anauer
««rLcktt»s»-ebüher
DK Sgesp altene Petitzetle »der deren Raum 20 Pfg. im Rrllameteil die Zeü« 60 Pfg.
Gencral-Anzeiger
Anzeiger
iiatationSdnrck mit Serien: Waisenbans-Duchdruckerei » «Hb -Buchhandlung in Hanau.
Amèlicher Grgü« für Stadt- und Landkreis Hanan.
B^ugSprelSt
viertesiâhrllch 3.15 ant, monatlich 1.05 Mk^ fit S* bezug vierteljährlich 2.70 ant, monatlich 90 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
_ Verantwortlicher Redakteur: Dustav Schrecker,
Erichernt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage. fürAnzeigen «.Reklamen: August »rodt, beide in Hana».
Nr. 86
Fernsprechanschiuh
Redaktion 640 — Exvedlrion 289
Freitag den 11. April
Fernjprechanlchlvß
Nedaktion 64# — Erveditton 2M
1919
Beschleumgung der
Unsere Sorgen um Deutsch-Oesterreich.
Die schweren WoUen, die unheimlich uns Deutschen eine ^ungewiße Zukunft verhüllen, sie lasten fast noch schwerer über den Landen, die sich noch vor kurzem einig zu finden schienen in der Treue gegen das alte Habsburg-Loth- ningische Haus. Was ist aus Oesterreich-Ungarn geworden! »Ganz Galizien gehört zu Polen, wenn auch die Ukraine Hm den Osten streitig macht, das Reich der Wenzelkrone ist als tschechisch-slowakische Republik auferstanden und brutalisiert 3X Millionen Deutsche, hat sich auch ganz Ober- singarn angegliedert, die Rumänen haben die Bukowina |®h Siebenbürgen besetzt, das Banat haben die Serben ,inne, die mit Kroaten und Slowenen das jugoslawische Gleich aufrichten und deren Ansprüche sich vielfach, in Triest wie in Fiume und in Dalmatien mit denen der Italiener begegnen, die, falls sie nicht dort ihre Forderungen durchsetzen sonnen, das kerndeutsche Tirol bis zum Brenner fordern!
Und was ist aus den herrschenden Rationen geworden? Den Deutschen haftete ja der Name einer solchen noch an «lr Erinnerung aus Ler Vergangenheit, die Madjaren waren es in Wirklichkeit. Aller Außenländer beraubt, beschränkt auf das Land um Donau und Theiß, haben diese bekanntlich aus Verzweiflung über das Unglück des Volkes sich dem Volschewistentum in die Arme geworfen, bereit, die Brandfackel auch in die Nachbarländer zu schleudern. Was wir von Erfolgen dieser Bewegung in Rumänien p^, E erbten hören, M^MMund ULSLwiß.. eLer^im man den Nachrichten aus Böhmen glauben. Dort lebt ein landgieriges Geschlecht und lauscht eifrig den Nachrichten von der Sozialisierung des Grundbesitzes in Ungarn. Die stolzen Magnaten Böhmens und Mährens sehen mit großer Besorgnis auf das Schicksal des ungarischen Hochadels, sie, die Familien, die gewohnt waren, um den Kaiserhof einen engen Ring zu schließen, in den niemand hineingelangte, '»er nicht ihnen ungefährlich schien.
In Deutschland steht man dieser Entwickelung meist mit der Gleichgültigkeit gegenüber, die mehr und mehr angesichts des ungeheuren Umschwungs unser Volk zu beherrschen droht. Oder ist es Kleinglaube? Glaubt man nicht recht, daß uns auch ein Glück lächeln könnte? Leider muß man da sagen, daß dieser Kleinglaube berechtigt ist. Die Entente sieht den Machtzuwachs Deutschlands nicht gern und wühlt in Oesterreich. Zunächst lockte sie mit dem Plan des Donaustaatenbundes, der ungefähr äußerlich das alte Oesterreich wäre, nur mit sehr vermindertem Einfluß der Deutschen. Aber der Plan scheiterte schon am Widerstand von Tschecho-Slowakien und Iugo-Slawien. Nun bringt die Entente eine neue Lo^peise; Deutsch-Oesterreich soll ein neutraler Staat unter vorsorglichem Schutz der Entente werden. Die Masse des Volkes, ob christlich-sozial, sozialdemokratisch oder deutsch-national will davon zwar nichts wißen, aber der Plan hat einflußreiche Gönner. Es wird Zeit, daß von Deutschland aus etwas geschieht,
Erlaß von Verordnungen.
WB. Weimar, 11. April.
Der Nationalversammlung ist vom Reichsminister Pr e uß der Entwurf eines Gesetzes über die Ermächtigung der Reichsregierung zum Erlassen von Verordnungen zugegangen. Nach § 1 des Gesetzes wird die Reichsregierung.ermächtigt, während der Tagung der Nationalversammlung mit Zustimmung des Staatsnaus- schußes und eines von der Nationalversammlung gewählten Ausschußes von 15 Mitgliedern diejenigen gesetzlichen Maßnahmen anzuordnen,' die sich Mr Regelung des Ueber ganges von der Kriegswirtschaft in die Friedenswirtschaft oder aus dringenden sonstigen Anläßen als notwendig erweisen. Diese Derord- nungen sind der Nationalversammlung alsbald zur Kenntnis zu bringen und auf ihr Verlangen aufzuheben. — Der Rationalversammlung ist ein Antrag Agnes und Genoßen zugegangen, wonach die Reichsregierung ersucht wird, der Nationalversammlung sogleich den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, nach welchem der 1. Mai und der 9. Rovember als gesetzliche Feiertage des deut JAen Volke» anerkannt werden.
Friedenskonferenz.
Das Ultimatum Wilsons.
WB. Amsterdam, 11. April. (Telegramm.)
Nach einer Meldung aus London berichtet der Pariser Korrespondent des „Neuwyork World", daß das Ultimatum Wilsons, daß er sich von der Friedenskonferenz zurückziehen werde, wenn die Hindernisse gegen den Fortgang der Verhandlungen nicht aus dem Wege geräumt wurden, zur Folge gehabt habe, daß die Besprechungen beschleunigtwurden. Es seien beträchtliche Fortschritte erzielt.
Neuer Umsturz.
— Nürnberg, 10. April.
' Nach einem Münchener Telegramm des 3. Armeekorps (bereits gestern durch Aushang veröffentlicht) ist die unabhängige Regierung von den Kommunisten gestürzt worden, die die Gewalt an sich rißen. Das Militär steht auf Seiten des Ministeriums Hoffmann. Der größte Teil bet Bevölkerung wartet nur auf einen Anstoß von außen. Die wirtschaftliche Lage hat sich ver- schlimmert.
Preußen und Bayern.
WB. Berlin, 11. April.
Das preußische Staatsministerium faßte folgenden Be- schluß: Die preußische Regierung sicht wie die Regierungen von Württemberg, Baden und Hessen das Ministerium Hoffmann als die allein rechtmäßige Regierung Bayerns an.
Keine Lebensmittel für die Räterepublik.
WB. Stuttgart, 11. April.
Vom Garnison rat in Neu-Ulm wird telegraphisch mitgeteilt, die Garnisonen Neu-Ulm, Dillingen und Neuburg, sowie auch Nord- und West-Schwabens ständen hinter der Regierung Hoffmann. Auch aus Lichtenfeld meldet der „B. L.-A." daß sämtliche Bauern des Obermaingaues sich für die Regierung Hoffmann erklärt hätten. Sie hätten ferner beschloßen, keinerlei Lebensmittel an diejenigen gelangen zu lassen, die sich zur Münchener Räterepublik bekennen.
Einschränkung des Eisenbahnverkehrs.
WB. Berlin, 11. April.
Nach einer „B. L.-A."-Melduug aus München werden wegen Kohlenmangels am 11. April zahlreiche Züge in Bayern eingestellt. Die Eisenbahndirektion Würzburg hat den g e s a m t e n Z u g v e r k e h r bis nach Ansbach eingestellt.
Die Führung der dritten Republik in Bayern.
Berlin, 11. April. (Telegramm.)
Wie das „Verl. Tageblatt" meldet, hat es der russische boschewistische Führer Dr. L e v i n i e verstanden, im letzten Augenblick nach München zu kommen. Er hat zusammen mit dem Münchener Kommunistenführer Dr. Levien die Führung der dritten Regierung, die Bayern jetzt hat, übernommen. Die kommunistische Bewegung in München ist, einer zuverlässigen Korrespondenzmeldung zufolge, von der Schweiz aus mit russischem Gelde gespeist worden, worüber der Reichsregierung schon vorderPro- klamierung der Räterepublik Nachrichten zugegangen waren.
Die Räterepublik im Ruhrrev^er vereitelt-
WB. Berlin, 11. April.
Nach verschiedenen Nachrichten war auch die Ausrufung der Räterepublik! m Ruhrrevier geplant. Sie sollte nach dem „Vorwärts" in der Nacht zu vorgestern erfolgen. Durch entsprechende Maßnahmen, besonders auch durch die Besetzung von Eßen wurde diese Absicht vereitelt. In Mülheim (Ruhr) wurden 17 D itglieder des Arbeiterrates, die sich für die Ausrufung der. Räterepublik einfetzten, verhaftet.
Unruhen und AusstSnVe tat Reich.
Generalstreik in Zwickau.
WB. Zwickau, 11. April.
Die Streikenden beschloßen gestern abend für heute bett General st reik. In einem vormittags veranstalteten! Demonstrationszug wurden Plakate mitgeführt, welche zum Anschluß an die Sowjetregierungen Rußlands und Ungarns aufforderten. Die Mehrheitssozialisten verhalten sich nadjj wie vor ablehnend zu dem Generalstreik. Die Arbeitswilligen werden an der Arbeit verhindert.
Eisenbahnerstrsi kin Danzig. . r
, WB. Danzig, 10. AprA.
Der Streik der Eisenbahner in Danzig ist jetzt zu einem! politischenStreik erklärt worden, mit dem Ziel bet endgültigen Beseitigung der Regierung Ebert-Scheidemann, der Aufrichtung derRäteregierung und der Anknüpfung von Beziehungen, zu den Sowjetregie, rungen in Rußland und Ungarn. Bis mittag streikten rund 20 000 Arbeiter der Reichswerft, der Schichanwerft, der Artilleriewerkstatt und der Gewehrfabrik. In einer auf der Eisenbahnhauptwerkstätte abgehaltenen Versammlung der Streikenden wurde ein Telegramm des Eisenbahnministers Oeser verlesen, der die Forderungen der streikenden Arbeiter ablehnte. Der Personenverkehr von Danzig wird durch die Beamten, die in ihrer Gesamtheit nicht am Streik beteiligt sind, unter militärischem Schutz möglichst fahrplanmäßig aufrecht erhalten.
WB. Danzig, 11. April.
Zu einem blut i gen Zusammenstoß kam eck gestern abend zwischen Truppen Md dMWenge am HauM bahnhof. Nachdem die Soldaten den ganzen Tag von der Menge beschimpft und belästigt worden waren, kam es schließlich zu Tätlichkeiten. Die Truppen mußten den Platz räumen und gaben Feuer. Drei Personen wurden getötet und mehrere verletzt. Die Bürgerschaft beabsichtigt kn einen: Gegen streik einzutreten
Unruhen in Mülheim und Eßen. v
WB. Mülheim (Ruhr), 11. April.
Auch der gestrige Tag verlief stürmisch. Es kam zu einer Ansammlung in der Stadt, die durch Militärpatrouillen auseinandergetrieben werden mußte. Verschiedentlich wurden Angehörige des Freiwilligenkorps entwaffnet und schwer mißhandelt. Ein Soldat wurde durch Revolverschüße und Dolchstiche lebensgefährlich verletzt. Drei Zivilisten wurden getötet und mehrere verwundet. Auch inEssen wurde ein Offizier und sein Bursche tätlich angegriffen und schwer verletzt. Es gelang, die Täter festzunehmen.
Ausstand der FriedhofsarLeitey,
— Berlin, 14. April.
Laut „Stettiner Lokalanzeiger" find die Arbeiter der Hauptfriedhofes in Stettin in den Ausstand getreten. Seitz zwei Tagen werden keine Beerdigungen vorgenommen. Die Gräber schon Beerdigter bleiben offen. Verhandlungen! waren bisher ergebnislos.
Die Bankbeamtenbewegung.
= Berlin, 11. April.
Die im Reicksarbeitsamt zwischen dem Verband Berliner Dankleitungen und den beiden Bankbeamten-Organi- sationen geführten Verhandlungen sind nach neunstündiger Dauer ergebnislos abgebrochen worden. Demgemäß haben die beiden Organisationen der Bankbeamten zunächst die Beamten in Leipzig, Hamburg und Frankfurt am Main aufgefordert, sich dem Generalstreik anzuschließen«
Japanische Studenten in Böhmen.
— Berlin, 11. April.
Wie das Prager Blatt „Wenhoff" berichtet, ist beabsichtigt, daß etwa 1000 japanische Studenten noch in diesem Jahre nach Böhmen kommen, um hier die Kultur und die wirtschaftlichen Verhältniße der Tschechen zu studieren. ErotzesInteresse zeigen die Japaner für die tschechische Musik. Es wird jetzt verhandelt, damit ein tschechissies Sänger- oder Musikkorps Japan besucht. In T o k i o soll ein M u s e u m für tschechische Erzeugniße und Kunst gegründet werden und in Prag ein japanisches ähnu liches Institut,