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, Verantwortlicher Redakteur: Gustav Schrecker,
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Nr. 83 s^CT.'^ Dienstag den 8. April
Bayerns Schicksalsstunde.
Diktatur in Bayern.
Ueber unter nachbarliches Bauernland ist hereingebrochen, «a» schon seit Wocken zu befürchten war: Die Diktatur einer Minderheit. Allerdings find erst Teile Bayern- von dieser Neuordnung betroffen worden, doch läßt sich bis heute noch nicht ersehen, wie sich die Dinge weiter rukpitzen werden : Eine Minderheit will der Mehrheit ihren Willen aufzwingen, zwei Drittel deS Volkes sollen politisch ausgeschaltet werden. Don emer Herrschaft des Volkes ist unter diesen Umständen nicht zu sprechen. Für alle, denen die Wohlfahrt des Landes am Herzen liegt, die die Gefährlichkeit des Experiments erkennen, erwächst die Aufgabe, mit Besonnenheit der neuen Lage zu begegnen. Wir lassen nachstehend die uns zugegangenen Berichte folgen:
Das Reich und die bayerische Räterepublik.
W. Berlin, 8. April.
Don berufener Geste wird mstqeleilt: Nachdem in München die Räterepublik auSgerufen ist, die bisherige Regierung München verlassen und der Landtag wider Recht und Gesetz »usgelSst wurde, trat das Verhältnis Bayerns zum Reich in ein neues Stadium. Entsprechend der vorläufigen Verfassung dürfen im Staatenausschuß nur Regierungen vertreten sein, die aus allgemeinen Wahlen hervor, gegangen und das Vertrauen ihrer Volksvertretungen ge» Mitren. Beide Voraussetzungen treffen auf ^âR äleregierung >a Münch en N i cht zu. Me kann also dem Etaatenausschuß nicht angeboren. Die Reichsregierung nimmt Kenntnis von der Erklärung des bayerischen Ministerpräsidenten Hoffmann, wonach die bisherige Regierung nicht zurückgetreten, sondern nur ihren Sitz von München weg verlegte. Sie betrachtet diese Regierung nach wie vor als Ausdruck des Mehrheit-willen» des bayerischen Volke- «nd ist mit ihr der Ansicht, daß sie die einzige Inhaberin der Höchstgewalt in Bayern und allein berechtigt ist, rechts- wirksame Anordnungen zu erlassen und Befehle zu erteilen. Der weitere Verbleib ihres Vertreters im Staatenansschuß wird daher von der Reich-regierung als zu Recht bestehend «rannt.
Verschärfter Belagerungszustand
. in Südbayern.
^ , ^ DDP. München, 8. April.
Die S'raßen der Stadt sind ungesüßt von großen Menschenmassen. Zum ersten Male sind auch die M ü n - chener aufgeregt. An allen Straße, ecken sind Menschenansammlungen, welche für und gegen die Räterepublik sp'kchen. Ueberall trifft man auf Volksred n er die auf die Mengen einreden. Nachmittags bewegte sich ein Zug durch die St-aßen mit Fahnen, die die Aufschrift „Für den Landtag! Gegen die Räterepublik1" trugen. Für morgen nachmistag find auf der Theresten-W ese M a s s e n • demonstrationen vorgesehen, welche für und gegen dir Räterepublik sich richten sollen. Der Straßenbahnver- kehr ruht vollkommen. In der Stadt sind Waffen und Bereits dosiert der Räterepublik verteilt worden. Mehrere Redner, die gegen die Räterepublik redeten, wurden von Patrouillen der Roten Garde verhaftet und weageichleppt. Eine Reihe der Ka'ernenräte ist gegen die Schaffung der Roten Garde. Eine große Mißstimmung macht sich gegen die Juden bemerkbar, so vor allen gegen Levien und Dr. Wagner, die die Arbeiter genau so betrügen, wie das alte Regiment. Im ganzen Bereich des I. Bayerischen Armeekorps ist der verschärfte Belagerungszustand kr^ângt worden.
WB. München, 7. April.
Das Generalkommando des 1. A.-K. gibt bekannt: Unter Heutigem wurde die Rate-Republik Bayern ausgerufen. Kür den Bereich des 1. bayerischen Armeekorps wird bis auf weiteres der verschärfte Belagerungszustand verhängt. Zusammenrottungen und Demonstrationen sind strengstens verboten. Wer tätlich gegen die Vertretung der Räte-Re- publik vergeht, wer plündert, raubt oder stiehlt, wird er- kchvssen. Der im Bereich des 1. bayerischen Armeekorps verhängte Belagerungszustand und das Standrecht werden Nur im Interesse der Sicherheit des Proletariats bis auf weiteres aufrecht erhalten. Die Polizeistunde ist auf abends 10 Uhr und an Sonntagen auf abends 11.30 Uhr festgesetzt, pine Stunde nach Eintritt der angegebenen Zeit hat alles t® feiner Behausung zu jein. Das Reckt der Straffe gehört
der klassenbewußten Arbeiterschaft. Die revolutionären Soldaten, die den Schutz der Arbeiterklasse übernommen haben, sorgen für die Durchführung dieser Anordnung.
Protest gegen die Räterepublik.
WB. Bamberg, 7. April.
Abgeordnete aller bürgerlichen Parteien in den drei fränkischen Regierungsbezirken nahmen untereinander Fühlung und erhoben einstimmig P r o t e st gegen die A u s r u f u n g B a y e r n » z u r R ä t e r e p u b l i k. In dem Protest heißt es: Bereit« am 6. April sprachen sich auch die Mehrheitssozialisten Bay-rns aus politischen und wirtschaftlichen Gründen gegen die Ausrufung der Räterepublik aus. Wir fordern die Beamtenschaft, das gesamte werktätige Volk Bay-rns, die Arbeiter, Bürger und Bauern auf, sich hinter den vom Volk gewählten Landtag zu stellen. Die gesamte Bevölkerung Nordbayerns und die Presse wirb hiermit gewarnt, sich durch Terror einer verschwendenden Minderheit, vorwiegend von Leuten überwiegens ausländischen Geblüts sich eins buttern zu lassen. Der Augenblick ist so ernst wie noch nie. Bayern hängt über dem Ab« gründ. Wenn es vor dem Sturz Nicht bewabrt wird, ist alles veilaren. Dann hat Bayern im Innern Brudennard, Plünderung und Hungersnot. Die weitere Folge ist die wirtschaftliche Absperrung Bayerns, wodurch ein vollständiges Erliegen unseres Wirlschaftèlesens, die Stillegung des Eisen- bahnverke r« und ebenso das Aufhören jeder Kohlen- und Lebensmittelzusuhr einiritt. Das Ausland lehnte jede Er- nâhrui'gsbeihilfe an das bolschewistische Bayern ab, Hüf- von Rußland und Ungarii^rft nusgefchtosten, da die«? Länder selbst durch Hungersnot gepeinigt sind. Der Fried-nsschluß wird D lagert. Unsere vielen tausende bayerischen KrieqS- gelangenen bleiben in der Knechtschaft des Auslandes. Die Euch dieses sagen, sind Eure Landsleute, nicht landfremde Menschen, die von Bayern noch vor wenig Monaten nichts wußten und denen Euer Schicksal gleichgültig ist.
Verlegung der Regierung nach Bamberg.
—Bamberg» 8. April. (Privattelegramm.)
Eine Kundgebung der Regierung des Freistaates Bayern an die bayerische Beamtenschaft teilt mit, daß die Nachricht, die sozialistische Regierung des Ministerpräsidenten Hoffmann sei zurückgetreten, unwahr i st. Der vom bayerischen Landtag einstimmig gewählte Ministerpräsident Hofsmann hat den Sitz der Regierung heutenach Bambergverlegt. Die Regierung ist die einzige Inhaberin der führenden Gewalt Bayerns. Nur ihre Anordnungen und Beschlüsse sind zu vollziehen. Alle von anderer Seite ergehenden Gesetze sind ungültig.
; p Militärrevolte.
Ä f^ = Magdeburg, 8. April.
Der Reichsfustizminister Otto Landsberg ist in Magdeburg von aufrührerischen Truppen als Geisel verhaftet worden. Er war angesichts der aufrührerischen Bestrebungen nach Magdeburg gefahren, um dort zu ver. mitteln. Dabei ist er von den Truppen festgenommen worden. Angehörige des Wachtregiments haben sich auch des kommandierenden Generals des 4. Armeekorps von Kleist, dessen Adjutanten, Frhrn. v. Schlichting und mehrerer anderer Offiziere bemächtigt und sie als Geisel« gefangen genommen.
DDP. Berlin, 8. April.
Auf Anordnung bet Reichsregierung sind starke Truppenadteilungen auf dem Marsche nach Magdeburg, um dort wieder Ruhe nnd Ordnung herzustellen und die festgeuommeven Geiseln zu befreien. .-G '
A Fochs Emlenken.
- ---- Berlin, 8. April. (Telegramm.)
Wie verschiedene Blätter berichten, hatte sich Foch mit der französischen Finanzkommission dahin geeinigt, auf die Besetzung der Rheinbezirke durch Ententetruppen zu verzichten, falls ausreichende wirtschaftliche Bürgschaften erreicht würden.
Gärung auch in Holland.
= Berlin, 8 April. (Telegramm.)
Nach einer Lokalanzeiser-Meldung fand gestern' im Haag em 15 Minuten langer Streik statt, um die gewerkschaftliche Macht vor Auge« zu führen. Die Arbeiter wollten nur zeigen, daß der Apparat sunkuoniert, sobald mau a u f heu L » avk drücke.
Fernsprechanschlutz
Nedaktton 640 — Eivedition 230
1919
Die Verzögerung des Friedensschluffes.
DDP. Chiasso, 8. April. (Telegramm.)
Dem Büro „Europa Preß« wird indirekt aus Paris gemeldet: Die deutschen Finanzdelegierten in Compiegne weisen ernst auf die Gefahr hin, bU eine weitere Verzögerung des Friedensschlusses um unbestimmte Zeit mit sich bringe. HierdurlL würden alle Mächte in ungewisser Erwartung belassen und jede Zukunftshoffnung vernichtet. Dies« Spannung bedeute die größte Zersetzungsgefahr füi Deutschland. Jedes noch so große Uebel wäre biefet Unsicherheit vorzuziehen. Man nehme Deutschland di« Hoffnung auf ein Wiederemporblüßen und fördere in Deutschland die Auffassung, daß jede Arbeit zwecklos sey Verzögere die Konferenz weiter ihre Arbeiten, so werd« der Bolschewismus unbewußt von Paris mehr als von Moskau aus gefördert.
Die Ausstandsbewegung.
WB. Essen, 7. April.
Während die Zeniral-Slreikleitung mitteilt, daß bi» zum Mittag von den Bergwerken des rheinisch-westfälischen Industriegebietes 227 Schachtanlagen mit 386 400 Berg« ardeiiern im Generalstreik stehen, meldet der Bergbauverein, die Gesamtzahl der Au-sländigen bei der heutigen Frühschicht belaufe sich auf 156 645 gegen 144 883 am Samstag. Di« G.samtzahl der Sireikeuden vom Samstag betrüge 265 101 gegen 260 274 am vorhergehenden Tage. In der Zahl der Streikenden besteht nach einer Meldung der Streikleitung und des Bergbauvereins ein Unterschied von über 100 000 Mann. Der Bergbauverein teilt auf eine Anfrage hierzu mit, daß die von ihm festgestellien Zahlen unbedingt zuver« lüfig seien. Zum großen,TÄ l^ Uuierjegjeb wohl da» durch zu e klären, daß die Sireikleitung die auf den vom Streik beti offenen Zechen arbeitenden Leute als Streikend« mitrechnet mit der Begründung, daß diesen Arbeitern die Erlaubnis zur Vornahme von Notstandsarbeiten erteilt sei. Dies könne aber nur bei verhâltnisniäßig wenigen Leuten zutreffen. Die Zahl der aus eigenem Antriebe Arbeitenden sei iehr groß und betrage, abgesehen von Zechen, die überhaupt nicht am Ausstand beteiligt sind, bei vielen Werke» mebiere hundert Mann.
WB. Essen, 7. April.
Bei der Firma Krupp ist bet größere Teil der Beleg« schalt durchaus arbeitswillig und auch zur Arbeit erschienen. Demgegenüber ersuchte das sogenannte revolutionäre Streikkomitee die Firma, die Wei kstätten für die Arbeitswilligen zu schließen, was die Firma ablehnte.
- -. Berlin, 8. April. (Telegramm.)
Nach der „Vossischen Zeitung" ist gestern in Spandau der Generalstreik beschlossen worden und wird heute verkündet werden.
Forderung der 6 Stundenschrcht im Friedensvertrag.
— Bochum, 8. April. (Privrttelegranrin.)
In einer gestern abgehaltenen Vertrauensmännerver« sammlung der Gewerkvereine christlicher Bergarbeiter wurde eine Entschließung angenommen, in der die An« nähme der 6 Stundenschicht für die Bergleute im Friedensvertrag und als Uebergangs- norm die 7 Stundenschicht gefordert wird. Der stark erörterte politische Streik und der Name ebnes Einheitsverbandes wurde mit großer Entschiedenheit verworfen.
Generalstreik in Mülheinr.
= Mülheim (Ruhr), 8. April. (Privattelegramm.)'
Die Streiklage verschärft sich außerordentlich, nachdem die Arbeiter der Firma Thyen, der Friedrich Wilhelm- Hütte und in vielen Gerbereien in einen Sympathiestreik für die Bergarbeiter eingetreten sind. Die Gas- und Elektrizitätsversorgung hörte nachmittags auf, sodaß die Stadt ohne Licht war. Die Theater und die Kinos mußten geschlossen werden. Eine Der- traucnsmännerversammlung sämtlicher Arbeiterorgnnisa» tionen beschloß heute, Notstandsarbeiten nicht mehr auszuführen und rief den Generalstreik aus. Man forderte die sofortige Entlassung aller politischen Gefangenen und die Auflösung des Freikorps Schulz. Der Straßem- bahnverkehr bleibt eingestellt. Auch die Arbeiter der Eisen- bahnwerkstätten in Mülheim-Speldorf hat mit 593 gegen 81 Stimmen den Ausstand beschlossen.
Antiserbische Kundgebungen.
DDP Lugano, 8. April.
Na4 einer Stefani-Meldung haben sich in Agram große anliserbische Kundrebnngen vollzogen, die von den serbischen Truppen blutig niedergeschlagen wurden. Es gab 30 Tote und Verwundete. Ganz Kroatien ist in wilber E»u>önutß aeaen die ©erben und Jugo-Slave».