Einzelbild herunterladen
 

Hanauer K Anzeiger

GttrrückungSgedührr

Die SgespaNen« Petitzeile eher deren Rainn 20 Pf». M RrklameteU dir Zeile 60 Pig.

KajallonSbrnck und Verlag: WaismbanS-Duchbruckerä und -Buchh«ndlm»g in Hanau.

Gtneral-AnzriW

AAllichcs Organ für Stabt« nub Landkreis ßamu.

Erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn- und Feiertag«, mit Unterhaltungsbeilage.

Bezugspreis:

Liertelsährlich 3.15 M^ monatlich L06 Rl, für Pach» bezug viert eljâhrNch 2.70 Mk monatlich 90^ }

Die einzelne Nummer kostet 10 Pf^ 4

Vsiantwartlicher Redakteur: Gustav GchreSe«, für Anzeigen «.Reklamen: August Brod», beide in Hanau.

Nr. 88

FernfprechanfchI

Redaktion R40 Eriiedl^on 28t

Montag den 14. April Ned^tion 848 Ervedition 28t 191$

»ww»tM8MMnBma«ma>M^.«MMMui«iMIUj^w.»imM»»JMi»'miMl«M

Die Münchener R

Aschermittwoch in München.

Der kurze Traum her Münchener Liebhaber ruMcher Weltbefreiung ist zu Ende. Dia Verwirrung hatte ihren Höhepunkt erreicht, und es war -glücklich so weit gekommen, daß, während in Damberg die alte Negierung Hoffmann ihre Gewalt über immer größere Teile der Provinz ans» dehnte, in München selbst zwei Umsturzregierungen zu gleicher Zeit einander gegsnübevstanden. Eine ganze Welt Klickte auf das bayerische Volk, ob es diesem gelingen würde, den Bolschewismus aufzuhakten, der von Osten seine beutegieri gen Arme über Bayern weiter nach dem Westen auszustrecken sucht». Die Dinge nahmen den Wag, der jedem von vornherein klar war, welcher Land und Leute in Bayern kennt und mit nüchternem Blick die Ver­hältnisse betrachtet. Neaierumgst,reuen Truppen ist es gelungen, die Münchener Räteregterung zu stürzen und die AvwmunistenfÜhrer gefangen zu nehmen. Dr. Lipp ist in ein Irrenhaus gekommen. Es offenbarte sich in den letzten Tagen immer mehr, daß in Franken und im dem übrigen Nordbayern die Massen des Volkes in Stadt und Land unter Einfluß der Mehrhsitsfozialisten unst der Sol- üatenräte nicht für die Diktatur der Räte zu haben rdaren, sondern alle Willkürbestrebungen der selbstherrlichen Rät« in München und eine Veraewalttgung des Landes durch sie entschieden ablehnten und sich von München kossagten. So offenbarte sich in den politischen Ereignissen der letzten Zeit klar und deutlich, daß München nicht Bayern ist. R.

** «ww ^wMMM

Bamberg, 14. April.

Die bayerische Regierung hat folgend« Proklama- tion erlassen: An das bayerische Volk! Die Münchener Garnison hat die Gewaltherrschaft in München hinweg« gefegt. Das Kartenhaus der landfremde« Eindringlinge ist zufammengestürzt. München und ganz Bayern atmen erleichtert auf. Die Gewalt der rechtmäßigen Regierung Hoffman« hat sich mit elementarer Gewalt durch«esetzt und M nun auch in München wieder hergestellt. Als Vertreter per Regierung ist mit weitgehenden Vollmachten der Mehrheitssozialist Abgeordneter Hans Vogel aus Furth Koch München entsandt. Seinen Weisungen ist bis auf weiteres unbedingt Folge,zu leisten. Er vereinigt in sich Ke gesamte Zivil- und Militärvollzugs-aewalt in Mün­chen. Alle bisherigen Anordnungen der Rüteregterung sind üußer Wirksamkeit gesetzt. Dayetn! H-ltet treu zur Re­gierung Hoffmann. Vereint alle Euere Kräfte, um die Wiederkehr der soeben niedergeworfene-n Gewaltherrschaft für alle Zukunft unmöglich zu machen und der Negieremg den Wiederaufbau bet zerrütteten bayerischen Staates zu ermöglichen. Nur Ordnung und Arbeit führt zum Ziel. Die Negierung des Freistaates sagtet» De» Minister­präsident : Hoffmann.

Fast das ganze Bayernland regkerunastreu.

Berlin, 14. April. (Telogramm.)

Nach einerLâl «nzeiger"-Meldu«g soll die Nateherr- schast inSchweinfurt,Lohr und anderen Orten ge - stürzt fein. Die Führer haben sich bedingungslos bet Negierung Hoffmann ergeben. Nachdem Auqoburg der Negierung Hoffmann Treuo gelobt hat, ist das ganze Dayernland mit Ausnahme von Hof der ReHi«ru«g H»ff- Mnn »lebet gewonnen.

In aller Rube.

^^^,..,- Mönche«, 14. April.

Wie derBerl. Lokabanzeigar" berichtet, Vollzog sich der ^turz der bayerischen Räteregierung in solcher Ruhe, daß Ke Münchener Bevölkerung in der Frühe um 6 Uhr durch Plakate bot GarnUonrate» von dem Umsturz ^enntn^ n» Kett Levien sitzt in dem Staatsgefängnis Stadel- heim, nach demBerl. Tagebl." hält er sich genau so wie Landauer versteckt. DerLokalanz." läßt sich melden, daß Hunter Mitnahme von 2 Millionen Staataselder« nach Schweiz geflohen ist. ^-^

Büraerliche Geiseln.

.t» -- Mönche«, 14. April. (Telegramm.)

Eino revolutionäre VerhastungrkomMission nahm noch K derselben Nacht, in der der Sturz der Räterea^runq krfolßte, bürgerlich« Geiseln fest, dorunjsr den Eroßkauf« ?«nn H'xrn, den EhesredakteM Müller, Konsul Marini «Mi- Âtoci ti3<MM^^

teregierung gestürzt.

Die Entwaffnung der Münchener Vätereqierunsi.

= Berlin, 14. April. (Eigene Meldung.)

In München herrschte heute früh N u h e. In der Nacht sind die Kasernen der unzuverlässigen Truppen von R e - gierungrtrupp«« mit Artillerie umstellt worden, um heute dieEntwaffnung der kommunistischem Truppen vor zunahm««. Gegen bie schuldige« Soldaten rät« liegt richterlicher Haftbefehl vor. Man glaubt, daß die Entwaffnung ruhig vor sich gehen wird. In Augsburg ist das Standrecht proklamiert.

Die kommunistische Willkürherrschaft.

= Berlin, 14. April. (Eigene Meldung.)

Aus München wird uns gemeldet: Die geflüchtetem Münchener Kommunisten sink auf dem Wege zur östsr- veichischen Grenz«. Noch in bei Nacht zum Samstag ist ein Eisenbahnzug nach Freilassung «bgsgangen. In München sind zahlreich« Wohnungen, deren Inhaber verreist waren, von den kommunistischen Radikalen ausgeräumt worden. Im Standquartier der Kommunisten wurden unzählige Vorräte an fielen sm titeln usw. vorgefundrn, die et« Plünderungen stammen.

Die Verbrüderung mit Rußland und - Ungarn geplant.

......Berlin. 14 Avril. lTâaramm.l

735

dem Sturz vorangegangenen Nacht hatte eine Kommu­nistenversammlung die Enteignung aller Wohnungen zum Beschluß erhoben. Nach der ,M>ss. Ztg." hatten Levien und Genossen noch am Samstag die Verbrüderung ckitNutzlandundUngarn sowie benKrieg mit Pr^ußgn in großen Versammlungen verkündet,

Lebensmittel.

= Augsburg, 14. April. (Telegramm.)

In Augsburg benötigten die kommunistkfchen Stadt­räte kurz vor der Uebsrgabe an die Regierung Hoffmann dringend Lebensmittel zur Versorgung der Stadt. Sie wandte« sich an die Amerikaner, die aber Barzahlung oder sicheren Kredit verlangten. Kredit wußten die Kommu­nisten aber nirgends zu finden und so beriefen sie wohl oder übel den alten Magistrat in fein Amt zurück. Der sorgte denn auch prompt für Kredit Leim Ministerium Hoffmann und veranlaßte Lei der Gekegenheit gleich die Uebergabe Ler Stadb.

Gewalttat in Dresden. De« Kriegsminister in die Elbe geworfen und erschossen.

□e Dresden, 12. April.

Heute vormittag versammelten sich die Verwun­deten derDresdener Lazaretteauf dem Thea­terplatz, um gegen die Verfügung des Kriegsministers Neuring zu protestieren, daß in Zukcmst nur noch Frie« denslkhnungen sn die Verwundeten ausgezahlt werdan sollten. In einem Zuge von etwa 500600 Mann beweg­ten sich die Demonstranten zum Kriegsministerium, wo- sskbst sie eine Abordnung zum Kriegsminister schickten. Dieser weigerte sich jedoch, die Abordnung zu empfangen. Darauf nahm die Menge, von kommunistischen Rednern aufgereizt, eine drohende Haltung ein und st ü r m t e den Eingang des Gebäudes. Die Ctcherheitswach« schritt «in, und machte von der Waffe Gebrauch. Inzwischen hatten sich die Demonstraat«« noch »erstarkt. Die Wache wurde S S « r w ä l t i g t und enfwtffnet Die herbeigerufenen Regierungstruppen erklärten, nicht etngreife« zu wollen, habe» die Waffen abgegeben und sind wieder abmarschiert. Die aufgeregt« Menge hält den Platz vor dem Kriegs« Ministerium besetzt. An verschiedenen Stella« sind Ma­schinengewehre aufgestellt und nehmen das Ministerium unter Feuer. Um 4 Uhr drangen die Demonstranten in das Evbäude ein, ergriffen ben Kriegsministor, bei sich in das oberste Stackwerk geflüchtet hatte, schleppten ihn aus die Straße, mißhandelten ihn schwer und stürz­ten ihn een der Brücke in di« Elte hinab. Als der Ministers das Ufer schwimmend zu erweisen ver­suchte, schossen die Deimovstranten auf ihn, so daß er in weni^ni Mimchr« in bey Flute« vMschmâd, - J

Der Beweggrund der Tat.

= Dresden, 14. April. (Telegramm.)'

Der sächsische Ministerpräsident Dr. Erad«a «ev äußert« sich über die E r m < r d u« g des Ministe,^ Neuring dahin, daß bei letztere versucht habe, ftH dee trüben Flut des Spartak ismus entgegenzuwerfen und eine demokratisch« Volkswahr zu schaffen. Da» durch habe er sich den Haß jener Elemente zugezogen, dtp kein Verständnis für die traurige Lage Deutschlands hätten und die versuchten, unserem Volke hi« letzten Güte»! zu zerstören.

Derstürkung nach Dresden unterwegs.^ = ® erlin. 14. April. (Telegramm.)'

Die ersten Transporte Negierrrngstruppem, die auf Wunsch der sächsischen Regierung als Verstärkung nach Dresden entsandt wurden, sind lautVoss. Ztg.7 bereits gestern Nachmittag abyeaangen. Auch eine Mârboots- flattill« ging elbaufwärts nach Dresden ab and brech gestern Aband dort ein. ^

Unzuverläfffae Formationen aufgelöst..

= Berlin, 14. April. (Eigene Meldung.)'

Aus Dresden wird ums gemeldet: Die bei dem Vor­gängen am Samstag als unzuverlässig erwiesenen Truppen« formalionen sind a uf g el öft Die schuldigen Führer sind größtenteils in Haft. Die Freiwilligentruppen haben die Besetzung wichtiger öffentlicher Gebäude übernommen. Aus Anlaß der Samstagu«ruhen find mehr als 50 Ver­haftungen erfolgt, doch sind die unmittelbaren Täter noch nicht ergriffen. Als unmittelbare Folg« des Ver­sagens der Truppen am Samstag wird auch für Sachsen die beschleunigte AuflösUn-g der noch bestehenden altem For- MW^- MO ^^!^^ Äi!^ J^WMMNverbände. folgen.

Die Lage in BraMckweig.

DDP. Braunschweig, 14. April.

Die Sage in Braunschweig ist vorläufig unver»^ ändert. Einen neuen Angrjff haben die Kommunisten - seither nicht unternommen. Tib Rheitlage hat fich «twa- günstiger gestaltet. So haben die preußischen Setriebe in Oker jede Beteiligung am Streike von »ornheretn abge­lehnt. Die braunschweigischen Werke diese» Ortes haben am Donnerstag teilweise die Arbeit wieder ausgenommen. Er verdient besonders erwähnt zu werben, daß die an Braunschweig grenzenden Landesteile auf keinen Fall den ©treff mitmachen wollen. So babsn sich die Hüttenarbeiter von Thake einstimmig gegen den 6treff erklärt. Da die braunst weig/i n Hetzer mit Gewalt drohten, erklärten üe, sich dieser Gewalt unter Protest fügen zu müssen, aber keinesfalls an den Demonstrationen gegen die Arbett test zunehm sm. In Yarzllurg macht sich unter der Bürger­schaft eine starke Bewegung gegen Braunschweig geltend. Man will an die Reichsregierung das Ersuchen richten, Harzburg zu Preußen z« schlagen, weil man von dem Trei­ben der Braunschweiger Kommunistcm eine gefährlich» Be. eintrâchtigung des Fremdenverkehrs befürchtet. ,

^ortfehum des Generalstreiks.

=2 Mülheim (Ruhr), 14. April. (Privattelegramm.)

Die Mülheimer revoluttsnär« Arbeiterschaft beschlotzj die F 0 r t s «tz u n g b e» G« «« r «l st r e i k s, bis die ge­stellten «irtscheftliche« und politische« Forderungen ange- ' nommon feien. Weiter wurde beschlossen, den Fabriken u«d der Elsonb^hn das Wafser zu eutziehen.

Unruhe in Frankreich. '

DDP. Rotterdam, 14. April.

Aus Park» wttll gemeldet: Die Aufregung int' Parlament ist groß infolge des Stillfchw«igens der Re­gierung. Eestern hat Clemencea« in Erwiderung einer Vorstellung des Vor fitz »n de« des Etatsausschusses in einem Brief mit Bebauer« festgestsllt, daß der Ausschuß ohne, Rücksicht auf die Verpflichtungen, welche der Regierung! durch den § 8 der Verfassung auferlegt find, weiter geht in seinem Drängen nach Mitteilungen, welcha bie Regierung unmöglich machen könne. Clemenceau fügte hinzu, daß, wenn man mit der Regierung rmzufriede« sei, die Mittel habe, diese Unzufriedenheit zu äußern, zu interpellieren «der bie Regierung j« stürzen. Der Brief machte im Aus­schuß einen peinlichen Eindruck. Man beschloß, ihn nicht zu verüffMtlichen. Der Vorsitzeâ des Ausschusses er­klärt«, daß bie in dam Brief angegebenen Gründe nicht an­nehmbar sind mrd daß dar Ausschuß auf «mer Antwort da» *ÄM$tei^rt basiehvll mügy.