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hirechen. Ich will damit jedem leichtfertigen Optimismus ent- gegbntrelen, der leider immer noch in weiten Schichten unseres Volkes herrscht

die sich offenbar noch nicht vollständig klar sind über die Be- deutung und über die Schwierigkeiten der Lage, in der wir uns befinden.

Die Wahrheit und Offenheit, die wir auf diesem Gebiete walten lassen wollen, werden unsrer allgemeinen und nicht zum wenig- , auch unserer wirtschaftlichen Lage zugute kommen, denn die besten Träger unseres Wirtschaftslebens legen mit Recht den grössten Wert darauf, zu wissen, mit welchen Dingen sie zu rech- neu haben; sie müssen kalkulieren können, dann finden sie sich auch viel leichter mit den Tatsachen ab, die nun einmal nicht zu umgehen sind. Die Summe aller Anleihekredite, die uns be­willigt worden sind, einschließlich von 4G0 Millionen Mark Kredite, die noch aus der Friedenszeit stammen, beträgt mehr als 140 Milliarden Mark. Hierzu treten an Schatzscheinkrediten aus dem Gesetz vom 25. Juli 6 Milliarden, das gibt zusammen 146 Milliarden: das ist der Anleichekredit, der uns im Oktober zur Verfügung stand. Diese Kredite sind auf Grund der Kredit- dewilligunaen flüssig gemacht worden in Gestalt von Kreditan- leihen im Betrage von beinahe 93 Milliarden Mark und durch Luchschubdbegrünviin'gen von 53 Milliarden, ausserdem, und das ist ein Posten von ganz besonderer Höhe und schwerwiegender Bedeutung, haben wir ausgegeben SchatzanWeisungen und Reichswechsel in dem ungeheuren Betrage »on 58 Milliarden Mark. (Hört, hört!) Wir haben also eine schwebende Schuld von 58 Milliarden: damit haben wir die bewilligten Kredite um 5 Milliarden überschritten. Es treten noch dazu die Kredite, die wir unseren Bundesgenossen gewährt haben und die wir im Ver­kehr mit neutralen Sünbern ausgenommen haben, im Betrage von 9,5 Milliarden. Wir erhalten damit eine Gesamtsumme von 161 Milliarden und hätten danach die uns bewilligten Kredite um 14 Milliarden überschritten. Diese 161 Milliarden stellen im gewissen Sinne ohne Rücksicht auf die Verzinsung die Kriegs­kosten dar, die wir aufzuwenden hatten. Es stecken in diesen Nil Milliarden noch etwa eine Milliarde Ausgaben, die nicht für den Kriegsetat, sondern für Zwecke des ordentlichen Etats ge­macht worden sind, was aber ohne Bedeutung ist. Wenn idj Liese Ausgaben im einzelnen verfolge, io stellt sich der Bedarf an aussen eben blicken Teckungsmittefii für die letzten Jahre in fdlgender Weise dar, yrrtci ich Sie bitte, das beinahe regel- mässige Ansteigen dieser Ausgaben verfolgen zu wollen. Wir verbrauchten im Jahre 1914 (hi 5 Monaten) 7,5 Milliarden, 1915: 22 Milliarden, 1916: 26,6 Milliarden, 1917: 89,6 Mil­liarden, ISIS: 48,5 Milliarden. (Hört, hört!) Auf den Monats- durchschnitt verleibt, ergibt sich für unsere Kriegskosten ein Monarsdurchschnikt von 1,5 Milliarden im Jahre 1914, 19 Mil­liarden im Jahre 1915, 2,2 Milliarden im Jahre 1916, 3,3 Mil­liarden im Jahre 1917 und 4 Milliarden im Jahve 1918, und /nehmen wir den Taaesdurckschnitt dieser Kriegskosten, so er­gibt sich für 1914 täglich 49,6 Millionen, 1915 täglich 63,9 Mil­lionen, 1916 täglich 72,9 Millionen, 1917 täglich 109,9 Mil­lionen. 1918 täglich 135 Millionen: für die Zeit nach dem 1. Juli 1918, wo die letzte Kriegsanleihe stattgefunden hat, Ergibt sich, dass wir verbraucht haben im Juli 1918:, 4,2 Mil­liarden, im August 1918: 4,6 Milliarden, im September 1918: *4,4 Milliarden, im Oktober 1918: 4,8 Milliarden, im November 2918: 4,1 Milliarden, im Dezember 1918: 3.8 Milliarden und 6m Januar 1919: 3, 5 Milliarden. Sie sehen, dass ein erhebliches Linken der Kosten in der Zeit nach der Revolution nicht einge­treten ist. (Hörr, bört!) Die eigentlichen Heeresausgaben, die sich nickt decken mit den gesamten Krietzsausgaben, betrugen im Oktober 1918: 43 Milliarden, sie fielen im November auf 2,9 Milliarden und stiegen im Dezember wieder auf 3 8 Milliarden, (Hört, hört!) Wenn der Abgeordnete Keil die Methode unserer KrieKsfinanzierung abspreckend beurteilte, so kann ick ihm lei­der nicht widersprechen. Ick halte es sowohl in der Einnahme wie in der Ausgabe mindestens nicht für tadelsfrei. Die Ur­sache ist in denselben Momenten zu finden, die nun einmal allen Erscheinungen dieses unglücklichen Krieges zu Grunde liegen. Man hatte an einen kurzen Krieg «hackt und als er uns mit her Zeit über den Kopf wuchs, zs"gte es sich, dass wir ihm nicht .gewachsen waren. Schon bald nach Beginn des Krieges trat die üble Erscheinung hervor, dass das

««schiist in Kviegsmateeial in die Hände der aöerHmgeolgitersten Elemente

kam. Es sind damals Unsummen verschleudert wor­den und dadurch Leute bereichert worden, di« auch mora­lisch sehr anfechtbar waren. (Lebhaft« Zustimmung.) Der Krieg wurde als Konjunktur betrachtet und ich kann das Reich von dem Vorwurf nicht freispvechen, diesen Strömungen nicht stark genug entgegengetreten zu sein. (Sehr richtig!) Es gab damals weite Kreise, die es anfangs sogar von sich wiesen, mnanyemefiene hohe Preis« zu nehmen, wie sie geboten wurden. '(Sehr richtig!) Das Eingreifen des Reichstags kam zu spät. Als neues Moment kam damals das Hindenburg-Programm, das ich militärisch nicht kritisieren möchte, wirtschaftlich be­trachtet war es aber ein Programm der Verzweiflung und

hat ungeheuren Schaden angerichtet.

Eine wüste Hochkonjunktur setzte ein, es tarn überhaupt nicht mehr ans bie Kosten an, es wurden geradezu Prämien geboten, «bie Arbeiten von einem Betrieb nach dem anderen auszugeben und es würbe die Organisation durch das wurzellose System er­setzt, unter dem wir jetzt noch leiben. Der dadurch angerichtete wirtschaftliche und moralische Schaden ist ganz ungeheuer. (Leb­hafte Zustimmung.) Die Hoffnung auf ein Sinken der Aus» Haben nach Kriegsende hat sich, rote bie von mir mitgeteilten (Zahlen beweis««, nicht verwirklicht. Im Osten hat ja der Krieg noch immer nicht aufgehört und auch die Fabriken für Heer«s- nivterial stellten nicht sofort die Arbeit ein. Wir haben nicht tn«hr Waffen und Munition ^er gestellt, es war Halbzeug, das sofort wieder zerschlagen wurde (Hört hört!) Diese Unpro- duktive Arbeit war aber notwendig, weil wir nicht die Arbeiter ^hn« weiteres auf die Strasse setzen konnten. Wir mutzten fo- tzar mehr zahlen, weil Feierschichten eingelegt wurden, die auch bezahlt werden mussten. Die Arbeitslust erschlaffte, auf bet leinen Seit« herrschte Arbeitslosigkeit, während dicht vor den Toren her Städte Hunderttausende von Arbeitern gebraucht wurden. Es kam zu vielen durchaus unberechtigten Streiks. Ein wahnsinniges Wettlaufen um die höchsten Löhne begann; das wirlte natürlich zurück auf die Kosten der Demobilmachung. Die Demobilmachung eines Heeres von 8 Millionen ist natür­lich keine Kleinigkeit. Sie ist jetzt zum grössten Teil durchge- kührt; Ende 1918 stauben nur noch drei Millionen unter Was­chen, Ende vorigen Monats noch eine Million. Die DemobN- machung aber verursachte weit grössere Kosten, als veranschlagt waren. Dazu kamen bie gewaltig gestiegenen Ausgaben für die Erhöhung der Löhne, für bie Besoldung bet entlassenen Mann­schaften, für den Grenzschutz, für den Reichsauteil an der Er- werbslofenfürsorge, der von 17 Millionen im Dezember 1918 auf 67 Millionen im Februar 1919 stieg. (Hört, hört!) Dazü kommen noch die Summen für die Teuerungszulage für die Be­amten. Diese Zulage.« waren notw-rchlg, denn für diese Mit­bürger, die sich in den Dienst des Vaterlandes in feinen fchuwr- ssen Stunden gestellt haben, war ein bescheidener Ausgleich für die Verteuerung der Lebensverhältnisse unbedingt notwendig. Zu den Ausgaben aber trugen auch die Arbeiter- und Soldaten­räte bei. Der Eerecktigkeit halber muss betont werden, Lass es falsch wäre, die Arbeiter- ünd Sâotenräte in Dausch und Bogen zu verdammen. Viele Arbeiter- und Sorbatentäte haben and: ihre finanzielle Pflickt gegenüber dem Reich in vollem Umfange erfüllt. (Hört, hört!) Sie sind in fdmKtfter Zeit da­für eingetreten, dass Reichsgut geschützt wurde, ja sie waren viel­fach der einzige feste Punkt, an den man ankntivken konnte

(Sehr richtig! hei den Sog.) Aber sehr viele A.- und S.-Räte Huden ihre finanzielle Pflicht dem Reichs gegenüber nicht erfüllt tinb dos muß der Gerechtigkeit halber auch fest gestellt werden. (Beifall und ZuftimmunaZ Graf Posadoweki möchte wissen, wie die Arbeiter- und Sostdatenrätze im Reich gewirtschaftet baden., Ja, das möchte ich anch wissen. (Große Heiterkeit.) Klarheit muss gefchofien werden, kann aber heute noch nicht geschaffen werden. Eine Revolution arbeitet nun einmal nicht Mit feil utot inen Unterlagen. Dazu kommt, daß die A.- und S.-Räte in den Einzefftaaren und in den Gemeinden Sedynung gu legen Lân. (Zuruf des Mg. Grafen v. Posabowsky: Es ist das Geld der Steuerzahler, wir fordern eine Statistik!) Die DararLetten dazu sind im Gange, aber Liefe Statistik ist keine Kleinigkeit. SHr haben ^dnrch Verordnung vom 13. Janu-a-r 1919 den Arbeiter- und Soldoteuräten verboten, über Reichs- Mittel zu tetfi'cen und sich aus eigenen Anmeifuirgotr Beträge aukzahlen zu lassen 9V ix haben eine Nechnungslegiima für die rüdmirtenbe Zeit an 'erlegt und für vcr.fchulLrte Fehlbeträge persönliche Haftung anzedrohr. Mehr können wir nicht tun. (Swf ö. Posadowsky! Ma bleibt die Statistik?) Das Verlangen nach einer Statistik ist sehr bequem, wäre früher aber dem Graftn Pcsadowsky wohl weniger sympathisch gewesen. (All- seitiige KrosseHeiterkefi und Zvsnmmüng links.) Zweifellos ist in vielen Fällen Geld rvr'chwenLet worden. So beziehen die aktiven $ itglieder des Zentralrates der Marine täglich volle MerpfleMng, Bekleidung, Unterkunft und 25 Mark, die inak­tiven ebenfalls Verpflegung, Anrerkunft und 25 Mark, außer­dem noch 12 Mark. (Hört, hört!) Das gibt doch zu denken. Nun

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die Deckuugsfrag^.

Mr haben die Ausgaben km Kriege durch Anleihen gedeckt ifKb uns lustig gewacht über die Engländer, dir die Kriegskosten durch Steuern zu decken suchten. (Ab§. Keil: Wir haben pro­testiert!) Wir standen alle damals Unter dem Banne einer nun einmal herrschenden Anschauung, bie sich hinterher als un­richtig erwiesen hat. Wir glaubten eben, dass zum Krtegfiihren 'nur Geld gehört, was ja ganz falsch ist, denn wir haben mit Anleiher? gewirtschaftet; nur die Zinsen haben wir durch Steu­ern zu decken gesucht. Neben den Anleihen haben wir eine Reihe von Stiegest eitern «i «geführt, deren Erträgnisse aber nicht einfach abberf werden dürfen, da sie zum Teil den Fehl- beörag aus deri Zolleinnahmen zu decken Hattern In der näch­sten Zeit hoffe id- aber nun doch mit einer erheblichen Herab­minderung der Ausgaben rechnen zu können. Das erfordert aber, dass wir lknter allen iln ständen sparlam wirtschaften; wir hoben uns durch den Krieg an eine gewisse Grosszügigkeit ge«. wohnt, wie ein Berliner Kaufmann sich mir fege mittet einmal drastisch ai «brächte, der mir sagte: Wer die Rfillion nicht ehrt, ist die Milliarde nicht wert. (Grosse Heiterkeit.) Davon, dass die Kriegsanleihen annulliert und die Spaâssen und Bank­guthaben befchlagnohmt werden sollen, ist keine Rede. Ich er. Säte, dass bie Reicksregierung an eine solche Massnahme, die bie grösste Rechtsverletzung wäre, und die den Untergrund des Reiches bedeuten würd«, nicht denkt. Wir wollen doch auf dem Boden des Rechtsstaates bleiben. Aus dem Verkauf der Heeres- bestäube werden wir freilich nicht 8 Milliarden, sondern höch- stens 3 Milliarden heraussMagen, denn dieses Heeresout ist zum Teil gestohlen, geraubt und geplündert worden. Es qt da­mit verfahren worden, und auch eine Reihe von Arbeiter- und Solba ter täten sind an der Vergeudung von Heeresgut mit schuldig, daß uns bet unheilbarste Schaden angerichtet worden rst. Wir werden also darauf angewiesen sein, Deckungen für unsere Schulden und für unseren Bedarf überhaupt auf dem Wege der Steuern vorzunehmen. Ich bin der Ansicht, dass, so­weit es irgendwie geht und es mit dem Interesse des Reiches vereinbar ist, es unsere Pflicht ist, dlch et alle beitreibbaren Reibungen zwischen Reich und EtUMMatsn M vuimeMm Der^ zweite Gesichtspunkt ist ter, dass, wie die Finanygebarung, so auch bas Eteuerwejen sich im engsten Einvernehmen mit dem Wirtschcitsleben abspielen muss. Der dritte Gessck)tspvnkt ist, diese Gesetzaebung soll eine soziale sein, weil sie gerecht seht soll; vor allen Dingen sollen diejentycn, die wegen Krankhrtt unb. wegen Alters nicht mehr erwerbsfähig sind, unter allen Umftäitben geschont werden. (Beifall.) Redner polemisiert dann gegen den Grafen v. Posadowsky, der zu glauben scheine, daß alles arbeitslose Kapital weggesteuert, d. h. konfisziert wer- dM soll. (Zuruf rechts: Das haben Sie gesagt!) Vom arbeits­losen Kvpital ist noch nie in einer anutlichen Erklärung die Red« gewesen, sond«rm es ist nur gesagt worben, dass wir den tnühelosen Geldgewinn treffen wollen. Ich bin gewiss auch von der Notwendigkeit des Kapitals in gewissem Grenzen durch­drungen, aber nun überhaupt nicht vom Kapital zu reden, das 'nicht mit Arbeit verknüpft ist uns das nicht eine wirtschaftlich beftrtfienbe Tätigkeit ausübt, das nur verschwendet, das ist doch etwas einseitg. (Sehr richtig! links.) Dann noch ein Wort über den Papiergeldunlauf. Hier steht bib Sache so dass wir ULgenüber einem Umlauf von 34 Milliarden 432 Millionen hoben, u 'n gerechnet des von den Kommunen ausgegebenen Pa­piergeldes. Ein gewisser Trost war uns die Tatsache, dass auch Frankreich einen Umlauf von 32% Milliarden hat. Ist es denn überhaupt möglich, dass wir dieser finanziellen Höhe jemals Herr werben? Eine endgültige Antwort kann darauf niemand abgeben. Das hängt von dem Verhalten unserer Feinde uns gegenüber ab und von unserem eigenen Verhalten. Es bedarf nicht allein der Steuertechnik und der Fknanzwisfenschast. son­dern vor allem einer güvstiHen Besteu-crung. (Sehr gut.) Die Persönlichkeit, dieses höcksie Glück der Erdenkinder, muss mehr vom Staat in sich aufnehmen, das gilt für die Hingabe dessen, was wir besitzen und für die Aufdeckrug dessen, was wir haben.

Ich bin entschlossen, alle Machtmittel tze^en biejewisen anzu-osndsn, die sich der

< Pflicht gegen den Staat und bas Raich nckziehen. tzVeisall bei der Mehrheit.) Ich werde den Betrug gegen den Staat nicht mildern, sondern strenger als jeden anderen Betrug bestrafen. (Sehr gut!) Aber hinter der Strafe darf nicht allein tote Macht des Staates stehen, es muss dahinter das sittliche Empfinden der Allgemeinheit stehen. (Beifall.) Ich glaube an den gesunden Kern unseres Volkes, ich glaube an bie geschicht­liche Sendung unseres Volkes und glaube an den Beruf dieser von dem gesamten Volk gewählten Raiionalverlammlung, vor- anMgehen auf dem Wege des Rechts auch auf finanziellem Ge­biet. Ich bin davon durchdrungen, dass mich dieser Glaube nicht «nttoussken wird, ich hätte auch nicht die Kraft, die Forderung an Sie zu rieften, die ich heute an Sie richten muss. (Beifall und Händeklatschen im Hause und auf den Tribünen.)

' Abg. Haase (Unabh. Eoz.): Von dem Reichsminister bet Finanzen haben wir heute ganz andere Töne gehört, als von ben früheren Staatssekretären des Reichsschatzamtes. Man ver­sucht, der Revolution einen Teil der Schuld an den hohen Aus­gaben beigutreffen. Gewiss sind auch in der Revolution manche unzulässige Ausgaben gemacht worden.kJnr wesentlichen handelt es sich doch aber um die Kosten für die Demobilisierung, für den Grenzschutz und die Unterst Übungen der Kriegsteilnehmer und ihrer Familien. Dem jetzigen Reichswehrmtnister ist das Ich- Bewusstsein bis ins Masslose gesteigert worden. Seine Erlasse sind ganz und gar im Tone des früheren Kaisers gehalten. (Grosse Heiterkeit.) Ich wende mich nun zur auswärtken Poli­tik. Sie erfordert nach dem Zusammenbruch eine ganz besondere sorgfältige Behonkluno, sie erfordert vor allen Dingen Klarheit und Wahrkefi. Tas Volk muss vor allen Dingen in die Lage gehetzt werden, sein Urteil abzu geben über die Schuld am Kriege Mit den Polen müssen wir durch Verhandlungen zu einem Ausgleich zu kommen suchen. Mit Russland hätten mir nickt von neuem in Kriegszustand zu kommen brauchen, bie deutsche Regierung hatte unter Bethmann Hollweg wie unter Hertling mit der Sowjetrepublik nicht nur verhandelt, sondern

sie hat sie vielfach durch ihre Veamteii geradezu umsihmei^ lassen. Erst später hat zu durchsichtigen Zwecken, eine Hetze gew bie Bolschewisten eingesetzt. Für die Vereinigung mit Deui^ Ovsierreich treten auch wir ein. Kolonien brauchen wir niit; Mit dem ganzen Hause sind wir einig in der Forderung,

; unsere Kriegs gefangenen schnell entlassen werben, vergessen »j aber auch nicht bie Russen bei uns. Die Sünden unserer P^ tik bei den Friedensschlüssen von Brest und Bukarest rächen ju jetzt, wäre man uns gefolgt, so hübten wir längst Frieden. (BZ fall bei ben Unabhängigen.)

Neichsmehrminister Noske: Das Regierungsprogra^ stellt lediglich ein Stirb ettsprogramm für bie NationalpersaniU. hing dar. Auch wir sind nicht gewillt, eine Ehe auf Sehens^ mit den bürgerlichen Parteien einzuchetzen. Dass der Sübgeor^ netze Haase das Regierungsprogramm bemängelt, ist seldfirri, stündlich; was auch immer darin stände, er würde es doch

Mängeln. (Sehr gut.) Haase sagt, er hätte das unglücklich, Gute des Krieges vorhergejeben, damit stimmt es aber idrl^ überein, dass er noch bis zuletzt von einem deutschen Grubt rungslrieg gesprochen hat, selbst als es absolut feststand, u Deutschland um seine nackte Existenz kämpfte. In einer U vemberfitzung der Regierung hat Kautsky vorgeschlagen, bie Ziehungen zur bolschewistischen Regierung nicht wieder achh nehmen, weil man sich dadurch bei der Entente mitzfiâ machen würde. Dem hat Haase zvgestimmt. (Lebhaftes HU hört!) Als der Berliner Dollzugsrat die Sowjetregierung z^ Rätekongr«k ein geladen hatte, hat das Kabinett, dem au^ Haase noch zwei andere Unabhängige angehövten, mit 5 gegen 1 Stimme beschlossen, bie Anreise zu verhindern, (Hört, hört!) Söffe hat sich öffentlich gerühmt, dass er, entgegen seinen Der tragspflichten, mit allen Mitteln bemüht gewesen ist, in Deutsch, land ken Bürgerkrieg zu entfesseln. Das Reichswehrminisjb vium wurde mir übel ragen, nachdem die Reichswehr endgültig zusammengebrochen ist. Mit grosser Tanfbarteit gedenken wj, heute noch der Opfer, die unsere Krieger im Felde gebrach haben. (Beifall.) Dass für die Kriiegshinterbliebenen in jedes nur möglichen Umfange gesorgt wird, ist selbstverständlich (Beifall.) Tas Wehrministerium hat beschlossen, dass Eifern, Kreuze und Rote Kreuz-Medaillen weiter verliehen weider sollen, besonders an unsere zurückgekehrten Gefangenen. (Bei, fall.) Höchst« Anerkennung verdienen die Offi, ziere, Beainten und Soldaten, die unter den größte, Sd vier igbeitem den Rückmarsch unserer Truppen ermöglich haben. Rückmarsch und Temodilmachuna sind besser Donftattti gegangen, als mancher vorher geglaubt hat. Zu dem Gelinge« haben zahlreiche Soldatenräte beigetragen. Es ist gar nicht ab Zusehen, wie furchtbar der Zusammenbruch gewesen wäre, wem in bén Tagen, in denen alle Autorität dahin war, die Soldat««, räte sich nicht gebildet hätten.

Nachdem ALK Dr. Rietzer (Deutsche Volksp.) den Stank punkt seiner Partei barpetegt hatte, vertagte sich das Haus rih Montag nachmittag 2 Uhr. Fortsetzung der Beratung. - Schluß naä) %8 Uhr.

AusHnnanStadt lind Land,

Hanau, 17. Februar.

Landwirtschaftlicher Kreisverein Hanau.

In der am Samstag stattgefundenen gut besuchten 3kb Jairirhing wurde nach einigen geschäftlichen Mitteilungen di, R e uw a h l des Vorstandes vovgenommen. Gewählt wurden die Herren Amtsrat Schwarz, Karl Koch, Bürger in eist« Glauß-Ravolzhavsen, Sütgetmeister a. D. Kümmel-NiederiM Heim, Bürgerm«ist«r Stroh-Marlöbel und Domänenrat Rsi«- nartt. In feinem Dortr a a über Düngung schildeck Herr Dr, M a a s - Münster i. M. bie Aussichten auf dem Kuch- düngern arkt als sehr trübe. Die vorhandenen wenigen Sou rate müssten daher sparsam und^weckmätzig angewandt weitet In eingehend«! Weise gab Râer Anleitung hierzu. Heil Direktor Wagner- Gelnhause>n erstattete Bericht über bei Vierlauf und den Fortgang der gegenwärtig im Kreis« statt findenden Düngeârs«. In HochsLabt, Dörnigheim» Rückmge« und Bischofsheim haben solche bereits ftattgefunben und war« gut besucht, ein Beweis, dass für bie Veranstaltung reges 3t tereffe vorhanden ist Vonuissichtlich wird der Kursus noch ii 6 Orten wiederholt werden. Eine rege Aussprache würbe über bie Beschasftuia von Arbeitskräften für die Landwirtschaft g» pflogen. Die hohen Industri«löhne haben ihre Rückwirkung aut auf bre Landwirtschaft aus geübt, sodass Leuten ot eingetreten ist Dazu kommt noch, daß die Kriegsindustrie viele Landarbeiük weggezogen hat, die heute nicht meHr zu ihrem früheren Bem zurückwollen. Es muß darauf hinge arbeitet werden, daß bie Landarbeiter und Arbeiterinnen ihren alten Erwerb mietet aufnehmen. Ohne Eingreifen der Regierung ist die Landwirt schaff unfähig, ihrer Scholle das abzugewinwen, was notroendiz ist. Schließlich wurde eine Kommission gewählt, die mit bei Arbeitnehmern wegen Festsetzung oer Lohnsätze im hiesige» Krsis« verhandeln soll. Der Kommission gehören an die Herr«» Obsran'tmann Echrvarz-Kinzigheimerhof, Cutspächter Otto H« mann-Niederdopfeldeir, Gutsbesitzer Wilh. Koch-Daumwieferhej Oekanom Hofmann-Hanau und Forstmeister Rang. Nach Mit­teilung des Herrn Kornhau-sdirektor Thylmann find die Mr- Hältnisse in ter Saatgutbeziehvna annehmbar, nur fehlt es tu Luzerne. Wenn die Landwirte sich bei ihrer Anmeldung auf da» Neuss erste beschränken, hofft er. allen Anforderungen genügen « können. Herr Winkler- Mainkur machte interessant« Mit- teihingen über feine Erfahrungen im Anbau der Sojabohck Wen-n auch über die Frage der erfolgversprechenden Anbaumc- lichkeit noch nickt volle Klarhett herrscht, so bewiesen doch sei« Ausführungen, daß diese bis M einem gewissen Grade vorha«- den ist. Auch bie Frage der Derl egungder ta n b ro itu schastlichen Winterschule von Selnhaufen nach Hana wurde wieder gestreift und eine Verlegung als sehr errvölm bezeicknet. Nunmehr soll in dieser Angelegenheit ein begrn» betet Vorschlag an die Lo-ndwirtschastskammer gerichtet werbet Neu aufgenommen in den Verein wurden die -Herren KonB Lehr VII., Wilhelm Goy II., Konrad Lehr Vl.-Rossdorf, H. W mann-Kilianstödten und Gregor Fischer-Niederissigheim.

Ein böser Spuk im Hanauer StaÄttheater,

Wir erhalten folgenden Bericht: Die volitisch« Umwälzung 8'f auch am Hanauer Stadtthcater nicht svurlor vorüber. Man wal>> das Tteater sozialisier«»! Der Obmann der hiesigen ßo^uep bänder der Genossenschaft Deutscher Mbnenangeböriger, schlug " diesen bewegten Tagen die Gründling eines KünstlerrateS vor. ^ meisten Mitgsieder nabme» den Vorschlag an, zumal ihnen der C' mann gute Rollen, Gagenerböbunge« it. versprach. Der jkiinstluB wurde gebildet . . . .! Er setzte sich aus drei Mitgliedern, mit Obmann an der Spitze, zusammen Da? Bestreben dieser Rater s sich dem hiesigen, bis vor kurzer Zeit noch im sozusagen spartakistll«" Fahrwasser segelnden Arbeiter- und Soldatenrat anzuschließen. Besetzungen der Theaterstücke zu leiten und im März d. Jr., «am a folgtet Stadtverdnetenwabl, den derzeitigen Direftor de« Tbcam> Svannuth-Bodenstedt. abzusetzen und da» Theater durch den Kün»^ rat meiteriufiibren. Der Tbeaterdirekt r erhielt aber KemitviS v" dem Besteben dieses Rates und erklärte in einet Versammlung Bühn'nmitglicder den Künstlerrat nicht anerkennen zu sönnen, da w selbe ohne sein Wissen gebildet worden fei. Der Direktor bcstww' ein Wabl omitee, tas die Wahlen eine» gesetzlich zulässigen Au- steNten-AnSschnsseS in die Wege leiten möge. Der Vorsitzende sekbltgewäblten Kinsilerratc? erklärte sich aber mit dickem VoriW nicht einverstanden, hielt den Wsblvorstand für befangen und richtete an das Präsidium der Genossenschaft Deutscher BübnenE höriger nach Berlin, daß der Direktor die Wahl der Angcstem«