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* 1 für den gesamten übrigen Teil: SchreSer m Hanan.
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Mr. 7 *.J,ffl,^ Dvnncrstan den 9. Jnnnar d ■ M»"-‘Äi>» 1919
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Arbeitslos!
Kunderttausende find es heute, Millionen werden es in kurzer Zeit in ganz Deutschland sein. Arbeitslos, brotlos stehen sie da, umringt von ihren hungernden Frauen und Kindern, die vergeblich mit fiebernden Augen aus bleichen abgezehrten Gesichtern zu ihren Ernährern ausblicken.
Vergeblich! Die kapitalistische Gesellschaft, die diese Millionen zu Proletariern gemacht hat, die sie auf den täglichen Verkauf des Einzigen, was sie besitzen: der Ware Arbeitskraft angewiesen hat, sie hat nunmehr keine Verwendung für st«. Mögen sie um- tommen, mit Weib und Kind verhungern, — das Kapital braucht sie heute nicht.
Das Gespenst der Arbeitslosigkeit ist wie ein Schatten an die kapitalistische Produktionsweise gebunden. Es gibt kein Land, keine Konjunttur, keinen Tag, an dem nicht in irgend einem Ar- heitszweig. an irgend einem Ort eine größere oder geringere Anzahl von Proletariern beschäftigungslos und infolgedessen brotlos wäre. Periodisch, in Zeiten der Krise, schwoll die Armee der Arbeitslosen gewöhnlich zu erschreckenden Dimensionen an, um mit der zurückkehrenden Hochkonjunktur wieder langsam vom Kapital ausgewogen zu werden.
Das ist der „normale" Wettlauf unter dem Zepter des Kapitals. Was schert die profithungrigen Unternehmer, daß in Zeiten der Arbeitslosigkeit das Proletariat durch Hunger und Elend dezimiert wird! Das Kapital braucht stets einen Vorrat an Arbeitskräften, eine industrielle „Reservearmee", wie es Vorräte von Baumwolle, Kohle und Erzen in seinen Speichern braucht.
Als im Jahre 1864 die englischen Textilarbeiter, durch eine masienhafte Arbeitslosigkeit zur -Verzweiflung gebracht, be- Mlosfea, nach Australien auszuwandern, wo man ihnen vollauf Wsfchästigung und Brot anbot, erhoben die Fabrikanten ein Ket««.srdrs und aabeu die dcnftHMae LrftLruua a^ „Das Unternehmertum kann ebenso wenig erlauben, daß seine leben- Len Maschinen aus dem Lande auswandern, wie es die Mussuhr seiner toten Maschinen dulden könnte." .
Lebende Maschinen? Das sind die Arbeiter für das DKvpttal, nichts mehr. Aber heute, nach der vierjährigen Orgie Ides imperialistischen Weltkrieges, wächst die Anzahl der be- Dschäftigungslosen „lebenden Maschinen" derart ins Grauenhafte, »daß alle früheren Beispiele dagegen erblassen. Und das, was wir iheute erleben, ist keine vorübergehende schlechte Konjunk- Ktur des Kapitals mehr! Heute steht das Kapital selbst völlig «ratlos vor dem, was es im Weltkriege angerichtet hat. Heute »erleben wir nicht eine Handelskrise, wie wir deren ein IDutzend im Laufe des Jahrhunderts erlebt haben, sondern den Iallgemeinen Zusammenbruch der kapitalistischen Witt- I Ichast.
Nach dem Ruin, der in allen kriegführenden Ländern durch I den Krieg herbeigeführt ist, kann keine neue kapitalistische Blüte V Mehr folgen. Die enormen Armeen der Arbeitslosen, die in allen I Ländern mit jedem Tage zahlreicher austreten werden, sind selbst »der schlagendste Beweis, daß die bürgerliche Gesellschaft ihr ■ Eristenzrccht verwirft hat. Es tritt jetzt der Moment ein, von I dem das „Kommunistische Manifest" von Marx und Engels sagt:
„Die Bourgeoise ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig I ist, ihren Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei I >u sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabstnken I Ju lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu I werden. Die Gesellschaft kann nicht mehr unter der Bourgeoise I leben, d. h. ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der Ce- I seNschast." â
In der Tat, was hat die bürgerliche Gesellschaft, deren Ge- I schäft sträger die Regierung Tbert-Scheidemann ist, den Arbeits- I losen zu bieten? „Hinaus aufs Land!" Das ist der Ruf, I womit sie die hungrigen Jndustrieproletariersr abfpeisen müllen. I Die arbeitslosen Metallarbeiter, Mechaniker, Textilarbeiter, I Holzarbeiter sollen plötzlich Wälder roden, hinter dem Pflug I gehen, den Spaten in die Hand nehmen, sollen Arbeiten ver- I richten, für die ihnen die Muskelkraft, die Geschicklichkeit und die I Gewohnheit fehlt.
Ja, wenn Ebert-Scheidemann eine sozialistische Regierung I wären, wenn sie den Grund und Boden der Junker konfisziert I und in Raticnaleigenium umgewandelt hätten, wenn sie unter I tätigster Mitwirkung der Arbeiter landwirtschaftliche Muster- I beriebe nach sozialistischen Crndsätzen gründen würden, wobei sie I den Arbeitenden kulturwürdige Arbeits- und Wohnüngsverhält- I niste sickern mühten, -^wsnn, ja dann würden städtische Pro- I letarier mit Freuden sich vielfach der Landwirtschaft zuwenden.
Heute bedeutet die Ausweisung der Arbeitslosen der Jn- I bustrie aufs Land eine sozial und kultuerev gleich reaktionäre I Maßnahme, eine Lieferung billiger Arbeitskräfte für das Jun- I kertum, eine Degradierung des Vortrupps des Proletariats zu I rückständigen Arbeite- wb Lebensbedingungen, aus deren Hölle I die Landarbeiter in Mrsten seit Jahrzehnten die Flucht ergriffen I haben.
Vor allem aber birgt der schöne Plan, für den die Ebert-Re- I Störung mit den Anpr-kisanosmethoden amerikanilcher Anroan- derungsagenten arbeite, einen durchsichtigen politischen steter» i gebauten: die unruhigen, rebellischen Elemente des Prolet ^ ' ^ - toen hinaus aufs Land. wm dort von der »och rückständiges -"
gebung aufgesogen, um zerstreut und dadurch geschwächt zu werden. Die Ansammlung großer Masten des Proletariats in den Erohstädten ist eine ständig« Bedrohung der gegenrevolutionären Herrschaft der Ebert-Scheidemann: hinaus also mit den gefährlichen Elementen, mögen sie sich auf dem Lande zerstreuen, den Zusammenhang und die Geschlossenheit, die Aktionsfähigkeit verlieren! ......
Schon einmal war die Probe auf dieses Exempel gemacht. In der Februar-Revolution 1848 in Paris wollte die Bourgeoisie gleichfalls das betrogene revolutionäre Proletariat aus der Hauptstadt los werden. Sie organisierte zu diesem Zwecke für di« Arbeitslosen die berühmten „Nationalwerkstätten" und kommandierte dann zum Schluß die Arbeiter — hinaus in die Provinz. Als aber die Arbeiter das Komplott begriffen und Widerstand leisteten, war die Antwort: blaue Bohnen!
Dieselbe Antwort werden sehr bald auch die Ebert-Scheidemann für die Arbeitslosen haben. Weshalb auch nicht? Blaue Bohnen für die Streikenden, blaue Bohnen für die Arbeitslosen — das ist das A und O der Polttik dieser „sozialistischen" Regierung!
Aber damit ist gerade auch die Losung der Stunde klar und deutlich gegeben: nur über den Sturz der Ebert-Scheidemann- schen Regierung geht der Weg zur Lösung der Arbeitslosenfrage in ihrem ganzen Umfange. Die „lebendigen Maschinen" wollen heute keine Maschine mehr sein, die sich hin und her schieben, puffen und knuffen lasten. Die „lebendigen Maschinen" sind zu ihrem Menschentum erwacht. Sie wollen eine Gesellschaftsordnung schafen, in der es ter« proletarische Arbeitslosigkeit und keine kapitalistischen Drohnen mehr gibt.
Jetzt, mitten in der Revolution, gilt es, die Macht zu ergreifen, um der Arbeitslosigkeit eine sozialistische Lösung zu geben —, die einzige, die möglich ist.
Es gilt zu handeln! Die Arbeitslast ^eit ist die bren- uendste Frage de; .Ke^jj^
Ernst zu machen. Der Arbeiterrat ist das berufene Organ der revolutionären Arbeiterschaft. Mag er seine Pflicht tun. An den Masten der Arbeitslosen liegt es, ihn durch energischen Drink zum Handeln zu bringen.
Arbeit! Sozialisierung! Alle Macht den A.- und S.-Räten! Diese dreieinige Formel der Revolution ist heute der Schrei der darbenden Masten, di« praktischste Losung der Stunde.
Der Verrat vom 4. August 1914.
Die Verleugnung der sozialistischen Grundsätze durch bk Scheidemänner.
Die rechtssozialistischen Führer machen verzweifelte Anstrengungen, um bei den bevorstehenden Wahlen die Arbeitermasten auf ihre Seite zu ziehen. Sie hoffen, daß die Tatsache der Revolution ihre ungeheure Schuld während des Krieges aus dem Gedächtnis der Maste gelöscht hat. Sie hoffen, daß sie sich jetzt der großen Abrechnung über ihre Krisgspolitik entziehen Wnnen.
Die Unabhängige Sozialdemokratie aber hat die Schandtaten der Rechtsfozialfften ebensowenig vergessen rote di« der bürgerlichen Parteien, und üe wird ihnen schonungslos den Spiegel ihrer Krregspolitik vorhalten.
Die antisozialistische und friedens fein bliche Politik der ScheidemLnuer begann am 4. AugM 1914, als sie der Regierung Bethmann Hollwegs die Krieg skredit^ bewilligten und damit die Verantwortung für die Politik der Regierung Wilhelms II. mit übernahmen. Alle Versuche, diese Haltung zu beschönigen, sind vergebens.
Der Krieg war von der deutschen Militärpartei vom Zaune gebrochen worden. Die Kriegshetzer, di« um des Profits der deutschen Großkapitalisten und um der hohen Kriegsbezüge der Generalität willen Deutschland schon bei der Marok^oange- legenheit in den Krieg stürzen wollten, hatten ihr Ziel erreicht. Jahrelang hatten sie dafüt gerüstet und bas Volk mit den Kosten der Rüstungen auf das hättest« bedrückt. Die Klastengegenfätze hatten sich auf das sckärffte zugespitzt.
In dieser Situation galt es. Stellung zu nehmen zu der Re- giervngcpolitik. Es galt, den Masten zu sagen, daß die imne= rialistische Kriegenolitik die Fottfttmng der kapitalistischen Klastenpolitik ist Die Sozialdemokratie mußte jede Verantwortung für die RegierUngckpalitik ablehnen. Sie mußte dem Proletariat einen klaren Weg zeigen durch den Kriegstaumel.
Die Scheid-sn-aiincr aber haben nicht Stellung genommen gegen, sondernfürdieKriegsvolitikderRegierung.
Sie haben damit die Verantwortung übernommen für das Elend, in das der Krieg bas deutsche Volk gestürzt bat.
Sie haben sich damit zu Mitschuldigen der imperilaftischen Regierung oemarbt.
Sie haben die oppositionelle Stellung gegen die imperialistische Politik der Regierung auft. geben. In einem Augenblick wo es darauf ankam, die Mallon der Arbeiter mit revolutionärem Geist zu erfüllen« sie nor’vberetten auf die Entscheidungsschlacht geoen die bür--r^iche Gesellschaft, haben die Schei- f«u änner den Klastenkampf abgesagt. .
Da- w offenkundiger Verrat an der Sache bet Arbttker- boft. v tt an den Grundsätzen des sozialistischen Kampfes,
Verrat an bet Konterrevolution, bte durch den Weltkrieg eröffnet wurde.
Dieser Verrat war die Konieguenz jener Polittk, bte von den Gewerkschaftsführern systematisch propagiert wurde, jener Politik, die nur nach Augenblickserfolgen^ im Rahmen der kapita» lfftischen Gesellschaft hascht« und bte soziale Revolution als. wesenloses Ideal verhöhnte.
Mit der Kriegskreditbewilligung vom 4. August verließen die Scheidemänner den revolutionären Boden und wurden aus Sozialisten zu Sozialpatrioten. Di« ehrlichen Elemente unter ihnen haben es offen zugegeben. Konrad Hänisch schrieb in seine Buche „Die deutsche Sozialdemokratie in und nach dem Weltkrieg«^ das in einem bürgerlichen Verlage eruierten ist:
„Um alles in der Welt möchte ich jen« Tage inneren Kampfes nicht noch einmal durchleben, dieses drängend« Sehnen, sich hin einzu stürzen in den gewaltigen Strom der allgemeinen nationalen Hochflut, und von der andern Seite her die furchtbare seelische Angst, diesem Sehnen rückhaltlos zu folgen, der Stimmung ganz sich hinzugeben, die rings um einen herum brauste und brandete. Diese An-gst: wirst du auch nicht zum Halunken an dir selbst und deiner Sache . . . bis dann — ich vergesse den Tag und die Stunde nicht — plötzlich die furchtbar« Spannung sich löste, bis man wagte, das zu sein, was man doch war, bis man allen erstarrten Prinzipien und hölzernen Theorien zum Trotz zum erstenmal (zum erstenmal fett fast einem Vierteljahrhundett!) aus vollem Herzen mit gutem Gewisien und ohne jede Angst, dadurch zum Verräter zu werden, einstimmsn durfte in den brausenden Cturmgesang: Deutschland, Deutschland über alles!"
Es ist nicht bei dieser einen KriegskreditbewilligU"g geblieben. Der Verrat vom 4. August war lediglich der Beginn zu der arbeiter- und friedonsfeirrdlicben Kriegspolitik der Scheide- männen die durch viereinhalb Kriegsjahr« hindurch Verrat auf Verrat gehäuft haben.
Eine Ktteockreditbewilligung der Scheidemänner folgte der andern. Di« Politik Bethmann Hollwegs, die Politik Michaelis, di« Politik des Grafen Hertling ist von ihnen gedeckt worden. Sie, die es jetzt wagen, sich Revolutionäre zu nennen, hätten ohne Bedenken im November 1918 der Regierung des Prinzen Max von Vaden^riep-'^dite bewilligt, wenn nickt gegen ihren Willen! — die Revolutton diefem Kabinett ein Ende gemacht hätte. So haben die Scheidemänner stetig die Fortführung des Krieges ermöglicht, die Arbett für feine Beendigung zunichte machen helfen.
Die Folge dieses Verrntss der rechtssozialistischen Führer ist ■ es, daß jetzt das deutsche Proletariat gespalten ist. Die klaffen- bewußten Arbeiter aber sprechen ihr „Schuldig" über die Negierungssozialisten.
Sie sind mitschuldig an dem Elend, dem Hunger, der Not, die der Krieg über das deutsche Volk gebracht hat.
Sie sind mitschuldig an der ungeheuren wirtschaftlichen Last, die der Ktteg dem Volke nuferlegt hat.
Sie sind mitschuldig des.Verrates an der Arbeiterklaffe.
Darum am 19. Januar keine Stimme ber Scheidemännern!
Die Schuld am Blutbad des 24. Dezember.
Ebert, Scheidemann und Landsberg haben bekanntlich den Eindruck ihrer Bluttchnkd dadurch zu vertuschen gesucht, daß sie Vorgaben, sie hätten um der Rettung der Lebens Wels willen den Bekebl an den Kriegsminister erteilen muffen, gegen die Matrosen mit Waffen- aemalt vorzugehen. Es liegt auf der Hand, daß die Methode Blut und Ei'en das denkbar ungeeignetste Mittel zur Rettung eines mit dem Tode Bedrohten aus der Hand seiner Bedroher ist und deshalb mußte die Angabe von vornherein Mißtrauen erwecken. In der Tat hat denn auch der Auftrag, der dem Ätiegsnrinifter gegeben wurden ganz anders gelautet. In einem Schrei, ben, das die Genossen Haase, Dittman und Barth an den Zentralrat der A.- und S..Räte gericktet haben, wird mitgeteilt, daß der Kriegsminister ^cheück gegen die Darftslluus der drei rechtssozialistischen Volksheauftrsrteu en rüstet Einspruch erhoben bat, weil sie ihn mittelbar beschuldigt, durch seine Ausführung der Befehls bis Blutbad verschuldet zu haben. Denn zur Befreiung des Herrn Wels taste es natürlich bessere Mittel gegeben als ein Ultimatum von 10 Minuten und darauffolgendes Bombardement. Der Auftrag hat aber gelautet, „rücksichtslos mit militärischer Gewalt nörgligeren und den Widerstand der Matrosen zu brechen, um die Autorität der Megittuna zu wahren".
Dem Kriegsminister ist die Bekanntgabe seines Protests durch das Schreiben unserer Genosftn, dar in der Freiheit Pröffentlich wurde, freilich nicht ganz angenehm gewesen. Er hatte die Sache wobl im stillen mit der Regierung abmachen wollen, um die Rechtwzialisten, deren Regierungssührung ihm und dem Bürgertum ein Opfer wert scheint, nicht noch mehr vSr der Arbeiterschaft bloß usieNen. So stellt« Herr Scheuch zunächst durch Wolffr Bureau fest, daß er der Veröffentlichung bet