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Verantwortlicher Redakteur: Gustav Schrecker, für Anzeigen u. Reklamen: August Brodt, beide in Hanau.
k 45 Redaktion Kis -^ Erv^i Ion SS# S«mstag den 22. Februar
^M »mIN<Kcs.
' Bekanntmachung.
I Die Reichsrsgierrrnfl hat Befehl gegeben mit Waffengewalt gegen die unlauteren Elements einzufchreiten, die rauben und plündern, sich gegen die Staatsgewalt arrsishnen und sich fsrè- gesetzt schwerer Eingriffe in die demokratische Freiheit schuldig machen. Die längere Duldung derartiger verbrecherischer Treibereien wurde die Gemeinde zu Grunde richten und die Einwohnerschaft der Gefahr Les Berhungerus arrs- liefern.
I Als Führer der Ordnungstrupven verhänge ich den Belagerungszustand über den hiesigen wrtsbereich und übernehme die vollziehende Gewalt. Die Zivitverwaltungs- und Gemeindebehörden haben meinen Anordnungen und Auf- ktrâgen Folge zu leister. Die Artikel 29 und 30 krerPreußischen Verfaffungsurkurrde treten außer »Araft. Versammlungen unter freiem Himmel Vowie Ansammlungen jeder Art und Demon- Wrationen auf den Straßen und Plätzen sind Werboten. O^ffentliche Versammlungen in ge- Uchlosienen Räumen bedürfen der polizeilichen Genehmigung, welche mindestens 48 Stunden vorher schriftlich unter Angabe von Tag und Munde der Versammlung, des Gerhandlungs- Wgenstandes und des Namens und der Wohnung des EinberuserS bei der Ortspolizeibehörde zu ^beantragen ist. Die Polizeistunde wird auf W Uhr abends festgesetzt.
Ich fordere die Bevölkerung auf, meinen Wefehlen Folge zu leisten und mich bei der Her- Wellung der Ordnung zu unterstützen. Alle Wuwidsrhandlungen müssen strengste Ahndung Wnde».
Divisionsstabsguartrer, den 22 Februar 1919.
Rum sch ö tt el, Generalmajor.
BLLarmèMKchrmg.
Es ist notwendig diejenigen Personen ihrer gerichtlichen Bestrafung zuzuführen, die in den letzten Tagen M den Plünderungen und Störungen der öffentlichen Ordnung besonders Anteil genommen haben.
Ich fordere die gesamte Bevölkerung auf, alle Angaben hierüber schnellsten» an die Polizerdirektion — Kriminalabteilung — zu richten.
Hana«, 22. Februar 1919.
Die Polizei-Direktion: Schmid, Negierungsrat.
Deutsch ist und bleibt das Saargebiet!
■ Das ist die Feststellung und Forderung, die in der Sitzung M bet deutschen- Nationalversammlung einmütig von der äußersten ■ ^^n Bis zur äußersten Linken unter Zurückweisung der fran- ■ Eschau Annexioinsgelüste erhoben worden ist. Namens der ■ euNen Negierung hat Reichsminister Erzberger erAärt, daß ■ ^inem Frieden, der uns das Eaargebist nähme, nur äußer-
I Minnen könnten. Aber ein solcher Friede wäre' kein
■ ^bde, sondern ein unerträglicher Zwang, eine Erpressung, 11116)
I â und nimmer würde sich das deutsche Volk mit einer solchen I âr Gerechtigkeit Hoh «sprechen dem Vergewaltigung abfinden. I Die französischen Chauvinisten, die die Angliederung des ■ .^^ebiets an Frankreich verlangen, müssen die „Gründe", die I ^n solchen Anspruch rechtsertigen, an den Haaren herbei- I Da wird z. B. gesagr, „daß das Saarrevier bis zum I ^te 1814/15 zu Frankreich gehört habe und van Preußen ■ ^orrechtlich annektiert worden sei, daß es also um die Wie- I ^utmackumg eines alten Unrechts bedeute, wenn das Gebiet M wieder an Frankreich zurückfiele". Verschwiegen wird aber, daß « boargebiet in tausendjähriger Geschichte zu Deutschland I ^hort hat, 400 Jahre den deutschen Fürsten van Nassau-Saav- W /?ei1 ^orte, Bis es von den Truppe der französischen Nevo- I âon anivektiert und zu Frankreich geschlagen wurde. Ebenso ^los ist y^ Argum entation, die kürzlich von her „Revue M p*bdomadai,re" vorgetragen wurde. Es wurde der Standpunkt
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vertreten, daß es nicht genüge, Deutschland die elsaß-lvthrim- gischen Erze zu entziehen. Die Franzosen erhielten damit, so wurde aus,geführt, zwar genügend Erz. aber sie hätten nicht Kohle genug, um diese Erze M verarbeiten, und müßten die Kohle bei ihrem nächsten Nachbar, bei Deutschland, taufen, das seinerseits Kahle und Koks nur im Austausch gegen Erz verabfolgen, also auf diesem Umwege die ihm entzogenen elsaß- lothringischen Erze zurückerhalten würde. Es erübrigt sich, über derartig kindliche Ausführungen ein Mort zu verlieren. Es ist auch deshalb nicht nötig, weil in derselben Auslassung rückhaltlos Angegeben wurde, welches der eigentliche und wahre Grund ist, das Saargediet für Frankreich in Anspruch zu nehmen. Es ist folgende „Erwägung":
„Läßt man Deutschland die Stellung als führendes Land auf dem Gebiet der Eisenerzeugung, so mag man sich einbilden, die Bestie, geknebelt zu haben, aber man hat ihr die Krallen gelassen ... Um die deutsche Eisenindustrie zu zügâ, gibt es nur ein Mittel: Frankreich als Besitzer des elsaß- lothringischen Erzes, muß auch die Saarkohle zu seiner Verfügung haben."
Das Saargebiet als Kohlenbezirk ist für Preußen und Deutschland von allergrößter Bedeutung. Die Jahresförderung betrug vor dem Kriege rund 12 Millionen Tonnen, seit ihrem Bestehen Bis Ende 1908 haben die fiskalischen Kohlenzechen des Saarreviers insgesamt rund 310 Millionen- Tonnen Steinkohle gefördert. Bei einer Förderung von jährlich 11 Millionen Tonnen kann der Steinkohlenbergbau im Saarrevier Bis zu einer Tiefe von 1000 Meter 900 Jahre, bis zu 1500 Meter Tiefe 1400 Jahre, in noch größeren Tiefen schätzungsweise 5000 Jahre betrieben werden. Aus diesen wenigen Zahlen wird ersichtlich, was der Verlust des Caargeb-iets für die deutsche Eisen- und Stahlerzeugung und damit für die gesamte 'deutsche Volbswirt- schaft 'bedeuten würde. Er ist f-rr-er daraus HMznwrfsen, daß die Eisen- und Stahlerzeugung des Eaarbezirks im Jahre 1913 nahezu 3 Millionen Tonnen betragen hat. Das deutsche Volk in allen seinen Teilen muß sich dieser Tatsachen- bewußt werden, um zu erkennen, wie notwendig und dringlich es ist, daß die Ansprüche französischer Chauvinisten und Imperialisten' auf das berndeutsche, für die deutsche Volkswirtschaft lebenswichtige Saargebiet in voller Einmütigkeit und mit der allergrößten Entschiedenheit zuriickgewiesen werden. ',
Die preußische Landesversammrung.
WB. Berlin, 21. Febr. Wie wir hören, wird die verfastimz- gebende preußische Landesversammlung nicht am 4., sondern am 5. März in Berlin zusammentreten.
Die Verfaffung des Deutschen Reiches.
WB. Weimar, 21. Febr. In den am 18., 19., 20. und 21. Februar unter dem Vorsitz des Reichsministers des Innern Dr. Preuß abgehaltenen Vollsitzungen des Staatenausschusses wurde beschlossen, der Einbringung hcS Entwurfs einer Verfassung des Teutschen Reichs an die Nationalversammlung zuznsümmen.
Die Einzeistaaten.
1 Berlin, 21. Febr. Nach einem Beschluß des Stavtenaus- schustes zur VeTfassungLfrage soll nach den Pol.-Parl.^ Nach- rid-ten über diejenigen Sonderrechte der einzelnen Freistaa-ten, auf deren vorläufige Erhaltung die Süddeutschen Wert logen, binnen fünf Jahren eine Bersiändignng herbeigeführt werden, die zu ihrer Ablösung führt.
Im Westen.
WB. Gelsenkirchen, 21 Febr. Aus der Zeche „Co rfofiba Hon" bestünnnte die spartakistiscke Stre-kkleiti'-ng, daß der Betrieb vorläufig acht Tage ruhen solle. Sie hoffe, daß bis dahin die Regierung Ebert-Scheidmnann-Noske gestürzt u:?d eine neue Re Piening nach ihren Wünschen ans Ruder gekommen sei. Der ; ZsckEüt verfügte darauf, daß der Kokereiberrieb während des I Streiks in einvesckräi cktem Maße aufrock-t erhalten bleiben soll, knüpfte jedoch daran die Bedingung, daß der von der Industrie so dringend benötigte Koks nickt versandt wird, sondern auch auf Lager genommen werden soll. Die Zechenverwaltung setzte den Reichskohlenkommisiar von dem gesetzwidrigen Verhalten des Sedierrates in Kenntnis.
WB. Esten, 21. Febr. Im Ruhrbergbau befanden sich kn der gestrigen Mittagsschicht 52 000, in der Nachtschicht 16 000, in ter heutigen K orgonschicht 75 000 Bergarbeiter im Ausstantz. Von insgesamt 250 (Sdadtanlagen sind 110 vom Streik betroffen, etwa 35 Prozent der Arbeiter sind am Streik beteiligt.
Clemenceau.
Nach Blättermeldungen hat die Anbcirsuchung festigestellt, daß der Slnfdlag auf Clemenceau am Dienstag abend Lekchloflea wurde. Ein aus der Schweiz zugereistes Individuum habe den Koup vorbereitet. Dieses Individuum ist wiober verfchwundon.
Man hat seine Svur verloren.
Fernsprechansch!«tz Redaktion 646 — Expedition 236
Die Vorgänge in München.
Weitere Bluttaten. '
München, 21. Febr. Als nach Wiedereröffnung der Sihnu« der Landtags kurz nach 11 Uhr Miniäer Auer dem Hause von der Schreckenstat Kunde gegeben und »itgeteilt hatte, daß Eisner dn Absicht gehabt habe, zurückzutreten, und gemeinsam mit dem übrige» Ministerium dem Varlanrent die Aemter zur Verfügung zu stellen und nachdem er Worte ehrenden Angedenkens EiSners gewidmet hatte, wollte das Abgeordnetenhaus gerade zur Vertagung ichreiten. Da erschien in der Türe mit gezogenem Revolver ein Zivilist, stürzte nch auf Auer und gab mehrere Schöffe auf ihn ab. Auer sank schwer getroffen zu Boden. Run fielen in der ungeheuren Verwirrung etwa 10 Schüsse, die von Tribünen und im Saale von mehreren Leuten, die plötzlich dort auftauchten, abgegeben wurden. Durch einen Schutz' wurde der Zentrumsabgeordnete Oiel getötet, der Ministerialrat Gareis schwer getroffen. Die revolutionären Soldaten hielten zunächst alle AuSgänge der Landtages besetzt, sodaß er längere Zeit nicht möglich war, da» HauS zu verlasten. ,
Belaseru«»gLz«ftan-. , - .
München, 2L Febr. Ueber München ist der BelagernngSzw stand verhängt worden. Nach 7 Uhr abends darf sich kein Zivilist auf der Straße blicknr lasten. Tenlentsprechend find alle öffentlichen Veranstaltungen aufgehoben nnd die Theater bleiben bi- auf weitere» geschloffen. Die Gewerkschaften haben in Verbindung mit dem Arbeiter* und Soldatenräten die Ausdehnung des Generalstreiks auf drei Tage, bis einschließlich Sonntag, beschloße«. Die Kundgebungen auf der Theresieiiwiese am Nachmittag sind ohne besondere Zwischenfälle ver»^ laufen, wenn auch im Ton der Reden die tiefe Erregung über btt blutigen Ereignisse des heutigen Tage» widerhallte. Mehrfach wurde die Bewaffnung des gesamten Proletariat» gefordert, vereinzelt z« Gewalttaten gegen die besitzende« Klassen aufgefordert. Klrichzciti» fanden in verschiedenen großen Sälen Versammlungen statt
Minister Aner gestorben.
DDP. Münchr«, 22. FW Minister Auer ist semenr Bauch. schuß erlegen.
Stimmen der Preise.
DDP. Berlin, 21. Febr. Der „Berliner Lokalai^eiger' Bf , richtet au» München, daß die Schüffe im Landtage von L^artakiste« in Soldatennniiorm abgegeben worden sind. Eos blutigc_»chausprei,^ das sich heute morgen in Mâuckeu ereignet habe, könne sich morgen in jeder anderen Stad: wiederholen. W r treiben in den fluten bei Bürgerkrieges trotz Nationalversammlung und Rrichsoerfaffimg. ^.a? Blatt schreibt weiter: E» könne so ivdt weilergehen und all- Freunde des Vaterlandes, gleichviel in welchem Sager, nejianbm, müßten sich unteridiiebëlol zuiamnicunüden. Der „Vorwärts* schrrrvr: Der Hiobspost von der Ermordung Eisners folgt die zweite non der schweren Verletzung Auers. Noch ist es unklar, »b beide Taten au» der gleichen Eluelle der Beweggründe gestoßen sind, ober ob irrnunige Fanatiker vielleicht glaubten, sie könnten die an Eikner begangene Tat rächen, indem sie seinen vermutlichen Nachfolger int Amte gemalt») sam Beseitigten. Der bayerische EeMrumrabgeordnere Ocsel mußte in diesem Chaos der aufgewühlten Leidenfchaiten sein Leben lasten. Er ist schweres Unglück über Bayern gekommen und bannt über MF ganze deutsche Volk.
Nicht wir!
Und wenn Derkeunldung hintest^ltig
Aus tausend Feuerschlünden blitzt, Und Lug und Trug millionenfältig Aus glft'gen Schlangen rachen spritzt.
Ihr führt die Lüge nicht zum Siege, Und wär' mit Euch das Höllenheer: Die Frevelschuld an diesem Krieg« TrägtDeutschlandnunund nimmermehr)
Längst drohte Englands Wetterwolke, Das uns den Aufstieg heiß mißgönnt. Dem emsig fleiß'gen deutschen Volke — Bestreikens, Briten, — wenn Jhr's könnt!
Und mit der Milch aus Mutterbrüsten Sog Frankreichs Kind die Rache ein.
In uuosrhohl'nen Kriegsgelüsten Unis Ersaß und den deutschen Rhein.
Der Aufruhr unterdrückter Masten Umbrandete den Zarenthron. Verladern sollte dumpfes Hasten Im Kampf um kriegerischen Lohn.
Wir wollten gern iu Frieden wohne«, In Schaffenslust und Väierbrauch, Doch fordern siebenzig Millionen Auf Erden Raum und Sonne auch.
Kein Weltmeer hat uns Schutz geschah, Kein Bsrgwall schirmte Preußens Mark. «,
Nur deutsche Helden, deutsche Waffen, Nur Mannestreue rein und stark. ^ Zum Schutz der heil'gen deutschen Lande < Wra^ Gerüstet sein, war unsre Pflicht. "â .
Die Fr evelfchuld a m Weltenbrand«, - Nein, deutsches Volk, Du trägst sie "4^