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Nr. 91 wjmL%"^ ' Donnerstag den 17. April «.^^^ ISlK

Der Kampf um die Macht in München

Halbe Lösungen.

Es geht nicht an, den von der Agence Havas veröffent­lichten diplomatischen Situationsbericht als einen poli­tischen Versuchsballon zu bezeichnen, denn die Dinge, um di« es sich hier handelt, sind zu ernst und sind außerdem zu weit gediehen, als daß diplomatische Manöver noch etwas daran zu ändern vermöchten. Da angebliche Ulti­matum Wissens ist spurlos in der Versenkung verschwun­den. und wiederum schwanken die noTitiWen Meinunaen in der Beurteilung des amerikanischen Präsidenten. Die letzten Entschließungen des Dirvervats, die sich mit dem Saargebiet und mit der militärischen Neutralisierung der Rheinuser befasien, sind für uns unannehmbar. Sie ent­sprechen nicht dem Grundsatz des Rechtsfriedens und ent­sprechen ferner nicht bem Gedanken, aus dem ein wirklicher Völkerbund erwachsen könnte. Die Unterstellung des Saar- gebietes unter eine französische Verwaltung auf die Dauer von 15 Jahren ist nicht mehr und nicht weniger als eine verschleierte Annexion. Daß nach dieser Zeit noch eine Volksabstimmung stattsinden soll, ist eine groteske Krö­nung dieser Farce. Niemals haben Zweifel daran bestan-. den, daß das Saargebiet deutsch sei, niemals haben die Be­wohner des Saarbeckens Zweifel an ihrer Landeszuge­hörigkeit auskommen laßen. Das weiß auch Frankreich ganz genau, aber es hofft, daß in 15 Jahren seinefried, liche" Durchdringung so weit gediehen ist, daß ein Um>° sch-wung im franzosenfreundlichen Sinne stattgefunden hat. Mr gehen wohl nicht fehl in der Annahme, wenn wir behaupten, daß Clemenceau, der glänzendste Fechter der alten Schule, es verstanden hat, diese Forderungen im IrWeer rat durchzuLrücker-, ^nt et |tcAi wiÄt^s vor-, I Nausulierte Gewand her 14 Willonvunkte zu kleiden ver­mochte. Wie ein politischer Zauberkünstler glaubt er, in der Lage zu sein, Wilsons Programmforderungen immer wieder vorweisen zu können, obgleich sie bei einem solchen Frieden in keiner Weise vorhanden sind. Er mag bei feinen Ministerkcllegen, wog im Rat der Vier damit Erfolg haben, die Volker twuscht er mit solchen Taschen spielereien wicht. Schon protestiert dieHumanitS" aegen diese Klau­sel, die ein historisches Verbrechen autheißen soll, und der französische Allgemeine Arbeiterverband. der falt 2 Millio­nen Mitglieder zäblt, tut dasselbe. Wie groß auch die politische Zerrissenheit zurzeit in Deutschland sein mag, wenn man uns einen Friedensvertrag vorlegt, der Geist vom Geiste Clemenceaus ist, der den Keim künftiger Kriege hervorsprießen laßt, so würde zweifellos ein solcher Ver­trag es möglich machen können, daß in dieser Fra^e das ganze Volk einig ist. Wir wissen, imß Frankreich Kohlen braucht, um seine Industrie wieder aufzurichten, aber wir wissen auch, daß das durch andere Mittel erreicht werden kann als durch die, die hier vorgeschlagen werden. Ein Leutsch-französischer Kohlenvertrag könnte Ruben für beide Teile bringen. Eine soMe Lösung aber, wie sie der letzte Entwurf des Rates der Dier vorsiebt, ist eine halbe Lösung and ist darum überhaupt keine Lösung. Er bedeutet nicht das Ende des Krieges, sondern eine latente Verewigung Les Kriegszustandes.

Es ist an der Zeit, die deutsche Stimme kant und mäch­tig werden zu lassen, damit die Welt vernehme, daß Lieser Friede nie und nimmer Wahrheit werden darf. Sollte bei unseren Feinden der ernstliche Wille bestehen, Deutschland in der gesckilderten Weise zu demütigen, so ist noch nie­mals ein Mensch und noch weniger jemals ein Volk so ungebeuerlick belegen worden wie das deutsche Volk, das in fast blindem Vertrauen auf irdisibe Eerekltigkeit .die Waffen niederlegte, als man ihm verriet, daß der Krieg «icht ihm, sondern seiner Regierung gelte.. R.

Die deutsche Reaierlinq von der Schweiz anerkannt.

WB. Bern, 17. April.

Wie dieSast. Rachr.- melden, hat der Bundesrat beschlossen, die gegenwärtige deutsche Regierung offiziell anzuerkennen.

Generalstreik der New-Borker Hafenarbeiter.

... New-York, 17. Apiil. (Telegramm.)

Rch einer Reuirrme dung erklärten die Hafenarleiter ^kw-Dork« den Generalstreik von Donnerstag ab. Dies rorb die Lahmlegung des gesamten 6 4 i H a 4 r t s a ^ hL s M-. Lolge haben.

München vom Verkehr abgeschnitten.

= Augsburg, 17. Avril. (Telegramm.)

Der Bahn-,Post- und Fernsprechvelkehr nack München ist heute wieder unterbrochen. Zeder Versuch, nach München zu gelangen, ist mit Lebensgefahr ver­bunden, da die dortigen Machthaber alle Verkehrswege besetzt haben unb niemand aus der Stadt hmauS-, noch in die Stabt hineinlaßen.

Von der Münchener Presse.

SH. München. 17. April.

Die Münchener Redakteur« und Journalisten haben es gut". Seitdem der revolutionäre Zemtvalrat gez. Toller (ein junger norddeutscher Student, der bis zur Ermordung Eisners deßen persönlicher Adjutant war) die Regierung in München an sich gerißen hat, gibt es für sie lauter Feiertage". Denn sämtliche Redaktionen haben es ab ge­lehnt, sich der Zensur der Preßeabteilung des provisorischen revolutionären Zentralrats zu unterwerfen und infolge- deßen hat di« Preßeabteilung des Roten Rates die Redak­tionen der Münchener Blätter übernommen hat. Die Ver­antwortung für dieses Vorgehen des Zentralrats hat der Volksbeaufttcgte für Volksaufklävung, Herr Gustav Landauer übernommen.

Die SchulSfrage am Kriege.

WB Bern, 17. April. (Telegramm).

Ueber die belchlositne Aburteilung der Kriegsschul­digen teilen die Biâiter mit, daß sich die Anträ e außer

Anzahl deuischer Offiziere r'chien, die an der N-Bool- und LuflschiffCompagne vorwiegend Anteil hatten.

Ein Buch des Grafen Pourtalss über Sen Ausbruch des Krieges.

Der frühere deutsche Botschafter in St. Petersburg, Graf Pourtales, hat, wi«. wir erfahren, über die von ihm vor Ausbruch des Weltkrieges geführten letzten diploma­tischen Verhandlungen zwischen der deutschen und der russi­schen Regierung Aufzeichnungen niedergeschrieben, die, mit Genehmigung des Durwa-rtigen Amtes, jetzt in Buchform erscheinen sollen. Das Buch des Grafen Pourtales, der als Beauftragter des Deutschen Reiches gerade diejenigen Ver­handlungen zu führen hatte, in denen die aus dam Morde von Sarajewo erwachsene weltpolitische Krise, unmittelbar an dem eigentlichen Brandherd, in der einen oder anderen Richtung, zum Kriege oder zum Frieden, entschieden wer­den mußte, wird zu den Licht bevorstehenden Friedensver- Handlungen in Versailles, Lei deren Beginn die Erörte­rung der Schuldfrage zweifellos einen bedeutenden Raum einnehmen wird, ein« der Unterlagen fein, die geeignet er­scheinen, die Haltung der damaligen deutschen Regierung zu begründen. Das Buch, das eine Reihe von noch nicht bekannten Tatsachen aus jenen Petersbunger Verhandlun­gen vor die Öffentlichkeit bringen wird, ist als eine Recht­fertigung des Grafen Pourtales gegenüber gewißen gegen ihn erhobenen Vorwürfen anzusehen.

Ende des Düsseldorfer Generalstreiks.

WB »«'dsrf, 17. April.

In einer am M'tiwsch abgegebenen SrtriebSeerfammlung der streikenden Arbeiter wurde mit überwiegender Mehrheit belchloßrir, d nGeneralstreik sofort abrubrecken und bereit« am DonnerSiaz früh die Arbeit wieder aufzu- nrhmen.

Die Streiklage im Ruhrgebiet.

WB. «sie«, 16. April.

In der gestrigen MitlagSschicht hat sich die Zahl der Streikenden abermals um 1200 vermindert. Zutzge- samt wird auf 52 Schachianlagm wieder gearbeitet.

in

Bankbeamtenausstand in Chemnitz.

WB. Chemnitz, 17. April.

Die hiesigen Bankangestellten sind gestern den Aus stand getreten. Sämtliche Banken haben

geschloßen.

Frankreich und der 1. Mai.

WB. Pari», 17. April.

Laut telegraphischer Meldung beschloßen die ver­sammelten Eisenbahn-, Metall-, Dock-, Werft- und Trans- portarbeiter einen 24stündige« Gener«lstroik am L 3JiaL

Wilsons Erklänmg.

= Frankfurt 6 M., 17. April.' _

Präsident Wilson h«t laut her französischen Preße Erk ärutta übermitteln lassen, daß er die Berufung beW deutsche" FrirdknSimterhnndlkr auf den 25. April durchgesetzt bat, daß er aber sofort nach diesem Tage, b. h am 27. ade« 28. April nach Rori-amerika abreift und also an den um« mittelbaren Friedensverbandlungen mit Deurschland selbst nicht mehr teilnehmen wirb. Die Erklärung WilsonS wart schsn am Montag abend der ome'ikanischen Pr»ße mitgeteilt worden. Grit im Laufe der gestrigen TaqeS wurde die Ag.havaU v-ranlaiit, sie in französischer Uebersetzung zu vri öffentlichem! In Paris hat die Veröffentlichung dieser Erklärung dich veink'chsie Verlegenheit hervorgerusen. Wahrscheinlich Hatz die Zensur die Aedaktionen vor allem vor imputfiae« Besprechungen gewamt, sodaß die Zeitung-n von gestern abend die Erklärung ahne Kammentar wiedergeben. N« daSJournal" wirft die Frage auf, ab Wilson durch die Festsktznna der Friedenlve'Handlungen mit Deutschlands auf den 25. April nicht einfach Lie Drücken hinter beti Pariser Konferenz abgeschnitten habe.Vielleicht", s» sagt Las Blatt,habe Wilson dieses Mittel gewählt, weil! er es für besonders geeignet hielt, den Gang der Ver­handlungen zu beschleunigen. Aber das Manöver ist doch äußerst gswagt. Die Bedingungen für den Dorfrieden sind noch nicht einmal festgestellt. Soweit Deutschland in Betracht komme, seien die Danziger Frage, bie Schles- wigsche Frage, die Frage der deutschen Bevölkerung tn^ Döhmen und Oesterreich noch nicht entschieden. Dar ganze Schicksal der ehemaligen habsburgischen Länder ist noch zu erörtern und man muß sich fragen, wie Wilson nach den Erfahrungen bet letzten Monate sich einbtlbm k-nn, deß aßt d-rse Fragen von beute auf morgen entheben »erden dürften. Wer e« wirklich weise oebanbdt, die dem chen Drevllmächtigten in Les Fmer biefetf

' Aus Braunschwekg. V

, = Braunschweig, 17. April.

Der Generalstreik in Braunschweig ist been», d e t. Die Führer der Braunschweiger Bewegung habend mit General Märker, der in Braunschweig die Reuhsexe«; kutive üben soll, in Magdeburg unterhandeln wollen Ihnen ist Almstedt als Ort einer Zusammenkunft bezeich­net, zugleich aber mitgeteilt worden, daß die jetzigem Braunschweiger Gewalthaber von General Märker ledig« lich die Bedingungen in Empfang nehmen könnten, die «ü auf Befeihl der Reichsregierung zu stellen und du-rchzu-« führen habe. Die Forderungen der Reichsregierung be-, treffen Entwaffnung der Bevölkerung, Auflösung bett Volksmorinediriston und bar Volkswehr und Ausstellung von neuen Freiwilligsnverbänden aus nur Braunschweig gern. Außerdem hat General Märker den Auftrag, die, bischerige Regierung in Braunschweig abzufetzen und eine neue Regierung entsprechend der Zusammensetzung der Landesversammlung einzurichten. Auch der Braun, schweiger Arbeiterrat soll aufgelöst werden. Ein Wider­stand ist in Braunschweig nicht geplant. Die Volksboauf- tragten haben einen Aufruf erlaßen, in dem sie die Be­völkerung zur Wahrung von Ruhe und Ordnung und^zuc Besonnenheit «uffordern. Der feit dem 8. April völlig unterbrochene Verkehr mit Braunschweig dürfte noch vor Ostern wieder ausgenommen werden.

Kleine Nachrichten.

Die Vertagung der Nationalversammlung. Die Nardo- nalversammlung hat sich vorgestern bis nach Ostern ver­tagt. Der Zeitpunkt des Wiederzusammentritts steht noch nicht fest. Wenn es aber richtig sein sollte, daß die Frie­densverhandlungen am 25. April in Paris beginnen wer­den, dann würde damit zu rechnen sein, daß zu dieser Zeit die Nationalversammlung sich in Weimar wieder einsinden würde. Die Reichsregierung hat den Wunsch, beim Frie- densschluß in ständiger enger Fühlung mit der Volksver­tretung zu bleiben.

Der 1. Mai Nationalfeiertag. In der letzten Sitzung der Nationalversammlung wurde der Gesetzentwurf betr. Festlegung des 1. Mai als Nationalfeiertag in der Fassung des demokratisch-sozialdemokratischen Abänderungsantrays in namentliller Abstimmung mit 161 gegen 86 Stimme« frei zehn Stimmenthaltungen in allen drei Lesungen an­genommen. _ _ Ä

Parteitag der Deutsche« Demokratischen Partei. Detz Parteitag der Deutschen Demokratischen Partei für gantz Deutschland findet in den Tagen vom 29. bis 31. Mai hj Cassel statt. Der Pvovinzial-Porteitag wird atm 25 Aprik in Gissten abgehalten werden.