VktvâckungSgrdÄtzrr
AK fl^jwthm PetttMle oder deren Ravm SS ^
ÄeSaewtcU du Zeile 66
General Anzeiger.
MUMkMW les Wer« i SZAtemstes
Mertchährlich 3.15 DIL, monatlich IX» ML, f#r Poß» bezug viertel-ährlich 2.70 ML, monatlich 90 Ug.
Die einzelne Nummer lostet 5 Php.
Notattonikdrnck und Verlag der BrrchdruSer« bei Mtcbu dk Waisenhaus in Hanau.
^l— ■ ■■■ MH ——— II ..........—r—— —
Mr 1() Fernsprechanschl «tz
1" Redaktion Kt« — Expedition LSh
für Les SM- s. LMkniZ MM s. M.
Montag den 13. Jannar
lkM*i»»rtfi4 für Politik x Lokale«: ««stav »awet« für den gesamten übrige« Teil, •♦ Schrecke» in Hana»
Fernsprechanschlutz
Redaktion 646 — Expedition 236
1919
Wähler und
Nm 19. «erdet ihr die verfassunggebende Versammlung »ähltn. Das deutsche Volk ist endlich frei. Kein Kaiser, hin Bundesrat kann mehr das Selhstbestimmungsrecht be# souveränen Volkes verkümmern. Die Nanonalversammlung, die ihr alle, Männer und Krauen, in voller Freiheit wählen werde«, wird unsere Verfassung festlichen, über die künkt-ge @e'>nft6afi3orbnung die Entscheidung treffen. Ihre Zusammensetzung ist von größter Bedeutung für die Zukunft des teutschen Volkes.
Die ersten Wahlen müssen zunächst
Wahlen der Abrechnung
sein. Ihr müßt Gericht halten mit allen, di« den Krieg verschuldet haben. Ihr müßt Rechenschaft fordern von denen, tie daS ungeheuerlichste aller Verbrechen verübt haben. Hundert- tausende Tote deckt die Erde, hunderttausende Witwen und Walsen bewrinen ihre Ernährer, hunderttausende Krüppel wandern als Zeugen deS Verbrechens unter unS. Wir alle leiden unter den Folgen deS entsetzlichen Krieges.
Darum, fort mit jenen, die diesen Krieg verschuldet hohen! Fort mit den Alldeutschen, die ihn herbeigesehnt ha^en, um ihre Raubgelüste befriedigen zu können. Fort mit den Konservativen und Nationalliberalen, die durch das Wettrüsten zu Wasser und zu Lande Deutschland allen Völkern als Gefahr erscheinen ließen. Fort mit den Fortschrittlern, die längst ohne eigene Politik im Gefolge der anderen ein« hertrotteten. Fort mit allen, unter welchen Firmenbenich« nungen sie sich zu verstecken suchen, ob sie sich Vslkspartei oder bürgerliche Demokratie nennen.^
' ^te alle tragen Schuld am Kriege. Sie alle haben während des Krieges die verbrecherische Politik des orößen- »ahnstnuigen Ludendorff, des erbärmlichen Kaisers und seiner Kanler bedenken- und gewissenlos gebilligt. Sie alle haben im Siegesrausch sich nach Eroberungen heiler geschrien, waren bereit, das Recht der Völker unter den prenß schen Kommißstiefel treten zu lassen. Das deutsche Volk braucht den Frieden, aber die bürgerlichen Parteien, die den Fried-« der Vergewaltigung gewollt und gewünscht haben, sind nicht die richtigen Unterhändler, um das deutsche Volk nach der Niederlage seiner Generale und seiner Regierung vor einem VeraewaltigungSfrieden zu schöben.
Nur wir unabhängigen Sozialdemokraten haben das SeldstbestimmungSrecht unseres Volkes erkannt, ebenso wie das aller andern Völker. Nur wir haben von allem Anfang die
Beendigung des scheußlichen Mordens verlangt und jede Annexion als fluchwürdiges Verbrechen qp« brandmarkt. Nur uns bringen die demokratischen und Ar» beiterparieieii des Auslandes das Vertrauen entgegen, das die Grundlage des künftigen Völkerbundes und der allgemeinen Abrüstung sein muß.
Dieses Verlrauen wird auch den RechiSsosialisten ver» hfl*, denn sie find muschuldig an der Verlängerung des Krieges. Gie haben immer wieder die Kriegskredite be» williat, auch, als es schon längst klar geworden war, daß die Regierenden keinen Verteidignngskr eg, sondern einten Er- oberungskrieg führen wollten. Als mir unabhängigen Sozialdemokraten einen Frieden auf Grund b?8 Selbstbestimmungs- tedH, einen Frieden ohne Entschädigung und ohne Annexionen verlangten, haben sie uns verhöhnt und ver-pottet und die Erhaltung der österreichisch-ungarischen Monarchie und ber Türkei proklamiert, die nur durch die Vergewaltigung anderer Nationen ihre Existenz fristen konnten. Für die Fran- ;»!««, Polen und Dänen in Deutschland selbst wsllien sie »®m SelbsthtstimmungSrecht nichts wissen. Sie haben nicht nur jede energische Oppssit'on gegen den Krieg abgelednt. sie haben auch uns die MöiHchkeit entschiedenen Auftretens rauben wollen und uns lieber aus der Partei gedrängt, als ihre schmähliche Komprsmißpolitik aufgegeben. Sie haben tbenso wie die Bürgerlichen Deuljchland vor der Welt moralisch kompromittiert.
Wir unabhängigen Sssialdemokrateu sind von der ersten Stunde des Krieges an unerschütterlich den Prinzipien der Demokratie und der sozialistischen I nernat-onale treu ge- bliebrn. Eben deshalb sind wir als Verrâ'er am Deutschtum beschimpft und verfolat worden. Eben darum sind wir aber auch jetzt bie, die von den anderen Völkern nehört werden, wenn wir für uns fordern, was wir allen anderen zuge- standen haben: den
Friede» ohne Anuexiotlen und Eroberungen auf Grund des freien Selbstbestimmungarechis für alle Völker.
Dieses freie Selbstbestimmungsrecht muß uns vor allem auch gewährt werden für die Gestal ung unseres Geschick« im Innern. Die Erfüllung unsrer sozialistischen Pflicht wäh- rend des Krieges hat reiche Früchte getragen. Unsere Arbeit Segen ben Krieg war Atbed für die Sorbeteitung der Revo- lution. Was die Soldaten und Matrosen begannen, haben | Muter Führung der Unabhängigen Sozialdemokraüjchen Partei
ählerinnen!
die Arbeiter vollendet. Die alten Gewalten sind gestürzt, die Junkerherrschaft ist zerbrochen, der Militarismus liegt am Sobers, und nie mehr soll seine Herrschaft wieder über das deutsche Volk errichtet werden.
Internationale Streitigkeiten !oll der Völkerbund der befreiten Nationen durch seine internationalen Schiedsgerichte schlichten. Die Gewalt soll wie im Innern der Staaten, so auch außen nicht mehr entscheiden dürfen. Sowell noch innerhalb der Neuordnung ein Heer nötig ist, soll es ein
freies Volksheer sein mit ganzer Dienstzeit, ohne Oifiuerprivileaien, ohne Beschränkung der Bürgerrechte der Soldaten, ohne Kadavergehorsam.
Wir fordern die unverzügliche Beseitigung oer Reste der stehenden Armee, die völlige Demobilisierung. Wir verwerfen als undemokratisch und unsozialistisch den Appell an die al'en Gewalten, der bereits zu dem sch-ecklichen Blutbad vom 24. Dezember vor dem Berliner Schloß gerührt hat. Erlöst von der Gewalt wollen wir uns den Aufgaben der Kultur, der Höheneiitwickiung der Menschheit widmen.
Die Schule muß befreit werden von jeher kirchlichen Bevormundung. In den Mittelpunkt des Leh'planes soll der Arbeilsunterricht gedrückt werden. Die B ldungspnvilegien müssen fallen und allen Begabten der Aufstieg in die höchsten Bildungsanstalten ermöglicht werden.
Die Glaubens- und Gewissensfreiheit muß jedermann gesichert werden. Dem Gläubigen bleibt es unbenommen, nach den Lehren seiner Religion zu leben. Ebenso aber kann kein Un«läuoiger gezwungen werueu, ^nrKn.dc. W-rimr fremden Religion zu erziehen oder mit fetten Mitteln zn einer ihm fremden Kirchengemeinschaft beizuiragen. Kein staatlicher Zwang soll künftig die Macht her Kirche vermehren. Deswegen verlanoen wir die Trennung der Kirche vom Staat und die Trennung der Schule von der Kirche.
Frei sind wir im Innern, frei wollen wir bleiben. Die demokratische Republik, die wir errichtet haben, muß ausgebildet werden zur
sozialistischen Gesellschaft.
Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen soll auf» hören, die Klassen müssen verschwinden, erstehen soll bk Gesellichaft der freien und Gleichen.
Um das a>beitende Volk von der wirtschaftlichen Ausbeutung ru br eien, muß die kapitalistische Produktionsweise beseit gt, die sozialistische Neuorganisation der Geiell'chaft aufgebaut weiden. Das bedeutet eine Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse. Das Eigentum der Bauern und des Handiverks wollen wir nicht antasien, aber das Eigentum
Wählt am 19. Januar Unabhängige Sozialdemokraten!
. Die Parteileitung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.
Waffenstillstand in Berlin.
Nach den Stimmungsbildern der bürgerlichen und regie- rungssozialdenwkratischen Presse zu urteilen, ist in und um Berlin noch einmal die proleiarische Revolution mit Hilfe der von Ebert-Noske angeworbenen Truppen und der Offizierbataillone niedergeschlagen worden Ueberall durchzogen Werber, im Solde der Regierung stehend, durch das Land, um Truppen für die Niederringung der Revolution in Berlin zu gewinnen. Ein Kopfgeld von 4 Mk. wurde geboten von dem Regierungssozialdemokraten Noske als Oberkommandierender dieser Schlächter- truppen und dieser Truppenübermacht räumten die revolutionären Arbeiter und Arbeiterinnen da» Feld, um weitere Blutopfer zu verhindern Dieselben Leute, die die alte preußische Negierung unterstützten, die sozialistische Republik in Finnland niederzuschlagen, dieselben dwitschen Sozialdemokraten haben ihre finnisch-en Genossen und Führer der revolutionären Bewegung kaltblütig an die Mauer stellen und erschießen lassen, dieselben Dluischergen kommandierten sunge, unerfahrene Truppen auf das klassenbewußte Proletariat in Berlin und retteten somit den Kapitalisten die alte Macht und sich selbst einige Sitze in der kommenden demokratischen Regierung. Und vor solchen „Sozialisten" soll das Proletariat Achtung haben? Kein Wunder, daß die internationalen Sozialisten es mit Ekel ablehnen, mit Ebert-Scheidemann, Noske und Konsorten sich an einen lisch zu setzen.
Die „Freiheit" schreibt dazu: Offiziere, Studenten, aufgeputschle Bourgeoisie-Söhne haben in Berlin ein Willkür-Regiment errichtet, wie es niemals erlebt worden ist! Die Verteidiger des alten zaristischen Regimes sind durch eine verbrecherische und wahnsinnige Regierung in Berlin wieder zum Leben erweckt worden. Bewaffnete dringen in die Wohnungen friedlicher Bürger ein. nehmen Haussuchungen und Der- Haftungen vor ohne sich um die bestehenden Gesetze irgendwie zu kümmern. Alles, nas unter dem schärfsten Belagerungszustand an Härte und Ummenschlichkeit geschehen ist, verblaßt hinten
der Kapitalisten an den Produktionsmitteln, die Monopole der Beroherren an den Bodenschätzen, der Kapitalbesitz der Großbanken, der Grundbesitz des Adels, der Kirche und der Kapitalisten, das muß dem Volke wiedergegen werden. Eigentum der Gemeinschaft soll werden, was heute das Eigen» tum der Kapitalmagnaten und Großgrundbesitzer ist. Eine große Reihe der wichtigsten Industriezweige ist für die Der» gesellschafiung reif und kann sofort sozialisiert werden. Die Sozialisierung dieser Zweige gestattet die immer umfassendere Angliederung neuer Produktionsgebiete und de immer stärkere Zuiückdrângung des Privatbetriebes. So soll der Aufbau der sozialistischen Gesell chaf sform entstehen.
In allen Betrieben muß die volle Demokratie durchge» führt werden. Dazu bedarf es der Erhaltung deS
Systems der Arbeiterrate,
das gesetzlich festzulegen und auszubauen ist.
Die Bestimmung der Arbeitslöhne, der Arbeitszeit, die Verhütung von Unfällen muß der Mitwirkung der gewählten Ve treter der Arbeiter und Angestellten unterliegen. Sie müssen an der Leitung der Betriebe, an der Verbesserung der technischen Einrichtungen mitwirken können und Einblick in die Gelchâftstührung erhalten. Für die Führung der ganzen Wirtschaft muß das Gesamtinteresse der Gesellschaft allein entscheidend sein, nicht mehr die Einziehung des kapitalistischen Profits.
Die sozialistischen Prinzipien müssen in der neuen Verfassung
verankert werden, die das volle Selbstbestimmungsrecht des ganzen deutschen So'feS zum uugeh nderten Ausdruck bringen muß, an dessen Ausübung jeder Staatsbürger, Mann und Frau, in gleicher Weise Anteil nimmt.
Deshalb, Wähler und Wählerinnen, stimmt für die Listen der Unabhängigen Sozialdemokratie. Stimmt für die Vertreter ter Arbeit! Die bürgerlichen Parteien vertreten, was sie immer sagen, die Interessen des Besitzes! Sie sagen Christentum und menen den Besitz der Kirche, die Macht des Klerus. Sie n-nnen sich national und sie wollen lieber Deutschland zerreißen und zerstückeln, als das Kapitalsmonopol gefährdet sehen. Und die Führer der Rechtssozialisten finden mchl die Energie, um den Kampf für die restlose Durchsetzung der Interessen des arbeitenden Volkes bis zu« Ende zu f ihren.
Deshalb rufen wir Euch 1 Wollt Ihr den Sozialismus, wollt Ihr die Erfüllung der großen Ideale der internationalen Arbeiitibewegung, wollt Ihr, daß alle politische und âkono- mische Unterdrückung ein Ende habe für immer, wollt Ihr Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, wollt Ihr die Ver» brüderung der Menschheit, dann sammelt Euch unter dem u chefleckten roten Sanner der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands!
den Roheiten und Grausamkeiten dieser Tage, in denen eine an* geblich demokratische und sozialffiische Regierung am Ruder ist!
Zn der bürgerlichen Presse wird verkündet, daß viele Arbeiter und Arbeiterinnen standrechtlich erschossen worden sind und ferner, daß.eine Anzahl Führer, darunter Ledebour, Meier, Liebkneckt (Sohn) verhaftet und strenger Bestrafung entgegen gehen. Was an diesen Meldungen wahr ist, muß abgewartet werden. Jedenfalls lebt die Revolution weiter und der nächste revolutionäre Ausbruch muß sich über das flache Land erstrecken, denn die Massen sind reif dazu, dann sollen die Fronttruppen auch in der Provinz versuchen, mit Waffengewalt die Revolution niederzuschlagen. Wir sind gerüstet!
Aus dem rheinisch-westfäl. Kohlenrevier.
Essen, 12. Jan. Der Essener A.- und S.-Rat verteilt zusammen mit der sozialdemokratischen Partei und dem Spartakus-Bund ein Flugblatt, in dem eS heißt: DaS Kohle nsyndikat und der Zechenverband sind durch unsere Volkskommissare besetzt worden. Damit ist der erste S britt zur Sozialisierung getan. Die Zentrale der kapitalittischen Ausbeutung, dieses Symbol der zechenherrlichen Gewalt, ist bamii in die Hände der Volkes übergegangen. Da auch die Forderungen der gewerkschaftlichen Organisationen betvillizt sind, ist jeder Grund zum Streik weggefallen. Auf dieser Grundlage hat die Konferenz der Streikaussch sie und Vertrauensleute sämtlicher Essener Zechen mit großer Mehrheit die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen. Bergarbeiter! Der erste Schritt auf dem Wege zum Zukunftsstaat ist also getan. Wir werden den Weg entschlossen weitergehen. Hebt uns durch Dirziplin und sozialistisch« Einsicht! Nehmt entschlossen die Arbeit wieder auf!
Zwingend notwendige Maßregel.
Gotha, II. Jan. Der Arbeiter- und Soldatenrat beschloß, Me fernere Veröffentlichung des Aufrufes zum Frelwilligeneintritt « bea Grenzschutz zu verbieten.