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AMilichts Organ für Steif- and Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.
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Vierteljährlich 3.15 Mi., monatlich 1.05 Ml., für Poß^ dqug vierteljährlich 2.70 Mt, monatlich 90 Pf»
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Verantwortlicher Redakteur: Tustav Schrecke«, für Anzeigen «.Reklamen: August Vrsvt, beide in Hanau,
Rr. 92 N-L^'?."^"âÄ». Samstag den 19. April ■.<Ä“*eÄm 1919!
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Schwere Unruh
Ostern 1919.
Wie ein Mensch, der nach jahrelangem schweren Krankenlager zum ersten Mal. wieder ins Freie kommt, der zum Ersten Mal wieder die wohltuende Wirkung der wärmenden Sonnenstrahlen fühlt, so begrüßt das deutsche Volk das Osterfest als Fest der Auserstehung, der Neuwerdung. Unser ganzes Volk hat einen Winter hinter sich, wie wir ihn schlimmer auch nicht im Krieg erleben tonnten. Wahnsinnige Fieber schüttelten den gesamten Dolkskörper und brachten ihn in höchste Gefahr. Die Fieberhitze ließ klares Denken nicht mehr aufkommen und lockte zum Wüten gegen das eigene Fleisch. Nach den Wunden der vier Kriegsjahre «litten wir neue Wunden, die heute noch nicht geheilt sind, und die erst langsam in Jahren vernarben werden, und doch hoffen wir an diesem Osterfeste, zu einer Zeit, in der die Natur ihr Leben erneuert, in der es überall grünt und sprießt, in der neue Safte in alle Bäume steigen, daß auch unser deutsches Volk neue Kraft aus sich selbst schöpfen möge, Kraft, die es in die Lage versetzt, die großen Schwierigkeiten, die noch kommen werden, zu überwinden. Zurzeit sind wir freilich kaum imstande, uns zu regen. Die allgemeine Arbeitsunlust und der Streikwahnsinn hat uns p sehr mitgenommen. Da einem Kranken nur die Offenheit des Arztes nützen kann, so darf der Politiker, darf der, der es gut mit seinem Volke meint, auch mit der Wahrheit «icht zurückhalten. Der erste Konkurs im Ruhrbergbau, der die Bochumer Bergwerks-Aktiengesellschaft getroffen hat, muß uns ein warnendes Signal dafür sein, daß es so einfach nicht weitergehen kann. Infolge der dauernden Wette und immer größer werdenden Kopierungen ver Bergarbeiterschaft ist das Werk zu so großen Verlusten gekommen, daß der Konkurs nicht mehr aSzuwendsn war. Es handelt sich keineswegs nur um einen Einzelfall, fon- dern, falls nicht eine grundlegend« Aenderung eintritt, werden wir erleben, daß über kurz oder lang die überwal. tigende Mehrheit der deutschen Industrie dem Ruin ent» gegengetrieben wird. In Oberschlesien erleben wir das gleiche Bild. Auch dort arbeiten die Zechen fast ausnahms- brs mit Zuschüßen. Wütet die Krankheit nur noch einige Seit fort, so haben es weder die Bergarbeiter noch die Regierung nötig, sich mit den Fragen der Sozialisierung zu besaßen, denn es würde sich dann nach Kautskys Wort nur ton eine Sozialisierung des Bankerotts handeln.
Nicht wir allein sind an der schweren Krankheit schuld, die wir jetzt erleiden. Unsere Gegner sind dafür mitverantwortlich zu machen. Wir hatten gehofft, Ostern als Friedensfest feiern zu können, hatten geglaubt, daß die Blockade aufgehoben sein würde, damit unsere Frauen und Kinder nicht weiter Hungers sterben. Hatten wir endlich auch gehofft, daß wenigstens zu Ostern unsere gefangenen Brüder wieder in unserer Mitte sein könnten. Der Verband hat es nicht gewollt. Uüd wenn nun wenige Tage «ach dem Feste unsere Unterhändler nach Versailles gehen, so wißen wir immer noch nicht, ob man ihnen einen Frie- densvertrag vorlegen wird, den sie zu unterzeichnen in der Lage sind. Die Verschweigung der Vorfriedensbedingungen bleibt zum mindesten sehr auffällig und man hätte wenigstens erwarten können, daß Lloyd George in seiner ünterbau'srede die Ergebnisse und Beschlüße bestätigen würde, die als diplomatische Konferenzberichte schon durch Me Blätter der ganzen Welt veröffentlicht worden sind. Die Friedenskonferenz hat es anders beschloßen, die Bedingungen sollen nicht veröffentlicht werden, bevor sie mit den Eeanern besprochen worden sind. Das scheint uns einmal ein Rückfall in die frühere Dunkelkammer-Politik zu lein und gibt zum anderen zu der Befürchtung Anlaß, daß die Bedingungen nicht so sein werden, als daß sie das helle Tageslicht vertragen könnten. Lloyd George hat darauf Angewiesen, daß es die Pflicht aller Statsmänner, Parlamente und Führer der öffentlichen Meinung sei, den Tri- unwh des Rechts nicht durch Nachgiebigkeit zu verderben. Er und der Viererrat wird sich also wohl dieser Gefahr «icht hingegeben haben. Wohl aber befürchten wir, nach «llem. waS wir bisber hören mußten, daß das Gegenteil Antreten wird, daß man den Rechtsfrieden nicht durch Nachgiebigkeit, wohl aber durch übertriebene Forderungen Zerstört. Wir können, wenn wir unsere inneren Krankheiten u. Wirrnisse glücklich überwunden haben, Ostern als das Fest der Erneuerung begehen. Aber das Osterfest einer neuen ^elt bleibt ungefeiert, wenn der Verband nicht den guten Willen zu einer wirklichen Erneuerung zeigt. Einstweilen sollen wir aber doch in diesen Frühlings- und Festtagen hoffen, daß die versöhnliche Osterstimmung der Völker Parker ist als die Politik ihrer Regierungen, und daß sich ^otz aller Hindernisse die allgemeine Walte rweuerimg vor-
m in Offenbach.
Eichhorn festgenommen.
WB. Berlin, 19. April.
Die Nachricht, daß Eichhorn auf der Flucht zwischen Holzminden und Höxter mit seinem Flugzeug eine Notlandung vornehmen mußt« und bei dieser Gelegenheit durch Regierungstruppen fest genommen wurde, ist gestern nachmittag in Braunschweig amtlich bestätigt worden. Eichhorn wollte, wie vermutet wird, ein Versteck bei den Bergarbeitern des Ruhrreviers aufsuchen, wo er die ganze vorige Wache verbracht hatte,
Terror in München.
~ ? = Berlin, 19. April.
Neber die Vorgänge in Bayern liegen in den Morgen- blättern folgende Meldungen vor: Die Münchener sehen den kommenden harten Kämpfen mit Bangen ent- gcßcn. In München herrscht ein furchtbarer Terror. Eine ganze Anzahl Bürger, Arbeiter und Soldaten ist bereits erschossen worden. Die Regierung Hoffmann wird erst zum entscheidenden Schlag ausholen, wenn 30 000 Mann München eingeschloßen haben. Zu größeren Zusammenstößen zwischen der Roten Garde und Truppen des 7. Infanterie-Regiments soll es, wie aus Nürnberg gemeldet chird, bei Freising gekommen sein. In München wurde von den Kommunisten die Lebensrnittelbeschlag- nahme in Gastwirtschaften und bei den BejitzMden zugunsten der armen Bevölkerung angeordnet.
= Berlin, 19. April.
Wie aus Nürnberg gemeldet wird, sind vor Dachau gestern württembergische Truppen in Stärke von 30 000 Mann angekommen.
BeZagerungszustand über Offenbach.
— Offenbach a. M., 19. April.
Gestern nachmittag ist es in Offenbach zu blutigen Zu- sammenstötzen zwischen Kommunisten und Regierungstruppen gekommen. Der Kommunistenführer Eisenauer hatte auf dem Wilhelmsplatze über die allgemeine politisch« Lage gesprochen und in einer Entschließung war die Absicht hervorgetreten, den Volksrat durch einen kommunistischen Arbeiterrat zu ersetzen. In geschloßenem Zuge sollte nach der Kaserne marschiert werden, um dort von den Geschäftsräumen des Dolksrates Besitz zu nehmen. Eine Anzahl Kommunisten erbrachen das eiserne Tor der Ka, ferne und drangen in den Hof ein. Wie uns von feiten des Volksrats mitgeteilt wird, griffen die Kommunisten eine dort aufgestellte Kompagnie Infanterie, die am Nachmittag von Darmstadt eingetroffen war, mit Handgranaten, u. a. auch Eierhandgranaten, an und versuchten auch, den Truppen ein Maschinengewehr zu entreißen. Nachdem sie zurückgedrängt worden waren, drangen sie nochmals not, und dann erst feuerten, nach Mitteilung des Volksrats, die Regierungstruppen mit Gewehren und Maschinengewehren. Die Zahl der Opfer wird auf 11 Tote, 6 schwer und mehrere leicht Verwundete geschätzt; unter den Verwundeten find auch eine Anzahl Soldaten. Unter den Toten befinden fich Privatsekretär Henschel, Schutzmann Theiß. Di« Zahl der Verwundeten konnte noch nicht genau festgestellt werden, da sich ein Teil von.ihnen sofort nach Hause begab. Die tausendköpfige Volksmenge in der Viebererstraß« flüchtete teils die Straße hinab, teils in Häuser. Ansammlungen größerer Gruppen fanden bis in den späten Abend statt, weitere Unruhen haben sich jedoch allem Anschein nach nickt ereignet. Eine auf zwei Automobilen eingetroffene Mannschaft von Matrosen, die etwa 40 Mann stark und mit einem Maschinengechehr bewaffnet, mittags von Frankfurt eingetvosfen war, fuhr, nachdem sie das Stadthaus besetzt gehalten hatte, gegen Abend wieder zurück. Im allgemeinen ist es bei der widersprechenden Altung der einzelnen Berichte nicht möglich ein einwandfreies und objektives Bild der Vorgänge zu gewinnen. — Der Belagerungszustand ist seit oestern abend über Offenbach verhängt worden. — Das W. T. B. meldet: Freitag vormittag 11 Uhr rief der Volksrat in Offenbach den Frankfurter Marine-Sick-erungsdienst um Hilfe an. Der Führer des Sickerungsdienstes, Stickelmann, fuhr zusammen mit Mitaliedern der Präsidialkommisfion ■ und des Neuneravs-schußes nach Offenbach, dock berrlckte dort noch völlige Ruhe. Als sie um 3 Uhr von Offenbach in Frank fort wieder eingetroffen waren, erfuhr man, daß Offenbach abermals um Lilie. erfüllt hâ Daraufhin bomben Le
sich abermals nach Offenbach, wo man in dem Augenblick eintraf, als auf dem Wilhelmsplatz der Demonstrationszus gebildet wurde. Dos Frankfurter Auto kreuzte ben Zug. Eine Anzahl Demonstranten nahm eine drohende Haltung ein. und erst nach einigem Aufenthalt konnte das Auto weiterfahren, das feinen Weg zum Kreisamt nahm. Inzwischen kamen Mannschaften des Frankfurter Marine» trupps an der Landesgrenze vor Offenbach an, wo sie Halt machten. Dem Offenbacher Volksrat wurde von den Frankfurter Sicherheitsbeamtrn mitgeteilt, daß man nur gegen Plünderungen einschreiten werbe, nicht bei politischen Aktionen. Da Plünderungen nicht vorkamen, kehrten die Frankfurter Beamten und Mannschaften gegen 7 Uhr zu» rück, ohne daß sie in Offenbach eingegriffen hatten.
Die Lage in Sachsen.
Dresden, 18. April.
Die gestrige offene Auflehnung der Leipziger Arbeiter-- rate und Unabhängigen gegen das Ministerium Graß* nauer, dessen Anordnungen man entschloßenen Widerstand entgegensetzen will, hat die Regierung vor neue Schwierigkeiten gestellt. Niemand weiß, ob und wir sie ihrer Herr werden soll. T
Graf Czernin verhaftet.
WB Wien, 18. April.
Der frühere Minister des Aeußern Ottokar Czernin wurde vorgestern von den deutsch-österreichisichen Erenzbe». Horden verhaftet, als er versuchte, ohne Paß bi® Schweizer Grenze zu überschreiten. Ueber bk Vorgeschichte der Verhaftung wird gemeldet: Czernin wandte fid> kürzlich an die Wiener Palrzeidirektion um Ausstellung eines Reisepaßes in die Schweiz. Der Patz wurde ihm nach vorangegang-cner Rücksprache mit dem Staatsamk Mr Aeußeres im Hinblick auf bte von ausgewanderton Aristokraten in der Schweiz betriebene, gegen die deutsch«, österreichische Republik gerichtete Propaganda verweigert. Czernin wandte sich hierauf an den Staatskanzsir mit der Bitte, ihm die Erlangung eines Paßes dennoch zu ermöglichen. Der Ctaatskanzler wies das Ersuchen ab. Czernin gab nun vor, daß er sich auf eine seiner Besitzungen in Oberösterreich begeben wolle, und reiste mit dem Entente-Schnellzug von Wien ab. Statt den Zug in Ober- österreich zu verlaßen, fuhr er jedoch bis Feldkirch durch, worauf dort die Verhaftung erfolgte.
Ans^ananStadtnnd Sand.
Aanatt, 19. April.
Die an die Freigabe der Eier geknüpften Befürchtungen haben sich leider vieUach bestätigt und es besteht die dringende Gefahr, daß der Cier- preis jetzt zu unerträglicher Höhe emporschnellt und damit die unter der Nahrungsmittelnot besonders leidende- ärmere Bevölkerung und insbesondere auch Kranke, Wöchnerinnen und Kinder vom Eierbezug gänzlich ausschließen wird.
Wie wir hören, hat sich unsere Kreisverwaltuirg sofort entschloßen, diesem Zustand mit Entschiedenheit entgegen» zuarbeiten. Di« Sammelorganisation des Kreises bleibt unverändert bestehen und es ergeht von Seiten des Landrats an alle Hühnerhalter der dringende Aufruf zu frei- miKiger Abgabe der Eier an die amtlichen Sammler. Es empfiehlt sich, die von den Sammlern ausgestellten Quittungen aufzubewahren, da nach Möglichkeit Sonderzuiwei- sungen (Zucker) dafür gewahrt werden sollen.
Der Aufiaufspreis für die Eier ist von der Kreiseierstelle auf 40 Pfg. pro Stück festgesetzt worden. Eine weitere Heraufsetzung ist mit Rücksicht auf die verbrauchende $b* Völkernng nicht möglich.
Im dringenden Intereße aller Bevölkerungskreise liegt es, ^ie Bemühungen bet amtlichen Stellen kräftig z« unterstützen. Zweifellos bergen die von Hamstern gezahlten außerordentlich hohen Preise eine große Gefahr aber es kann von der Einsicht der beteiligten Kreise ermattet werden, daß sie dieser Gefahr begegnen und bk Eier durch Abgabe an bie Sammler den wirklich bedürftigen Volksteilen des eigenen Kreises zuführen werden.
Die Landwirte und Hühnerhalter müßen sich habet immer vor Augen halten, daß die Zwangsbewirtschaftung der Lebensmittel nur dann weiter abgebaut werben kann, wenn die ersten freigegebeneu Waren die Probe aufs Exempel bestehen.
* ?W- Redaktionell. Des Osterfeste« wegen erscheint die nächste Stummer unseres Blattes erst Dicu»t«U Leu 21. Avril zur gewohnten Stunde.