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Die 7gespaftene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil die Zelle 50 Pfg.

General-Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Buchdnickerei de» verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

Avllichcs Organ für Liadt- und MKreis Kanan.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 8.15 Mk., monatlich 1.05 Mk^ für Potz bezug vierteljährlich 2.70 Mk., monatlich 90 Pfg,

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Unterhaltungsbeilage.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwortlicher Redakteur: Gustav Schreckers für Anzeigen ».Reklamen: August Brodt,beide in Hanau.

Nr. 22 «*&VA^ Montag den 27. Januar Ä"-*'Ä!» 1919

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An die verehelichen Leser des Anzeigers.

Durch das tatkräftige Eingreifen der Regierung ist der Der- : lag und die Druckerei des Anzeigers mit dem heutigen Tage wieder in unseren ungestörten Besitz gelangt. Unsere Leser werden von nun ab die von der bisherigen Redaktion, die im Fahrwasser der Spartakistengruppe der hiesigen U. S. P. schwamm, beliebten Artikel nicht mehr finden. In ihnen wurde alles, was bisher dem Innersten der großen Mehrheit des deut­schen Volkes hehr und heilig war, in den Schmutz gezogen. Sie nötigten jeden anständig denkenden Menschen das Blatt unge­lesen aus der Hand zu legen. Wir werden, wie auch früher schon, bestrebt sein, gestützt auf eine gewissenhafte und anstän­dige Berichterstattung, alles für die Allgemeinheit Wissenswerte aus dem Gebiete der Politik, des Wirtschaftslebens, der Kunst und Literatur sowie sonstige allgemein interessierende Tages- ereignisir aus Nah und Fern unseren Lesern frühzeitig zur Kenntnis zu bringen, und bitten unsere bisherigen Mitarbeiter, uns auch fernerhin in diesem Bestreben freundlichst unterstützen zu wollen.

Gleichzeitig sprechen wir auch denen gegenüber, die uns aus Anlaß des uns bei der Revolution aufgezwungenen Wechsels im politischen Charakter des Blattes und des damit verbun­denen, so gänzlich veränderten Inhaltes als Bezieher untreu geworden sind, die Bitte aus, im Interesse der in unserer Er­ziehung und Verpflegung befindlichen so zahlreichen Waisen- ' rinder die alten Beziehungen zu unserem Klatte üut^ dessen Wiederbestellung wiederherstellen zu wollen.

Das Vorfteheramt des ver. ev. Waisenhauses.

Der Wille zum Einheitsstaat.

Langsam aber sicher fügt sich Stein auf Stein zu dem großen Bau des neuen republikanischen Deutschland. Die Unken haben doch wieder einmal Unrecht gehabt. Die Konferenz im Bundes­ratssaal des Reichsamts des Inneren, die vom frühen Morgen bis zum Abend des Samstag tagte, hat den erfreulichen Beweis zebracht, daß der Wille zum Reich, von einigen kleinen Schreiern »bgesehen, heute noch das ganze Deutschland erfüllt, ja daß er in Dtanchem noch stärker geworden ist als früher. Auch von den Vertretern der Bundesstaaten wurde als das Ideal deutscher Zukunft der Einheitsstaat betont, also die Verwischung jeder Conderstaatelei kleinsten wie größten Stils. Freilich verhehlte sich auch keiner bei Anwesenden, daß, so wie Rom nicht an einem Tage erbaut wurde, auch hier der Weg zur Vollendung einer langer und vielleicht nicht ganz müheloser ist. Aber der Wille ist da, ist überraschenderweise stärker vorhanden, als die breite Oeffentlichkeit angenommen hat..Dem Volksbeauftragten Lands­berg muß zugestimmt werden, wenn er daran erinnerte, daß es ja auch in Italien und Frankreich Gegensätze zwischen Nord und Süd gäbe, die vielleicht noch größer seien als im deutschen Reich, daß sie aebr doch auch dort durch die Arbeitsgemeinschaft von Nord und Süd sich gefunden haben. Besonders in Arbeiterkreisen habe nach der Neovlution, wie Landsberg betonte, die Meinung bestanden, daß der Weg zum Einheitsstaat nun endlich offen sei. »Laßt uns in Deutschland aufgehen!" Das Wort wollen wir nie vergessen, wie alle denen es ehrlich um Deutschlands Zukunft, um die Größe der Heimat aller deutschen Stämme zu tun ist. Freilich, ein Mitzton störte zu Beginn der Beratungen die schöne Melodie. Der Ministerpräsident Eisner, der trotz seiner Berliner Geburt sich zum Ueberbayer entwickelt hat, versuchte in kühnem Ansturm die Debatte über den grundlegenden Verhandlungs­gegenstand. den Verfassungsentwurf des Staatssekretärs Preuß, dadurch zu Falle zu bringen, daß er ein Notgesetz durchdritcken wollte, das den Entwurf Preuß überflüssig machen sollte. Seine, ihm vom Volksbeauftragten Ebert beigebrachte umgehende Nie­derlage war nicht ohne Humor.,' denn Eisner, der im Namen der süddeutschen Regierungen und auch Sachsens zu sprechen erklärte, wurde prompt von sächsischer und württembergischer Seite desavouiert. So weit das heute möglich ist, wurde dem Willen zum Einheitsstaat der Weg geebnet durch die vom Volksbeauf­tragten Ebert beantragte Resolution, die einstimmig angenom­men wurde und auch deshalb von ganz besonderer Bedeutung ist, weil sie die drohenden staatsrechtlichen Kämpfe zwischen den Nationalversammlungen des Reiches und Preußens von vorn­herein verhindert. Vor allem wichtig ist bei der Ebertschen Reso­lution auch noch die Heranziehung der Einzelstaaten zu den Be­ratungen über den Verfassungsentwurf Preuß und zur Schaffung eines endgültigen Ec'etzentwurfes über die Reichsveriasfung unter Benutzung des Preussischen. Damit ist die Basis für die

Beratung der Grundgesetze ungeheuer verbreitert und die Ver- I antwortung auf die Schultern auch der gesamten deutschen Ein- $ zelregierungen gelegt. Von dem guten Willen, der sich bei ihren Vertretern heute in der Theorie gezeigt hat, ist auch in der Praxis das Beste zu hoffen.

Die Berliner Verhandlungen über den Verfasiungsentwurf.

Berlin, 25. Ian. Im Bundesratssaal des Reichsamts des Innern begann heute die unverbindliche Aussprache der Ver­tret« der deutschen Einzelstaaten über den Entwurf der künf­tigen Reichsverfassung, wie er durch den Untsrstaatssekretär Preuß vorgelegt worden ist. Die Sitzung, an der die gesamte Reichsregierung, der Zentralrat und die Vertreter der Frei­staaten teilnahmen, wird von dem Volisbeauftragten Ebert geleitet. Die Verhandlungen befaßten sich zunächst nur mit dem ersten Teil des vorgelegten Entwurfs und mit der Frage nach Umgrenzung und Stellung der einzelnen Freistaaten innerhalb des Reichs. Der Unterstaatsfekretär unterstreicht in den einleiten . den Ausführungen die zwingende Notwendigkeit, das Reich als Einheitskörper zu festigen. Soweit die zurzeit bestehenden Ein­zelstaaten einer solchen Leben-notwendigkeit des Reiches ent­gegenstanden, müßten sie sich eine Umgestaltung gefallen lassen. Der Staatssekretär betont, daß die Einbringung des Entwurfs gerade in der Woche vor der Preußrnwahl in die Diskussion leider eine gewisse Gereiztheit gebracht habe. Er wendet sich besonders gegen die Kritik, die an dem § 11 des Entwurfs geübt worden ist und betont, daß durch diesen Paragraphen das Be­streben einzelner Landesteile, sich s bständig zu machen, ein Be­streben, das sich hier und da schon L .tätigt habe, in ein geord­netes System geleitet werden soll. Selbstverständlich könne die Neubildung von staatlichem Zusammenhängen nur nach dem Wunsch der verreffenden Voltsreu« vorKsnommen weisen. Sie dürfe und könne keineswegs durch ein Dekret der Regierung ge­schehen. Die Reichsvegierung beanspruche darum auch nicht etwa das Recht, die Reugruppierung des Reiches von sich aus zu verfügen.

Der prov. berget. Ministerpräsident Eisner bringt zur Ge­schäftsordnung im Namen der süddeutschen. Staaten, einbegriffen Sachsen, den Vorschlag eines Rotgesetzes ein, durch besten An­nahme eine weitere Erörterung der Verfassungen sich würde er­übrigen können.

Die Vertreter von Sachsen und Württemberg erklären aus­drücklich, daß sie durch ihre Zustimmung zum Eisnerschen Even- tualvorschlag keineswegs die Diskussion des Verfassungsent- entwurfes unterbinden wollten.

Gemäß einem entschiedenen Hinweis des Vorsitzenden Ebert, daß unter keinen Umständen durch die Annahme des einen oder des anderen Vorschlages die Nationalversammlung vor eine vollendete Tatsache gestellt werden dürfe und daß es sich bei der heutigen Zusammenkunft nur um eine unverbindliche Be­sprechung handeln könn«, wird, nachdem auch Herr Eisner sich dieser Auftastung ange'chlossen hat, die Diskussion eröffnet.

Als erster spricht im Namen des preuß. Staatsministerinms Minister Hirsch. Er bekennt sich zu der Absicht, das Reich ein­heitlicher als bisher auszubauen, und erklärt, daß er der Schaffung eines deutschen Einheitsstaates, die der Entwurf des Staatssekretärs Preuß leider nicht anstrebe, sympathisch gegen- überstände. Der jetzige Vorschlag aber versuche, die Einheit des Reiches einseitig und allzu sehr auf Kosten Preußens zu erzielen.

Als Vertreter Anhalts wendet sich Minister Heine gegen den preußischen Vorschlag. Er glaubt, daß durch die Aufteilung Preu­ßens der Zankapfel in das deutsche Volk hineingeworfen toerde und daß es kaum möglich sein dürfte, eine Neugruppierung nach den Wünschen des Volkes vorzunehmen, daß vielmehr jede der­artige Neugruppierung eine bürokratische Arbeit der jeweiligen Regierungen sein wird.

Berlin, 25. Ian. Die Nachmittagssitzung des Kabinetts und der Vertreter der Bundesstaaten zeigte, daß eine starke Nei­gung zum Einheitsstaat vorhanden ist, daß aber die Schrst-" leiten, die dieser Lösung im Wege stehen, als sehr groß emp­funden werden. Zum Einheitsstaat bekannte sich besonders warm das Mitglied der Reichsregierung Landsberg. Als ein ! besonders bedenkliches Symptom zu dem noch immer grassieren- j den Partikularismus bezeichnete er den Umstand, daß die Kriegsgewinnsteuer nicht einheitlich durchgeführt werden konnte, sondern durch den Widerspruch Bayerns erhebliche Ein­schränkungen erlitt. Auch der preußische Minister für Handel und Industrie Fischbeck bekannte sich als Unitarier. Da er aber in der Politik die Kunst des Möglichen sieht, so glaubt er nicht an eine glatte Ueberwindung all dex Widerstände, die sich einer sofortigen Ueberl« itung der jetzigen Reichsverfassung in eine rein unitariscke entgegenstellen Mit besonderem Nachdruck be­tonte er, daß der Veriasiungseittwurf einen starken Mangel zu haben sâine. Volksbeauftragter Ebert, der die Verhandlungen "sehr gefckicki leitete, regte darauf an. daß, da die Regierung entschlossen fei, sofort nach dem Zusammentritt der Nationalver­

sammlung ihre Portefeuilles zur Verfügung zu stellen und bei Nationalversammlung als erste Aufgabe die Einsetzung eine, neuen Reichsregierung zu überlasten, heute eine Kommission einzusetzen, der die Vertreter aller deutschen Reichsstaaten trüge» hören sollen und die alle in der heutigen Sitzung gegebenen An­regungen verarbeiten solle. Diese Anregung verdichtet« sich zu folgendem Antrag:

Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Innern Dr. Hugo Preuß tritt am Sonntag eine Kommission zusammen, vor je ein oder mehrere Vertreter der deutschen Freistaaten ange, hören werden, um den Entwurf eines provisorischen Gesetzes zu beraten, das der Nationalversammlung für die sofortige Beschlußfassung vorgelegt werden soll. Das grundlegende Ge­setz steht lediglich die Einsetzung einer zentralen Gewalt, die Bildung eines Reichsministeriums und die Mitwirkung der Regierungen der deutschen Freistaaten bei der Nationalvsr, fammlung vor. Der Kommission wird weiter der vorliegende Verfasiungsentwurf zur Beratung überwiesen. Die Berichte der Kommission gehen cm die Reich-leitung."

In seinen zusawmcnfastenden Schluhausführungen erklärte sich der Staatssekretär des Innern von der Aussprache im großen und ganzen befriedigt. Er ist der Leberzeugung, daß sich das Er­gebnis, wenn alle vorgetragenen Einwendungen in angemesse­ner Weise berückst ch-ti gt werden, erzielen lasten werde. Auch et hänge nicht an den Einzelheiten eines Entwurfs. Die Reichs« regierung habe sich ja auch niemals in bindender Weise zu die­sem bekannt. Es wäre ja auch unmöglich, eine Verfassung zu schaffen, die sofort alle Beteiligten in Nord und Süd zusammen» fassen würde. Aus allen Ausführungen war ersichtlich, daß man zu einem Ergebnis kommen will.

Dis deutsche Naiionäsrsammümg.

Nachdem nunmehr LuS. WaA vollständig. vorhegt, neben Mr die Tabelle über das Wahlergebn s, die alle bisherige« Korrekturen hcrückssWgt hat. Aenderungen sind freilich auch jetzt noth möglich.

1. O^vreußen (14 Sitze) .

2. Westvrenßen (11) . . .

3. Berlin (14).....

4. Potsdam 19 HO) . .

5. Potsdam 10 (9) . . .

6. Frankfurt 6. O. (8) . .

7- Sommern (11). . . .

S. Rosen (14) . . . . .

9. »reblau (12) . . . .

10. Oppeln (15) . . . .

11. Liegnitz (8) . . . .

12. Magdeburg-Anhalt (11).

13. Merseburg (9) . . .

14. Schleswig-Holstein (11).

15. Nurich-Oldrnbnrg (7) .

16. Hann.-BramtsKweig (16)

17. Münster-Minden (13) .

18. ArnSberq (16) . . . .

19. Hessen-Nassau (15) . . ^O. Köln-Aachen (13) . . .

21. Koblenz-Trier (12) . .

22. Düsseldorf 15 (12) .

23. Düsseldorf 6-12 (11) .

24. -27. Bayern (45). . .

28.30. Sachsen (32). . .

31.32. Württemberg (17) .

33. Baden (14).....

34. Hessen (9).....

35. Meckleuburo-Lübeck (6) .

36. Thüringen-Erfurt (14) .

37. Hamburg-Bremen (12) .

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ff Bauern- unb Landarbeiterdemokraien, *) LandeSwahlverdrud, ff Bayer. Bauernbmrv, *) Württ. Bürger- und Saueritbiuib.

Das Ergebnis in Heften-Raffau.

Das endgültige amtliche Wahlergebnis für den 1S< Wahlkreis Hessen-Nassau, Wetzlar und Waldeck ist verkürzet worden. E- haben erhalten an Stimmen: Demokraten 230 ^'Sozialdemo­kraten 46.3113, Christliche Dolkspartei (Zentrum) 187 579, Deut,»- Nationale 106 078, Deutsche Volkspartei 64 465, Unabhängige 42 980. Cs sind gewählt von den Deuwkraten Bürgerrnerster Dr. Luyve- Frankfurt a. M.. Oberbürgermeister Koch-Cassel. UnieersitatsproLstor Dr. Walter Schücking-Marburg, von den Sozialdemokraten: ««ewe- mann, Dr. Quarck-Frcmkfutt a. M., Stadtverordneter Thoue^Castet, Schriststellcr Gustav Ho^b-Hanau, Schuhmackernieister Brüync-Vachien. hausen, Ehefrau Johanna Tesch - Frankfurt a. M. und Dr. Hug, Sinsheimer in Frankfurt am Main, vom Zentrum: Rentne, Richard Müller - Fulda, Eetverkschafttsckretâr Becker - Berl« une Mittelschullehrer Jean Schwarz «.Fransturt am Mml^ von der Deutschen Volkspattei: LniversitätSprofessor Dr. Jakoh Ricßer, der Präsident des HansabundeS, m Berlin nnb von da, deutsch-nationalen VolkSpartei: Pfarrer Karl Veidt von der Pams« titele in Frankfurt am Main.