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Amllichts Organ für Stadt- und Landkreis Sanan
Verantwortlicher Redakteur: Gustav Schrecke*»
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage. für Anzeigeu m Rellamm: August Brodt, beide in Haua«,
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greitag den 28. MSrz
1919
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
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Einsicht und Umkehr?
Ob die Ereignisse in Budapest durchgreifende politische Rösgen haben werden, läßt sich immer noch nicht vorauSseben. Man kann nicht sagen, ob praktisch bei der Geschichte etwas herauskommt, oder ab eS sich ledjglich um eine dekorative Verbrüderima mit der Sowjet» Tfflientng bandelt. Unklar sind auch die militärischen Folgen, denn sie Volschewiki Rußlands haben er bisher auch immer noch nickt vcr- niocht, Armeen auS der Erde zu stampfen. Eine Folgeerscheinuna hat freilich die veränderte Haltw^ Ungarn» gezeigt: Dem Verband ist der Stets ganz gehörig in die Glieder gefahren. Wir wissen ja auch noch nicht, wie tief die Wirkungen biete» politische« Erschreckens find, aber ti ist schon viel, daß die Herren in Paris das bolschewistische Süpenst in greifbarer Nähe gefühlt haben. Vor der ungarischen Wendung las man doch vieler anders. Man hatte auf der Gegenseite ein System aurgetüstelt, wonach wir mit AnnexionSnachrickten nur so überschwemmt wurden. Diese Nachrichtenllut bat in den letzten
ragen doch bedeutend nachgelassen und ist zur Ebbe geworden. Während Wilson sich anscheinend vorder von den Dingen treiben liest, Ersucht er jetzt selbst in da» Rad einzugreifen, und seiner Initiative Mitte in erster Linie die Beschleunigung der Friedensverhandlungen entspringen. Nickt um unserer schönen Augen willen und nickt um Ms aus der Ungewißheit unserer Lage zu befreien, beabsichtigt («an, die schnellere Fortführung de» FriedenSwerkes, sondern iltur, weil man glaubt, die Siegesërnte nicht mehr rechtzeitig unter Dach bringen zu können: denn man weiß jetzt, daß ein schweres Gewitter hcrauftieht. Infolge der letzten Ereignisse ist auch der alte Gcgmsatz zwischen Wilson und Clemenceau wieder deutlicher herborgetreten. Jetzt soll ein Kompromiß Mischen beiden Anschauungen die Rettung der Welt bedeuten. Ein Kompromiß als Endergebnis der 4 Jabre Krieg? Auch darin scheint liMtvenig von der Völkerbeglückuug zu stecken, von der man uns immer , »zählt hat. Selbst die Presse, die bielgetreue Helfershelferin de» IIII Verbandes, stimmt nun eine neue Tonart an. Der pariser Korre- ifponbent der Daily Expreß, der sonst ein Gegner de» Wiliou-Pro- grawme» war, weist plötzlich auf die Gefahren bin, die die Alliierten -I laufen, wenn sie Deutschland einen guten Vorwand für seinen Widerstand schaffen, indem sie an der Politik bezüglich Danzig» festhalten. Zckt wird auf einmal der Pufferstaat Polen abgelehnt, und Frankreich soll Mich bereit sein, den Pufferstaat Rheinland abzulehnen, indem es sich lediglich mit der Entmilitarisierung der Rheinprovinz be= gnügt Nach allem Vorangegangenen war doch die Meinung von einem Diktatfrieden nicht gar so ungerechtfertigt. Jetzt ruft man eine deutsche Finanzkommissson nach Versailles, nachdem man sich hoffentlich überzeugt hat, daß ein Diktatfrieden technisch ein Unmöq« gl 'tchkeit ist. Wir brauchen nicht darum zu bitten, an den Verhand- i E !""^" teilzunehmen, sondern ohne unseren guten Willen, zu ver- ^ handeln, ist ein RriebenSbertrag überhaupt unmöglich Wir woL?n
s auch für die kommende Zeit seinen unberechtigten Optimismus be zrn, I Mr wollen auch nicht mit dem Erschrecken über die ungarischen Vor- °73 mit einem politischen Faktor rechnen, denn das ist schlich- heg etwas, was außerhalb unseres Wollen» liegt. Wenn aber dem Verbände jetzt ein wenig die Augen geöffnet wurden, so kann e» uns «ur angenehm sein.
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Durchmarsch der Alliierten durch Danzig.
Berlin, 28. März. (Privattclegramm.) General Nudant überreichte am 26. März dem Vorsitzenden der deutschen WaffenstillstandS- kommisfion in Spaa eine Note der Alliierten und assoziierten Regierungen, in der der Durchmarsch der Armee des Generals Haller durch Danzi, in der Richtung auf Polen gefordert wird, damit diese die Ordnung dort aufrecht «halten können. Deutschland wird die Verpflichtung auferlegt, alle Erleichterungen für den Durchmarsch zu geben. Jede Weigerung, dieser Forderung zu entsprechen, werde als ein Bruch des Waffen stillstandSab'ommen durch Deutschland angesehen werden. In ihrer Antwortnote weilt die Deutsche Legierung auf die Folgen hin, die bei einer Landung dieser Armee n Danzig entstehen könnten und betont, fie könne nach eingehender Prüfung eine Maßnahme nicht verantworten, die ohne Schaffung ausreichender Garantien den Bürgerkrieg im eigenen Lande hervorrufen würde. Dagegen sei die Regierung "ach wie vor bereit, die Landung der Armee Hallerin Stettin, Königsberg, Memel oder Li bau mit allen Mitteln z u erleichtern, um dadurch die Absicht der Alliierten, Kie Ordnung in Polen aufrecht zu erkalten, mit allen Kräften zu unterstützen. Sie erkläre sich ansdrücklich bereit, alle @inrid)tungen für die rascheste Landung uxb Durchreise der Armee nach Polen zu «toäljrleiften.
Das Vorgehen gegen Ungarn.
DDP. Bern, 27. März. Die „Parller Information" berichtet: ^lemenceau hatte gestern vormittag mit R»ü eine Unterredung über Sage in Ungarn. Als Ergebnis die'er Konseren, werden in -Marseille telegravh sch neun Dammer gechartert zum Transport von Kolonialtruvpcn nach Ungarn. Auch wechselte Clemenceau mit Rom zahlreiche Depeschen, aus denen zu entnehmen war, daß Italien um Weleifhmg gegen Ungarn ersucht Wu de. Die italienische Regierung habe wegen der inucrpolitischen Lage Italiens die nachgesuchte Unter« WuiU nicht gewähren sonnen. Zu den italienischen Truppen in ^ordcritalien hat die Regierung kein Vertrauen.
Die LcbensmiL!e!schiffe.
. DDP Hamburg, 27, März. Als zweiter Lebensmitteldampler "'rd morgen früh der amerikanische Damp er Lake Tutarc mit 9300 "euern amerikanischen Weizenmehl an Bord in Hamburg eintreffen. , Dampfer passierte heute Cuxhaven und Bruutbüttcl. Von dem lrffen Lebeusmittettransport, der in Hamburg mit dem Tmupser ^pt Cani'ar angdommen ist, bleibt nur wenig oder aar nicht# in Hamburg. Ein großer Teil davon wird, wie dem Hatuburger Frcm-
„Reparationen". Deuschland soll 120 Milliarden zahlen.
DDP Haag, 27. März. Nur Paris wird Hollandsch Nienwe Bureau gedrahtet: Ein Zeichen des Fortschritts in den Friedensver- | Handlungen ist, daß die Vertreter den amerikanischen Grundsatz angenommen haben, wonach der Ausdruck Reparationen nur die Vergütung tatsächlich erlittener Schäden bedeuten darf. Tie Finanz- kommission hat festgestellt, daß diele Schäden etwa 140—180 Milliarden betragen. Aus den Gutachten der finanziellen Sachverständigen geht hervor, daß nicht daran zu denken ist, von Deutschland einen solchen Betrag zu erhalten. Daher wurden die Sachverständigen beauftragt, die Schadenersatzsorderungcn in Einklang zu bringen mit Deutschlands finanzieller LeistunnSfähigkeit. Der von Deutschland zu erlangende Betrag wurde demzufolge auf 80—120 Milliarden festg efetzt.
Französische Kolonraltruppen für Rumänien
DDP. Wien, 27. März. DaS ^„Nexc Wiener Journal" meldet aus Bukarest: Das Blatt „Dacia" berichtet, daß in Konstantionopel 50 000 französische Koloiiialtruvvcn eingetroffen seien, die für Rumänien bestimmt seien. In den nächsten Tagen werden noch weitere große Transporte von Ententetruppen erwartet, die mit der rumänischen Armee den Kampf gegen den Bolschewismus aufnehmen io Ken. — Dasselbe Blatt berichtet auS Belgrad: Dem „Ssma Uprawa" zufolge habe die serbische Regierung sich an General F^anchst de Liperay um Hilfe gewandt, da sie den Kampf gegen Ungarn nicht selbständig führen könne. Ueber Serbien sei der Belagerungszustand verhängt.
Nationalversammlung.
Weimar, 27. März. Aus der Tagesordnung steht der vierte Nachtragsetat sür 1918 und ixt Notetat für 1919.
Finvnzm-inisscr S ch i ff b^grünLet beide. Borlagen üji«! Hinweis auf Uren Verläufen Charakter. Hoffentlich bringen schon die nächsten Locken llate und endgültige Verhältnisse, aber im Interesse einer bessern Uebersicht und nicht zuletzt in der Erwägung, die Turchsichiigkeit unserer Finanzen auch nicht eichen Tag versch leiern zu lassen, seien diese beiden Vorlagen dem Hause unterbreitet worden.
Wg. S ch u l z-Ostpreuhen (SozJ: Jedesmal, wenn die politische Entwickelung einen etwas ruhigeren Gang M nehmen schien, kenen Trchungen ren innen und außen. Gegen einen Bolschewismus, der mit Handgranaten zu überzengen sucht, Verlagen wir, daß der Staat seine schärfften Machtmittel anwendet. Das gleiche erwarten und verlangen wir von ihr bezüglich der Gefahren von rechts. Es ist unwürdig wenn gewissenlose und politisck verhetzte Männer eine Kundgebung des gesamten Volkes und aber Parteien dazu benutzen, erbärmliche politische Ee- sckäfte zu nacken. Aber die Vorgänge am Sonntag waren nur ein harn olser Auftakt zu den gestrigen Vorgängen in der preußischen Harderversaw n lung. Herr v. Kardorff hat eine aufreizende Sede gehalten, die nichts weiter als eine Schilderhebung der Eegcnrevclution bedeutet. Mir Sozialdemokraten haben "die Revolution nicht gewollt. Mir hätten gewünscht daß ein freies V allrecht auch ohne die Gewaltsamkeit einer Revolution geschossen worden wäre. Da sie aber einmal da war, gilt und galt es für uns Sozialdemokraten, sie den Interessen des deutschen 8olles diensibar zu macken. Trotz Ht trüben Gegenwart verzagen wir nicht und find fest überzeugt: Man wird dermaleinst die Revolution preisen als die große Freiheitspiorte für eine glückliche Zukunft des deutschen Volkes. An die Regierung rickte ick die Anfrage, ob die Erklärung des rufss'chen Scllslcn n ifiars Sfd'itfdenn richtig ist, daß deutsche Truppen den linken Flügel einer großen Offensive gegen Rußland darstellen, die csfenlar im Auftrag der Entente unternommen sei. Ich beantrage die Aeberweisung des Nachtragsetats an einen Ausschuß. Nir wünschen dort nähere Mitteilungen darüber, wodurch die große Euwwe von 100 000 Mark monatlich an Auf- wandsent^chvdigurg für den Reichspräsidenten notwendig ist. Wir wünschen weiter Aufklärung, warum das Fugwesen, das sich doch ganz besonders zur Sozialisierung eignet, jetzt schon privaten 5 eetereien überlassen wird.
Neichswehrminister Noske: An den Kämpfen im Baltikum sind hauptsöck lich lettische und littauische Truppen beteiligt. Es besieht zwischen der Obersten Heeresleitung. mir und der Neichs- rexierurg llkbereirsttn n ung darüber, Loß von den deutschen Truppen keine L ssensivbewegung in Kurland und Littauen unternommen wird. Eine gewisse Sickrerung der Ostgrenze wird leider noch erforderlich sein; aber die Regierung ist nur von dem lebhaftesten Munscke erfüllt, auch mit Rußland in Frieden und guter Rachbarschaft zu leben.
Akg. D ayer-Tckwaben (Ztr.): Mit der Sanierung der Reiâssinanzen n uß bald begonnen werdep. Wenn wir hier schrittweise vorwärts gehen, wird sich bald wieder der Wert der deutschen Mark leben, von den: wir entnehmen, daß er setzt den Tiefstand erreicht hat. Mit den GrunLoedamken der Rede des Ministerpräsidenten sind wir durchaus einverstanden. Auch wir glauben, daß die Forderungen des Siegers ihre Evonzen finden müssen an den engen Gesetzen von Moral und Menschlichkeit. Mir sind bereit, die 14 Punkte des Präsidenten Saison restlos uns loyal zu erfüllen. Regierung und Nationalversammlung Laben die Pflicht, alle Veysuck«, biefe klare Stellungnahme zu durchkreuzen, mit Entschiedenheit zurückzuweisen. Solche Vechuche bestehen links und rechts Doch glauben wir, daß den Vorfällen vom letzten Sonntag in Berlin nicht eine solche Bedeutung b«i- zumeficn ist, die ihnen der Ministerpräsident Mgesprochen hvt.
Slbg. Graf v. Posadows ky (Teutfchnat.) : Bei der Schuldeftlas> des Reiches nüssen auch die Besitzenden Herange- zrgon werden. S ter auch die Ars euerung des Vermögens und Linken neue dorf nickt bis zur Enteignung gehen. Der Mt- 'nsierpräfident hat gestern die Teilnehmer der Versammlung im Zirkus Lusch Hort ai.gegrisftn, die das vaterländische Ziel hatte.
Protest gegen die Zerstückelung Deutschlands zu erheben. Kam«' der Ministerpräsident sich wundern, wenn unter1 den Verhält, mssen der Revolution wette Kreise des Volkes sich nach bemt Zustand vor der Revolution zurücksehnen? Der Mtnisterprä, siebent sollte seine Tatkraft lieber verwenden gegen Best«. Lungen, die ihn sonst ernstlich drohen. Die Arbeiter- und Sâa, tenräte bilden ein Rebenparlament, das die Regierung neben der Nationalversammlung nicht dulden darf. Die gestrige Rede des Ministerpräsidenten enthielt so ungeheuerliche Anschuldi- gungen, daß die Teutsch-national« Dolkspartei «instimnnig er. klärt: In den schärfften Protesten gegen die maßlosen Ford«, rungen der Entente gehen wir mit der Regierung. Staatsmännisch« Weisheit hätte nun alles darauf eingestellt, die sämtlichen Kräfte der Nation zur einheitlichen Abwehr Mammenzw- fchließen. Statt dessen hat der Ministerpräsident durch die Erund» losigkeit seiner gestrigen AnschuMgungen und durch die Schärfe seiner Ausdrucksweise das Cegenteil bewirkt und in den Herzen vieller Millionen Deutscher tiefe Empörung hervorgerufen. Deutsckäands Zukunft verl-angt an der Spitze der Regierung einen Mann, der den Empfindungen der ganzen Ration gerecht zu werden versteht, keinen bloßen Parteiredner, der für natio* male Regungen nur soweit Verständnis findet, als sie sich tut Rahmen seines Parteiprogramms bewegen, lGroße Unruhe. Rufe: Unerhört! Frechheit!) Die Unabhängigen, die durch den Terror bei Straße die heutige Verdrossenheit mit verschuldet, haben, hat der Ministerpräsident sehr gelinde behandelt, best» schärfbr wendet er sich unzweideutig gegen die Reckte. Nie wurde man im Auslande über Dssiziere, die ihr Leben in die Schanze geschlagen haben, in so wegwerfendem Tone sprechen, wie es estern ie deutsche Regierung getan hat: dabei haben diese gleich, bereinigten Stvatskürger von dem Rechte der Freiheit ihrer Meinungsäußerung Gebrauch gemacht, das ihnen fein Min.stev» Präsident nehmen darf. Welche Verachtung ladet man vor der ganzen Lelt auf Deutschland, wenn ein Mann, dessen unver« gleichliche Pflickttreue und gewaltigen Leistungen niemand an, zrtastrn wopt, so geringschätzig und feindselig behandelt wird. Dir kalten das mit bei Würde einer deutschen Rationalver- fam «turg sür unvereinbar. Der Staatsgerichtshof, d«>n das Ministerium in Aussicht gestellt hat, ist kein unparteiisch«: Gerichtshof, sondern ein Gericht, dem der Ministerpräsident selbst schon den Mog '" ^«nt Urteil r:it der. A.-r:en vom Landesverrat rorgezeicknek hat. Es war karr Lr-Äâ^â srtzüM'.NkrL Sicherheitsgekübl der Regierung, den DerNner AMMg vsm beut« scheu Volke in so verzerrten: Bilde zu zeigen. Gegenüber dem Zug der Drohung, der gegenüber der Rechten aus den Reden des Ministerpräsidenten und der Sozialden okraten hervorging, versichern wir, daß wir uns durch keine Drohung abhalten lasse, werden, unsere politisä« Pflicht zu tun und die Regierung zu bekämpfen, wo wir bet Ansicht sind, daß fie Luch ihrre Assaßregeln schädlich wirkt. (Lebhafter Beifall rechts.)
Abg. Dr. Pach nicke (Dem): Die Parteien der Rechtem sollten nickt den ursächlicher Zusammenhang zwischen Krieg und Revolution vergessen. In der Sozialisierung werden ,wrr eine Grenze zu ziehen wissen. Wir hoffen, daß der Luftpostdienst nach allen Richtungen Deutschlands möglichst bald durchgefuyrt «»wird und erwarten eine zweckmäßige Entscheidung der n'age, iuwöeweit in diesem Betriebe die private Initiative betbe^at« ten ist. Unsere Beamtenschaft muß endlich eine w:rücha,tuch gesickerte etePurg erhalten und ein Beamtenrecht, das :kre po. litt fd e Frei leit sickert. Mir hoben :: der Rede des Mm-isier- präsidenten nichts Unwürdiges und auch nichts Un«hauerl:chs- r-eifumben. Er hat die monarchistischen und militari i u-en Demonstrationen im Reich« verurteilt. Das Ausland bewutzt solche Vovaävae zum Aeweis für die Behauptung, daß bei uns der Feist des j ilftcrisn us nickt erstorben ist. Tann liegt o« Erfahr solcher Boraänge. Jetzt ist der Augenblick nrüt g^oinmen, Herr Posadwsky, um für eine überwundene Staatszovn zu oe. monstricrem Jetzt, wo wir in die Fiiedensverkvndlu rgon «:n- tretrn, eilt es zulan menzubolten zu einheitlicher Uowehr, bi« Eie dadurch erschweren, daß sie solche Demonstraironen b'gun. stioen. Nur als geschlossenes Ganzes werden w:r bte Enei g:s aufbrruser. um Zumutungen gurdsuweisen, die über das ertrag« licke Maß hinaus gehen.
Abq. Haase spricht wieder ganz im Ton« des Demagogen. Er greift zv ncckst ntoter Noske an und nimmt die ^.parta.us« levte in Gdrt. w ober er sich ju bet Behauptung versteigt, daß es n dicklich begreiflich gewesen wäre, daß die Matân m $ erlitt A cis, den sie seinerzeit im Marsiall gesangon hielten, eiTd essen hätten, nachdem sie sebst beschossen wurden. Auf Haases Anariffe airg Noske in seiner gewohnten schneidigen Art cm. Er terührte nochmals das Verhältnis zu Rußland und erklärte, daß es gut werden könnte, wenn Rußland uncrkc anen wolle, daß das deutsche Volk nach seiner eigenen Fasson feine staats« florm bestimmen muß. Er stellte dann fest, daß alles was gsarn die Regierung und die Nationalversammlung ginge Haases Zu» stin n rna sande und laute Freude bei ihm auslose. Mein: bte Ves taliivten in Berlin und Halle Gegenwirkungen aus gelobt hätten, so bebaute das die Regierung lebhaft. Mit warmen Am. yotHfc' en V orten ^H Noske dann auf tue Haltung des Ver- tridieers von ? e: M-L st asrika ein, der ihm erklärt habe, daß er und stire Offiziere sich vorbehaltlos hinter die Reguormn- stellten, Ceine V orte über General v. Leitow-Dvrb a würben von der D. ehrleit dee Hauses durch Boi fall lebhaft untzarstr. check. Der Reichs« ehrm inistor zog sich dann noch eine Rüge zu, da e, die 1 reif crg.igen, sehr mit Recht, als die imn.-ftifter ber neuen 9 rrclution bezeichnete. Auch Frau Zietz erntete für einen Zwischenruf, in dem sie den Reichswehrminiiitt als ernei Lüo ver kezeicknct hatte, einen Ordnungsruf. Der Rcrchswehr» minister erdete unter starkem Beifall der Mehrheit und Zijches der Unabhängigen. , .
Nachdem nach Abg. Becker (Deutsche Dolksp.) gegen Sch sm den arm polemisierte und Scheidemann in seinen Aeußerungcq pecen die b rv altpolitik der Entente beipflichtete, antwortet« Scheidemann noch mals auf die gegen iHv gerichteten Au» griffe in einer A elfe, die erkennen ließ, daß er doch m d:« Verteil ievnküsiellunr gedrängt war. Er hatte bei dieser Wwer, lexurg sie in«.: kickten Stand und mußte wesentlich die Fest» stellungen abschwächen, die er am Vormittag gemacht hatte.
* Ter Schluß der Sitzung erfolgte erst in der neunten Stunde