Bezugspreis»
Si«rLckvngsgeLStzr:
Di« -gespaltene Petitzette oder deren Raum 20 Pfg. tm RettameleU die Zette 50 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei de» verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Gcncrai-Änzkilscr
Amtliches Grgs« für Stadt- and Landkreis Sanaa.
Viertelsohrlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für PlP bezug vrerteljährlich 2.10 Mk.. monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Nedakteur: E. Schrecker in Hanau,
Nr. 296
^trttfwdmindihtf; Nr. 2.30
Frcitltst bett 19. Dezember
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1913
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16 Seiten.
Hanvelsregister.
Firma : J. D. Weinig & Sohn in Hanau.
Die Firma ist erloschen.
Eintrag des Königlichen Amtsgerichts in Hanau,
Abteilung 6, vom 15. Dezember 1913. 31385
Wegen Abschlußarbeiten bleibt die Leihbank für den Sparkassenverkehr vom 24. bis 31. Dezember geschlossen.
31395 Leihbank Hanau.
Allgemeine Ortskrankenkasse
Hanau — Stadtkreis, Bangert 4.
Bekanntmachung.
Da unsere seitherigen Kassenärzte in Stadt und Land infolge Verbands-Beschluß die Verträge die sie mit uns geschlossen auf den 31. Dezember d. J. gekündigt haben, und es dem Vorstand nicht gelungen ist, neue Verträge mit den Genannten abzuschließen, hat der Vorstand bei dem Oberversicherungsamt beantragt, seinen erkrankten Mitgliedern vom 1. Januar 1914 ab für die Dauer der ärztlichen Weigerung, ein erhöhtes Krankengeld zahlen zu dürfen; Arzt und Apotheke sind in diesem Falle von den Mitgliedern zu zahlen.
Für Hanau-Stadt hat der Vorstand mit nachgenannten Aerzten; Dr. med. Sandlos, Dr. med. Georg Wagner und Dr. med. Kolb, homöopathischer Arzt, Verträge ge- schlosien.
Diejenigen Mitglieder, welche sich auf einen der genannten Aerzte umschreiben lasten wollen, können dies zweckmäßig jetzt schon bei unserer Kaste mündlich oder schriftlich beantragen und werden entsprechende Ausweise vom 2. Januar 1914 an an den Kastenschaltern verausgabt ; andere oder ältere Ausweise sind zurückzugeben.
Um etwaigem Aerztemangel nach Möglichkeit zu steuern, werden vom 2. Januar 1914 an in einem besonderen Zimmer unseres Kassenlokales
allgemeine Sprechtage eingerichtet und haben die Mitglieder, deren Krankheit es gestattet, daß sie diese Sprechstunden besuchen können, und denen ein Arzt infolge der Kündigung der seitherigen Kastenärzte nicht zugeschrieben werden konnte, Gelegenheit, ärztlichen Rat und Hilfe zu erhalten.
Näheres über die Vergütungen und allgemeine Sprechstunden wird demnächst veröffentlicht werden.
Hanau den 19. Dezember 1913. 31377
Der Vorstand.
Kiefer, Vorsitzender.
Politische Rundschau.
MS Nachspiel zur Zaberner Affäre bringt die „Lorraine" die Mitteilung, daß der Straßburger Universttâts- Professor Martin infolge der Stellungnahme des „Elsässer" in der Zaberner Affäre seine Demission als Mitglied des AulsichtsratS des „Elsässer" gegeben habe.
Aus dem dänischen Reichstag. Gestern wurde im dänischen Reichstag von der Regierung eine Gesetzesvorlage eingebracht, die Erleichterungen für die ausländischen Geschäftsreisenden in Dänemark bringen soll. Während diese bisher die Erlaubnis zur Ausübung ihrer Tätigkeit nur erlangen konnten, wenn sie sich persönlich bei Zoll- und Polizeibehörden vorstellten, können sie sich für diesen Zweck nach der Vorlage durch Bevllmächtigte vertreten lassen. Sie brauchen sich auch nicht mehr wie jetzt der Polizei in' jeder von ihnen besuchten Stadt persönlich vorzustellen, sondern haben nur den Erlaubnisschein auf Verlangen vorzulegen.
Die ungarische Delegation nahm das Budget des Ministeriums des Aeußern im allgemeinen an. Bei Verkündigung des Beschlustes erklärte der Präsident der Delegation, er spreche dem Minister des Aeußern sein Vertrauen und seine Anerkennung aus. Im Laufe der Spezialdebatte erklärte Graf Apponyi, die Opposition halte sich der Abstimmung fern; sie würde, wenn sie daran teilnahme, gegen den Dispositionsfonds stimmen, aber nur aus Mißtrauen gegen die ungarische Regierung, denn für die Person des Ministers des Aeußern, des Grafen Berchtold, hege die Opposition vollstes Vertrauen und Bewunderung. Alsdann wurde das Budget im einzelnen angenommen. Darauf nahm die Delegation das bosnische Budget an, sowie den Voranschlag des gemeinsamen Finanzministeriums womit die meritorischen Beratungen der Delegation erledigt sind.
Zum' Krankenkaffenstreit.
W. Berlin, 18. Dezember. Der Staatssekretär des Innern empfing heute, im Beisein des preußischen Handels- ministers, des Landwirlschafisminisi rs und des Ministers des Innern die Geheimen Mediznalräte und Professoren Dr. Passow, Dr. Orth und Dr. Kraus von der Berliner Universität, welche namens der medizinischen Fakultäten der deutschen Universitäten der Regierung den dringenden Wunsch ans Herz legten, bei dem Streit zwischen den Aerzten und Krankenkassen sich stets des ärztlichen Staudes im Rahmen der bestehenden Gesetze wohlwollend anzunehmen. Mit den Vertretern der Fakultäten wurde das Für und Wider der Standpunkte der Krankenkassen und der Aerzte durchgesprochen, und der Staatssekretär des Innern erklärte seine Bereitwilligkeit, Ausgleichsverhandlungen zwischen den Aerzten und den Krankenkassen herbeizuführen, sofern beide Teile damit einverstanden seien. Es wurde den Vertretern der Fakultäten eine Skizze vorgelegt, die nach Ansicht der Regierung als Grundlage ffür solche Verhandlungen dienen konnte. Falls die Beteiligten bereit seien, in diese Verhandlungen einzutreten, müßte überall, wo es zu Vertragsabschlüssen zwischen Aerzten und Kassen noch nicht gekommen ist, zunächst mit Geltung vom 1. Januar 1914 ab, ein dreimonatiges Interimistikum auf der Basis der zwischen den Kaffen und den Aerzten gegenwärtig geltenden Vereinbarungen geschaffen werden, damit Zeit jur Verständigung gewonnen wird. Die Vertreter der medizinischen Fakultäten übernahmen es, in diesem Sinne mit den ärztlichen Organisationen in Verbindung zir treten.
Die Zustände in Persien.
W. Teheran, 18. Dezbr. Die Regierung ist äußerst besorgt wegen heftiger, an Aufruhr grenzender Unruhen in Kurdistan. Zur Unterdrückung der Unruhen ist Sardar Muh zum (Gouverneur von Kurdistan ernannt worden, doch wagt er vorläufig überhaupt nicht, sich dorthin zu begeben.
W. Täbris, 18. Derbr. Die diesige Geistlichkeit erhob in Teheran auf telegraphischem Wege Protest gegen die dortige Presse, die bestrebt sei, in Aserbeitschan Unruhen hervorzurufen. Die Geistlichkeit erklärte, sie werde ein Spiel mit der Verfassung nicht zulassen. — Aus Sendschan sind Meldungen eingetroffen über eine Gärung unter der Bevölkerung, die mit Teheran unzufrieden ist, das auf die friedliche Bevölkerung gewaltsam einwirken wolle, um die Wahlen durchzusetzen.
Börsenpanik in Konstantinopel.
Konstantinopel, 18. Dezbr. Verschiedene Kreise stellen fest, daß das Rundschreiben des französischen Finanzmimsters, in dem den Banken untersagt wird, an das Ausland Anleihen und Vorschüsse zu gewähren, sowie die Schwierigkeiten, denen die Durchführung der Schatzschein-Transaktion der Pariser Firma Perrier begegnet, deren Vertrag 'eit 10 Tagen unterzeichnet ist, eine finanzielle Krise geschaffen haben. Heute nachmittag herrschte auf der hiesigen Bölse Panik. Die türkischen Konsols verloren ra'ch mehr als zwei Punkte und fielen bis auf 92’/8. Die Regierung sah sich genötigt, zu intervenieren und Speklllanonsge'chäfte zu untersagen. Der Eingang in das Dör'engebände war polizeilich bewach«. Der sranzöffsche Botschafter Bompard ist von seiner Regierung nach Paris berufen worden. In verschiedenen Kreisen verlautet, daß die Reise des Botschafters mit der Schatzscheintransaktion der Firma Perrier zusammenhängt.
Ein SnlmlM unserer nationalen 3üfen|t.
Ein bekanntes Wort unserer Zeit lautet: „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft." Man könnte dieses Wort aber auch mit nicht minderem Rechte päriieren und sagen: „Wer die Frauen hat, hat die Zukunft." In der Tat kommt vieles, wenn nicht alles darauf an, daß ein Volk seinen weiblichen Teil bei nationaler Gesinnung zu erhalten und vor zerstörenden Tendenzen zu bewahren vermag. Die englischen Suffragetten sind ein abschreckendes Beispiel, wohin das Gegenteil zu führen imstande ist.
Zu solchen Gedanken fühlt man sich bei der Lektüre eines soeben erschienenen Bändchens von Novellen angeregt, das den Titel „Der Krieg und die Frauen" führt und aus der Feder der rühmlichst bekannten Schriftstellerin Thea von Harbou stammt (Verlag: J. G. Cottasche Buchhandlung Nachsolger Stuttgart und Berlin, Preis 2.60 Mark). Nicht auf dem Wege dürrer Abstraktion, sondern auf demjenigen lebendiger, plastischer Anschauung werden wir hier mit einem der wichtigsten Erfordernisse unserer nationalen, völkischen Zukunft vertraut gemacht. Jy den herrlichen Frauengestalten, die uns mitten in Kriegesbrand und Kriegesnot Thea von Harbous künstlerische Federzeichnung vor- führt, erscheint uns das Ideal der deutschen Frau verkörpert. So und nicht anders müssen Deutschlands Frauen beschaffen fein, wenn seine Zukunft gewährleistet sein soll.
Wer die Geschichte der Völkerkämpfe mit oberflächlichen Augen liest, der könnte meinen, daß der Krieg den Frauen nur ein Amt überträgt: das der Pflegerin, der barmherzigen Schwester. Und in der Tat ist das eine Aufgabe, die der Natur des Weibes am stärksten entspricht, und deren Durchführung eine unerhörte Summe von Selbstverleugnung und Pflichtbewußtsein fordert. Und doch erklärt die Verfasserin des Buches mit -vollstem Rechte, daß die Pflicht der Barmherzigkeit nicht die einzige und nicht die größte des Weibes ist. „Wenn das Vaterland sein Volk zum Kriege ruft, so verlangt es von den Frauen Opfer, die tausendmal schwerer sind, und in der Erfüllung dieser Opfer liegt wahrlich etwas Herrisches durch die Selbstverständlichkeit, mit der sie gefordert und dargebracht wird."
Das schweigende Heldentum der Mütter und Schwestern, der Gattinnen und Bräute, die tapfer das Leid der Trennung auf sich nehmen als ein Notwendiges, Heiliges und ihr eigenes Schicksal dem Schicksal des Vaterlandes unterwerfen, sind zweifellos des höchsten Ruhmes würdig. Es ist genau so, wie Thea von Harbou schreibt: die innere Größe eines Volkes offenbart sich ebenso lebendig in der Gesinnung seiner Frauen wie durch die Taten der Männer, und die Frauen sind ebenso berufen, an der Entwicklung ihres Landes mitzuschaffen wie der Mann. „Die Frau von heute, die sich nach großen Aufgaben sehnt — hier findet sie die größte: Trägerin der Zukunft soll sie sein. Denn der sittliche, der seelische Einfluß der Frauen ist der Boden, auf dem unsere Jugend heranwächst. Das Volk, desten Mütter ihre Söhne zum höchsten Pflichtbewußtsein gegen das Vaterland erziehen, desten Frauen zu jeder Stunde bereit sind, ihm das Liebste, das sie haben, zum Opfer zu bringen, das darf der Zukunft stark und getrost entgegenschauen. Es ist gerüstet Wohl dem Lande, über das eine feste und besonnene Herrscherhand den Schild des Friedens hält! Wohl aber auch dem Herrscher, der hinter sich ein Volk weiß, das den Frieden niemals um den Preis feiner Ehre, seiner Größe und Zukunft erkauft sehen will, desten Männer und Frauen ent- schlossen sind, ihrer Pflicht gegen das Vaterland getreu zu fern — bis in den Tod!"
Das klingt anders als die Versöhnungsrhapsodien und die Friedensschalmeielf Bertha von Suttners, die nur geeignet sind, die Völker zu entmannen und ihnen die Kraft zur Selbstbehauptung zu rauben. In der Tat besitzen wir in der Gesinnung von Frauen, die wie Thea von Harbou und die Heldinnen ihrer Dichtung denken und handeln, das sicherste und glänzendste Unterpfand unserer nationalen Zukunft. Darum möge sich Deutschlands Frauenwelt ganz mit dem Gel st flammender Vaterlandsliebe erfüllen, der aus dem Buche „Der Krieg und die Frauen" zu ihnen spricht. Auf jebem Familientische sollte es seine Stätte finden. Es ist der Geist, der unserm Volke Glück und Dauer verbürgt.
WllktMWm Md MMWtZM.
Mit einer erfreulichen Beschleunigung ist die in der Medizinalabieilung des preußischen Ministeriums des Innern audgeai beitete Zusammenstellung über den Stand und die Entwicklung des Gesundheitswesens in Preußen für das Jahr 1812 erschienen. Der Gesamteindruck, den die Uebersicht macht, ist zweifellos günstig zu nennen, und in mancher Hinsicht lassen sich bebeutfame Verbesserungen im öffentlichen Ge- sundhenswe'en Preußens ferstellen. Andererseits aber läßt sich auch nicht leugnen, daß ein schwarzer Schatten vorhanden ist, der mehr noch als in den vorhergegangenen Jahren das günstige Bild zu trüben geeignet ist: Die Zunahme des Geburtenrückganges, die sich im Jahre 1912 gezeigt hat. In dem Berichtsjahre konnten auf 1000 Einwobner nur noch 28,88 Lebendgeborene verzeichnet werden. Allerdings ist die Differenz gegenüber dem Jahre 1911, wo auf 1000 Einwohner 29,36 Lkbendgeborene kamen, nicht so erheblich, rote in den beiden vorheraehenden Jahren, in denen die Abnahme- unterschiede 1,47 bezw. 1,17 betrugen, aber auch der Unterschied von 0,43 zwischen 1912 und 1911 ist höchst bebauet* Heb, weil er eben ein Andauern des Geburtenrückganges erkennen läßt. Der Trost, daß der Rückgang im vergangenen 3abre nicht so groß gewesen ist wie in den beiden vorhergehenden Jahren, ist zu nichtssagend, als daß er über diese Tatsache hinwegtäuschen könnte. Gewiß, wir haben immer noch einen erheblichen Geburtenübel schuß über die Sterblich- keitszifstr zu verzeichnen, ja dieser Ueberschuß ist im Jahre 1912 nicht unerheblich größer gewesen als im Jahre 1911, aber diese Erscheinung ist ausschließlich auf die Herabmindc- rung der Sierblichkeitsziffer zurückuffWen. Tatsächlich ist die Sielblichkeitsziffer m Preußen im vergangenen Jahre so niedrig gewesen wie nie zuvor. Es sind nämlich im Berichtsjahre nur 15,49 von 1000 Personen gestorben. Im Jabre 1911 betrug die Verhältnisziffer 17,21, im Jahre 1910 16,17, Die Folge dieser Verminderung der Sterblichkeit war eine Zunahme des^ Bevölkerungszuwachses, indem der Ueberickuß der Zahl der Lebrndaedsrenen über die