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AMilhcs Organ Kr Stadt- md L-adKms KaaM.-°- ^ --^ « «.

Dsrantnwrtlicher Redakteur: Gustav Schreiter»

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage, für Anzeigen «.Reklamen: August Brod«, b«de in Hanau.

Ferniprechanschiaß Redaktion 646 Expedition!>!

Fernsprechanschlutz 9teborHox 648 Expedition 288

1919

Unsere Ernährung.

Ueber den Ernst unserer Ernährungsfrage hat kn der gestrigen Sitzung der Naticmolverfamm-- U lang mit aller Offenheit der Reichsernährungs- minifter Schmidt sich in beachtenswerter U Weise geäußert. Wir lassen seine Ausführungen hier folgen

I Die Frage der Interpellanten, ob unsere Ernährung bis zum »»Wen L irisch aftsjahr ausreicht, muß ich vermsimen. (Hört, ißli!i Das soll nun geschehen, um den Fehlbetrag zu decken? gilbt nur zwei Wege. Einmal könnten die Raton noch weiter Umbgâseßt werden. Das wird aber ntdjt möglich sein, denn die IWenemittelraten sind schon so niedrig, daß eine weitere HeraL- Küng nicht möglich ist. (Allseitige Zustimmung.) Es bleibt also IM iidrig, den Fehlbetrag durch Einfuhr vom Ausland zu decken. Mi deutschen Volk und gerade in der Arbeiterschaft war vielfach U« Glaube verbreitet, daß der ritterliche Gegner sofort nach In- Kefttreten des WaffeMiWandes das Kampfmittel der Blockade Kiffen würde. Diese Hoffnung ist trüger-isch gewesen. Aber ich UM nicht neue Klagen erheben" und den Eindruck erwecken, als M das deutsche Volk als Bettler vor den Türen der Entente Uchen müßte. (Sehr gut.) Auch in seinen Leiden und in seiner Bitteren Not hat unser Volk Anspruch auf volle Gerechtigkeit. Matt.) Leider sind Haß und Leidenschaften so entfesselt, daß M Stimme der Vernunft erstickt wird und daß der Appell an MMlichckeit und Gerechtigkeit verhallt wie die Stimme des Mredtgers in der Wüste. Alles stricht dafür, daß der Wirtfchafts- Ikipf auch nach Friedensschluß mit aller Schärfe strtgesetzt pefben soll. (Hört, hört!) Die englischen schwarzen- Listen sind Mt jüngst durch die Namen der holländischen Firmen erweitert Dorten, die mit deutschen Häusern Handel getrieben haben. Siti, hört!) Norwegen verfügt über einen ungeheuren Fisch- Uèchilnn, aber es darf ihn nicht nach Deutschland ausführen. »hört, hört!) MMoneiuverte gehen zugrunde, weil rücksichtslos Wie Anordnung durchgeführt wird, daß ohne Zustimmung der Entente nichts nach Deutschland aus geführt werden darf. (Hört, Wit!) Auch Ungarn darf nichts mehr nach Deutschland aus- Mhren. Die letzten Berhandlungen Mit der Entente in Spaa MM zu einem Abbruch geführt, weil die Entente die Fadienft- der deutschen Handelsflotte einschließlich der Flotte, die tMii^Mstrdert Met, chne als Gegenleistung eine Sicherung der tw okks- DnnShrnng zu übernehmen. Wir haben diese Forderüirg der En- Wente algelehnt und müssen den weiteren Verlauf dex Anige- liezerheit abrrarten. Damit bleibt die Frage, was zur' Decküng VKS Fehlbetrages bis zur nächsten Ernte geschehen soll, in der IChweLe. Absr ich habe, so schwer' es mir wurde, mich dem Ikiandpunkt unserer Vertreter in Spaa awMschloßen. (Sehr Wichtig!) Trotz allem stände es nicht so schlimm mit unserer Er- Wahning, wenn uns nicht durch sinnlose Streiks und politische luntuiten die Einfuhrmöglichkeiten aus dem neutralen und sogar MW dem feindlichen Auslande unterbunden wären. (Hört, hört!) »Wir hätten unserem Voll« mancherlei Erleichterungen schaffen »Amen, wir hätten Lebensmittel in nicht geringem Amfamge Keis, Del, Milch, Fleisch und Südfrüchte einführen können, ipetm wir die nötigen Kompensationen dafür hätten bieten kön- »den und zwar Kohle, Kali und Eisen. (Hört, hört!) Weil wir I Kahlen, Kali und Eisen aber nicht bieten konnten, sind uns die I lebensmittel vor der Nase weggeschnappt worden. (Lebhaftes I E, hört! Bewegung. Zuruf: Tie Schuld der Unabhängigen.) I Das Verkehrswesen liegt darnieder. Die Kohlenerzeugung ruht kMgang schwankender Grundlage. Das Ausland will aber nicht Mr entwertetes Geld, es will unsere Erzeugnisse. Gerade des- 1 trifft uns diese Art der politischen Agitation so ungeheuer I MN und ich frage mich vergeblich: Sehen denn unsere Arbeiter I daß in der jetzigen Zeit jeder Streik wachsende Härten I A^klegr und daß sie selbst am schwersten davunter leiden Essen? (Zustimmung.) Nach jedem Streit kommen Arbeiter A Er und fordern stärkere Belieferung mit Lebensmitteln, I ME sie mir vorher die Zahlungsmittel Kohlen, Kali und Es der Hand gefchlaasn haben. (Hört, hört! BeweMng.) 2 Verteilung der vorhandenen Lebensmittel wind immer I M w Frage gestellt. (Hört, hört!) In verbvechereischer Weise / vielfach der Eisenbahniverkehr durch Streik unterbrochen wor- I (Hört, hört) Wenn dieser Zustand andauert, so weiß ich I wie ich die Devsorgrtng der Großstädte regeln soll.

I l?0- hört!) Ich sage es vor aller Oesfentlichkeit, daß ich die I «^ntwmtuns für die Ernährung der Städte nicht mehr über- I kann, wenn auf der aride ven Seite nicht endlich Ver- I N und Einsicht zurückkehren. (Erneutes Hört, hört! und I ^Eegung.) Wir werden für die GroMidte bald nicht nrehr I Milch heranfchaffen können. (Hört, hört!) Was ist das I ^ch politischer Kampf urn Freiheit und Recht, wenn die un= I Wlligen Kinder davon in erster Linie betroffen werden? I ^r tintig?) Wollen sich unsere Arbeiter denn nicht endlich I prassen und sich von dieser Gewaltherrschaft befreien? Schwere I »?Wu macht auch die Ernährung der besetzten linksrheinischen I dbmete, da die Lebensnsttteltransporte einfach ausgeraubt I Ma r wundert sich über den vielen Zucker im SHleich- Mmel. Im Tezcncher sind allein während des Transports I untrer Zucker gestohlen worden. (Hört, hört!) Jeder I ^^ streik bedeutet die Vernichtung des Restes unf-erer I Erwirk schuft. sZMimE^g.)

I w'1'k '^ ein Menschenalter in der Arbeiterbewegung uNd I ^E den Zeittzmnkt h^rleigeschnt, wo ich mich schöpferisch be- a/^" ^un.te. Aber ich sehe heilte zu meinem Leidwesen, daß tat Me einen unheilvollen Einfluß ausüben, die bisher von ruhigen, ziellev. rchten Arbeit der Gewerkschaften abseits I ?ii ^en ^lden, daß Leute die Führung an sich reißen, die Nicht : ^Tonnen, sondern zertrünmnern. (Sehr wahr!) Das ist eime fO^undigung an unserm Volke. Diese Kreise muffen umkehren, I ^^ sie nicht Verbrecher sind. (Lebbafte ZMimmiNng: Zurufe: di» -r"^ r-v!) Mit unserm jämmerlichen Ernährungrzustand war -^vertsetzum^ des Krieges nicht n'.ehr möglich. Di« einzige ^E"Nn>g mar, daß die Beend iMng des Krieges uns die Einfuhr wcer eröffnete. Der Schleichhandel ließe sich wirksam nur ; "Mampfen, wenn die Rationen so hoch beinessen werden könnten^

daß das Interesse am Schleichhandel fortfällt. Das kann id) leider nicht Darum kann ich auf die Zwangswirt­schaft nicht verzichten. Selbst die schärfsten Strafen könnten den Schleickhon-del nicht ausrotten. Msi-ne Hoffnung, daß di« Bauern- und Laudvrbeiterräte uns wieder zu geobd- nyten Verhältnissen in der Erfassung der Lebensinittel ver­helfen würden, ist leider enttäuscht worden. Einige Lanbarbei- tevväte haben ihre Aufgabe richtig erfaßt, aber gerade die Mehr­zahl hat sich die Aufgabe gestellt, nichts mehr abzu liefern, son­dern nach freiem Ermeßen W schalten und zu walten. Jeder Streik städtischer Arbeiter ist jetzt ein Verbrechen an der Nation; aber kein g«ringeves Verbrechen ist es, wenn den Land­wirten gesagt wirb: Ihr könnt auch streifen! Das sind die Spartakusie im Bunde der Landwirte, und sie sind verantwort­lich für das, was daraus entsteht. (Große llaruhe. Abg. Röfick« (Deutfch-Natl.): Wo bleiben die Kohlen?) Können Sie es ver­antworten, Herr Rvsicke, wenn Sie im Bund der Landwirte die Bauern auffordern, falls die Zwa-noswirtfchaft nicht befertègt wirb, die Ablieferung der Lebensmittel zu vsrweigsrn? Das ist nicht die Aiffgab« des Bundes der Landwirte, er dient damit dem Wolke fskn schlecht. (Widerspruch des Abg. Röficke.) Sie würden den Gsgensatz von Stadt und Land ungeheuer ver­schärfen. ,

Es ist unmöglich, die Viehbestände zur Aufrechtenhaltu atz der jetzigen Fleischvation aufzubringen. Ich muß leider die Fleisch­ration wieder auf den Stand vor der letzten Erhöhung herab- setzen. Ohn« die maßlosen SchuMzschlachtungen wären wir vielleicht nicht dazu gekommen. Wah-rstli-ei nlüt) ist sogar die ver­minderte Ration nicht in jedem Falle zu sichern. Als Ersatz sollen Hülsenfrüchte gegeben werden, die ja in ihrem Werte nahezu dem Fleische gleichkommen. Nach Feststellung der ärzt­lichen Sachverständigen sind in den vier Kriegsjahren 70 000 Menschen in den Städten Mehr gestorben als in der Friedens­zeit. Die Ernährunig war so schlecht, und konnte durch keine» Schleichhandel für einen großen Teil der Bevölkerung ausge­glichen werden. Die Journalisten des Auslandes, die angeblich unsere Emähruugsverhäktnisie studiert haben, schreiben, daß es garnicht so schlimm mit uns stände. Im den ersten Hotels aller­dings findet sich in knapper Form nahezu das, was in normalen Zeiten dort zu erhalten war. Aber die Preise sind her artig, daß sie selbst bei den hohen Arbeitslöhnen für die Maße der Be­völkerung garnicht in Tätracht konnnen, sondern daß viele auf die Rationen mrgewichen sind. Diese Herren Journalisten sollten kochen und essen. Diese oberflachlicke BerckaMung ist sein Maß­stab für den Zâffiand unseres Volkes. Der Hunger ist leider härter, als die Zerren annehmen. Die Zwangswirtschaft ist aus dem Zu-ange der Verhältnisse 'geboren, sie ist sein Wirtschafts­system für die Zukunft. Aber bei dem jetzigen Mangel an L-ebensmitteln kann sie nicht aufgehoben werden.

Maßiiahn'en zur Aushebimg der Zwangswirtschaft sind ein­geleitet worden für das Frühgemüse und das Obst, für die auch die Einfuhr freigegeben wer^n soll. Ebenso kommen Dörrge- mièse, Sauerkraut und Sauargemüse in Betracht. Ich flsn' ge­sonnen zu prüfe,., in der Erfassung der Hülsenfrüchte eine Aende- rung in der Richtung eintreten zu lassen, daß wir vielleicht nur einen Teil erfassen und das übrige frei geben, daß wir ebenso bei Gerste und Hafer über ein gewisses Quantum hinaus Zugeständ- nisie macken und vielleicht auch bei Heu und Stroh die Zwangs­wirtschaft aufheben. DÄgköcherweis« kann auch für Eier die Zwangswirtschaft rvenigsieNs zum Teil beseitigt werden, sâlv der Verbrauch für die Lazarette und Krankenhäuser sichepgestellt .ist. Endlich wird zu erwägen fein, ob für die Zuckerbewirtschaf- tung eine Aenderung dahingehend eintreten kann, daß der Ver- brauchsMcker, der sogenannte Munk^ucker, sichsrgeslellt und was darÄer hinausgeht, freigelassen wird. Dagegen muß ich mit aller Enffchaslenheit die AuUebung der Zwangsbewirtschaftung für Brotgetreide abtehnen. Das gleiche gilt bei unseren ge­ringen Viehbeständen für die Fleischbewirtschaftung. Ich kann auch nicht verzichten auf die bisherige Milchbewirtschaftung und di« Kartoffelverforgurkg. Jedenfalls muß von der Kartoffel unter allen Umständen ein bestimmtes Quantum sicher-gestellt werden. Ich bin mir über die Wirkung der Freigabe gewißer Artikel für den Handel sehr wohl klar, sie wird zweifellos Lb ermäßig hohe Preise zur Folge Haben, wenn es nicht gelingt, durch die Einfuhr die Preise zu drücken. Ob das ge­schehen wird, ist mir einstweilen noch zweifelhaft, aber ich bin geneigt, in gercissem Umfange einen Versuch zu machen. Ich betone aber heute sâzon wenn diese planlosen Preistreibereien und die ffrupellose Ausnutzung der Konjunktur, wie wir sie während des Krieges und auch fetzt nod) haben erleben müßen, fortdanem sollten, so werde ich zu den Höckst preßen zurückkehren und dafür Sorge tragen, daß die HöchstpreispoMik mit aller Entschiedenheit "durchgesetzt wird. Ich halte es aber für not­wendig, wenigstens einen Versuch zu machen und ein gewisses Entgegen können zu zeigen and schon dèShalb, weil die ganze Autorität der Ldganffation der Verwaltung leider ins Wanten geraten ist und damit leider auch die Unterlage für die Zwangs­wirtschaft zu einem guten Teil in Wegfall kommt.

Was dann die zweite Interpellation an langt, so ist natürlich eine sehr große Gonge für die Reichsregierung. daß einer Steige­rung der Produktion ein außerordentlich bedenklicher Mangel an Arbeitskräften im Wege sieht. Die Auffassung des ?lbgcord- neten Seniler, daß es inöglich sei, unsere landwirtschaftliche Produktion so zu steigern, daß dadurck: unser Bedarf gedeckt ge­deckt werden könnte, vermag ich nicht M teilen. Wir werden nach wie vor leider auf eine^Emfuhr angewiesen sein Trotzdem werden wir natutzlich alles tun und unters ühen. was geeignet ist, die Produktion zu erhöhen, schon aus dem etiifaden Grunde, weil wir garnicht die Mittel haben, eine große Einftrhr finan­ziell zu bereiten.

Die Lösung der Arbeiterfrage sehe ich in erster Linie in der Schaffung eines sieinbäuerlicken Besitzes, dem durch den Aus­bau Mnoßeinstkvftlicker Einrichtungen die Nflöglichkeit gegân wird, fid) die technischen Font'Mitte der moberiven Landwirt­schaft', also vor allen Dingen die ^Ausnutzung der Aiastb!neu. ,zu­nutze zu wachem. Was ist nun geschehen, um für Die Landwirt­schaft die 'nüd igeir Arbeitcck räste heran Anziehen und vor allen Dingen- die nächste Ernte zu sichern? Ich habe alles getcutz mn

den lvndwir tschastlichen Arbeitern, die in der Industri« tätig waren, die Rüâhr auf das Land zu erleijdjtern. Alle Eondsv- gefetze für landwirtschaftliche Arbeiter sind beseitigt. Ein «anst LaNdorbeiderrecht ist nach Berftändiyung mit den landwirchhafb. Iriden Korporationen in VorboreitüMg, eine ReuvegeluNg der Löhne wird herbeigeführt. Es besteht heute kein Dedenk-en mehr für einen städtischen Arbeiter, Land arbeit auz unehmen. (Seht ickchtig! rechts.) Unsere Bauern möchte ich bitten, nicht vo» vornherein eine starke Abneigung gegen städüffche Arbeiter Mw Ausdruck zu bringen. Nicht alle sind Spartakistsn, und men« Sie (nach rechts) mal einen SpacDakffteir aufs Land bekommen^ dann witzd et durch Ihre Erziehung vielleicht noch zu einem vor- nünftigen Dienschen gemacht werden. (Höiberkerü) Wir bauest in den Städten sehr viele Leute, die durchaus der Landarbeit nicht fremd gegenüberfte^en. Ich bedauere, daß befvnAsvs unsere jungen Leute nicht aufs Land hina uszubet cmvme-n sind. Auch iw der Frage der LMrgemiiteâflhaffung ist von- der Regierens alles getan werden, um die Erzeugung zu bebett. Leider habe» die vierzehntägigon Streiks in den StEoFwerken unsere Hoff­nung auf ein« ausreichende ErzemMng vevnichtet. (Hört, hört!) Der Mgeordnete Semrnler sagt: die Düngemittel müße» Ls« schafft werden. Dieses Muß ist eine f«hr harte 9 _ nicht in der Lage, diese Ruß zu knacken. TwM bedarf es vor allem der Einsicht der Arbeiter. Ich komme also zu dsm wsniiz befriedigenden Ergebnis, daß unsere Leben-smättelvenorguwg i« diesem Jahre auf sehr unstckever Grundlage rscht. Aus dieser Bedränignis kann nur eine ruhige wirtschaftliche Entwicklung int Innern und eine menfchkiche Einsicht unserer Gegner unk rattern, . (Beifall IMs.) (Frankf. Ztg.)

Nationalversammlung.

WB. Weimar, 10. März 1919.

Die Sitzung wird um 2 Uhr 20 Min. eröffnet. Auf der Tages­ordnung stehen die Ernährungs-IirterpeLationen. Für bis demokratische Partei begrüsidet Dr. Petersen und für ditz Deutsche VoUspartei Abg. Dr. Semmler die Interpellation Das Haus beschließt die gemeinsame Besprechung der Inter­pellationen. Darauf nimmt bei Ernährunusucinister S ch m idt bas Wort zv den Ernöhrungsftagcn. Es eröffnen sich demnach' für die Ernährung traurige Ausblicke. Der Minister erklärt, daß di« Ernährung bis zum näckßten Wirffchaftsjahre nicht aus. reicht. Eine Herabsetzu?rg der schon so niedrigen Lebensmittels ratisnen sei nicht mehr möglich. &» bleibe .purJibria, den FH- betrag durch Eirffuhr vom Ausland« zu decken. Viele Er näh« run'cxruögl-ick feiten feiet durch die sinnlosen Streiks und du-rch die andauernden Unruhen verloren gegangen, denn wir hätte» für etwa «inzusührende Artikel, wie Reis, Del, Milch, Fleisch und Südfrüchte kein« Kcmpenfariansebjetie gehabt. Unser entwertetes Geld wolle das Ausland nicht, sondern Kohle, Kali und Eisen. Der Minister appelliert an die Vernunft und Ein­sicht der Arbeiterbevölkerung, für die Versorgung der Stabte könne er die Verantwortung nicht mehr übernehmen'. Eia Der. brechen« es auch, die 'Landwirte für einen Streik zu ge­winnen. Die Fleifchration müße wieder aus den früheren ^tand herabgesetzt werden, und vielleicht ließe sich auch dieses vermin­dert« Duan tum richt überall aufrecht erhalten. Der Minist« spricht s'ck gegen die Aufhebung der Zwan-gswirtschaft aus, für Brotgetreide, Fleisch und Butter müße sie jetzt bestehen bleiben. Die Freigabe einzelner Erzeugniße werde erwogen. Bei Preis­treibereien müfften dann aber wieder die Höchstpreise zur Air- Wendung kommen. Unsere Hoffnungen auf genügende Stickstoff- erzeugung sei durch die Streiks vernichtet worden. Nach allem! stehe unserer Versorgung aut sehr unsicherer Grundlage, nur ruhige wirtschaftliche Entwiâmg im Innern und menschliche Einsicht unserer Gegner könne uns retten.

Der deutsche Vertreter bei den Verhandlungen in Spaa,' Unteirstaatsfekretör Edler v. Brau n, gibt dann einen ausführ­lichen Bericht über die dort gepflogenen UnierhandlunBen. Er hält unsere Lage nicht für so ganz hoff-imngslos, die Welt werbe sich den' Verpflichtungen Deutschland gegenüber nicht auf die Darger entziièen können.

Abg Sch 'i e l e (Ntsä-Nat.) erstattet einen Bericht des Aus­schußes für Volkswirtschaft, in dem auf eine bessere Verteilung der Arbeitskräfir büngewiefen wird. Mg. Blum (Ztt.) hätt es für ausgeschloßen, daß die Landwirte streiken würden und daß durch den freien Handel der Schleickchandel unterbunden würde. Ein unabbänniver Algeottneter befürwortet d« Zwanaswirtfchast auf atken Gebieten und erklärt, daß auch ohne die Streiks das Volk nickt bis zur nächsten Ernte hätte ernährt werden können. Wir seien eben auf die Hilfe des Auslandes an gewiesen. Reichsminister Dr. David verweist gegenüber dem Vorwurf, die Regierung sei mit ihren sozialen Konzessionen zu spät gekommen, darauf hin, daß durch die Unruhen im Lande die'meiste Zeit der Regierung in Anspruch genommen sei. Das eingioe Mittel zv* Rettung sei bie Wiederaufnahme der Arbeit.

Abg. Eisenberger"(Tayr. Bauernbund) tritt dafür ein, daß der Großgrundbesitz, der während des Krieges so wenig für die Volksernöbrung getan habe, aufgeteilt wird. Die kleinen und mittleren SBauern hätten im vollen Maße chre Pflicht getan. Abg. Gollma a n (Soz.) erkennt die gewaltige Arbeitsleistung der kleinen und mittleren Bauern an, warnt aber vor einer weiteren Erhöhung der Preike. Der Zeitpunkt für den Ueber- gamg von der Zwangswirtschaft zum freien Handel sei noch 'nicht glommen. Die Streiks seien im Grunde nur eine Hungerkrank- t. Di« Hoffnungen auf die ausländischen Sozialisten in der nährn ngsfraae seien eitel gewesen, deshalb tonne uns nur eins testen, angestrengte Arbeit. Abg. Dusche (D. V. P.) spricht über Arbeitslefialeit in den Städten, während man auf dem Lande Arbeiter«!angel hätte. Er erblickt in der geringsten Sozialisierung der Landwirtschaft den größten Ruin für Deutsch- landnr und in ber Ablehnung der Preiserhöhungen ebn« Kata­strophe. Gegen die Streikenden verlangt er: Gewalt gegen Ge- - walt Reiche er n ährungsminW e r Schmidt lehnt sowohl eins i Preirerböbuno, wie eine Herabsetzung in den meisten Erzeug- ) nân ab. ' Damit schlief die Besprechung. Der Antrag der : ^iolfsw irtfdwiftsTomtrilfion wird angenommen. Nächste Sitzung ' Dien«tag, 10 Uhr norm. (Interpellation Arnstadt über bas ü Verhältnis von Staat und Kirche). Schluß gegen §49 Mr«