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r. 81 . «e&7^ Samstag den 5. April ^""j^ 1919)

Zu den Verhandlungen in Spaa.

Danzig und der deutsche Michel.

Nach den letzten Meldungen des Reichsministers Erzberger aus Spaa, die einen wahrend des ganzen Tages gepstagenen MeinungSans- tanich abschliesten, ist, wie diePol.-Parl. Nach­richten* mitteilen, anzunebmen, daß Danzig als Landungsstation für die polnischen Truppen ausgt schaltet werden wird. Pie Zorde- rnnqen, die der Durchtransport der Armee Haller an das deutsche Verkehrswesen stellt, stellen nach wie vor eine sehr schwere Belastungsprobe dar.

Syenit wir auf die letzten Wochen zurückblicken, in denen hie Frage der Landung dreier nationalpolnischer Divisio- ren in Danzig vor dem Forum der deutschen Oeffentlichkeit Kotiert wurde, so kann man siK des Gefühls einer gewissen Deschamung nicht erwehren. Sicherlich, die Presse hat sorg­fältig die Proteste aus dem bedrohten Gebiet veröffent­licht, es sind zahllose Leitartikel über das Problem an sich ond im allgemeinen erschienen, aber wenn man die Sache recht betrachtet, so hat es letzten Endes doch an dem nötigen Rachdruck gefehlt, mit dem man unseren Gegnern gegen­über hätte austreten müssen. Vielleicht wäre es besser ge­wesen, wenn wir von vornherein durchgefetzt hätten, daß die ganze Angelegenheit t« militärischen auf das poli­tische Gebiet geschoben worden wäre, denn es unterliegt ja keinem Zweifel, daß gerade die Franzosen, die sich auch hier wieder als unsere unversöhnlichen und zielberorchten Feinde erwiesen hoben, das Problem ausschließlich aus rein politischen Gesichtspunkten heraus betrachtet und be­handelt haben. Jhx Plan ging gradlinig darauf aus, das von ihnen zum Angelpunkt ihrer ganzen Politik gemachte ^ogma von der notwendigen Schwächung Deutschlands ,^^jei zur Tat werden zu lasten, und wenn man ihnen ^Hpffsach hatte, daß man sie durchschaue, so würden sich sicher verschiedene Möglichkeiten einer energischen Gegenwirkung gezeigt haben, die nun ungenutzt geblieben sind. Doch das liegt ja nun hinter uns, und kann heute kaum mehr den Gegenstand der Kritik bilden. Der Feind hat uns wieder einmal das Gesetz des Handelns auferlogt. Viel schlimmer sst, daß sich auch diesmal wieder der deutsche Michel in vollem Glxr am Werke sehen ließ, um unsere Lage weiter zu schwächen. Wenn ein Mann wie der deutsche Kommissar Winnig, es offen ausspricht, daß in der Danziger Frage unter Umständen der Augenblick kommen könnte, 'wo die Ration ihr Alles an ihre Ehre setzen müsse, dann konnte man vonalbernen Drohungen" leien, die auf die Entente keinen Eindruck machen würden. Dabei ist mit Händen zu greifen, daß die.Entscheidung' in der Danziger Frage im Wesentlichen auch eine Entscheidung über die politische Zu­kunft und des Ansehens des Deutschen Reiches gewesen ist. Dergleichen meinten wir, als wir davon sprachen, man könne sich bei einem Rückblick auf die jüngsten Erörterum- gen einer gewissen Beschämung nicht erwehren. Und dazu kommt noch eins. Die Nationalversammlung ist am Vor­abend der Entscheidung auseinandergegangen und wird erst in der nächsten Woche wieder zufammentreten. Mutzte sie nicht als Verkörperung des heutigen Volkswillens mit herangezogen werden? Hätte man nicht in einer ein­drucksvollen Sitzung noch ein starkes Mittel in der Hand gehabt, um im letzten Augenblick auf den Gegner zu wir­ken? Wir waren auch diesmal wieder nicht auf der Höhe, wir müssen noch immer lernen, unsere Angelegenheiten selber mit größerem Ernste zu behandeln. R.

Nicht nach dem Diktat des Siegers.

Berlin, 5. April. (Telegramm.)

Zum Abkommen über die Frage des Durchzuges polnischer Truppen durch deutsches Gebiet sagt derVorwärts", es sei mit ihm ein Streitfall aus der Welt geschafft, der dem nach Frieden lechzenden Europa neue Beunruhigung zu bringen drohte. Die Entente habe in diesem Fall anerkannt, daß es auch für den besieg­ten Gegner Grenzen des Entgegenkom­me n s g i b t, über die er nicht hinwegkommt, und daß das Diktat des Siegers nicht das geeignete Mittel ist, alle Fragen zu einer dauernd gesicherten Regelung zu bringen. Es fet zu wünschen, daß der Geist dieses Abkommens auch in den allgemeinen Frttdensbedingungen sich wirksam er­weisen möge. In derDo ssischen Zeitung" he itzt es: Die Verhandlungen in Spaa haben zu einer Vereinbarung ge­führt. die zweckmäßig erscheint und den deutschen WÜLlcheu Recknunü trägt.

Ausstandsbewequng.

Hannover, 5. April.

Wie demVerl. Lokalanzeiger" gemeldet wird, fiM heute früh die Bergleute der fiskalischen Kohlenbergroerlei am Deister (Provinz Hannover) in den St r e ik e i n ge-i treten. Sie verlangen Lohnerhöhung.

DDP. Berlin, 4. April.'

Trotz der mehrstündigen Verhandlungen zwischen bete) Verband der Berliner Metallindustriellen und den Orga» nisationen der streikenden Angestellten ist auch gestern n«^ keine Einigung erzielt werden.

Nürnberg, 5. April. (Telegramm.)'

Wie verschiedene Blätter melden, haben die Angestell«) ten der Nürnberger Handelsgeschäfte sowie die Aushilfs-' fräste der Stadtverwaltung beschlossen, wegen Lohnfordsch rungen am Montag in den Stril zu treten. Die Deutsche Demokratische Partei und der Deutsche Bauern»- band erließen an die gesamte Bürgerschaft Nürnberg» eiven Aufruf, in dem sie zur Vorbereitung des Bürger»' st r e i k s als Waffe gegen den Terror auffordern.

I Hinrichtung Krylenkos.

m. Berlin, 5. April. (Eigene Meldung.)

TÄs^s meldet aus Moskau: Der frühere russische Ober» kommandierende Krylenko ist wegen Teilnahme an einer Gegenrevolution im Moskauer Kremel erschossen worden. Mit ihm wurden 28 Kommandanten der Roten Garde hin­gerichtet. Die Gärung im Lande ist bedenklich.

Ein bezeichnendes Nesultat.

- Berlin, 5. April. (Telegramm.)

DemBerliner Lokalanzeiger" wird aus Amsterdam gemeldet: Bei den Dürgermeisterwahlen m Chicago sind die Deu tsche nfr eund e William Hals-Thompson und Robert Switser mit LbermSltiaender Stimmenmehrheit gewählt worden. Dieses Resultat ist umso bezeichnender, als gegen die beiden wegen ihrer Deutschfreundlich-, feit eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden war.

Eine Niederlage der Bolschewisten.

= Berlin, 5. April. (Telegramm.)

N«S London meldet Havas: Die Truppen des Generals Ohkuros haben am 28. März bei der Einnahm e von Wladikawkas (Kaukasien) die über 100980 Mann starken bolschewistischen Truppen völlig geschlagen. Es wurden über 50 000 Gefangene eingebracht, 13 Panzer, wagen, 100 Lokomotiven, 200 Geschütze, 350 Maschinenge« wehre und beträchtliches Mctterial erbeutet.

Gehorsamsverweigerung po'nffKer Truppen

DDP. Posen, 5. April.

Die neugebildete polnische Ulanen-Formation solli^ nach Warschau verladen werden. Die Truppen weigerte,,' sich jedoch und verhinderten die Abfahrt des Zuges, sodaß die bereits verladenen Pferde wieder ausgeladen werden mussten.

Die Alliierten und der neue Staat.

WB. Wien, 4. April.

DieStaatskorrespondenz" stellt gegenüber den erf neuten Behauptungen desNeuen Wiener Journals", da^ die E n t e n t e Deutsch-Oesterreich für den Fall des Verc zichtesauf den Anschluß an Deutschland gewiss, Vorteile anbot, fest, daß solche Anerbietungen nicht gemacht wurden.

Die Iunggesellenflener in England. , = Berlin, 5. April.

In England ist lautBerl. Tageblatt" die E i n f ü h, rung der Junggesellen st euer nunmehr ge­sichert.

Parteitag der Mehrheitssozialdemokratem

Berlin,' 5. April.

LautBerl. Tageblatt" beruft der Parteivorstand de, Mehrheitssozialdemokratie in Berlin den nächsten Pari te itag auf Dienstag den 10. Juni 1919 nach Wsima, eia.

Der Durchmarsch der Armee Haller durch Deutschland.

m. Berlin, 5. April. (Eigene Meldung.)

PâKHe Kreisen maßgebende Stellen glauben, daß der Durcbmarsch der Armee Haller durch Deutschland infolge des äußersten Mangels an geeigneten Transportmitteln auf undurchführbare Schwierigkeiten stößt.L'homme libre" schrieb am Mittwoch, die deutschen Vorschläge muß­ten wir annehmen, aber wenn sie nicht durchgeführt werden, 'muß es Marschall Foch freistehen, ohne neue Ver­handlungen die Landung in Danzig anzu­ordnen.

Die deutschen Auslandsvertretungen.

DDP. Berlin, 4. April.

DerVorwärts" kündigt eine weitgehende Erneue­rung des deutschen diplomatischen Korps an, sobald die diplomatischen Beziehungen zu den bisher, feindlichen Ländern wieder ausgenommen werden, was in absehbarer Zeit der Fall sein dürfte. Zahlreiche Auslands­vertreter Deutschlands werden ihre Posten verändern und frische Kräfte herangezogen werden müssen. Die Dorbxrei- tungen hierzu sind fd;on im Gange. Es ist wohl mit Be­stimmtheit zu entarten, daß in Zukunft auch in der deut­schen Auslandsvertretung der neue Geist Deutschlands zur Geltung kommt. Verschiedene wichtige Posten dürften dann mit Sozialdemokraten besetzt werden. In diesem Zusam­menhang sei erwähnt, daß derBerliner Lokalanzeiger" Eduard Bernstein als Botschafter für London nennt. Das Ende der alten preußischen Armee.

-^^ Meldung.)

Wie wir erfahren, werden die noch bestehenden Regi­menter im Bereiche des preußischen Heeres bis spätestens 1. Juni ausgelöst. Ihre Uebernahme in die neue Reichs­wehr erfolgt nicht allgemein, sondern nach dem selbstän­digen Ermessen des Reichswehrministers Noske. Regimen­ter, die mit ihren Coldatenräten nachweislich regierungs­feindliche Politik mitgemacht haben, bleiben samt und son­ders außerhalb der neuen Reichswehr und werden ent­waffnet.

Umstürzlerische Pläne.

WB. Berlin, 4. April.

In mehreren Städten wurde in der letzten Zeit 5er Versuch gemacht, militärische Formationen für eine im April vorzunehmende Militärrevolte zum Zwecke des Sturzesder Regierung, der Sprengung der Natio- nalversammlung und Ausrufung der Rate-Republik zu gewinnen. So fanden in Magdeburg und Berlin Bespre­chungen statt, an denen neben Soldaten Mitglieder der Partei der Unabhängigen-Sozialdemokraten teilnahmen. In erster Linie sollten die Soldaten des Magdeburger 4. Armeekorps, dessen Zentralrat an den Erörterungen he- teiligt war, und Formationen des 21. und 16. Armeekorps an dem Unternehmen beteiligt sein. Die Regimenter des letzten Armeekorps demobilisierten in Orten, die im Bezirk des 4. Armeekorps liegen. Die Leute sind nicht immer gut. untergebracht, die Unteroffiziere sind wegen ihrer Zukunft besorgt. Die vorhandene Unzufriedenheit wollten verbrecherische politische Drahtzieher ausnutzen, indem sie den politisch und wirtschaftlich wenig erfahrenen Soldaten klarzumachen suchten, es sei nur notig, die Regierung zu stürzen, um ihnen eine angenehme Zukunft zu garantieren. Das wirkte bis zu einem gewissen Grade bei einer Anzahl Soldaten, da ihnen der Erfolg als ganz sicher in Aussicht gestellt wurde. - Nachdem in Magdeburg der Plan erörtert »erben war, wurde in den letzten Tagen von Verschwörern in Berlin bei den Truppenteilen der Versuch gemacht, sie zur Teilnahme an dem Handstreich zu gewinnen. Der Plan ist der Negierung in den Hauptzügen bekannt. Für alle Fälle traf der Reichswehrminister als Oberkommandieren­der Vorkehrungen, durch die gewährleistet wird, daß jeder ErheLungsversl^) auf das nachdrücklichste unterdrückt wer­den kann.

Der Bürgersireik beendet.

= Stuttgart, 5. April.

In Stuttgart ScMoß der Ausschuß für den Bürgerab- wehrftrcik, ben Bürgersireik heute für beendet zu erklären und der Bürgerschaft zu empfehlen, am Montag die Arbeit wieder auszunuhmen.