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Rotationsdruck und Verlag der vuchdruckerei de» verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Gencrai-Änzeiger.

Amtliches Organ für §tadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Hamm»

Nr. 295

^ertifvredxitifdihth Nr. 230.

Donnrrötng den 18. Drzemver

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1913

Sie heutige Mummet «mW nullet dem tlntetDaltunssblati 13 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

viehseuchenpolizeiliche Anordnung.

Unter Bezugnahme auf die viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 13. d. Mts. in Nr. 291 und 292 des Hanauer Anzeigers wird in Erweiterung des Verbots der Abhaltung der hiesigen Viehmärkte auf Grund des § 18 des Diehfeuchengefetzes vom 26. Juni 1909 zum Schutze gegen die Seuchengefahr noch folgendes bestimmt: Das Beschicken der hiesigen Warenmärkte mit Schweinen wird bis auf weiteres untersagt.

Hanau den 15. Dezember 1913. P 13799

Königliche Polizeidirektion. '

I. A.: Karbe.

Bekanntmachung.

Im 1. Obergeschoß des Hauses Wolfsgaste 6 sind zwei Wohnungen, bestehend aus je 2 Stuben, Küche und kleiner Kammer, alsbald zu vermieten.

Auskunft wird auf Zimmer 27 des Rathauses erteilt. Hanau den 5. Dezember 1913. 30223

Der Magistrat.

I. A.: Ehrich.

LMivirtschastlicher Kreisverein Mini.

Nächste Versammlung Samstag den 20. d. Mts., nachmittags 21/« Uhr, im Gasthausznm goldnen Löwen" hier.

Tagesordnung.

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Vortrag des Herrn Profestor Dr. Berghoff, Ising, Darmstadt, über:Die deutsche Zollpolitik und unsere Lebensmittelversorgung."

3. Fortsetzung der Besprechung über die im Jahre 1915 abzuhaltende Kreistierschau.

4. Sonstiges.

Die Herren Bürgermeister wollen vorstehende Be­kanntmachung in den Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen lasten.

Hanau den 13. Dezember 1913.

Der Vorsitzende.

Frhr. Laur, Landrak.

Politische Rundschau.

Der Termin der Reichstagsersatzwahl in Nosenberg- Löbau in Westpreutzen für den verstorbenen Reichsparteiler Zuern-Beschwitz ist auf den 21. Januar angesetzt worden.

Zum 50. Geburtstag des österreichischen Thronfolgers. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt:Erzherzog Franz Ferdi­nand vollendet am 18. Dezember sein 50. Lebensjahr. Auch in Deutschland wenden sich an diesem Tage warme Sym­pathien dem hohen Herrn zu, desten Bild in starker, ernster Männlichkeit vor den Augen der Zeitgenosten steht. Ehr­erbietige Glückwünsche gelten dem treuen Freunde unseres Kaisers und zielbewußten Mitarbeiter an der Erstarkung der Wehrmacht Oesterreich-Ungarns zu Lande und zur See, dem Vorkämpfer für ein kraftvolles Habsburgerreich, mit besten Zukunft sich Deutschland eng verbunden fühlt."

Die Diamantenkontigentjerung und die Förderer. Gegen das Reichskolonialamt haben die Förderer die Fest­stellungsklage anzustrengen beschlossen, um gerichtlich fest­stellen zu lasten, daß die Anteile der Diamantenregie ent­gegen der Ansicht des Reichskolonialamts noch im Besitz der Förderer sind. Außerdem fanden Besprechungen zwischen den Förderern und den Regierungsvertretern im Reichs­kolonialamt statt, in denen der Kontingentierungsplan er­örtert wurde. Die Förderer beabsichtigen gegen den vom Reichskanzler herausgegebenen Plan Stellung zu nehmen, jedoch glaubt man an zuständiger Stelle, daß die Einwen­dungen der Förderer keinen Erfolg haben dürften. Die Entscheidung wird in den nächsten Tagen erfolgen.

Die Aufwandsentschädigungen der Familien mehrerer zum Militärdienst herangezogener Söhne. Wie dieStord- deutsche Allgemeine Zeitung" bekannt gibt, werden zurzeit die Ausführungsvorschriften ausgearbeitet betreffend die Aufwandsentschädigungen an solche Familien, wovon be­reits drei Söhne ihrer gesetzlichen zwei- oder dreijährigen Dienstpflicht als Unteroffizier oder Gemeiner genügt haben oder genügen. Augenblicklich könne daher über die zahl- reichen Anträge hierzu noch nicht entschieden werden. Die Beträge sollen nachträglich in Halbjahrsrenten und zwar *

die ersten Halbjahrsraten von 120 Mark Anfang April 1914 gezahlt werden.

Ein nichtbestätigter Geistlicher. Das königliche Kon­sistorium in Münster hat den als Nachfolger des ehemaligen Pfarrers Traub gewählten Licentiaten, Pfarrer Fuchs aus Rüstelsheim, die Bestätigung versagt, weil er wegen seiner Stellungnahme gegen das Spruchkollegium aus Anlaß des Falles Jatho für den Dienst in der preußischen Landes­kirche nicht geeignet fei.

Der Preußische Aerztekammerausfchuß hat soeben ein­stimmig nachstehende Resolution gefaßt: Der Ausschuß der Preußischen Aerztekammern bedauert auf das lebhafteste den die Differenzen zwischen Aerzten und Krankenkaffen be­rührenden gemeinsamen Erlaß der drei Herren Minister für Handel und Gewerbe, für Landwirtschaft und des Innern vom 2. Dezember 1913, vor dessen Hinausgabe die staat­liche StandeSvertreiung der Aerzteschaft leider nicht gehört worden ist. Während nämlich die Reichsve>stcherungS- Ordnung in den §§ 406 und 407 den Krankenkassen ohne weiteres die Möglichkeit gibt, sich zum Zwecke des Abschlusses gemeinsamer Verträge mit Aerzten innerhalb eines Der- stcherungsamtes zu einem Verband zusammenschließen und mit Genehmigung deS Oberversicherungsamtes solche Ver­bände sogar auf ben Bezirk mehrerer Versicherungs« »ter zu organisieren, soll gemäß dieses Erlasses die Forderung organisierter Aerzte, den Kassenarztvertrag durch und mit der ärztlichen Organisation abzuschließen, eine unangemessene Be­dingung im Sinne des § 370 R.-D.-O. darstellen. Für Krankeukasten und Aerzte muß aber das gleiche Recht gelten. Der Ausschuß der Preußischen Aerztekammern befürchtet daher, daß die preußischen Aerzte in dem erwähnten Erlasse, der in bemerkenswertem Gegensatz -u dem Verhalten der Re­gierungen anderer Bundesstaaten in der gleichen Angelegen­heit steht,eine schwere Beeinträchtigung ihres Koalitions- rcch es erblicken, und daß sie durch denselben von neuem er­bittert werden, nachdem sich soeben erst ihre Erregung durch die Reichsgerichtsentscheidung über die Rechtsfähigkeit der Kaffenarztvereine wieder gelegt hatte. Außerdem aber ist von dem Erlaß auf das Ernsteste zu besorgen, daß er bei seiner praktischen Durchführung schwere Gefahren für die gesamte öffentliche und häusliche Gesundheitspflege heraufbeschwört. (Die betreffende Vorschrift lautet:Soweit die Kasse nicht durch eigene Aerzte oder Einrichtung einer Art Poliklinik die erforderlichen Bescheinigungen erhält, können Bescheinigungen von Kassenkontrolleuren, Gemeinde- und Gutsvorstehern, Arbeitgebern, Hebammen, Schwestern oder anderen Personen von hinreichender Zuverlässigkeit und Sachkunde, endlich Augenschein deS Kassenvorstandes in Frage kommen. Schließ­lich bleibt bei Streit Vernehmung des Arztes als Zeugen oder Sachverständigen vor Versicherungsamt oder Gericht.") Zugleich drückt der Ausschuß für die bevorstehenden Kämpfe um ihre lebenswichtigsten Interessen der Aerzteschaft seine wärmste Sympaihie auS.

Annahme des Marinebudgets in Ler Österreichischen Delegation. Die österreichische Delegation nahm am Diens­tag das Budget der Kriegsmarine an. Im Laufe der De­batte bekämpfte der Marinekommandant Haus die Ein­wendungen der sozialistischen Redner wegen des Baues von Dreadnoughts und führte mehrere Beispiele aus den jüngsten Kriegen an, um die große Bedeutung der See­herrschaft für den Ausgang eines Krieges darzutun. Der Marinekommandant dankte schließlich den Delegierten, namentlich den Rednern des deutschen Nationalverbandes, für ihre anerkennenden Worte für die Marine. Die Dele­gation begann darauf die Verhandlung des Kriegsbudgets.

Kardinal Rampolla f. In Rom ist Kardinal Ram- polla gestorben. Bei dem Verstorbenen wurden bereits im Sommer Symptome von Angina pectoris (Brustbräune) festgestellt, aber erst seit einigen Tagen klagte der Kardinal über Kältegefühl. Noch Dienstag nachmittag fand der Arzt keine ernsten Symptome. Dienstag abend trat Atemnot ein und später der Tod. Die Leiche des Kardinals wird in vollem Ornat aufgebahrt zur öffentlichen Schau.

Keine unvorhergesehenen Mehrausgaben für die eng­lische Flotte. Der englische Premierminister Asquith emp­fing gestern eine Abordnung der Liberalen, die auf die Beunruhigung in der liberalen Partei angesichts der zu erwartenden Erhöhung in den Voranschlägen für die Ma­rine hinwies. Die Unterredung war vertraulich. Dem Vernehmen nach versicherte Asquith der Abordnung, er wisse von keinen anderen Mehrausgaben, als den bereits genehmigten, die selbsttätig in Wirkung traten.

England geht offiziell nach San Franzisko? Wie die Times" erfahren, besteht Grund zu der Annahme, daß sich England doch noch offiziell an der Weltausstellung in San Franzisko beteiligen wird. |

Kämpfe in Ecuador. Wie aus Guayaquil in der Re- ; publik Ecuador gemeldet wird, haben die Insurgenten die Regierungstruppen geschlagen und die Stadt Esmeraldas j erobert. Beide Parteien hatten große Verluste.

Sie Simulation les Mfontrieaes.

Der englische Vorschlag.

London, 16. Dezbr. Wie das Reutersche Bureau erfährt, wurde die britische Zirkularnote über Albanien und Sie Aegäischen Inseln am Samstag den Mächten überreicht. Sir Edward Greys Ansicht war dabei, nicht neue Fragen aufzuwerfen, sondern nur den Regierungen, die auf der Botschafterkonferenz vertreten waren, konkrete Vorschläge für eine unparteiische und schleunige Liquidation der noch nicht entschiedenen Details zu machen, die zu Reibungen und Schwierigkeiten führen könnten, wenn sie unerledigt blieben. Die britische Note besteht aus 10 Paragraphen, Lie unter drei Rubriken fallen: 1. Epirus und die Frist der Räumung der Gebiete durch die Griechen, die an Albanien fallen; 2. die Aegäischen Inseln. die von Griechenland okku­piert worden sind und 3. die Aegäischen Inseln, die von Italien okkupiert sind.

Die Demarkierung der griechisch-albanischen Grenze bleibt der internationalen Kommission überlasten. Die Räu­mung durch die Griechen hätte nach dem Beschluß der Mächte bis zum 31. Dezember stattfinden sollen, aber Voraussetzung war, daß die Arbeiten der Kommission am 30. November abgeschlossen wären. Da dies nicht der Fall ist, so wird jetzt vorgeschlagen, daß die Räumung Mitte Januar vollendet sein soll.

Was die Aegäischen Inseln betrifft, die von Griechenland okkupiert sind, so weist die Note darauf hin, daß die Kon Zessionen, die von Griechenland mit Bezug auf Epirus ver­langt wurden, durch eine Kompensation in den Aegäischen Inseln ausgeglichen werden sollte. Der frühere Vorschlag, daß Griechenland Chios und Mytilene aufgeben soll, wird jetzt fallen gelasten, und es wird nur eine Garantie ver­langt, daß Griechenland auf den Inseln keine Befestigungen und keine Flottenstationen aufführen soll, und ferner eine Garantie gegen Kontrebande von der gegenüberliegenden Küste. Mit Ausnahme von Jmbros und Tenedos sollen alle diese Inseln im griechischen Besitze bleiben.

Mit Bezug auf dir Inseln, die von Italien okkupiert finb, wird vorgeschlagen, daß sie der Türkei zurückgegeben werden sollen, wenn der Friedensvertrag von Lausanne ausgeführt ist. Die Inseln sollen dann eine gewiste Selbst­ständigkeit unter dem Sultan erhalten. Da die Pforte Ver­fügungen erlassen hat, wonach dte Militär- und Zivilbe Hörden aus Tripolis zurückberufen worden sinL, so könnte der Friedensvertrag von Lausanne jetzt im wesentlichen als ausgeführt betrachtet werden, obwohl sich einige wenige türkische Offiziere entschlosten haben, sich mit den Arabern zu identifizieren.

Die Jnselfrage.

W. Rom, 17. Dezbr. DieAgenzia Stefani" meldet aus London, daß die Nachrichten einiger Zeitungen, unter ihnen die derTimes", unrichtig sind, nach denen die eng­lische Regierung die italienische davon verständigt haben soll, daß nach einer Mitteilung die türkische Regierung den Lausanner Vertrag bereits erfüllt habe, so daß für Italien jetzt der Augenblick gekommen fei, die besetzten Inseln zu räumen. In politischen Kreisen Englands weiß man, daß die englische Regierung daran festhält, der italienischen Re­gierung zu erklären, daß das nicht die Bedeutung ihres Vorschlages sei. Dieser stehe im Einklang mit den ßon doner Beschlüsten und beschränke sich darauf, festzustellen, daß von dem Augenblick an, wo gemäß dem Lausanner Vertrag die Italiener die Inseln geräumt haben würden« diese der Türkei und nicht Griechenland zugewiesen werden sollen, wie England und die anderen Großmächte früher gewünscht haben. Im Gegenteil hätte es Italien immer unterstützt ebenso, wie der englische Vorschlag jetzt, daß dir Inseln seinerzeit an die Türkei fallen sollen.

Aus den Delegationen.

W. Wien, 17. Dezbr. In der ungarischen Delegation erklärte namens des Ministers des Aeußern Graf v. Wickem bürg, daß ein Aufgeben der Statusquo-Politik sofort zu Beginn des Krieges weder den Jnteresten Oesterreich- Ungarns noch der Auffassung seiner Verbündeten ent­sprochen hätte. Es wäre eine Politik auf schwankender Basis gewesen, direkte Verhandlungen mit den Balkan­staaten einzuleiten. Das Auswärtige Amt glaubte richtig gehandelt zu haben, als es nicht mit den Balkanstaaten, sondern mit den Großmächten verhandelte. Die großen internationalen Beziehungen seien noch viel wichtiger, als das Verhältnis zu den Balkanstaaten. (Lebhafte Zustim­mung.) Das europäische Konzert habe bezüglich der Be­ziehungen der Großmächte untereinander große Erfolge er­zielt. Die Wicderbesetzung des Sandschaks hätte Krieg bedeutet. Der Sandschak sei sicherlich das allerletzte Ziel, für welches es sich lohnte, in eine Eroberungspolitik über­zugehen. (Zustimmung.) Die Beziehungen zu Deutsch­land hätten infolge der Revisionspolitik keine Nachteile