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General-Anzeiger

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MertestLhrÜch 3.15 Mk., monatlich 1.05 ML, für Po^ bezug vierteljährlich 2.70 ML, monatlich 90 Pf^

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Verantwortlicher Redakteur: Gustav Schreite«,

M. 84

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Mittwoch den 9. April

Ferniprechanschluß

Redaktion 646 Eruedition 230

1919

Amtliches

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Die dringende Notlage in der Ernährung der Bevölke­rung von Fechenheim, Großauheim und anderen übermie- gend von Industriearbeitern bewohnten Gemeinden des Landkreises zwingt mich zur Ausschreibung einerneuen Aartoffelumlage. Mit Genehmigung der Provin­zialkartoffelstelle in Cassel soll diese Umlage aus den den Landwirten bisher belassenen Mengen an SaatÄMtoffeln aufgebracht werden.

Ich bestimme, Laß jeder Landwirt von seinem Vorrat an feldsterzeugten Saatkartoffeln sofort 1 Zentner auf den Morgen der Anbaufläche mit Ausnahme der Anbau­flächen bis zu 1 Morgen auszusondern und vom Sams­tag den 12. April, vormittags 9 Uhr an, zur r.1.. . i1 . .j.^?^^

Der Wirrwarr in Bayern.

Der Kampf um die Macht.

Die Nachrichten, die wir über den neuen bayerischen Staatsstreich bis jetzt bekommen haben, sind der Herren Strategen eigne Kriegsberichterstattung; sie stammen aus tu» Lager der Umstürzler, deren KWO ÄZ^D^W Mauern einiger Städte hinausreicht. Man kann, wie die Dinge liegen, die hochtönenden Manifeste, die von Mün­chen und anderen Städten aus in alle Welt gedrahtet wer­den, vorerst nur als eine örtliche Angelegenheit ansehen. Die Funken sollen zwar weiter geflogen sein, auch von einer Solidaritätserklärung der Radikalen anderer Städte mit München wird berichtet, aber diese Botschaften sind für den, der die bayerischen Verhältnisse einigermatzen kennt, von sehr hypothetischem Werte. Tatsache ist, datz die rührige Münchener Radikalengruppe, in der ein Häuflein einge­wanderter Literaten eine wichtige Nolle spielt, sich dank der scheuen Zurückhaltung der Münchner Bürgerschaft wie­der an die Spitze der revolutionären Gewalt setzen konnte und nun die Welt mit schwungvollen Manifesten über­schwemmt. In nachtschlafender Zeit wurde die Räterepublik ausgerufen, und man erfährt auch schon allerhand von poli­tischen und wirtschaftlichen Programmen der neuen Macht­haber. Wenn dann praktische Arbeit geleistet werden soll, werden èie phantasiebegabten Herren langsam erkennen, datz auch die bayerischen Eozialisierungskanonen nicht so schnell schießen, wie die Kommunisten von Jsarathen im ersten Begeisterungsrausch glaubten. Und der Endeffekt wird sein, daß ein leidlich demokratischer Kurs mit ande­ren Steuermännern gesegelt wird. Die Personenfrage, der Kampf um den Sitz am Ruder das ist der springende Punkt in München wie auch anderswo. Und deshalb wird das gemarterte Volk von einer Erschütterung in die andere gequäkt.

Bayern und das Reich.

WB. München, 9. April.

Die Korrespondenz Hoffmann meldet /amtlich: Der Docksbeauftragte für Auswärciges richiete an den bayer schen Gesandten Dr. von Pieger m Ber in folgendes Schreiben: Da das Opus primus et non ultimus des Herrn Pieun über die deutsche Verfassung für Bayern niemals bindendes Geletz werden kann, weil ich die durch bayen cheS Blut bei Wörth uud Sedan erworbenen Reservatrechte Bayerns nicht preisgeben darf, ersuche ich Sie, unverzüglich dem Grafen Brockdorff-Rautzau Ihr Abschiedsgesuch einzureichen.

Stellungnahme von Hoffen, Württemberg und Baden.

Darmstadt, 9. April.

Die Regierungen von Hetzen, Würbeiuberq und Baden haben eine Erklärung erlassen, wonach sie das Ministerium Hoffmann nach wie vor als alleinige rechtmäßige Regieeung i Xt* Bolksstaates Bayern ansehen.

Abholung bereitzuhalten hat. Die Abholung wird durch Beauftragte der Bedarfsgemeinden erfolgen, welche sich durch Vorlage einer Legitimation des Bürgermeisters der Bedarfsgemeinden ausweisen werden. Der Unterkommis- flonär des Kornhauses sowie Vertreter des örtlichen Arbei­ter- und Dauernrates sollen bei der Abholung anwesend sein. Gegen Landwirte, welche die in dieser Verordnung vorgeschriebene Kartoffelabgabe verweigern, wird die Ent­eignung der abgabepflichtigen Kartoffelmengen durchge- führt werden. In diesem Falle tritt ein Preisabschlag von 3 Mark auf den Zentner ein.

Ich hege das feste Vertrauen, datz die Landwirte die Notwendigkeit dieses Eingriffs in die Saatkartoffeln ein­sehen und mich bei meinen Bemühungen, der hungernden Bevölkerung unserer Induftriegemeinden zu helfen, bereit­willig unterstützen werden.

Hanan den 9. April 1919.

Der Landrat. Schmid.

Die Vorgänge in Aschaffenburg.

= Aschaffenburg, 9. April.

Der Aktionsausschuß des Arbeiter- und Soldatenrates Aschaffenburg gibt in einer Veröffentlichung bekannt: Auch ftiAschafteiMrg hat di; Ausrufung der Räterepublik Bayern ihre Wirkung ausgeübt. Das gesamte Proletariat, die unabhängige und die mehrheitssozialistische Partei, hat sich zum Kampf gegen das großkapitalistische Unterdrücker- tum geeinigt und dürften selbst die schönsten Lockrufe von Seiten unserer Gegner an der geschloffenen Phalanx dieser Proletariermassen abprallen. Gleichzeitig hat sich ein re­volutionärer Aktionsausschuß aus Arbeitern und Solda­ten gebildet, der die Exekutive in die Hand genommen hat. Die Soldaten der Garnison haben ihre Dienste der be­stehenden Macht, d. h. den Arbeiter- und Soldatenräten zur Verfügung gestellt und werden jede reaktionäre Hand­lungsweise, wenn nötig mit Waffengewalt, unterdrücken. Als Gegenmaßnahmen gegen den gestern abend propagie­renden Bürgerstreik wurden Beschlüsse gefaßt. Schließlich sah sich der Aktionsausschuß veranlaßt, vorerst für zwei Tage sämtliche Banken zu schließen, um größere Abhebungen von Kapitalien zu verhindern.

Ueber die Stellungnahme der V L r g e r s ch a f t in Aschaffenburg liegen bis jetzt Meldungen noch nicht vor.

Die Arbeit der neuen Männer.

München, 8. April.

Um die Sozialisierung vorzubereiten, stellt nach einem Telegramm derFrkf. Ztg." die bayerische Räteregierung alle Unternehmungen unter gesellschaftliche Kontrolle. Alle Betriebe sollen ungestört weitergehen,' Störungen durch Unternehmer, einzelne Angestellte oder Arbeiter, die den Betrieb ernstlich gefährden, sind dem Zentralwirt­schaftsamt zu melden. Alle leitenden Direktoren und Inge­nieure haben ihre Arbeit fortzusetzen, aber die Kontrolle der Geschäftsgebarung und der Geldbewegung durch die ordnungsgemäß gewählten Vertreter der Betriebsräte oder Arbeiter- und Angestelltenausschüsse zu ermöglichen. Ver­einzeltes Vorgehen in Industriebetrieben, Banken, Spar- kaffen, Warenhäusern usw. hat im Interesse der Vollsozia­lisierung zu unterbleiben. Sämtliche im bayerischen Staats­gebiet gelegenen Bergwerke werden zum Zwecke der So­zialisierung unter sofortige gesellschaftliche Kontrolle ge­stellt. Ihre gesamte Verwaltung und Betriebsführung un­tersteht künftig auch in wirtschaftlicher Beziehung, insbe­sondere was die Geldgebarung und Preisbildung anlangt, der öffentlichen Aufsicht. Um mit der Sozialisierung der P resse sofort beginnen zu können, wird auf Anordnung des Zentralrates die gesamte Pretze Bayerns unter gesell­schaftliche Kontrolle gestellt. Die allgemeine Sonntags­ruhe wird auch für die Pretze angeordnet. Alle A r b e i- r erröte Bayerns werden durch den Zentralrat aufge­fordert, durch Delegierte die Hotels und Gasthäuser auf Lebensmittelvorräte, Mahlzeiten und Zimmerpreise zu kontrollieren, gegebenenfalls Vorräte, die den normalen Berbrauck übersteigen, zu beschlagnahmen und sie den klei­nen Gasthöfen, in denen vorwiegend Arbeiter verkehren, zuzuweisen.

Wohin die Reise geht!

= Berlin, 9. April. (Telegramm).

DieGermania" schreibt: Die Kerbältnitze in Bayer« und ebenso die Verhaftung des Reichsministers und des Kommandierenden Generals in Magdeburg zeigen uns mit erschreckender Deutlichkeit, wohin die Reise geht, wenn die Reichsregierungund die Nationalversammlung nicht an ie * dingt fe st bleiben. Sie können das umso mehr, als die offenbar gewillt sind, den berechtigten Wünschen der Ar­beiter möglichst weit entgegen zu kommen.

Magdeburg vor schweren Kämpfen.

DDP. Magdeburg, 9. April. (Telegramm.)

Wie dieVcssifche Zeitung" »erfährt, sind dort die von den Spartakisten und Unabhängigen besetzten Gebäude und das Gebäude des Generalkommandos von dem der Re­gierung treugebliebenen Korps der aktiven Unteroffiziere wiedergenommen word « n. Die Aufrührer haben eine Elbbrücke besetzt und wollen sie in die Luft sprengen. In der Richtung auf Halle schanzen sie sogar. Sie sollen dort auch acht Geschütze aufgefahren haben. Der eigentliche Kampf gegen di« A u f r ü h i e r hat noch nicht begonnen, wird aber für heute erwartet. Die von der Regierung nach Magdeburg entsandten Kommissionen sind bis zur Stunde, 8 Uhr abends, dort noch nicht eingetroffen. In der Stadt selbst herrscht verhältnismäßige Ruhe.

Berliner Gerüchte.

DDP. Berlin, 9, April.

Die Nachrichten von einem mißlungenen Anschlag auf den Reichswehrminister Noske sind falsch. Auch die

rächte über Men MlWgM des st stE und 24. A.-K. nach Berlin sind ungenau. Die Solbatenrät« der genannten Korps haben dem Reichswehrministsr ihre absolute Zuver­lässigkeit versichert. Entgegen den Meldungen eines Ber­liner Blattes, das über Teilausstände in Moabit berichtet, wird von dort miigetoilt. datz heute mittag mit Ausnahme der im Streik stehenden Jndustriebeamten in Moabit alles arbeite. Es war weder von einem Streik noch von einer Streikneigung etwas zu merken.

Wilson droht?

- - Newyork, 9. April. (Privattelegramm.)

Die Abfahrt des Tumpfers des Präsidenten Wilson George Washington" nach Bvest, die am 15. April erfolgen sollte, ist nunmehr bereits auf den 11. April festgesetzt.

- Rotterdam, 9. April. (Privattelegramm.)

DasDagbl." meldet aus Paris: Die amerikanischen Friedensdelegierten erklärten, datz Wilson durch seine be­schleunigte Abreise die Friedenskonferenz zwingen wollte, entweder sofort unter den be­reits akzeptierten Bedingungen Frieden zu schlie- tzen, oder zu erleben, datz Amerika sich auf seine eigene Politik zurückzieht. Die amerikanischen Delegierten erklärten bestimmt, datz der Präsident nicht langer die bisher verfolgte Arbeitsmethode mitmachen wolle.

Bedrohung der Lebensmittelzufuhren.

Berlin, 9. April.

Die ersten in Deutschland eingetroffenen Lebensmittel, schiffe der Entente haben mit Ballast wieder aus. fahren müssen, da in Deutschland nicht einmal soviel , Ausfuhrwaren zusammenzubringsn waren, datz die Leben--- ! Mittelschiffe damit befrachtet werden konnten. Es waren nicht einmal soviel Kohlen zur Stelle, um du Bukker der Lebensmi tt e lschi ffe nachfüllen zu können. Wie ; lange unter einer solchen Wirtschaft die Entente Lebens­mittel zu liefern bereit sein wird, kann nicht ungewiß erscheinen.

Der erste Lebensmittewampfer aus Holland.

Rotterdam, 9. April. (Privattelegramm.)

Dem Wunsche der deutschen Regierung entsprechend wurde heute auf Veranlassung des Vertreters der deutschen Regierung in Rotterdam der erste Uebersee. d a m p f e r mit Mehl, Bohnen, Fett und Milch, zusammen etwa 8000 Tonnen nach Bremerhaven beorderst Es werde« ferner in nächster Zeit in Hamburg und in anderen deut, schen Städten aus Amerika kommend 35 000 Tonnen D« treibe, Mehl und Fett erwartet.