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RotationSdrnck und Verlag: Wailenbans-Buchdruckerei und -Buchhandlung in Hanan.

Genkrat-Anzeisier

A»!lichts Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.

Verantwortlicher Redakteur: Gustav Schreit«, für Anzeigen «.Reklamen: AugustBrodt, beide i« Hema«.

Nr. 79 Nedaktian 640 Erved!^ M______________Donnerstag dc» 3. April

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Kohlenverteuerung und wirtschaftlicher Zusammenbruch.

Der Aufruf der Reichsregierung an die Bergarbeiter des Nuhrreviers redet eine Sprache von furchtbarer Deut­lichkeit. Er erhellt blitzartig den ganzen Ernst der Lage. Am Lie Bergarbeiter zu ködern, haben die falschen Apostel wirtschaftliche Forderungen ausgehängt. Die Hauptsache find ihnen indeß die politischen Forderungen. Sie wollen durch die Inszenierung eines neuen Generalstreiks in acht Tagen eine gewittersckrvangere Atmosphäre schaffen, die dann am 8. April, am Tages des Zusammentritts des Räte-Kongreffes. die volle Explosion zur Folge haben soll. Die Nufer im Streit und Führer im Streik wissen ganz genau, daß es ihnen nicht gelingen würde, mit politischen Forderungen allein die Bergarbeiter zum Generalstreik aufzuputschen. Darum vermischen sie ihr Programm mit den wirtschaftlichen Forderungen, die so bemessen sind, daß ihre Erfüllung eine glatte Unmöglichkeit ist. Schon jetzt, bei der 7^-Stundenschicht ist das Förderguantum in einer Weise zurückgegangen, daß wir für die Zukunft, selbst bei Aufrechterhaltung dieser Schicht die allerschlimmsten Be­fürchtungen hegen. Bei einer Einführung der 6-Stunden- schicht wäre der Ruin aller Industrien, die auf Ruhrkohle angewiesen sind, eine vollendete Tatsache. Don einer Aus­fuhr der Ruhrkohlen konnte dann gar keine Rede mehr fein, und dadurch wären wir unmittelbar am Leben be­droht. weil wir keine Lebensmittel hereinbekommen, wenn "Mit"sie nicht bezahlen können, und wir können sie nicht be­zahlen, weil wir keine Kohlen ausführen. In einem Augenblick, in dem die Einfuhr von Lebensmitteln endlich Tatsache wird, wird sie wieder illusorisch durch die fehlende Kohlenausfuhr. Ist allo die Einführung der 6-Stunden- schicht vollständig indiskutabel, so gilt dies in gleicher Weise für die Erhöhung der Löhne um 25 vom Hundert. Man muß bedenken., daß erst in den letzten Wochen den Bergarbeitern namhafte Aufbesserungen zuteil geworden sind, daß ihnen Entschuldungssummen gezahlt wurden, die bereits in vielen Fällen die Rentabilität der Gruben auf­heben. Infolge dieser riesigen finanziellen Mehrausgaben sahen sich die Syndikatsherren genötigt, bei der Regierung eine höhere Preisfestsetzung für Kohle zu fordern. Es soll nickt darüber gestritten werden, wie weit allgemein die Forderung gerecktfertigt ist Aber die Regierung ihrer­seits mußte die Preisteuerung der Kohlen ablehnen, weil uns durch eine Preiserhöhung die Möglichkeit genommen worden wäre, die Kohlen überhaupt abzufesten. Schon heute liegen die Dinge so, daß wir auf dem Kohlenmarkt konkurrenzunfähig sind. Wir wollen gar nicht von eng­lischen Kohlen sprechen, es sei nur die Tatsache hervorge- hoben, daß zurzeit in der Schweiz die amerikanischen Koh­len billiger sind als die deutschen, die vor den Türen der Schweiz liegen. Unsere schwarzen Diamanten sind infolge der Ueberteuerung wertlos geworden. Das, was wir noch infolge der Kohlenförderung an wirklichen Werten hatten, ist vernichtet, oder fbesier würde es vollends werden, wenn jetzt die Streikenden siegreich blieben. So sieht die wahn­sinnige Rechnung aus, die uns jetzt wieder von den be­törten Bergarbeitern des Ruhrgebietes vorgehalten wird.

Danzigs Einspruch.

WB. Berlin, 2. April.

Die Stadt Danzig hat neuerdings eine Kundgebung an die deutsche Maffenstillstandskommission in Spaa gerich­tet, in welcher gegen die Landung polnischer Truppen in Danzig nochmals feierlich Einspruch erhoben wird. Am Schluß der eingehend begründeten Darstellung heißt es: Kein Schiff mit polnischen Truppen an Bord darf in den Danziger Hafen ein­laufen. Möge die deutsche Regierung Danzig vor dem Schicksal der Stadt Posen bewahren können.

Die schwäbischen Bürgermeister gegen Spartakus.

Eine Versammlung schwäbischer Bürgermeister in Memmingen faßte eine an ganz Bayern sich wendende Resolution zur Unterstützung der Regierung gegen die spartckistische Unordnung und ordert die unverzügliche Abgabe von Waffen an die Landbevölke­rung zum Schutze der Heimischen Scholle. Sie versichert der Regierung ihrer rückhaltlosen Unterstützung zur Auf- «LtepLaltuna von Ruhe und Ordnung im Land.

Kein Generalstreik.

= Esten, 3. April.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" läßt sich aus Esten melden: Die Nachrichten über die Streiklage im Ruhrge­biet lasten keinen Zweifel darüber, daß auch bis gestern von einem Generalstreik nicht gesprochen wer­den kann.

Die Streiklage im Ruhrgebiet.

Berlin, 2. April. (Privattelegramm.)

Nach einer Meldung desBerliner Tageblattes" aus Esten verschärfte sich die Streiklage im Ruhrbezirk bedenk­lich. Aus allen Teilen kommen Meldungen über neue Ar- beitseirstellungen, sodaß es scheint, als ob der Streik doch ziemlich allgemein wird. Im Estener, Mülheimer und Bottroper Bezirk griff der Ausstand auf die große Mehr­zahl der Zellen über. Auch im Dortmunder, Bochumer, Herner, Wittener und Recklingshaufener Revier sind zahl­reiche weitere Zechen von dem Ausstand betroffen worden.

Zurückgehen der Streikziffer.

Berlin, 3. April.

Aus dem Ruhrrevier wird über teilweise Verschärfung der Streiklage und teilweises Abflauen berichtet. Rach einer Meldung desVorwärts" aus Bochum ist die Zahl der streikenden Bergarbeiter zurückgegangen. Auf vielen Zechen werde wieder gearbeitet. Dort, wo die Spartakisten die Oberhand' hätten, werde noch gestreikt.

Keine Belästigung der Arbeitenden.

DDP. Horna, 2. April.

Der Arbeiterrat hat erklärt, daß die Forderungen Ler Streikenden berechtigt seien. Mehrheitssozialisten, Unab­hängige und Kommunisten wollen sich vereinigen, u m f ü r Ruhe zu sorgen. Der Arbeiterrat wird sich offenbar möglichst wenig in den Streik mischen. In den Fabriken wird weitergearbeitet. Die Bergarbeiter, die arbeiten wollen, sollen unbelästigt bleiben.

Abbruch der Streiks im Saargebiet.

W. Saarbrücken, 2. April.

Der Bergarbeiterstreik auf den Saargruben und den pfälzischen Gruben wurde nach Beratungen zwischen den christlichen und sozialdemokratischen Berearbeiterorgani- sationen und dem Leiter der französischen Bergwerkskon­trolle mit dem 31. März abgebrochen. Die Bedingungen sind folgende: Tie beiden Organisationen arbeiten eine Denkschrift über die Notwendigkeit der Einführung des Achtstundentages aus, die an die französische Regierung weitergeleitet werden wird. Der Lohn wi,rd um 2 Mk. pro Schicht erhöht. Die bisherigen monatlichen ZusHiste von 500 000 Mk. werden auf 850 000 Mk. zur Verbilligung der Zusatzlebensmittel erhöht. Maßregelungen dürfen keine vorkommen. Die Inhaftierten werden schleunigst abgeur­teilt werden.

Die aufsässigen oberfränkischen Bauern.

Berlin, 3. April. (Privattelegramm.)

Wie demBerliner Lvkal-Anzeiger" aus München ge­meldet wird, drohen die oberfränkischen Bauern mit dem Abfall, wenn noch dem Willen einer kleinen Machtgruppe in München die Vollsozialisierung komme. Eben­so werde man gegen die Räterepublik wie gegen jede Ver­gewaltigung Front machen. In die Lostrennung s- bestrebungen Frankens sind neben der Oberpfalz Schwaben und die Rheinpfalz einbegriffen. Auch in Alt­bayern sind die Bauern gegen die Räterepublik. Demnach kann es München passieren, daß es eines Tages in glänzen­der Isolierung dasteht.

Der Rat der Vier.

DDP. Haag, 2. April.

Aus Paris wird demHollandsch Rieuwsbureau" ge­meldet: Gestern hatte Orlando vor der Versammlung des Rates der Vier eine Unterredung mit FL ilson, in der die italienische Crenzsrage behandelt wurde. Or­lando wies auf die Notwendigkeit hin, daß die italienische Grenzfrage gleichzeitig mit der französischen behandelt

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werde. Wilson ist damit einverstanden. Wenn dieser Ge­danke Orlandos zur Durchführung kommt, wird auch bei Friede mit Oesterreich gleichzeitig mit dem deutschen Frie­den geschloßen werden können. Im Zusammenhang hiermit erwartet man noch im Laufe dieser Woche Beschlüste Wer die Cesamtfrage der Erenzregelungen.

Die vernünftigere Richtung.

§ Berlin, 3. April. (Privattelegramm.)

Betreffs der Schadensersatzforderungen an Deutschland heißt es in derDeutschen Allgemeinen Zeitung": Die amerikanischen Entschädigungsansprüche zeigen gegenüber den englisch-fronzösich-belgischen eine vernünftigere und realere Einschätzung der Dinge. Aber auch den Amerika­nern dürfte es schwer fallen, nachzuweifen, daß das schon unter seiner eigenen Schuldenlast fast zusam» menbrechendeDeutschland, das noch dazu infolge der mit unfaßbarer Verblendung immer noch aufrecht er­haltenen Hungerblockade sich der bolschewistischen Strömun­gen kaum noch erwehren kann, die gewaltige Summe von 75 Milliarden Mark in absehbarer Zeit wird zahlen kön­nen. Es ist doch sonst nicht amerikanische Art, in finan­ziellen Dingen Utopien nachzujagen.

Opposition gegen Clemeneeau.

DDP. Genf, 2. April.

Der französische Senat, der bisher mit Clemenceau durch Dick und Dünn ging, fügte dem gegen die Eewalt- politik der Regierung gerichteten Beschluß, 10 Milliarden Franken von dem Titelmilitärische Auslagen" a^u- streichen, hinzu, daß der Senat eine einschneidende Ver­minderung der militärichen Auslagen für eine unabweis- liche Pflicht erachte. Kein Mitglied der Regierung nahm das Wort. Die Folgen des Senatsbeschluffes, der bei der linksfeitigen Kammergruppe Befriedigung erregte, find vorläufig nicht abzusehen. Jedenfalls wäre, da in dem Viererrat die Unstimmigkeiten fortdauern, mit einer Mi­nisterkrise zu rechnen.

Elemeueeaus Zugeständnisse.

DDP. Zürich, 2. April.

DemCecolo" wird gemeldet, daß es dem energischen Auftreten von Wilson und Lloyd George gelungen sei, von Clemeneeau Zugeständnisse zu erlangen. Der französische Ministerpräsident habe jetzt einem Programm zugestimmt, das als ein gemäßigtes bezeichnet werden kann. Auch französische Kreise kämen jetzt immer mehr zu der Einsicht, daß die beste Sicherheit für einen dauernden Fäden d« Völkerbund sei.

Große Lebensmittelvorräte in Hamburg.

DDP. Hamburg, 2. April.

Während in Deutschland überall Rot und Mangel herrscht, sind im Hamburger Freihafen noch große Vorräte der Heeresverwaltung an Speck, Bohnen, Butter, Mehl, Kakao usw. aufgespeichert, die sich zum Teil in Gefahr des Verderbens befinden. Trotz dieser Gefahr und obwohl die Heeresverbände fast völlig aufgelöst sind, hat die Verwaltung bis jetzt für alle An­regungen, diese Lebensmittelmengen für die Zivilbevölke­rung freizuaeben, bevor sie verderben, taube Ohren gehabt Wie dasFremdenblott" erfährt, werden nunmehr von den Beständen an Schinken und Fett demnächst an Harn- burg und Groß-Berlin je 350 000 Pfund verteilt werden. Ferner erhalten Hamburg, Lübeck und Bremen 660 Tonnen Rindfleischkonserven.

Die Erinnerungen des Kronprinzen.

DDP. Kopenhagen, 2. April.

Der Korrespondent derBerlingske Tidende" besuchte den früheren deutschen Kronprinzen auf der Insel Wieru, agen. Nach der Erzählung des dänischen Journalisten ist auch der Kronprinz mit der Aufzeichnung seiner Erinne­rungen tief (festigt. Der Kronprinz hat sich über Luden, dorff und seinen Eeneralstab erbittert ausgesprochen. Ludendorff sei nach der Meinung des Kronprinzen ein talentraller General für einen kurzen Feldzug, aber voll- kommen unzureichend für einen langen Krieg. Der Kron, prinz gab im Laufe der Unterredung zu, daß er in Deutsch­land nicht populär gewesen sei. Er bestritt aber, den Krieg gewollt zu haben.