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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.

Verantwortlicher Redakteur: Gustav Schrecker für Anzeigen u. Reklamen: August Brodt, beide in Hanau.

Nr. 80 «JlaWL^ » Freitag den 4. April *,&V6'^ 1919

Die Entente und die Landung in Danzig.

Die Spannung im Viererrat.

Ein Kollegium von vier Mann will den kommenden Dingen des Friedens die letzte Form geben, und indem die Führer des Verbandes zu diesem Viererrat zufammen- traten, glaubte man eine Einigung leichter zu erzielen, da der Streit der vielen Köpfe so in Fortfall kam. In den, Kommissionen, die die einzelnen Materien des Friedens beraten hatten, war man immer ängstlich bemüht gewesen, die vorhandenen Gegensätze nicht aufeinanderprallen zu lassen. Die französischen Vertreter bemühten sich ihrer­seits, über den Rahmen der Beratungen hinaus die Blät­ter der Welt mit ihren Forderungen zu füllen. Und Frank­reichs Politiker nährten im Busen die stille Hoffnung, daß die Gegensätze im Rat der Vier viel leichter unsichtbar sein 'würden, als in den großen Beratungen. Diese Hoffnung ist anscheinend ein Irrtum gewesen, wenn man den Zei­tungsmeldungen der letzten Tage trauen darf. Es hat sich ein Gegensatz zwischen Clemenceau und Wilson gebildet. Im Lager Clemenceaus steht der viel­beredte Orlando. Italien im Gefolge Frankreichs: es hat sich nichts gegen früher geändert. Auf der anderen Seite steht Wilson mit Lloyd George zusammen. Nach der bis­herigen Haltung des englischen Ministerpräsidenten ist man befugt, anzunehmen, daß er aus reiner Jntsressen- pcttHf seines Landes auf Amerikas Seite steht, und nur Wilson legt Wert darauf, als Apostel des wahren Frie- und als Verfechter des MewUheitsa-edankens aufzu- treten. Diese Rolle dürfte an sich nicht schwierig sein, da Wilson in Clemenceau einen Gegenspieler hat, den nichts . als Rachsucht und Habsucht leitet. Clemenceau versteht die Welt von heute nicht mehr, sein Tun entspringt aus Trie­ben, die in ihm vor 50 Jahren wachwurden. Die bisher aufgetretenen Gegensätze sind entstanden aus den Fragen der Ostgrenze Frankreichs und der Wiedergutmachung. Wie Wilson sich auch drehen und wenden will, hier wird keine Wendung und keine sorgfältig ausgetüftelte Lösung etwas ändern. Man mag das Wilson-Programm auslegen, wie man will, aber man wird es niemals so auslegen kön­nen, daß Frankreich einen Anspruch auf das Saargebiet hat. Und weiter enthalten die Wilfonpunkte auch nichts von der Berechtigung jener maßlosen Forderungen, die Frankreich an Deutschland stellen will. Der schon immer vorhandene Gegensatz ist nun in das Stadium der Span­nung getreten. Ueber die Härten des Waffenstillstands- Vertrages hat Wilson sich noch hinwegzusetzen vermocht, die Grausamkeiten des Friedensrertrages werden Willon, wenn Clemenceau Sieger bleibt. unwiderruflich und für immer kompromittieren. Er wird alsdann vor dem Ver­band und vor den Neutralen seine Rolle als moralischer Führer ausgespielt haben. Wir wollen nicht prophezeien, wie diese Spannung gelöst wird. Für uns gibt es nur eine annehmbare Lösung, die einen glatten Sieg Wilsons dar­stellt. Willen kann sein Ueber gewicht geltend machen, wenn er ernstlich will, Lloyd George stebt ibm als Sekun­dant zur Seite. Sollen wir in diesen entscheidungssthweren Tagen zum Optimismus oder ?um Pessimismus raten? Die bisherigen Erfahrungen stimmen uns pessimistisch. Der Glaube an eine bessere Zukunft läßt d?n Optimismus siegen. Was aber auch kommen möge, zunächst können wir Nichts anderes tun, als in Ruhe zu warten. R.

Eine Verordnung des Reickswchrministers.

WB. Berlin, 4. April.

Der Reichswehrminister hat eine Verordnung erlösten, in der es u.a. heißt: Wer einem in Ausübung eines Dien­stes befindlichen Angestellten einer Eisenbahn, Hoch- und Untergrundbahn Widerstand leistet, angreift oder zur Vor­nahme oder Anteässung einer dienstlichen Handlung nötigt, wird mit Gefängnis bestraft. Desgleichen wird jede B e f ch ä d i g'u n g der Wagen, Gleise, Leitun­gen und Bahnhöfe aufs schwerste geahndet werden.

Die holländisch-belgische Frane.

DDP. Amsterdam, 3. April.

Algemeen Handelsblad" meldet, daß die Zensur in letzter Zeit in den nach den holländischen Kolonien ge­sandten Ausgaben desHandelsblad" verschiedene Artikel, ;. V. über die b e l g i s ch e n Forderungen, geschwärzt hat. Daraus zieht dasHandelsblad" den Schluß, daß nur ein wahrer Völkerbund über die holländisch-belgische Frage sein Urteil füllen dürfe. Sonst dürfe diese Frage nur -wischen Holland und Belgien direkt gelöst werden.

Ein neuer Generalstreik? = Köln, 4. April. (Telegramm.)

In DLfscldorf soll, wie verschiedene Blätter melden, in allen Betrieben eine geheime Abstimmung über den beabsichtigten neuen Generalstreik stattfinden.

Die Frage der Landung polnischer Truppen in Danzig.

Eine amtliche Darstellung.

WB. Berkin, 3. April.

Die Verhandlungen zwischen Reichsminister Erzber­ger und Marschall F o ch in Spaa über die Frage der Lan­dung polnischer Truppen in D a n z i g dauerten mit münd­licher Aussprache und Notenwechsel bis in die Abendstun- den hinein und sind noch nicht abgeschlossen. Die Alliierten legen besonderen Wert auf möglichst schnelle Beförderung der Truppen des polnischen Generals Haller. Daraus er­gibt sich eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß der vom Reichsminister Erzberger vorgeschlagene Weg von der Gegend um Luneville quer durch Deutschland von Marschall Foch in besonders ernste Erwägung gezogen wird. Reichs­minister Erzberger und Marschall Foch wohnen beide in ihren Salonwagen. Die Stadt Spaa ist zu Ehren der erst­maligen Anwesenheit des Marschalls Foch reich beflaggt. Die offiziellen Besprechungen fanden heute vormittag 11 Uhr in der Villa Neubois statt, welche der deutsche Kaiser bis zum Augenblick seiner Abdankung bewohnt hatte und welche jetzt das Quartier des Vorsitzenden der französischen Kommission, des Generals Nudant ist.

Eine Krists ist nicht zu befürchten.

§ Berlin, 4. April. (Privattelegramm.)

Die Reichsregierung machte gestern den Fraktions­führern der Nationalversammlung Mittei­lung über den Stand der in Spaa geführten Verhandlungen betreffend die Truppenlandungen in Danzig. DemBerl. Lokalanzeiger" zufolge erklärte Foch namens der Entente, daß diese geneigt sei, auf eine Landung polnischer Truppen in Danzig zu verzichten. Sie gehe auf den deutschen Vorschlag ein, einen anderen Hafen an der Ostsee zu benutzen, wenn wir bereit und in der Lage seien, Garantien für die Beförderung polnischer Truppen zu geben. Jedoch behalte sich die Entente vor, unter Umständen bei einem späteren Termin auf die Frage der Landung polnischer Truppen in Danzig zurückzukom­men. Man glaubt aber in gut unterrichteten Kreisen, daß die Ententemächte hierdurch nur den polnischen und fran­zösischen Wünschen wenigstens äußerlich entgegenkommen wolle. DieVoss. Ztg." schreibt: Die Teilnehmer an den Verhandlungen in Spaa haben den Eindruck, daß eine entscheidende Krise nicht zu befürchten ist, da anscheinend beide Seiten Entgegenkommen zeigen. Die Mitteilungen der Reichsregierung sind von den Fraktions­führern mit Zustimmung zur Kenntnis genom­men worden.

Die Wahrung der deutschen Interessen.

Berlin, 4. April. (Privattelegramm.)

DieDeutscke Allgemeine Zeitung" sagt zu den Ver­handlungen mit Foch: Man darf die Hoffnung hegen, daß es gelingen wird, die deutschen Interessen zu wahren. Es wird sich vor allem darum handeln, zu prüfen, wie weit die Garantien für die Aufrechterhaltung der Ordnung, die Marschall Foch angeblich zu bieten bereit ist, als aWreickend angesehen werden können. Es muß aber auch bemerkt werden, daß die jetzigen Verbandlungen die Landungsfrage und zwar nur diese zum Gegenstand haben. Das endgültige Geschick Sandigs bleibt davon unb'erührt.

Der Viersrrat. DDP. Paris, 4. April.

Der Viererrat hat bei der Beratung der Danziger Frage die Absicht des Kriegsrats, welche auf Be­setzung Danzigs lautste, nicht unterstützt und bei weiterer Weigerung Deutschlands ksi:en Zwang ange­raten. Die Verbündeten verlieren an Fernkreichs Polen- : planen nunmehr das Interesse. Die ursprünglich beabsich- j tigte militärische Operation ist gänzlich ausgeschlossen. j

Die ersten Lebensmittelsendungen. -

§ Essen, 4. April. (Privattelegramm.)

Im Ruhr st reikgebiet trafen gestern die erst«« Lebensmittelsendungen ein, und es konnte an die fördern» den Bergleute bereits eine recht erhebliche Fett' menge verteilt werden. Es bestätigt sich, daß Hauptfach» lich die schlechten Ernährungsverhältnisse das AnwachsenderStreikbewegung begünstigt haben.

Wie derVorwärts" von zuverlässiger Seite erfährt, werden die vom Ausland anrollenden Lebens» mittel schon in nächster Zeit es ermöglichen, für die I n* du st riegebiete und die Städte mit mehr als 50 00C Einwohnern Zusatzrationen auszugeben. Mit der Der» teilung wird vermutlich Mitte April begonnen werden können. Es sind folgende Zusatzrationen in Aussicht ge­nommen worden: In den genannten Gemeinden erhalten sämtliche Dersorgungsberechtigte pro Woche auf den Kops 125 Gramm Speck und 50 Gramm Fett. Wenn die Zu­fuhren wie bisher anhalten, werden auch die kleineren Gemeinden beliefert werden können. Außerdem werden wöchentlich 250 Gramm Auszugsmehl (feines Weizenmehl) . an alle Versorgungsberechtigten in sämtlichen Gemeinden ausgegeben werden. Die Preise für Speck und Schmalz werben etwa 4.50 bis 5 Mk. pro Pfund betragen. Das Mehl wird verhältnismäßig teurer sein und sich auf 2 Mk. pro Pfund stellen.

Das Saargebiet.

DDP. Amsterdam, 4. April.

DieDaily News" vom 1. April enthält einen Brief von H. Massingham, worin er sagt: Marschall Hudin schreibt imEcho de Paris":Wir müssen das Saargebiet haben." So sollen sie es haben, müßen es dann aber auch mit französischen Soldaten, Kanonen und französischem Gelde behaupten.

Barrikadenkämpfe in Petersburg.

= Kopenhagen, 4. April.

Russische Telegramme, die aus Helsingfors in Kopen» Hagen eingetroffen sind, bestätigen, daß es in Petersburg zu schweren Unruhen gekommen ist. Die Arbeiter lehnen sich gegen den Bolsckewismus auf. Sie zogen durch die Straßen unter den Rufen:Nieder mit der bolschewisti­schen Gewaltherrschaft!" Es kam zu Barrikadenkämpfen» wobei die chinesischen Soldaten des Roten Heeres die Reihen der Arbeiter mit Maschinengewehren stark lichte» ten. Um die Arbeiter zu beruhigen, mußten die Brotratio» nen erhöht werden. Lenin hat sich nach Petersburg be» geben und hielt große Reben an die Arbeiter. Er erklärte, daß sowohl die inneren als auch die äußeren Feinde alles täten, um die Sowjetregierung zu stürzen. Die Lage sei kritisch, aber man müsse sich mit dem Hunger abfinden. Wenn die Bolschewisten die Macht des jetzigen Augenblicks aus der Hand gäben, wäre das ein großer gesihrchtlicher Fehler.

Die neue Bündnispolitik Frankreichs.

DDP. Haag, 4. April.

Aus Paris wird gemoldet, daß Frankreich sich direkte Garantien durch eine Militärkonvention mit England und Amerika für die Sicherung seiner Ostgrenze verschaffen möchte und über ein solches Bündnis Verhand* hingen führt. Die Verpflichtungen, die den Mitglieder« des Völkerbundes erwachsen, sollen neben diesem Bündnis einherlaufen, das eine selbständige Vereinbarung zwischen Frankreich und den angelsächsischen Mächten harstellen soll.

Dummes Zeug.

DDP. Rotterdam, 3. April.

DerNieuwe Nctterdamsche Courant" meldet aus London: Im englischen Unterhaus hat gestern Lowthe, der vor kurzem der Regierung ein Memorandum übergab, in dem er den Beweis liefern wollte, daß Deutschland 500 Milliarden Mark Kriegsentschädigung zahlen könnte, eine Debatte eröffnet, während der ei« Mitglied der Koalition nach dem andern sich erhob, um di« Regierung dahin zu drängen, zu nehmen, was sie von Deutschland nur herauspressen könnte. Koa» litionsliberaler Lyle Samuel protestierte aber nachdrück» lich gegen das dumme Zeug, bas geredet werbe, und wies darauf hin, daß es praktisch unmöglich und moralisch unge« heuerlich sei, 500 Milliarden von Deutschland zu fordern. Man könne Deutschland nicht 50 Jahre in fianzieller Knechtschaft halten. Bonar Law spottete über das der Regierung von Lowthe übergebene Memorandum und sagte, daß Teutschland nur eine Entschädigung in Ware« zahlen könne.