg-lung von Ent-und Deiväfferung- fragen, Kanalisation, Berdefferung des Wegenetzes, überhaupt gemeinsames Borgehen auf allen kommunalen Gebiete!!, auch soweit sie eine Folge der gegenwärtigen UkberqaNgswirrschaft sind. Einstimmig wurde dir Verbandsbitdiing mit der Maßgabe beschlossen, daß unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Hübner zu Bergen ein aus je 3 Vertretern der beteiligten 5 Gemeinden bestehender Aus» schuß die vorbkreiienden Schritte tut.
Es wurde u. a. ein Aufsatz mit 2 Entwürfen zu einer Satzung für Aarrckverbände »erlesen, den Büraermeik«! Hübner vor einigen Jahren in einer Fachzeitschrift «riffelte- litt hatte. Dre darin enthaltenen Anregungen sollen ltntev Anpassung an die heutigen politischen Verhältnisse für bie Verbandsvildunz als Richtschnur b enen.
Zusammenschluß der Landwirte.
Eine Maffenversammlung.
Unler der deutschen Landwirtschaft regt sich mit startet Gewalt der Orgnnisationsgedanke. In geschlossener Froni will der Bauernstand für die B-Hauptung des ihm im Wirt« fchastsiebm zukommenden Platzes kraftbewußt einsteben und dememspreckend handeln. Nahezu tausend Landwirt« des Hanauer Kreises hatten dem Rufe zu einer Versammlung in Bruchköbel, die gestern nachmittag im Garten her Bau- mannschen Wirtichaft staitfand, Folge geleistet. Herr Bürgermeister Clauß- Ravolzbansen, der Wahikreisvorsitzende bei Bundes der Landwirt-, eröffnete die Versammlung mit einet herzlichen Begrüßung. Er erinnerte an die Gründung-versammlung des Bundes der Landwirte in Maniz, die damals aus der Not der Zeit hervorging. HtUir sei es wiederum die Not, die Vrfürchtunq, an die Wand gedrückt zu werden, welche den Zusammenschluß erforderlich mache und zu einer weiteren Organisation geführt habe. Getrennt marschieren, vereint schlagen, so müsse die Losung lauten. Dann ergriff Herr Dr. Pieper- Frankfurt a. M., Geschäfisführer des Bundes her - Landwirte, das Wort, um über „Wirtschaftlich« Fragen der Ge »nwart und Zukunft" zu spießen. Er gab sc ner Freude über den Massenbesuch der Versammlung Ausdruck. Dwie starke Deleiligung sei ein Beweis dafür, wie groß da- Interesse an einer weitumfassenden Organisation der Landwirte sei. Gedacht sei die Versammlung als ein Protest gegen die Zwangswirtschaft, deren Abbau zu erfolgen habe. In großen Zügen ging er dann ein auf die Landwirtschaft stark bewegende Fragen der Jetztzeit und aus die Verhältnisse, die uns die Kriegswirtschaft gebracht hat, auf die Mißgr ffe, die getan worden sind, in den vom grünen Tisch erlassenen Verordnungen beim Schiveiuemord, bei dee Kartoffetversorgung und vielen anderen Dingen. Auch das kommende Wirtichaitsiahr werde uns wieder die Zwang», bkwirtschastung der Kartoffeln bringen. Der neuen Organi» sat on rufe er zu, daß man als treue Wegegenoflen zusammen- stellen möge. Reicher Beifall wurde ihm gezollt. Herr Bürgermeister Hch. Lind ans Niederissigrim forderte, in kräftigen Worten Freiheit unseres Wirischasts- lebens und behandelte gleichfalls Fragen der Gegenwart, was ihm oft tosende Zustimmung erbrachte. Unter dem Beifall der Anwesenden wurden von verschiedenen Rednern noch wichtige Nnreguugcn gegeben. Herr Z e h n e t» Niederrodeubach und die ihm nachfolgenden Sprecher brachten tfmp.ramentöoß ihre Wünsche vor. Herr Hch. Sind» Niederissigheim teilte mit, daß ihm ein Zettel in dir Hand geörüeft worden st', mit Auize'chnlingrn, welche bezweckten« die in Cassel belßloifme Rückoersicherungsanstalt für Vieh. [ebenb«niße ung zur Sprache zu bringen. Der Casseler Viehhandclsverband hat aus seinen erzielten Ueberschüssen bet LaudwtrischaliSkammrr iur Bildung eines Rückoerficherua-D-