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Redaktion 648 — Expedition 281
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Redaktion 64» — Expedition 281
1919
Frieden und SoMIsterung.
DaS neue Regime hat eine furchtbare Erbschaft antreien müssen. Das vor dem Kriege wohlhabende deutsche Volk ist verarmt. Es hat keine Rohprodukte mehr. Sein Der» mögen ist verpulvert, die Schulden sind immens. 19 Milliarden sind mindestens jährlich aufzubringen, wie der Finanz- minister Schiffer auSfährt«. Der Feind steht int Lande. Unsere Kohlengebiete sind besetzt. Was das bedeutet, empfindet heute ein jeder am eigenen Leibe. Das ist die Erbschaft, die die alte Regierung der neuen hinterlassen hat. Es ist eint freche Lüge der Mirgerlichen, wenn sie fitzt, nachdem sie sich von ihrer ersten Betäubung erholt haben, behaupten, die Niederlage Deutschlands sei durch die Revolution veranlaßt, bis dahin habe die Front gehalten.
DaS deutsche Volk kann jetzt nur durch seine eigene Arbeit vor'm Untergang bewahrt werden. Es muß fest die Zügel in der Hand halten. Die Räte, die Arbeiter-, .Soldaten- und Bauern - Räte, die im November die Zügel der Regierung ergriffen haben, sie haben daS deutsche Volk vor der Anarchie, vor dem EhaoS, vor völligem Untergang gerettet. Sie haben ihre Aufgaben voll und ganz erfüllt. Es soll natürlich nicht geleugnet werden, daß hie und da Mißgriffe vorgekommen sind; aber alles in allem hat die neue Regierung in bewundernswerter Weise für Ruhe und Ordnung gesorgt. Die Demobilisation ist trotz der harten Bedingungen fast vollendet. Traurig gedenken wir der Hunderttausend« von Kameraden, die sich für den Kapitalismus unb Imperialismus, nicht für die Sach« des Proletariats verblutet haben. Auch tut eS uns bitterweh, daß noch Hundert- tausende in Gefangenschaft sind.
Die Räteregieru"g, die von der Entente anerkannt wurde (denn sie hat mit ihr den Waffenstillstand verlängert), die ^rbest^Mnd-t In wenigen Tagen finden die Wahlen zu den Nationalversammlungen statt. Wir haben nie ein Hehl daraus gemacht, daß der Zeitpunkt der Wahlen uns viel zu früh angesetzt zu sein scheint. Wir können nicht die M tverantworiung tragen, daß die wichtigsten Beschlüsse gefaßt werden, daß die neue Verfassung dem Staate gegeben wird, ohne daß alle Soldaten mitbest mmrn können. Hundertwusende sind bis dahin noch nicht zurücksekehrt. We in dem besetzten Gebiete unter dem Drucke der Entente eine Wahl ohne Beeinflussung möglich sein soll, wir wissen es nicht. Noch kennen wir nicht einmal die Grenzen des neuen deutschen Reiches. Wir müssen uns aber mit den Tatsachen abfinden. Der Wahltermin ist angesetzt, und da er so früh staufindet, so müssen wir dop- pelt und dreifach arbeiten, damit in die Nationalversammlung ein« sozialistische Majorität «inzieht. Die Sozialdemokratie muß mehr als die Hälfte der Sitze erringen! Das ist das Ziel! Eine andere Arbeit darf es in den nächsten Tagen nicht geben! Bekommt das neue Parlament eine bürgerliche Mehrheit, so find die Errungenschaften der Resolution erledigt.
Ueber den Rickfall der Wahlen zu prophezeien ist un- möglich. Die Zahl der Wähler hat sich gegenüber der letzten Wahl im Jahre 1912 verdreifacht. Zum ersten Male treten in diesem Jahre die 20— 24jâhrigen und die Frauen an die Wahlurne. Wir müssen damit rechnen, daß die Frauen, zumal im katholischen Deutschland, zum großen Teil gegen die Sozialdemokratie für das Zentrum stimmen werd n. Das Zentrum übt durch den Beichtstuhl eine große Macht über die Frauen aus. Wir kennen ja von früher her die Kampfmethoden des Zentrums, wie es unter Mißbrauch der Kanzel unter Androhung irdischer und höllischer Strafen die Gläubigen einzuschüchtern und seinen Absichten gefügig zu machen »ersteht. Vor keiner Lüge, vor keiner 6nist llung »eicht eS zurück, wenn es gilt, sein« Macht zu befestigen. Dem Zentrum gilt nur die klerikale Machtstellung, wenn auch darüber die Welt zn Grunde geht. An« klerikalen Gründen will das Zentrum auS Oberschlesten eine selbstständige Republik machen, die sich Deutichtand oder Polen W««» mram nfM.m *1 NffM^Fw^/Mm&a&aiaCTss^^
oder Tschechen anschließen soll. WaS kümmert eS daS Zentrum, wenn Deutschland zu Grunde geht? Dem Zentrum kommt es nur auf die Verpfaffung der Ländrr an. Alle- andere ist ihm gleich.
Die Jugendlichen werden, wie wir mit Bestimmtheit annehmen, zum großen Teil zur Sozialdemokratie stehen. Sie wissen, daß die Sozialdemokratie, die einzige Partei ist, die für die Volksgemeinschaft, für die Menschheit kämpft und. nicht für Partennteressen, während alle anderen Parteien ihre Privatinteressen stützen wollen, die nur einer kleinen Gruppe von Menschen denen. Aus Idealismus heraus werden daher die Jugendlichen schon zu uns stehen. Die Jugend der Arbeiterschaft aber weiß, daß der Sozialismus es ist, der für sie streitet. Rufen wir eS jedem Wähler, jeder Wählerin zu, alle bürgerlichen Parteien wollen die Privatwirtschaft, d. h. die Ausbeutung und Knechtung der arbeitenden Masse. Alle bürgerlichen Parteien haben ihr Programm ändern müssen, da das alte als phrasenhaft ersannt, beim Volke jeden Kr-dit verloren hat. Ein großes liberales Blatt, daS »Berliner Tageblatt", gibt z. B. zu, daß das neue Programm der demokratischen Partei keine Ähnlichkeit mehr mit irgend einem alten liberalen Programm habe! Und eben so ist es bei den andern bürgerlichen Parteien. DaS merkt Euch, ihr Wähler! Bis zu den Wahlen versprechen Euch alle Parteien den Himmel auf Erden. Nach den Wahlen aber geht die Profitgier, die Ausnutzung der arbeitenden Menschheit für einige wenige wieder kos. Dann To erben die Verspreckunoen vergessen fein. Dann wird man Euch auslachen, wenn Ihr mit Euren Forderungen kommt.
Eè gibt für den Arbeiter keine Wohl. Er muß sozialdemokratisch wählen! Aber dieses Mal treten zwei sozialdemokratische Parteien auf. We cher soll er seine Stimme geben? Dre Wahl kann einem denkenden Arbeiter nickt schwer werden! An den Taten, mehr an den Worten sollt Ihr die Parteier erkennen! Prust die Ser gangeuhest! Prüft, wer Eure Interessen während deS Krieges vertreten hat, wer die Revolution herbkigeführt hat. Die Unab- bänZige Sozialdemokratisch« Partei tritt mit reinem Schild vor Euch Sie hat ihre Versprechungen erfüllt, sie hat die Deicklüsse der sozialdemokratischen und interna,io- nalen Kongresse befolgt. Sie hat insbesondere als einzige Partei sich an die Beschlüsse der inter- nationalen sozialdemokratischen Partei- t a Fe von Stuttgart, Kopenhagen und Basel gehalten, in denen von allen Sozialdemokraten verlangt wird, daß sie im Falle eineS Krieges den Klassenkampf im eigenen La de zu führen haben, und uickt den Kampf gegen die Proletarier der andern Länder. Prüft, wsr für Euch ms Zuchthaus gelangen ist! Nur eine Partei hat die Lriegskredite ab - gelehnt, hat gegen das schändliche Hilfs- diensigesetz gestimmt, das Euch, Arbeiter, entrechtete, hat ihre Zustimmung denFrie- densverträgen von Drest-Litowsk und Bukarest versagt. Es war immer dieselbe Pär.ri, die als einzige handelte, während alle anderen Paris en, von den Ko i ervat ven bis zu den R'chrèsozialisten, die alte deutsche Regierung unterstützten. Die einzige Partei, die für Euch kämpfte, es war die Unabhängige Sozialdemo kratische Par -ei. Darum,Au rite iirb Arbeiterinnen, müßt Ihr alle in die Organ« ation der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei eintreten und Eure Stimme der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei geben.
Die Wahlen sind das wichtigste Ereignis deS neuen Jahres. Von dem Ausfall der Wahlen hängt es ab, ob das alte kap talistische-imperialistische Wirtschaftrsystem weiter herrschen soll, d;eS System mit seinem wirtschaft! chen Chaos oder ob die sozialistische We tordnung ihre Heirschaft antreten soll. Der Kap taliSmus b -deutet Ausbeutun« und neue Kriege. Der Sozialismus bedeutet Solidarität an*
stelle der Interessengegensätze, bedeutet daher dauernde» Frieden.
Die Wahlen find nicht nur für Deutschlands Politik bedeutsam. Von ihrem Ausfall hängt auch die äußer« Politik ab, die Entscheidung über die Kolonialpolitik, über den Frieden usw. Das neue Jahr soll der Menschheit end« lich den Frieden bringen. Wer wird wohl den Vergee waltigungsabsichten der kapitalistischen Entente anZrgiiche» entgeczentieten können, diejenigen Parteien, die für bie Annexionen großer Landstriche eintraten, als das Kriegsglück Deutschland hold war, oder die Unabhängige Sozialdemokratische Partei, die einzige Partei, die stets für das Selbstbestimmungsrecht derVâlker eintrat, gleich ob diese Völker dem deutschen Rnchsverband ober dem Ausland angehörten. Nur wer gegen den Frieden von Brest-Litowks und Bukarest^stimmte, hat daS Recht gegen die beabsichtigten Annexionen der Entente aufzutreten. Wer aber den Friedensvenrägen von Brest-Litowsk und Bukarest zustimmte, wer den Elsaß-Lothringern das Selbstbestimmung«- recht absprach, der darf auch heute nicht klagen, wenn nach demselben Rezept mit dem besiegten Deutschland verfahren wird. Die einzige Partei, die gegen die Friedensverträge von Brest-Litowsk und Bickarest auftrat, die einzige Partei, b e das uneingeschränkte Sclbstbesiimmungsrecht für Elsaß- Lothringen und für alle anderen Völker immer wieder und immer wieder verlangte, diese Partei war die Unabhängige Sozialdemokratische Partei.
DaS Jahr 1919 ist entscheidend für Deutschlands Zukunft und für die Zukunft der ganzen Menschheit. Der Friedensschluß und die Wahlen zu den Nationalver'ammlu'^gen geben dem neuen Jahr ihr Gepräge. Wollen wir unser Ziel erreichen, so muß das Jahr 1919 ein Kampfjahr werden, ein Jahr, in dem jeder Arbeiter und fete Arbeiterin in den Reihen der Unabhängigen Soziatoemokratijchcn Pariei gegen den .^ a p i.i-at i 8« muS und Imperialismus und seine mehr oder minder versteckten Anhängar sümpft für die z
Unabhängige Sozialdemokratische Partei und für die
»ölkerbefreiende Internationale.
Die Lage der Ostfront.
Aus dem Osten fckreibt ein Landsturmmcrnn:
Soeben les: ich in der „Lus-Zeitung", dem „Nachrichtenorgcn des großen Soldatenrates der Etappe Bug" einen geharnischten Protest des Zeniralrates der Ostfront gegen die'„Leipziger Volks, zeitung", weil diese unter dem Artikel „Eine gsgenrevolutio-imr« freiwillige Arm«; im Osten" gegen den Zentralrat der Ostfront ausgetreten war. Ich habe den Artikel selbst nicht gelesen, die Bug-Zeitung veröffentlichte auch nur den Protest des „Zentral- rates , ich weiß also nicht, gegen was eigentlich protestiert wurde; aus dem Inhalt aber ging hervor, daß die Leipzig»! Volkszeitung dem 3er.tr airai der Ostfront gegenrevolutionäre Tendenz vor- warf. Und da muß ich sagen: „So ganz unrecht hat die Leipziger Volkszeitung lewer Hiebt Das ganze Gebaren der Soldatenräte der Ostfront, an ihrer Spitze der Zentralrat in Kowno, ist ein solches, daß auch dem politischen Laien die Richtung klar wurde: Gegen links! Mit der Warnung gegen den „Bolschewismus" wurden die Soldatenräte ins Leben gerufen. Die erste selbst an« biege Handlung war: Forderung schleunigster Einberufung bet Nationalversammlung und Protestresolutionen gegen Spartakus. Dagegen sah und hörte man nichts von einem Protest gegen all die Machenschaften von rechts. Im Gegenteil, in der Bialy, steter Zeitung", dem Organ des großen Soldatenrates von Bialy, stet, wurde in der Nummer vom 11. Dezember die Gefahr einet Gegenrevolution von rechts als „Faselei bezeichnet. Von recht« sei keine Gefahr zu befürchten, nur von links drohe dem beirtfdjen Solle und ferner Revolution Gefahr.
Offiziell wollte man in den Soldaten raten unpolitisch sein, Die „Sicherung unb Beschleunigung des Abtransportes der Trup. pen" wurde im Programm als Hauptaufgabe bezeichnet, systematisch aber wurde und wird gegen links gearbeitet. Zu einem kurzen Protest gegen rechts, 'Mgen den Streich Fehrenbachs, konnte sich der „Zentralrat der Ostfront" nur auf das Berlange« seiner Delegation in Berlin verstehn. Und was die „Freiwilligenarmee" anbetrifft, ich weiß nicht, ob wirklich gegenrevolutionäre Absichten damit verbunden waren. Alles aber beutete
Ein neuer Krieg fteht vsv den Coren!
„Man w;iß" — so schrobt bie »Frankf. Ztg." —, daß bie Reichsleitung, naébtm bie Demobilisierung unb Sntwaffnmiz der z«:ückzek«hrtru Trupp« das Deutsche Reich tatsächlich wehrlos gemacht h-t, vsr dem Entschlusse steht, wieder eine schlagfertig« Wehrmacht zu bilden, bie den
Frieden nach innen und nutzen
zu sichern imstande W foV Hinter bem «erlange« des „Vorwärts" stehe« die demskratische», liberale«, fonfetuatiue» ««d Ze«tr«msblätter.
«ein w Unabhängige Partei stemmt sich mit aller Kraft gegen neues Morden, neues Elend, neue Verwüstungen fruchtbarer Länderteile!
Arbeiter, Arbeiterinnen, Mütter und Väier! Di' neue Regierung der Mebrheiiè'ozialdemelraten unter Führung Sbert-Gcheidrman« moSHiftbrt und treibt W« neuen ^iegt
DavNM! H-raÄs aus der alte« Partei u«d hinein in die Reihen der Unââtrgigen Gozialdem-lrate«!
Melduuae« »âMt das Pa.teibüro des Unabhängigen Wahleerem« Hanau. Müblstraße 2a, entgegen. -