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Aotaürmsdrnck rmd Verlag: Daisenbaur-Buchdnrckerâ unb -Buchhandlung M Hanau.
Gklierai-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanaa.
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Seranhr-.liieret Redakteur: > Gustav Schrecker^ für Anzeigen «.Reklamen: August Brod«, beide «Hanan.
Rr. 90
Fernlprechanichlsß
Redaktion 640 — Trvedl ion 288
Mittwoch den 16. April
Fern ivrechanlchl»h Redaktion 646 — Erpedition 288
1919
München Wien
Des Reichspräsidenten Osterbotsch-rst.
WB M-I«-,. 15. Avr».
Der Reickspräsibeni Ebert richtet» an die Ramona!« Versammlung foigeuve Osterbotschait: Die Nationalversammlung sprach am 10. April al« berufene Vertret rin deS Volles mit großer Einmütigkeit die Erwartung aus, daß die Re'ch^regirrung nur enen Frieden der Verständigung und Der'öhnung znstimmt und jeden Vertrag ablehnt, der die Gegenwart wb die Zukunft des deutschen Volkes und der Menschheit preiSgivt. Ich begrüße diese Kundgebung als das Bekenntnis de« unbeugsamen Willens des deutschen Lölkes, daß der kommende Friede ein Friede
dauernder Verständigung and der Versöhnung der Völ'rr sein soll und daß er somit euch Deutschland die Mög'ichleii neben muß, d'tsen Grund« satz der Verständigung' und Versöhnung dauernd zu beob- «ch en. Der Wille des deutschen Volkes wild für die Reichs- regierung maßgabend lein. Die Nationalversammlung und die Reicksregierung arbeiten mit Hingabe und En»rgie an der Erfüllung ihrer großen bist arischen Ausgabe, Friede, Brot, Arbeit und eine neue GtaatSform für ein großes Volk zu schsffen. Die Aufgabe ist schwer zu erfüllen, so lauge diejenigen, die eS in der Hand haben, der Welt den Frieden p geben, sich noch vom Gelübl des Völkerhasses und der Aache beherrschen zu lasten und durch die Hungerblockade daö deutsche Volk zur Verzweiflung treiben.
BeitiiS vor fünf Monaten vereinbarten wir unter Annahme der Bedingungen unserer Gegner die Grundlage für “
ttMlten die schweren Aufgaben des Waffenstillstandes lösten unser Heer auf, gaben die feindlichen KrieoSgelangenen heraus, aber immer noch wird unS der Friede vorenthalten. Obgleich wehrlos und wirischafilich am Ende, werden wir durch die Blockade immer noch abgesperrt, werden unsere Gefangenen immer noch im Feindesland zmückqebalten. DaS ist gleichbedeutend Mit der Fortsetzung des Krieges und mit einer Belastung, wie sie wohl noch kein Volk zu bestehen hatte. Wir taten alles, um bei unleieu Feinden einen F ie- dens'chluß zu erltichen, um unser Volk von d-eler unertläq- lichen Ouai zu beirren. Die Verantwortung für alle Folgen, die auS der Fortdauer des jetzigen Zustandes für uns, für d«S übrige Europa und letzten Ende« für die ganze Welt stch ergeben müssen, fällt somit aus sie. Dies mögen sich unsere Gegner in zwölfter Stunde vor Augen bal en.
Frieden, Arbeit und da» neue Deutschland zu schaffen, ist aber auch unmöglich, so lange Teile unseres tigenen Volke« in einem Kampf verharren, der unser schwer darnitderliegendeS Staa>4- und Wirtschaftsleben vollends zu vernichten droht. Wohl wurde viel gesündigt am deuttchen Volke in den vier schweren KriegSjahren. Darum ist es liniere erste Pflicht, zu vcrstehn, zu hellen und zu bessern. Aber der Drang der Massen nach Menschlichkeit und Dienschenwurdigkeit ist keine Entlastung für
eine Handvoll führender Unruhestifter, die planmäßig den Ausbau der deutsch«« Republik zu stören stochten. Das neue Denisckland soll aufgebaut w rden im Wege energischer und organischer Ausgestaltung zum sozialen Bollsstaat. Den wirtschaftlichen und sozialen Fntereffenver- iretunge« soll dau«rnd»r Einfluß auf die Gestaltung d«S bloatslebenS einge-âumt werden. Besonders b'C letztere Frage ,st Gegenstand ringe ender Prüfung der Regierung. Aber das neue Deutschland kann nicht geschaffen werden durch einen radikalen Sprung ins Dunkle, der sicher ein Sprung in den Abgrund wäre. Die bolsch wistischt Diktatur einer Minderheit de« Pro'etaiiai» würde die Industrie Deutschlands sicher in wenigen Monaten ruin eren. Selbstverständlich muß den berech igten wirtschaftlichen Forderungen der Arbeiter, Angestellten und Beamten Rechnung getragen werden. Dafür wird die Regierung sich immer eins tzen. Aber sinn« lose poluiiche Streiks setzen das Schicksal der Si heiter und ihrer Familien aufs Spiel und müssen zur Bereledung führen. Deshalb gebiete, uns das Lebens uiereffe unsere« Volke«, di. je» Bestrebungen mit allen K» ästen entgegcnzu- iretkn unb gegen Gewaltakte terroristischer Element« ent- schieden einjuschreiten. Ein schleuniger Frieden nach außen, fußend auf der Grundlage der Verständigung und des Bundes aller Völker ist für uns eine Lebenssiage. Aber nicht weniger beruht untere Rettung vor dem Untergang aus her Noiwkudigkett von Fr eben unb Arbeit im Innern. Darum wende ich mich in dieser ernsten Smu e a > unter den, chrtz Votk in allen seinen S'-bi^teu mit der mahnenden ®itie: Laß, ab von der Selbstzerflei-chung, übermuion Euch, lut bte Augen vor dem Abqrilnd auf 1 Arbeitet 1 und Sie, ^t Abgeordneten unseres Volke«, bitte ich, wohin Sie auch Mjto »Lültud der Pauj«, die heute tu Ihre» BemtunLe»
r spartakistisch.
eintritt, wirken Sie überall für Frieden und Arbeit. Unser Vaterland, unser neue« Deutschland darf nicht zu schänden werden.
Diktatur des Proletariats in München.
WB. Augsburg 15. April.
Seit 1 Uhr nachmittag» ist die d rekte telepho iischr Verbindung von Augsburg nach München w eher hergestellt. München befindet sich vollständig in der Gewalt der Kommunisten. Die Dikialur der Proletariats ist ausgerüstet. Der Kampf um den Hauptbahnhof, der mit Artillerie, Ma'chmengewehren, Handgranawn und Minen- Werfern ausgefochten wurde, dauerte etwa drei Stunden und hatte da» Gepräge einer förmlichen Schlack'. Er forderte gegen 150 Tote unb Ve wundew und endete mit dem Siege der Kommun sten. Die regierungstreuen Truppen wurden entwaffne!. Nach diesem Eriolq war das Schicksal der Stadt besieg lt. Von einer offenen Gcgenbewegung ist nichts zu spüren. D e gange Garnison steh, jetzt im Dienste der neuaufgerichteten Herrschaft deS P>o>e- tariats. Die Zahl der bewaffneten Arbeiter ist außerordent- lick groß, so daß die Kommunisten eine starke Mackt hinter sich haben. In ganz München herrscht der Generalstreik. Alle Betr-ebe und Geschäfte sind geschlossen. Der Tram- bahnverkchr ruht; bie Zeitungen erscheinen nicht.
Heiße Kämpfe in der Stadt.
= Berlin, 16. April. (Eigene Meldung.)
Aus Augsburg wird gemeldet: In München wurde M$«$*|^ ae^iMVft. Der Mnjchlag dex, Mwev^L Geschütze war bis Augsburg hörbar. In der Richtung München zeigte sich am Himmel roter Feuerschein. Auch aus Augsburg ist Artillerie gegen München abgegangen, wo die Kämpfe ihrem Höhepunkt entgegengchen.
Der entscheidende Schlag gegen München.
<w Berlin, 16. Sprit (Privattelegramm.)
Wie das „Berl. Tage bl.* meldet, befinden sich seit gestern morgen groß« bayerische Truppenmassen mit Artill rie und Maschinengewehren auf dem Wege nach der b a y e r i s ch e n H a u p t st a d I. Wenn es do t zum entscheidenden Schlag kommt, sei noch nicht abzusehen, es sei anzunehmen, daß die Reg erung abwarten werde, bis sie im Umkreis von München über eine größere Zahl von Truppen verfüge.
Nach wie vor Ernst. w Berlin, 16. April. (Prwatkelegramm.)
Die Lage der bayerischen Regierung gilt, wie die Blatter übereinstimmend sagen, nach rote vor a 1 § ernst
Von Bamberg abgereist.
WB. Berlin, 16. Sprit
Laut „Soff. Ztq * reifte gestern Ministerpräsident Hoffmann mit dem Militirmintster mit unbekanntem Ziel von Bamberg â b.
Festgenommene Kommunistensührer.
WB. Berlin, 16. Sprit
Dem „Berl. L.-A/ wird berichtet, daß bie Nachrickt, daß bie Kommunistensührer Teller unb Mühsam sich in den Händen der Negierung befinden, aus Bamberg b e st â t Üg t wird.
Notruf der oberpfälzischen Bauern.
Berlin, 16. Avril. (Privattelegramm.)
Nach einer Meldung bei „B. L.-A/ au« Nürnberg verlangten die Bauern bet Oberp alz in einem Notruf an die Negierung die sofortige Waffengewalt 'ür die Bauern, insbesondere die de» Bezi>k« Langenseld. In dem Echrelben heißt eS u. a.; Wir Saliern lassen uns nicht wie «olle Hunde non den Spartakisten niebertnaUen, ober in graue,ihaster Weise ermorden.
Der Friedensvertrag.
DDP. Haag, 16. Sprit
Su« amerikanischer offiziöser Quelle wird gern Ibet: Der Frieden«verirog enthält 75 000 Worte. Ein einleitender Vortrag fegt bie allgemeinen Grund äye auseinander, bie in den anschließenden P,o okoUen ihre Anwendung finden. Diese P otokoUe werden u. a. den Völkerbund beliessen, den die Deutschen zwar unterschreiben tollen, aber ohne als Mitglied tugeiasse» zu werben, bis der Völkerbund entsprechend de«
belr. Bestimmungen Deutschland zuläßt. Vermutlich wird der Diereriat eine besondere DerhandlungSkommissto« au* seinen eigenen Mitgliedern bilden. ES sind jedenfalls Erläuterungen geplant, bevor die deutschen Delegierten zur ®e* schlußfaslung nach Weimar zurückkehren. Die Minister bei Auswärtigen der Großmächte, bie im sogenannten Fünferrall zulammengesaßt find, werden am Dienstag bie technisch«! Seite der Frieden«verhandlungen besprechen. Die Verhand^ luugen werben wohl in Paris stattfinden, weil bie Scbroit« rigkriten ber Vorbereitungen für den Empfang der deutsche» Delegierten in Versailles zu groß sind.
; Die EntschLdiguugsfo,derung — heller Wahnfi««."
; = Wie«, 16. Sprit
Der ehemalige StaatssokDetär Helfferich äußert» sich zu dem Berliner Vertreter des „N. Wiener Tevgbl.* über die Frage bet Kriegsentschädigung folgender matze«; Die Forderungen der Entente sind h e l l e r W a h n s i « ^ Wir sind schlechterdings nicht in der Lage, größere Summen oder Werte als Entschädigungen an das Ausland abzuführen. Von unserem vor dem Kriege auf 20 Milliarde» geschah den Besitz an Auslandsmerten sind nicht weniger als vier Fünftel durch unsere Kriegseinfrchr aufgezehrt wortz den. Dazu kommt die Entwertung unseres überseeische« Besitzes durch den Handelskrieg der Entente. Wir find also durch den Krieg aus einem Gläudigerland ein Schuldnerland geworden. Zur Wiederherstellung unserer Güter« erzeugung in Deutschland sind wir zudem auf den ausländischen Kredit angewiesen. Wovon sollten wir also via enorme EntschodiMng bezaüMn? Es ist eine Unmöglichkeit, daß ein Volk amch nur ein Fünftel seines Dolksver- mögens einem fremden Volke überträgt. Das hat es t» der ganzen Geschichte noch nicht gegeben. Deutschland alla Entschädigungen des Weltkrieges auferlegen, heißt nichts anderes, gls dieDepWenM ArbeitsAlavenHr die wef^ kiche« Völker W machem .
Neue Verzögerung?
DDP. Paris, 16. Sprit
Die Optimisten, bie auf eine sehr baldige Unterzeichnung des VorsriedenSverirages gehofft haben» werden, in Paris immer weniger, denn man spricht heute davon, daß ber Vorfriedensvertrag erst bis Pfingsten unterzeichnet sein roirb; von dem engültigen Friedensvertrag spricht man überhaupt nicht mebr. Was dir von Drut'ckland zu zahlende Kriegsentschädigung betrifft, so geht bie allgemeine Ansicht dahin, daß Deuischland viel mehr zu zahlen haben wird al» die vorläufig festgesetzten 125 Milliarden, deren erste Rate »o« 25 Milliarden in 18 Monaten fäll g sei. Die späteren Jahre«zahlungen würden in Raten von einer Milliarde er- folgen.
Generalstreik in Königsberg?
WB Königsberg, 16. Sprit
Zn einer gestern abend im Gewerkschastshause abgehal- tenen Versam . lung der U. S. P. unb der Kommunisten wulde beschlossen, am Donnerstag in den G e n e r a l st r e i k ein,»treten, sofern die Behörden Nicht falzende drei fünfte bewilligen: 1. Entfernung der Grenzschutz- truppen bei Königsberg, 2. Aufhebung d«S Belagerungszustand es, 3. Verteilung der i« den militärischen Beständen vorhandenen Lebensmittel an die Zivilbevölkerung. Diese Forderungen wurden durch eine Kommission heute vormittag dem lommandieronden General und dem Ober- prLDenten übermittelt. Im Verlaufe der Versammlung kam es zu Lärmszenen zwischen den Unabhängigen und Kommunisten, weil die letzteren eine politische Begründung des Generalstreiks verlangten, was die Unabhängige« ablehnten. Zur Zeit schweben nach Verhandlungen.
Die Hungersnot in Sowjet-Rußland.
DDP. Amsterdam, 16. Sprit
Dem „Telegraaf* zufolge meldet die „Times" au« Hel« fingfor«, daß wegen Mangel an FeuerungSmaierial der Verkehr auf der Bahnlime Moskau-Kasan feit Monaten ftid* gelegt worden ist. Dadurch ist bte Frage der Lebensmittel- verlorgung noch brennender geworben. Einer amtlichen Mitteilung infolge ist ber Preis bet Lebensmittel auf bem Markt in Moskau in einer Woche um 80 Prozent ge» stiegen. Brot kostet 48 Rubel, Pferdefleisch 50 Rubel da« Pfund. Ein dolickewistischesBlatt meldet, daß die Hungersnot in dem Gouvernement Tickerepowetz alle« dagewesene in den Schatten stelle. Die Bevâlk ruttg nähre sich au8* schließlich von Moos unb Stroh. E» berrfebe Fleck.yphu«, Der immer roeiter um sich greife, da «» an Seijten und ÄrmkitN sehle. Der amtticken Sraiistik zufolge sind in ber vergangenen Woche in Moskau 3071 Fälle »oa ZafektmO- krankheiten vorgekommeu.