Einzelbild herunterladen
 

VinrückungSgebühr :

Die 7gespastene Petitzeile ober bereit Raum 20 Pfg. int Reklameteil bte Zeile 60 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckern des verein, ev. Waisenhauses M Hanau.

Genkral-Anzeißer

Orgm für Stadt- and Landkreis Sanaa.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.

VezusSprelSt

. Vierteljährlich 3.15 Mk., monatlich 1.05 Mk., für Poft, bezug vierteljährlich 2.70 Mk.» monatlich 90 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwortlicher Redakteur: Gustav Schrecker, fürAnzeigen u. Reklamen: August Bro dt, beide in Hanan.

Rr. 31 Web&"A\Vt%^ Donnerstag den 6. Februar Jül'U".®» 1919

.................................................... II I ll^ ^^ i^

Deutsch und Frei!

(Zur Begrüßung der Weimarer Nationalversamlung.)

Verantwortungen von schwerster Wucht liegen auf denen, die an diesem Donnerstag in Weimar zusammen- kommen, um nach der furchtbaren Katastrophe zum ersten Male wieder die berechtigte Verkörperung des Willens der ganzen, deutschen Nation zu repräsentieren und, sofern ihnen die Kraft dazu innewohnt, aus dem Abgrund, in den wir geschleudert, einen Weg nach auswärts zu finden. Da. ist es nun natürlich, wenn der wahrhafte Deutsche aus unerschüterlicher Treue zum Lande, das ihn geboren hat, mit tausend heißen Wünschen die Gewählten zu ihren Beratungen geleitet; doch ebenso natürlich ist die Sorge, daß dieser Wunsche zu viele werden, um uns aus dem Chaos, das uns lähmt, zu aufbauender Klarheit zu führen. Eine Aufgabe von weltgeschichtlicher Trag­weite, deren Lösung dennoch gelingen mutz, wenn wir Sicht für alle Zeiten verloren und der Schmach und Schande unserer heutigen Lage, demFrevel fremder Knechte", auf Generationen hinaus preisgegeben sein wollen. In dieser historischen Versammlung von Weimar müssen deshalb, bevor sie im Laufe der ersten Woche ihre Fraktionen über Ausschüsse gebildet hat, um in die Einzelheiten Hineinzu- steigen (sofern diese überhaupt ihre und nicht viel­mehr Sache des nachfolgenden ersten Reichstages, des Staatenhauses" oder der Sonderlandtage sind,) in Weimar müssen sich die Parteiegoismen Sonderentwürfe und Spezialprogramme, die fraktionellen Gegensätze und Eifersüchteleien bis auf weiteres um jeden Preis zurückhalten, bis wir die leuchtende Linie der Gemeinsamkeit gefunden haben, der alles folgt, di s Linie des Deutschseins » u d des Freisinns; bis die ParoleDeutsch und Frei!" als das neue Losungswort von dem ehrwürdigen Zlmathen aus die Hunderttausende unseres tief gedemü- tigten Volkes durchzuckt, erwärmt und erglühen macht, bis wir endlich überzeugt sein dürfen, daß es n o ch tiefer hinab nicht mehr gehen wird, daß wir nun nur noch Stufen haben vnd Steigende; mit Mühsal, aber mit Fleiß und Er­folg Emporklimmende zu jenen fernen glänzenden Höhen, auf denen das zerschlagene Deutschland von gestern stand.

Deutsch und Frei!" Gibt es ein Höheres, das wir er­streben können, und gibt es zugleich ein Geringeres, mit dem wir uns begnügen dürfen? Darum muß die ersten und großen Reden von Weimar (gleichviel, aus welcher Partei heraus!) unter ständigem Hinweis auf Wilsons 14 Programmpunkte" einhellig wie ein roter Faden scharf und unmißverständlich die deutsche Willens­meinung durchziehen: Wir haben alles verloren, aber unsere Ehre könnt Ihr uns nicht rau­ben, weil wir sie uns nicht rauben lassen «ollen und werden?Unsre Sprache ward geschän-

*gMBBMm»SHKMlgMgmMMlHaWU^«BHZWa«K^HUWak^

det, unsre Tempel stürzten ein, unsre Ehre ist ver­pfändet, deutsche Brüder, löst sie ein!"

Abbruch und Aufbau.

Von einem Mitarbeiter wird uns geschriebene

Mil dem Ziftammenirftt der ersten denikchen Konstituante in Weimar beginnt die Arbeit an großzügigem Wederaufbon des Hauses, in dem das deutsche Volk der Zukunft wohnen 'off. Demgegenüber dauert die Wühlarbeit der Radikalen von links, unbekümmert um den Cnscheidungsspriick, den das Volk gewählt hat, fort. Ein System, das sich selber längst gerichtet hat, durch das dar rassische Riesenreich dem voll­ständigen inneren Zerfall rugeführt wurde, das Räte ystem soll noch dem Wunsch kleiner Kreise die Vertretung der oanzen Volkes ers tzen. Sein einziges Ziel ist das voll­ständige Einreißen alles noch beute Bestehenden, sein einziges Bekenntnis, das zum Chaos. Wie die russischen Brüder der Radikalen ihre Welt aufbauen, davon geben zahlreiche Be­richte ein klares Bild. Geld spielt bei den Bolschewisten keine Rolle. Es ist in Haufen da. Doch die Wirkung des napierenen Mammons ist eilte absolut negative, denn die Preise der Lebensmittel und notwendigsten Bedarfsartikel steigen von Stunde zu Stunde. Butter kostet bereits5260 Mark das russische Pfund, Brot 1215 Mark. Fleisch ist äußerst rar und der Preis zudem unerschwinglich. Es schleicht bereits in der Tat die bitterste Not durch das sonst so blühende Land. Das spricht alles aenügend für sich. Wollen wir nicht, daß ein ähnlicher Wahnsinn auch die eigene Heimat vernichtet, dann müssen wir mit rücksichtsloser Energie die Macht der Nationalversammlung erhalten. Sie knüpft an die historische Entw ckelmig an, sie benutzt das Hegebeue, sie treibt die tm ^eUenbe MsMk, die Politik des Möglichen. Se baut auss Ihre Aufgabe ist es, zu- nâchst das Verlaffungsinstrument zu schaffen. Ueber die Zeit, die zum großzügigen Ausbau der Reichsgewalten mög« lich ist, muß zunächst eine Notverfsffung hinüberhel'en. Das deutsche Volk Bat bereits sein Teil zu diesem endgültigen großen Neubau des Reiches geleistet, indem die Bauleute durch die Wahlen bestellt hat. Es wird jetzt seine Leistung M vollenden haben, indem es den Baumeistern den ruhigen Fortgang ihrer Arbeit gewährleistet und jedem, der ihnen die Kelle ans der Hand nehmen will, auf die Finger schlägt. Einmütig muß es a^er auch diejenigen von vornherein zu- rückweise», die noch immer ihre lächerlichen Baracken aufzu­richten versuchn:. Wir können mit den verfaulten Zufalls­bauten des Rätr-Systems nichts anfangen. Der Bau der Reicbsverfaffung muß aus Quadern festgefügt und aufgerichtet werden. Denn mir so ist er uns Garantie für die Ruhe im Innern, für die Sicherheit des deutschen Volkes gegen­über der Fremde.

KSBsesa

Die Vorgänge im Nordwesten des Reiches.

Sternen,

WB. Seemen, 5. Febr. An bit Einwohnerschaft Bremen» ist von bet Division Gerstenberg folgender Ausruf erlassen worden: Du Divisto« Gerstenberg ist im Auftrag der Regierung cingertckt. 6tt übernahm den Oberbefehl in Bremen. Ihre Aufgabe ist e», Leben und Eigentum jedes friedlichen Einwohners zu schützen. Helft uns dabei! Zn den ersten unruhigen Tagen bleibe jeder nach Möglichkeit zuhause. Vermeidet Ansammlungen auf der Straße! . Seht in den Soldaien der Division Enre Beschützer, deren Arbeit beut Wohl« Bremens und seiner Einwohner gilt!

Von der provisorischen Regierung ist der Belagerungszustand über Stadt- und Landkreis Bremen verhängt worden. Durch das Frei­korps Gerstenberg wird in Bremen Ordnung und Sicherheit wieder- hergestellt. Diese dauernd zu gewLhrleisten und da? Gemeinwesen gegen jede Gegenrevolution von links und rechts zu schützen, ist nun» , mehr eigene Aufgabe der Bevölkerung Bremens. Die provisorisch« Regierung wendet sich bester an alle wehrfähigen Männer Bremen», die Bereit sind, die Reichsregierung und die provisorische Regierung Bremens zu schützen. Zu diesem Zweck wird eine Regierungs-Schutz- truppe für Bremen unter Major Caspari gebildet. Di^Aufgabe dieser Truppe besteht in der Sicherung und dem Schutz der provisorische» Regierung Bremens und der Bremer Nationalversammlung. Weiter wird eine Stadtwehr zur Verstärkung des Sicherheitsdienstes gebildet. Die Ausgabe dieser Wehr besteht in der Unterstützung der Bremer Polizei im Sicherheitsdienst.

WB. Weimar, 5. Febr. Die sozialdemokratische Fraktion be­schäftigte sich heute nachmittag mit den Bremer Vorkommnissen. Nach emgeheq-en Darlegungen NoSk^Z, die mit großem Beifall «ufge- nommen wurden, wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: »Die Fraktion nimmt von den Mitteilungen über die Vorginge in Bremen Kenntnis und billigt das Verhalten der Reichsregirruxg."

Hamburg.

WB. Hamburg, 5. Febr. Der Zentral-Deamtenrat richtet ent die Bevölkerung Groß-Hamburg? folgende ^Mitteilung:

Am 4. Februar forderten bewaffnete Soldaten und Arbeiter von den Eisenbahubediensteten des Hannoverschen und des Hauptbahn- hofe? in Hamburg Züge für dir Beförderung von Truppen nach Bremen. Da die Reichsregierung die Truppenbesörderung untersagte, meisterten shch bj» Ellenbah?be^ie nste^-n mit 9W$ hrHN sie und be Reichsregierung Gehorsam schuldig. Hierauf wurde versucht, durch persönliche Bedrohung mit der Waffe die Beförderung zn erzwinge«. Diese unerhörte Gewalttätigkeit geren da? Leben von AmtSgenoffen beantworteten die Eisenbahner mit der Verweigerung der Dienstes. Am Abend erschien das Mitglied des A.- und S.-Rates Siemer bei der Eisenbahndirektion, forderte nochmals die Beförderung der Truppen und drohte, jeden dritten Eisenbahner erschießen zu laffen, jede« fünften als Geisel zu verhaften und sämtlichen Beamten die Brot­karte entziehen zu wollen. Diesen Terror lehnte die gesamte Be­amtenschaft einmütig ab und sie stellte deshalb heute in allen Sraats- und Gemeindebetrieben die Arbeit ein. Mitbürger! Die gesamte Be­amtenschaft will die Errungenschaften der Revolution gewahrt wißen; sie stützt die Regierung Ebert-Scheidemann. Im vollen Bewußtsei« der schweren Schädigung, die der Gcsamtbevölkerung durch die Arbeits­niederlegung erwächst, emschlsßen wir uns lediglich zur Ausrcchter- Haltung der Ordnung und Sicherung be» LebeuS und Eigentums jedes Volksgenossen zu dem Schritt. Alles geschieht im Interesse der Allgemeinheit; nicht um Lohnforderungen oder dergleichen führen wir den Kampf, sondern um Freche.t, Frieden, Arbeit und Brot für jede»! Ist dieses gesichert, dann nehmen wir die Arbeit wieder auf.

Btrs«rliche Selb^hilfe in Düsseldorf.

Aus Düsseldorf wird demBerl. Lok.-Anz." gedrahtet: In derkommunistischen Republik" geht zur Zeit alles drunter und drüber. Wenn die Reichsregierung uns nicht bald zu Hilfe kommt.

Briefe aus Weimar.

Von Paul Schweder, in.

SH. Weimar den 4. Februar 1919.

Weimar gleicht heute zwei Tage vor Eröffnung der Nationalversammlung einer belagerten Festung. Don allen Seiten rücken Heerhaufen heran, und in den Straßen der Stadt stauen sich Artillerie-, Maschinengewehr-, Muni- tions- und Provianttransporte. Man glaubt unwi-llkür- lich, im besetzten Gebiet von damals zu sein. Wilde Ee- rüchte durchschwirren die Stadt, die friedlichen Weima- wner glauben sich von allen Seiten durch die Spartakisten umzingelt und glauben, daß dem gegenwärtigen Haupt- lluartier von S. M. (Scheide-Mann) bereits das letzte Stündlein geschlagen hat. In Wirklichkeit sieht die Sache viel harmloser aus, wenn es auch immerhin ein unheim­liches Gefühl bleibt, zu wissen, daß selbst im friedlichen Düringer Lande Elemente am Werke sind, die von der überwiegenden Mehrheit des Volkes gewünschte und ge­wählte Vertretung in ihren Arbeiten zu stören oder gar ihren Zusammentritt unmöglich zu machen. Ihren Ur­sprung haben die Unruhen in dem bekannten Beschluß des Toldatenrats in Eisenach, wonach den Thüringern selbst der Schutz der Nationalversammlung obliegen sollte und sie sich die Heranziehung fremder Truppen verbaten. Dieser Beschluß war gut und schön, doch lauerte im Hintergründe bie Gefahr, daß je nach den Beschlüssen der Nationalver­sammlung sich auch die Haltung der hiesigen Truppen än­dern könnte. Nur um dies zu vermeiden und den Schutz der Regierung wie der Nationalversammlung unter allen Umständen durchzusühren, hat man das Berliner Land- lögerkorps noch im letzten Augenblick herangezogen. Es ß^t unter dem Kommando des Generalmajors Märker,

der morgen früh seine Kundgebung an die Bevölkerung richten wird, in welcher dieser ausdrücklich versichern wird, daß die einzige Aufgabe der Berliner Truppen die Auf­rechterhaltung der Ruhe und Ordnung in der Stadt Wei­mar sei und daß sie daher auf Verständnis und Entgegen­kommen seitens der durch die neue Einquartierung sowie verschiedener Umquartierungen in Mitleidenschaft gezogene Stadt rechneten. Die Ankunft der Berliner Truppen hat sich nach den mir persönlich gewordenen Mitteilungen in höchst eigenartiger Weise vollzogen. Man wußte hier, daß die Berliner in zwei Sonderzügen eintreffen würden und der eine bis zur sogenanntenSteinernen Brücke" vorge­zogen, der andere aber im Hauptbahnhof halten würde. Etwa vierzig Unruhestifter begaben sich daraufhin an die Brücke und traten den zum Hauptbahnhof strebenden Mannschaften mit der Aufforderung entgegen, sich ent­waffnen zu lassen, da die thüringischen Regimenter eine Einmischung der Berliner nicht duldeten. Inzwischen hat­ten aber auch die Mannschaften des zweiten Zuges diesen verlaffen und rückten auf die Nachricht von der beabsich­tigten Entwaffnung ihrer Kameraden diesen entgegen, wo­durch die Störenfriede ins Gedränge kamen und nunmehr selbst entwaffnet werden konnten. Als diese Nachricht nach Erkürt, dem Hauptquartier der Unzufriedenen und Sparta­kisten Thüringens, gebangte, marschierten dort 800 ähnlich gesonnene Elemente zum Hauptbahnhof und verlangten hier ihren Abtransport nach Weimar. Der Stationsvor­steher ließ denn auch den Transport an einen nach Weimar gehenden Güterzug anhängen. Mitten auf der Strecke hielt jedoch der Zug plötzlich, und als er wieder anzog, blieb der mit den Soldaten besetzte Teil auf freier Strecke stehen. Wutentbrannt zogen nunmehr die Genasführten zu Fuß gen Weimar, stießen jedoch sehr bald auf den die Goethe­stadt im weitesten Kreise umschließenden .Kordon von Ar­tillerie-, Maschinengewehr- und Jnfanterie-Wteilungen,

I bei deren Anblick ihnen das Herz in die Hosen fiel und sie wieder deshalb auf einem anderen Wege in ihr Land zu­rückzogen. Auch die aus Eisenach kommenden Meldungen lassen erkennen, daß die Gefahr jeder Ueberrumpelung Weimars nicht besteht, bezw. daß alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen sind. Schließlich besteht auch keineswegs die Gefahr einer Abschneidung der Post-, Telegraph- und Eisenbahnverbindungen. Bedenk­licher erscheint es, daß im benachbarten Jena die Gasarbei­ter streiken, sodaß die industriereiche Stadt ohne Licht und Kraft ist, und daß in Weimar selbst Kohlenmangel herrscht, trotz aller Zusicherungen, daß man die Nationalversamm­lung mit allem Nötigen und sogar recht reichlich beliefern werde. Nur im Schloßhof arbeiteten gestern die Kohlen- träger fieberhaft, um die nachmittags eintreffende Bo'lks- regierung warm empfangen zu können. Pünktlich auf die Minute im Gegensatz zu den anderen Berliner Parla- mentszügen lief der aus sechs Salonwagen derMi­tropa" zusammengestellte Sonderzug mit Ebert, Scheide­mann, Noske und Wissel hier ein. Ganz wie zu Serenissimi Zeiten waren die Bahnsteige abgesperrt, eine Ehrenwache aufmarschiert und die Spitzen der Behörden erschienen. Nach einer Begrüßung durch den gegenwärtigen Staats- kommiffar von Sachsen-Weimar-Eisenach, den frühere« Bahnarbeiter und Gastwirt August Daudert, ging es mit fröhlichem Tatata hinab zu dem historischen Schloß an der Ilm, das abends in hellem Lichterglanz erstrahlte und so­fort der Mittelpunkt eines ausgedehnten Telegraphen- und Telephondienstes wurde, mit dem Erfolge, daß die unglück­seligen Preffemenschen, die ebenfalls und sogar sehr stark auf den Draht angewiesen sind, an diesem Tage überhaupt keine Verbindung mehr nach Berlin bekamen ebenso auch heute nur nach 12inständigem Warten. Das sind trübe Aussichten für die kommenden Verhandlung^ tage. Die Weimaraner vergnügen sich «nterdege« bamMy