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Gencral-Anzeiger
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Berantwortlicher Redakteur: Gustav Schrecke»«
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage. für Anzeigen «.Reklamen: August Brodt, beide mtzmumä
Nr. 87 Nsdi^tton 640 -^ Erv^!^ion 288 Ssmstag den 12. April
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Fernf prechanfchlaß
Redaktion 648 — Ervedition 231
1919
Eintretende Klärung in Bayern.
Bayern.
Nach allen vorliegenden Nachrichten erweckt es den Anschein, als ob die Herrlichkeit der Münchener Sowjetrepublik vorüber ist. Die Regierung Hoffmann hat schon dadurch eine Festigung erfahren, daß Nürnberg von vornherein die Räterepublik ablehnte, Damberg desgleichen, und auch Mrzburg ist auf An hieb nun wieder regierungstreu geworden, nachdem die kommunistischen Führer durch die Re- gierungs truppen überrumpelt worden find. Wichtiger ist aber, daß der vielvermogende bayerische Zentrumsabgeordnete, der sogenannte Bauerndoktor Georg Heim, einen Aufruf an die bayerischen Bauern gerichtet hat, in dem er gegen den Eingriff der neuen Räterepublik in den Betrieb der landwirtschaftlichen Genossenschaften und Darlehns- kassen Einspruch erhebt. Dr. Heim weist besonders skbarf darauf hin, daß die Leute, die jetzt in München als Minister auftreten, fast ohne Ausnahme Nichtbaysrn seien, ein Argument, das in Bayern immer noch gezogen hat und daß sich besonders gegen die literarischen Politiker vom Schlage der Mühsam und Landauer richtet. Der neue Außenminister Dr. Lipp soll zwar Bayer sein, doch kann man nicht sagen, daß ihn seine Vergangenheit für seinen Posten besonders geeignet erscheinen läßt. Fest- gestellt ist, daß Lipp bereits zweimal wegen Größenwahns im Irrenbaus gesessen Hot. Mir meinen, daß zu einer gro- ßenwokinstnnigen Politik dieses Herrn jeH weniger die Zeit ist als vordem. Der Fiurm-minifter Silvio Geel ergänzt wirksam dos Bild. Dieser Finanzgewaltige gab vor die Theorie des Geldes von sich, allen Fachleuten nur Xr^utten. uns HâM erregten. Nicht zuletzt waren es die Sozialisten, He sich ^gen die ganz unwissenschaftlichen und unhaltbaren Theorien selbst wandten. Menn noch hinzvgeMgt wird, daß in Augsburg ein Dr. Rotbenfolder eine hervorragende Rolle gespielt hat, der einstmals nationallistische Gedichte schlimmster Sorte schrieb, so bekommt man ein Gesamtbild van Münchens neuen Leuten. Daß ein großes, vernünftiges und arbeitsames Polk, wie es das bäuerische ist, ein solches Sammelsurium lange ertragen konnte, war nicht anzunehmen. Auf die Tage des Rausches werden di« Tage der Ernüchterung folgen, die bayerischen Bürger und Arbeiter werden sich darauf besinnen müssen, daß es in der jetzt begonnenen Art nicht weitergehen kann, dann wird auch für Bayern eine Heffers Zeit anbrecheNi, als es jetzt der Fall ist. B<
Strmmunsisbild aus Weimar.
Politisch« Avssprache. !
Die Donnerstagssitzwrg ber deutschen Nationclverfammlung in Weimar wurde mit einer bedeutungsvollen Rede des Mi, «isterpräsidenten Scheidemann eingeleitet. Herr Scheide, wann wandte sich an das Ausland und stellte fest, daß wir ohne jeden Hintergedanken bereit find, Frieden zu schft«ßèn und uns mit unseren bisherigen Gegnern M versöhnen. Die Feind« sollen Utts durch unerträgliche Bedingungen nicht zum Aeutzerste« zwingen. Ebenso bedrohlich aber wie bet Bernichtmnyswill« bei Entente ist her Zwist im Inneren. Eine kleine gewalttätige Minderheit wagt es dauernd den inneren Frieden zu stören. Hier muß das ganze deutsche Volk zusammenstehen damit wir nicht völlig dem Elend verfallen. — Nach diesen Erklärungen des Minisi«rprLsidenten setzte eine lebhafte Aussprache ein, in bet zunöckst die Vertreter der Mehrhsiteporteien M Worte kamen und die Darlegungen Sch«id«mâ>rs weiter ausbauten.
In der Freitagssitzung wurden zunächst verschiedene Anfragen erledigt, dann folgte die erste Beratung bes Gesetzentwurfes über die Sommerzeit, während bet Zeit vom 28. April bis 15 September 1919. — Regierungskommissar Geheimrat Köbner begründet die Vorlage. Der Reichskohleukom- missar habe bie Sommerzeit nicht nur für eine niillliche, sondern geradeM unumgänglichnotwenbigsMatznahme erklärt. Die Ersparnis bei den Gas- und Giebt rizitätswsrken habe sich im Sommer 1918 auf 200 000—250 000' Tonnen Kohlen be- laufvr. — Bei ber hierauf falzenden Abstimmung wird ber Gesetzentwurf in allen Teilen abgelehnt. Das Abstimmungsergebnis wird von der Mehrheit mit Beifall ausgenommen. Ungefähr 20 Abgeordnete, auf alle Fraktionen verteilt, stimmen baHh. — Es folgt bie erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Ausbildung von Kriegsteilnehmern zum Richter- amt. Unter Ablehnung aller Aenderunasanträae wird der Ee- letzentwurf in allen drei Lesungen einstimmig angenommen. — In erster, zweiter und dritter Beratung wird ber Gesetzentwurf betreffend die Aeuderungdes Kriegssteuergesetzes vom 5. Juni 191# (Verwendung der Einnahmen aus der Kriegs
Die Münchener Räteregierung gestürzt.
— Berlin, 12. April.
Zu München ist, nach der „Deutschen Mg. Ztg/, die RLteregeruug gestern mit Waffengewalt gestürzt worden.
Bayern wird abgesperrt.
Berlin, 13. Avril. (Pcioaitrlegramm.)
Der „Voss. Ztg.â wird gemeldet: Nach einer Mitteilung der NeichSreanrung benachrichtigte bie Entente diese durch Funkspruch, daß Bayern nicht in den Friedens- »ertrag einbezogen werde und eine feindliche Ron* nollkommission verhindern wird, daß von den Lebensmitteln der Entente auch nur da« geringste nach Bayern gelangt.
Reichsminister Schiffer geht.
WB. Berlin, 12. April.
Der NkichSmmister der Finanzen, Schiffer, hat die Entlassung einge/eicht. Nach der „Deutschen Allg. Ztg." werden als Nachfolger Schiffers der Staatssekretär a. D. Dernburg und Reichsminister G o t h r i m genannt.
Um das Saarbecken.
' V WB. Brüssel, 12. April.
Laut „Petit Pa rissen" ist der Wortlaut über das künftige Schicksal des Scurrbeckons in seinen Grundzügen angenommen worden. Danach würde das Saargebiet einer ö r t-
lichett Verwaltung unter Frankreichs unterstellt werden, harren noch s»r -hiWch»«r«W» â ^ wird MänkreichdenE^KenMUM Ms
M itwirkung Nur zwei Punkte
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einer Verwaltumgsorg>anisation, die sich von denen im übrigen Deutschland unterscheidet. Nach dem „Echo de Paris" rrerden die Grenzen bes Saargebi«tes etwas nach Norden porNefchobsn. Di« Eisenbahn und die Brücken von Landau und Kaiserslautern werden rocchr- scheinlich unter sranzöstschen Einfluß kommen. „Echo de Paris" habt die Meldung für richtig, wonach Foch, Peta-rn und Joffre in einem an Clemenceau gerichteten Bericht die Besetzung des linken Rh«inufers Mörderin.
Die Kohlennot.
WB. Amsterdam, 12. April.
Die Blätter melden, daß die Kshlenzufuhr aus Deutichland ganz aufgehört hat.
Wiederaufnahme der Arbeit in Bochum.
WB Berlin, 12. April.
Der,,Vorwärts" berichtet auS Bochum von gestern: Die Angehörigen der Pertraiiensleute und des AktionSaus- schiifse» bei deutschen BeroarbeiterverbandeS be- schloffen mit 817 gegen 82 Stimmen die Wiederaufnahme der Arbeit.
Die Düsseldorfer Unruhen.
WB Düsseldorf, 13. April.
Wi.e wir aus zuverlässiger Quelle hören, betrSgi die Zahl bet Opfer bei den Unruhen der letzten Tage auf Seiten ber Epärtskisien bisher 20 Tote uub 50 D richte. Auf Seiten der Regieningstrupp-n wurden bisher 8 Tote und 24 Btiwttnbete gemeldet Bei dem gestern ab nd veriuchten Pu-fch auf dem Bahnhof wurde das Pastgebâude schwer beschädigt.
Lebensmittel.
WB. Haag, 12. April.
Das „Korr.-Blireau" erfährt, daß die affinierten Regierungen gestattet haben, einige Tiengen Lebensmittel nach den unbesetzten Gebieten Deutschlands auSzu- führen.
Der Generalstreik in Danzig beendet.
WB. Danzi-, 12. April.
Der Generalstreik ist beendet. Die gesamte Arbkfterschafl Danzigs wird ersucht, am Montag die Arbeit wieder ausjunehme».
Wilson.
, WB. London, 11. April.
Der „Dailly Telegraph" meldet aus Newyork, daß der Dampfer „George Wafhingtonâ am 19. April von Newyork nach Brest abführt. Wilson Werde sich in FrMkreich am _M Axr^ «mMM rö-mK».
Preußische Landesversammlung.
WB Berlin, 10. AprL
Am Ministerttsche: 5itf*, Oeftr, Reinhardt. -J Präsident Leinert eröffnet die Sitzung um ‘/*8 Uhr nachmittagW Zur Beratung siebt ein Antrag Oelze (Drutschnat.). Der Antrag .heller versuchte ersten8 tu erklären, daß den Staatsbeamten, christlichen, Lehrern und MilitärLramten ihre früheren Rechte auf unkündbar« Anstellung, Gehalt. Ruhegehalt und Hinterbliebenenlürforge gewährleistet bleiben, zweitens btt wirtschaftliche Notlage der Storniert; zu berücksichtigen durch Besoldungserhöbungen, durch Erhöhung den TeuerungSmlagen, Ruhegehälter utw , drittens die Rechtsverhältnisse der Beamten neu zu ordnen, vierten» zur Durchführung dieser Aufgabe dir großen Organisationen der Beamten mit heran zuziehen, fünftens die erstrebte Verbesserung bei den Beamten bei Reiches und der Selbstverwaltung zu erwirken. In Verbindung mit dem Antrag. Oelze wurden ähnliche Anträge der Abg-ordneten Meyer- Herford (Deutsche Volksp.) Dr. Friedberg (Dem.) und Dr. Hetz (Ztr.) beraten, ferner ein Antrag Höfler (Dem.) auf unverzügliche Rach- vrütimg her Verordnung vom 26. Februar 1919, betreffend die einstweilige Versetzung vom Beamten in den Ruhestand und Außerkraft-i setzung dieser Verordnung bis zu ihrer Genehmigung durch di» Landesverlammlung. — Abg. Oelze (Dents<6nstl.) begründet seinen Antrag unter Hinweis an? dir grosse Beunruhigung, die sich weiter Beamtenkreiie über die Sicherung ihrer Stellung und ihrer Zukunft bemächtigt bat — Die sämtlichen Anträge gehen an den HanSbal» tungSauSschuß. Es folgt die Beratung de» Anträge» Hammes (Deutschnat!.) auf Abbau der Zwangswirtschaft und den Wiederaufbau bei Handwerks, sowie des Kleinhandel». Hiermit verbunden ist bie Beratung der Anträge derRbgg. Ester (Ztr.i und Dr. Trüge» (Dem.) auf Wiederaufrichtung de» Mittelstände», Hollmann (Deutsche Volkrp.) auf Hergabe von Rohstoffen der Heeresverwaltrmg an das Handwerk, die Aenderung bei VerdingungSwesenS und andere». —! Abg. Hammer '(Deutschnatl.) begründet seinen Antrag. Sobald bie Erzeugung unb die Zufuhr von Getreide, Kartoffeln, Fett nndi Fleisch gesichert sei, muß der Abbau der Zwangkwirtichaft erfolgen. Im übrigen feien die Kritg»geseHschaften sofort aufzulösen. Besonderes Gewicht fei auf die Versorgung bei Handwerks mit Rohstoffen zu legen. Durch den Rohstoffmangel seien jetzt Hundert- tsusende von Handwerkern jur Arbeitslosigkeit verurteilt. — Abz. Esser (Ztr.) erachtet als notwendige Maßnahme zur Wiederaufrichtuuq bei Mittelstandes finanzielle Berschuhleistnng, Neberweisung von öffentlichen Instandseßungsarbeiten au das organisierte Handwerk und die Beteiligung des Handwerks und re» Handel»
stand?» nicht berühre, ferner daß eine Vertretung des Genossenschaftswesens und her wirtschaftlichen Organisation bei Handwerks im Reichsmiuisterium geschaffen werde. — Lbg. Mehrhoff (IL S.): ®8 ist sehr bedauerlich, daß die Regien,ng den Abbau der Zwang»wirt» f^aft z. B. durch Freigabe der Eier, für den sogenannten Freihandel schon begonnen haL Nicht der Abbau,; sondern ber Ausbau der Zwangswirtschaft fei erforderlich. — Abg. Mentzel (DeutschnaL) befürwortet die Annahme von Kriegsanleihe al» ZahlungSmitiel beim Ankauf von Holz aus dm StaatS- forften. Abg. Kahl (Soz.) befürwortet dm Ausbau der Fortbildung». schulen. Dir Anträge gehen an den Handels- und Gewerbeausschuß. Hierauf wird bie Sitzung auf Freitag 1 Uhr vertagt. Vorläufig An» fragen und Anträge. Schluß gegen 6*/« Uhr-
Berlin, 11. Sprit.
Am Mivistertisch: Hirsch, Brenn. Das Hans ist mäßig besetzt. PräsiLent Leinert erüffn-et bk Sitzung um 1^0 U^r. — 6hte fèrmlick« Anfrage des Zentrums über bie Sage ber Bergarbeiter in den besetzten Eaair gebieten soll an einem noch zu vekcinborenden Tage beantwortet werben. Die Ausschu^- awträge bezüglich der Uranträge unb Keinen Dvfragen wetbër angenoinwen, die Abstimmung über bie förmlichen Anfrrqgew auegesetzt. Es folgt bie Beratung des von allen Parteien mit Ausnahme der unabhängigen Sogialbesuotraten rmterJSichnechs» Antrages Gräfe betr. <
bie FrßeLenrLedingnngev.
Präsident Leinert: Wir stehen vor einem sehr wichtige»' Abschnitt der Kkltge^i^te. Die Zukunft der Äulturnatiaien ist abhängig von den Beschlüssen der Frievenrkonfercnz. die von dem Bertrauen aller teilnehmenden Nationen getragen sein, müssen. Das deutsche Dol! hast alle Voraussetzungen für dieses Vertrauen geschssfen. Wir brauchen einen Frieden, der auf Gerechtigkeit aufgebaut ist unb auf die Verständigung der Völker. Die Grundlagen müssen die 14 Punkte Wilsons sein. Durch ihre Annahme haben wir bie Bürgschaft mit übernommen, daß sie der Menschheit gesichert bleiben. Wir wollen, daß jedes Ha^ und Rachegefühl aus gehaltet wird. I-m Reich und in den Ein« zelslaaten liegt alle Gewalt beiv! deutschen Volke: bei unsereir Gegnern ist das nicht über doch nicht in gleichem Maße bet Fall. Mr haben daher die Besorgnis, daß uns ein Eewaltfrieden auf- gezwungen werden soll und fordern die Regierung auf, keinem Frieden zuzustimmen, der unsere Lebensbedingu-ngen gefährdet. Der miliifirifde Sieg gibt der Entente kein Recht, unzweifelhaft deujscke Gebiete zu verteilen. Eine solche Vergewaltigung könnte das beutfde Volk nicht ertragen. Es würde mit ungeheurer Avastanstrengung ein solches Unrecht wieder zu beseitigen futfen. Dir würden uns freuen, diese Kräfte lieber einer positiven Krilturarbett zuwenden zu können. Wir fordern wetter, daß uns unsre Gefangenen zu rückgegeben werden. (Lebhafter Beifall.) Es ist eine Barbarei, daß sie nach vierjährigem Krieg noch $uiii<fgestalten und wie Sklaven behandelt werden. Ebenf« muß die unverzügftck« Räumung der besetzten Gebiete erfolgen, Ein Fried«, der nickt all«, Krieg-Handlungen ein Gade macht ist kein Frieden. Auch die Blockade muß aushören. ImioLze bot Blockade sind Hundert tausende unserer Volksgenossen gestorben Es ist unsere Pflicht, noch in zwölfter Stunde einen Appell an das Welt gewissen zu richten. Die prentzifcke Regieru'ig hat sich betet! erklärt, im Sinne der von mir ausgesprochenen Forderungen a, die Beicksleitung heranzutreten. Nur durch «wen Verstand!, guaxtsfrneben wird das Glück der Menschheit gefördert, währens ein Gewaltfrieds uns leider von diesem Zickl abbringen würd» (Lebhafter Beifall.)
. Abg. Adolf Hoffmann (H. S.): Auch wir lehnen kb« Verschärfung ber Wilson säen Punkte ab und ebenso jede M, tMusirz beiiXktKr, t^hiek. AwckH zoZ« yerfosjâM .Mk«M