Krankenpflege und Streik.
In wie hohem Maße der streng durchgeführt« General- vAsstlmd, wie Leipzig ihn zu kosten bekommen hat, die Möglichkeit ärztt-icher Versorgung beeinträchtigt, das legt der ärztliche Mitarbeiter der ^Leipz. N. Nachr." in folgenden Ausführungen dar:
Was das Fehlen von Kohlen in einem modernen Krankenhause bedeutet, kann sich auch der Laie ausmalen. Die Kranken mußten in ungeheizten Räumen liegen, was höu- fa bei den schon geschwächten und empfindlichen Körpern eine oft tödliche Lungensntzündung verursachte, sie konnten nicht eingebettet und gebadet werden; die Küchen wurden nur nach unzureichend in Gang gehalten und die an sich geringen Wäschebostönde waren, da die beschmutzte Wäsche nicht gewaschen werden konnte, bald aufgebraucht, was besonders im geburtshilflichen Institut und bei Kranken mit künstlichen Darmöffnungen, Fisteln uiÄ eiternden Wanken, bei Typhösen und Geisteskranken, die die Entleerungen nicht Haiten können, zu den größten Gefahren führte. Das schlimmste waren aber die ungeheizten Operations- râume, wodurch eine Anzahl lebensrettender Operationen, besonders des Bauches, unterbleiben mutzten, da die Abküh- ü?Hg der Eingeweide in der geöffnetem Bauchhöhle einen schnellen Hcvztâ herbsMhrt. Es muß anerkannt werden, daß die Streikleitung bemüht war, durch Beschlagnahme vorhandener Kohlen in gewerblichen Betrieben dem unheilvollen Kohlenmangel abzuhelfen, aber die so gelieferten geringen Mengen waren doch nur Tropfen auf'einen heißen Stein.
Von ebenso, weittragenden Schäden war das Fehlen der elÄtrrfchen Kraft begleitet. Zunächst fehlte es dadurch an Beleuchtung in den Kranken- und Operationssälen, es konnte das Pflegepersonal b« Kranken nicht mit all den kleineren und größeren Hilfsmitteln verargen, die gerade nachts für unruhige, schlaflose und s^nerzgepeinigte Kranke so nötig sind; vor allem aber konnten eilige Operationen, für deren lebensrettenden Ausgang es oft auf Minutem^ankoinmt, nicht gemacht werden, und derartige Kranke mußten Hilflos zugrunde gehen. Der Mangel der elektrischen Beleuchtung war sehr gefahrbringepb für die Augenklinik, und zwar auch am Tage, da alle Augenunier- fvchungen, so namentlich die bei Verletzungen, nur im Dunkelziinmer möglich sind. Das Fehlen der Nachtbeleu/b-
tung war hier für die Kinderstation, die ebenfalls durch die ungeheizten Zimmer sehr litt, deshalb so folgenschwer, weil bei der eitrigen Auganentzündung der Neugeborenen, deren Augen alle 10 Minuten Tag und Nacht ausgewaschen werden müssen, und bei einem Kinde durch die nächtliche Untersuchung es zum eitrigen Durchbruch in das Augeninnere und damit zur Erblindung für das ganze Leben kam. Das Fehlen der Elektrizität verursachte aber auch den Stillstand aller Röntgenapparate und damit die Unmöglichkeit, frische Knochenverletzungen und eine Unzahl äußerer und innerer Erkrankungen richtig zu erkennen, aber auch die Behandlung mit Röntgenfirahlsn mußte unterbrochen werden, was für besondere KrebÄranke die übelsten Folgen hatte.
Durch das Fehlen von Gas wurde bk gesamte kleine und große Chirurgie lahmgelegt, denn ihre Erfolge hängen einzig und allein ab von dem Au-skochen der Instrumente und der Sterilisierung der Verbandstoffe, Operationsmän« tel der Aerzte, der Handschuhe, der Abdeckungstücher, des Operationsfeldes; bk beste Operationstechnik macht den Erfolg zunichte, wenn die Wunde, die der Chirurg angelegt hat, nicht. keimfrei gehalten wird: Eiterungen und Blutvergiftungen mit oft tödlichem Ausgonge sind die Folgen. Dieses Risiko kann der Arzt nicht auf sich nehmen, und so mußte eine Fülle notwendiger Operationen unterbleiben, und wo sie doch gemacht wurden, wird bitter über das Auftreten von Wundrose geklagt. Urinuntersuchungen konnten nicht.gemocht werden und bakteriologische Versuch« zur Feststellung ansteckender Krankheiten mußten unter- • bleiben und bei längerer Streikdauer ' wurde damit die Weiterverbreitung von Seuchen, die bei der geschwächten Volkskraft von verheerender Wirkung fein mutzten, in grsifbare Nähe geruckt.
_ Schöffengericht Kanarr.
vom 10. April 1919. -
An einem Februartag«, als das in den Geschäftsräumen der Firma Döring in der Nahe des Ostbahnhofes befindliche städtische Lebensmittellager geplündert wurde, waren von der eingedrungenen Menge auch Lebensmittel in der Umgebung auf die Straße geworfen worden. Die Ehefrau Therese E., bk in der Dettinperstroß« wohnt, fand hier i 1 einen halben Hut Zucker und etwa 30 Pfund Rubeln, bk
sie an sich nahm und später von der hausfuchenden Polizq gesunden und den städtisches Beständen wieder zugesührt wurden. Sie wurde wegen Unterschlagung mit 30 Mark oder 6 Tagen Gefängnis bestraft. — Im Jahre 1917 fanh der Hilfsarbeiter Karl E. von hier in der Nähe bq katholischen Kirche eine goldene Damenuhr, die die Schreib, gehilfin Frieda Winkler verloren hatte. Er gab sie yj Hause ab, wo sie erst kürzlich auftauchte und der Besitzers zurückgegebem werden konnte. Er hatte sich dieserhalb wegey Fundunterschlagung und seine Mutter wegen Hehlerei zy verantworten. Die Sache erhielt aber durch die Verhalf lung ein ganz anderes Gesicht. Der junge Mensch behaus tete, er habe bk Uhr allerdings zu Hause abgegeben, â^ seiner Schwester gesagt, sie möchte sie zur Polizei bringen Diese hatte das aber nicht getan.' Seine Mutter wäre hai Krankenhause gewesen und erst nach zwei Monaten wieder gekommen. Frau E. bestätigte das, gab aber zu, daß sie dir Uhr später gesehen und behalten hätte. Unter diesen Anu ständen wurde sie wegen Unterschlagung mit 10 Mark oder 2 Tagen Gefängnis bestraft und ihr Sohn freigesprochen.
Bei einer Durchsuchung wären bei dem Fabrikarbeiter Heinrich V. von hier ein Tornister, 2 Drillichjacken, 3 Paar Militärfausthandschuhe und 1 Leibgurt gefunden worbe« die er schon längst hätte aibliefern müssen. Er war dieses haW durch Strafbefehl in eine Geldstrafe von 100 Mach genommen worden. Auf seinen Einspruch hin setzte baj Gericht die Strafe in Anbetracht seiner persönlichen Dev Hältnisie auf 20 Mark oder 4 Tage Gefängnis herab. -^ Auch bei dem Fabrikarbeiter Georg H. von hier hatte mast noch Heeresgut, wie Militärpfeifen, Pferderiemen, Feldt flösse, Tornister, Leibriemen, Drillichanzug, 3 Seltenge, wehre, Patronen und eine Pistole gefunden. Er wurde zu 30 Mark oder 6 Tagen Gefängnis verurteilt. — Wegvst Forstdiebstahls im Januar in den Staatswaldungen zu Niederrodenbach, Neuwirtshaus und Lamboybrücke somit in den Eemeindewaâungen von Dörnigheim, Rüdigheim und Großauheim wurden insgesamt 27 Personen aus Nie. derrod«nbach, Rückingen, Kr^krotzenburg, Hanau, Rüdigheim, Ravolzhausen und Großauheim mit Geldstrafen vast je 2—50 Mark bestraft. An bk Stelle von je 5 Mark trist im NichtzablunMfalle 1 Tag Gefängnis. Es wurde ferner auf Wertersatz erkannt und 2 Sägen, 2 Aexte sowie ek Veil, die zur Tat verwandt worden waren, aingezog-m.
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