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K. 43
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Redaktion 640 — Erpedition 236
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1919
Der Kampf ums Saargebiet.
f In wahrhaft teuflisch planmäßiger Weise nutzen die Franzosen die Zeit bis zum Friedesschluß, um Tatsachen zu schaffen, gegen die auf der endgültigen Pariser Konferenz nichts mehr zu machen ist. Es ist nicht Hysterie der Hasses allein, die unsere Nachbarn im Westen dazu treibt, mit allen Miteln der deutschen Zukunft die Tore zu verammen. Nur zu gut haben die Franzosen erkannt, daß jetzt die letzte Eelgenheit gekommen ist, um ihr sterbendes Volk vor dem Wettbewerb der deutschen Arbeitskraft für alle Zeiten zu bewahren. Sie haben uns dereiis die lothringischen Erzlager entrissen, nun soll auch der wichtigste aller Rohstoffe, die Kohle, uns genommen »erden, soweit das immer möglich ist. Ganz auf den Eezug ihrer Rohstoffe vom Ausland gestellt, soll die utsche Industrie auf Gnade und Ungnade für alle Zeiten n Erpressungen unser unversöhnlichsten Gegner ausge- rfert sein. Gegenwärtig geht der Kampf um den Vedder Saargebietes, das mit die ergiebigsten Kohlenlager, e uns bisher zur Verfügung standen, enthält. Die Franzosen waren von jeher groß in der Hervorholung ^öei möglichen Rechtstitel, die sie zur Bemäntelung ihrer Kaubabsichten gebrauchen konnten. Daß es in der Frage les Saargebietes keine irgendwie schlagkräftigen gibt, heigt ihr heißes Bemühen, uralte Vesitztitel aus uralten «rgilbten Urkundenmappen herauszuholen, die beweisen ollen, daß Frankreich im Laute der Geschichte vor Jahr- »underlen einmal rechtmäßig das Saargebiet zu fordern n der Lage war. Wir können diesen Antiquitäten Tatschen entgegenstellen. Seit tausend Jahren ist, wie mmer wieder unterstrichen werden muß, das Saargebiet Min deutscher Besitz, erst unter selbjtgemählten deutschen Würsten und dann laut freiwilliger Entschließung unter der Wreußischen Krone. Es sind die besten Deutschen, die dort wohnen Wnd nichtmehr a!s eine einzigeFamil e kanndot denAnsp uch er- gpen, französisches Blut in den Adern zu haben. Was aber Dor allem für den bevorstehenden Friedensschluß 'in Betracht Mmmt, ist die Tatsache, daß laut Wil on dieser Friede ein Driedr dis Rechtet sein soll, der d'e Entsche dung über ihre Maniäche Zugehörigkeit jedem Dolksteile selbst an^imftedt. Mkber den Ausfall der betreff »den Entschechung der Saar- Wrutschen ist gar ke n Zweifel möglich. Feierlich haben sich Wmmer wieder auch die französischen Staatsmänner auf die Wilson'schen Punkte als d e R chüw'en des Gerechtigkeils- Uru^kns festgelegt. Wil'ons Wörle aber lassen keinen Zweifel Worüber, w e er selbst sich logisch'rweise auch zu der Zukunft Saarbrückener -Gebietes stellen muß. So heißt es in Wer Antwort Wilsons. Auch die Friedensnole des Papstes 27. August 1917: „Strafweise verlangte: Schadeus- Wrsatz, Zerstückelung von R ichen . . . halten wir für unge- Wlgnet und letzten Endes für schlimmer als nutzlos, für keine Mutende Grundlage irgendwelchen Friedens am allerwenigsten Mines Dauerfriedens." Schon 1913 hat Wil'on in seinem Meuche über den Staat ein herbes Urte l über die französischen Maubabsichten gefällt. Es heißt da: „Der Kp.eg der Jahre .7l ist im Interesse des beiitf^nt Patriotismus gegen Wfranzösische Unverschämtheit geführt worden. Das gilt auch Irische.weise für heute. D^e französische Sprachgrenze W kommt Saarbrücken nur auf 45 bis 50 km nahe. Saar= Wbrücken ist, wie es alle Zeit gewesen war, auch heute ur- Wdeulsch und muß bei Deutschland bleiben, wenn es nur ■ lr9tnbeine Weltgerechtigkeit giebt. Auch ein Volk in Not M wird nicht ungest alt zum Träger eures Haffes gemalt, der ■ muß, solange das getane Unrecht bleibt. Das' mögen U "uch die Franzosen gesagt sein lassen.
Die Beschlagnahme der Auslandseffekten.
ODP. Berlin, 19. Febr. Wie verlautet, stehen die Beratungen unmittelbar vor ihrem Abschluß, durch die durch Verordnung der Regierung das Recht verliehen Werden soll, ausländische Wertpapiere, die sich im deuten Besitz befinden, zu beschlagnahmen. Naturgemäß durften nicht alle Auslandspapiere in Frage kommen. Beispielsweise wird man wohl russische Werte von der Beschlagnahme ausnehmen. In welchem Umfange die "Esther von ausländischen Wertpapieren entschädigt »erden, ist im Augenblick noch Gegenstand von Be. Zungen. In maßgebenden «ankkreisen ist man durch Ankündigung der Beschlagnahme nicht überrascht, glaubt allgemein, daß die Enteignung nur auf der heutigen Börsenkurse erfolgen kann und darf.
Für 400 Millionen Lebensmittel.
^DP. Berlin. 19. Febr. i B. Z. a. M.) Ueber die letzten ^^banblungen in S v a a und Trier über die Versorgung ^ulschlsnds mit Lebensmitteln tritt der Vorsitzende der Lutschen Kommission für LebenSmiUelcinsuhr, Untcrslaats- mtttSr v. »raun, mit: Die Frage, wie die LebenSmiitel ^SlLwtrben sollen, ist «och nicht aeveaeU und eine Ein
fuhr deshalb jetzt noch nicht zu erwarten. Die Vertreter Amerikas und Englands haben mitgeteilt, daß eine Kredit-
gewahrung an Deutschland unmöglich sei. Es wurden jedoch neue Abmachungen über weitere Lebensmittellicserunaen vsn 235 000 Tonnen zu einem Preise von ungefähr 11'/» Mill-onen Pfund Sterling, nach dem heutigen Kurse fast 400 Mill onen Mark, getroffen. Nach den Mitieilungeu von Brauns können wir die Zahlungsmittel nur durch Bereitstellung der noch im Inland befindlichen ausländischen Werte und durch eine möglichst gesteigerte Ausfuhr vou Rohstoffen und Waren selbst beschaffen.
Der Berliner Streik zu Ende.
DDP. Berlin. 19. Febr. Durch Schiedsspruch ist heute der Streik der Erschäftsangestellten beendet worden. Reich dem Schiedsspruch sollen dem Lehrpersonal und jugendlichen Personen bis zum 17. Lebensjahr ohne Unterschied des Geschlechts monatlich im ersten Jahr 60 Mark, im zweiten 75 Mark und dis zum Ende des dritten Jahres 100 Mark gezahlt werden. Die Gehälter von 100 bis 300 Mark werden um 50 Mark erhöht, die Gehälter von 301 bis 600 Mark erhalten 40 Mark Zulage, Mindestgehalt jedoch 350 Mark.
Ein Putschversuch.
Aus München wird der „Frkf. Ztg/ gedrahtet: München war Heme der Schauplatz eines Putsches, der nicht von den Spartakisten, sondern von der Gegenseite ausging. Es soll sich hier aus reaktionären Kreisen ein geheimes Komitee zum Schutze des am Freitag zusammentretenden Landtages gebildet haben. Der Obermatrose Sotler, der dem pro- JS&aL^&lLJ&liLan^ .hasse es vor einiger Zesi unternommen, mehrere tausend bayerische Mstrssin, bie von Wilhelmshaven und Kiel eintreffen sollten, in München zu demobilisieren. Der erste Trupp von et-ra 600 Maun befand sich seit einigen Tagen in der Stadt. Heute uach- mittag 5 Uhr erschien nun eine bewaffnete Matrosenabteilung vor dem Laudiag, um ihn zu be:e^cn. Die repubsikamiche Schutzwache des Landtags verwehrte ihr den Eintritt. Vertreter des Vollzugsausschusses des LandeSioidatenrais be» gaben sich in die im Hause gleichzeitig mit dem Râtekougreß tagende LandeSv-rsaminluiig der sozialdemokratischen Mehr- Keitspartei, um die dort anwesenden Minister Buer und Roßhaupter um Aufklärung zu ersuchen. Die beiden Minister versicherten, nicht zu wissen, wer den Befehl zu bem Vorgehen der Matrosen gegeben habe, sie seien selbst davon aufs Höchst« überrascht. Im Nätekoiigreß war inzwischen einem Angehörigen der Münchener Matrosen das Wort erteilt worden. Dieser gab an, daß die Vertrauensleute jener 600 Mann es abgelehnt hätten, sich mit ihren schon seit längerer Zeit in der Stadt anwesenden Kameraden zu verständigen. Sie hätten aber erklärt, daß sie regierungstreue Truppen seien und die Minister Auer und Noßhaupter zu schützen hätten.
In die Ausführungen dieses Redners klangen von draußen unter größter Erregung des Hauses ein Gewehrschuß und der Knall einer explodierenden Handgranate. Zu den Matrosen, die das Gebäude besetzen wollten, waren nämlich unterdessen etwa 50 Pioniere unter Führung eines Vizefeldwcbels gestoßen. Sie hatten, um den Eintritt zu erzwingen, eine Handgranate in beii Hauseingarg geworfen, wodurch eine Frau schwer und ein Bedienter des Laudlags leicht verletzt wurd'en.- Die Hausivache machte darauf von den -Maschiileugewehren Gebrauch. Eur Mitglied des Vollzugsallsschiiffes ivu-.de verwundet. Die Angreifer räumte i sodaun das Feld.
Nachdem besannt geworden war, daß b e Matrosen in» zwischen das Telegraphenamt, die Stadlkommaudailtur und das Polizeipräsidium besetzt hatten, wurde vom Rätekongreß eine zehngliedüge Kommission zur Untersuchung der Vorgänge bestimmt. Diese teilte bald darauf mit, daß auch der Polizeipräsident Staimer und der Sekretär des Ministerpräsideuten Eisner, Fech-ubach, verh stet worden seiei'. Fecheubach erschien alsrald, bestätigte, daß er verhaftet war, sich aber ielbst wieder befreit habe. Er erklärte auße dem, daß auf seine Veranlassung Prinz Joachim von Preußen der sich als Graf Merz hier aufhalte und mit ben Ereignissen in Verbindung stehe, soeben festgenommen worden sei.
Nach einiger Zeit wurden auch die von den Matrosen besetzten Gebände durch die Münchener republikanischen Truppen befreit, so daß der unterbrochene telegraphische und telephonische Verkehr wieder ausgenommen werden konnte. Dabei kam es zu verschiedenen Schießereien. Die Zugänge zum Bahnhof sind noch gesperrt, Züge werden weder nach München herein- noch Hinausgelaffen.
Die bayerische Regierung erklärt in einer Kundgebung, sie habe die notweildigen Maßnahmen zum Schützendes Pankim^ grossen, werde aufs schärfste die Schuldigen e -b n..y warne dringend vor allen Putschversuche»^
Die Stimmenverteilung im Reichsrat.
WB. Berlin, 18. Febr. Zu der Stimmenverlessung i« dem nach der neuen Verfassung an die Stelle de? Staaten- Hauses tretenden Neichsrate schreibt die „Deutsche Allgemein« Ze tun / :
„Grundsätz'ich soll in Zukunft auf eine Million Landes- einwohner der Gliedstaaten eine Stimme entfallen. Solch« Staaten, die weniger als eine Million LandeSeinwohner
haben, sollen stimmberechtigt sein, wenn auf Grund eines Neichsgesetzes zugestanden worden ist, daß übecw>egende wirtschaftliche Gründe eine besondere Vertretnng deS Kleinstaalel im Reichsrate erfordern. Diese Vorschrift soll jedoch, um den Klein 'aalen den Wunsch nach einem Zusammenschluß mit anderen Gliedstaaten zu einem große, en Gebilde vahrzu- legen, erst nach einer Karrenzzeit von drei Jahren in Wirksamkeit treten. Bis dahin soll im Reichsrat auch der kleinste deutsche Gliedstaat vertreten fein.*
Die hessische Notversaffung.
WB. Darmstadt, 19. Febr. Der hessischen Volkskamme« hat anstelle des ihr vom Ministerpräsidenten zugkgangenen vorläufigen Entwurfs zu einer Verfassung eine Notversaffung Vorgelegen, durch welche die Staatsform, das Staatsgebiet, die Staatsgewalt, die Gesetzgebung und die Regierung ge» regelt werden. Das Referendum (Volksabstimmung) ist fort« geblieben und a's Ersatz dafür wird der Reaierung das Recht zugestanden, die Kammer auszulösen, falls die Regierung dai Vertrauen der Kammer nicht mehrbesitzt. Die Staat Leitung liegt in den Händen des GesamtministeriumS, dessen Vorsitzender der Ministerpräsident ist. Dieser wird von der Volkskammer mit absoluter Slimmèumehrhnt gewählt und beruft die Mit. glieber des Gesamkministerinms, das aber der Bestätigung durch die Volkskammer bedarf. Die Verantwortlichkeit des Gefamtmiinfteriuins gegenüber der Volkskammer wird durch besondere Geietze geregelt. Die Befugnisse, die nach dem Gesetz dem Großherzog zustande«, werden von de n Ge'amt« Ministerium an:geübt. Diese Notversaffung tritt mit dem Zeitpunkt der Verkündung der endgültigen Verfall ung, fpâieftenâ aber mit dem 1. Januar 1920 außer Kraft. Die morgen nssammentretende hessische Volkskammer wird voraussichtlich über diesen Notgesetzentwurf beraten.
Einheitsspeisen — Emhsttsprn.
München, 19. Febr. Im Rütekongreß erklärte geim* Eisner, die Regierung müsse mit drakonischen Mitteln für eine richtige Verteilung der Lebensmittel sorgen. ^n alten Wirtschaften sollen daher Einheitsspeisen zu einem Einheitspreise abgegeben werden. Damit wird eine große Quelle des Schleichhandels verstopft. Die Schulernährung müsse durchgeführt werden. Die Einheitsküchen müßten von den Arbeiterräten überwacht werden. Eine gleich- mäßige bessere Ernährung müsse den Anfang der Sozialisierung bilden.
Das Attentat auf Clemenceau.
WB. Paris. 19. Febr. Dur.b einen Funkwruch des Eiffelturms wird mütrtedt: Hcutr morgen gegen 9 Uhr ist in dem Augenblick, als Herr Clemenceau, welcher aerobe von zu Säule kam und m einem Automobil die Sie der Franksurterstraste pamerte, ein Attent« verübt worden. Es wurden auf den Ministerpräsidenten mehrere Aevolverfchüssr abgegeben, die ihn jedoch nur leicht verletzten. Gan, ruhi« kehrte er nach Hause zurück und sagte zu ben ihn umgebenden: Es ist nichts!'' E- zeiete keinerlei Erregung. Die Volrzisten be» mächtioten sich be$ Unhefannten, welcher verrückte, zu entkommen, aber von Vorübergehenden fehgebalten wurde. Der Festg eno innre u" erklärte, Göttin zu heißen. Serr Clemenceau konnte zu Fuß nach Same zu- rückkehren. Sein Zustand ist keineswegs besorgniserregend.
PariS, 19. Febr. lieber Clemenceau? Zustand wurde folgender Bericht ausgeaeben: Der Ministerpräsident erhielt einen Schuß durch die rechte Aückeuseile in die Untcrleib^gegenb ohne Verletzung beröin» gcwcidc. Sein Zustand ist befriedigend. (Nach einer RcutermeltilN, wurde Clemenceau an der Schulter verwundet. D. Red.»
WB. Paris. 19. Febr. Da^ Attentat gegen Clemenceau wurde in dem Augenblick verübt, als der Wagen des Ministerpräfidenttti ben von der Frauclinffraße und bem Boulevard D-lefiert gebildeten Winke« passierte. Ein in einem Pissoir verstecktes Individuum ßiirâ gegen den Aiitoichlag und gab fünf Rcvelverscküsie gegen den Mmilker. Präsidenten ab, von denen einer den Präsidenten traf. Die Meng« stürzte sich auf den Angreifer. Es gelang den Polizisren, ckn tcstzu- nehmen. Später gab das Individuum noch mehrere Schüsse ab uni verwundete einen Soldaten: auch der Chauffeur wurde leicht verletzt, Der Angreifer gab an, er heisse Göttin und wolme m Compiegne, Der Polizcikoniuiissar bei Quartier? nahm das Verhör vor. Ein« riesige Menschenmenge sammelte sich bei C!emenceau8 Woluiung an. wo ein Ordnungsdienst ausgestellt wurde. Zahlreiche Perwnlichke>te» begaben sich zuui Präsideuteii, darunter Pichon, Doumer, Eberon uni andere, um Nachrichten über fein Befinden zu erhalten. Die Professoren Laubry, Gosset und Gus st er untersuchte!, Clemenceau, der vo» der Kugel in ba« Oberteil der rechten Schulterblattes getroffen Wordei, ist. Die Üiuube ist ziemlich tief. Er wurden keine inneren Organ« verletzt, daè Nllgemeinbefitidcn der Patienten ist au»gezeichnet.