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Gentmi-Anzeiger

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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amilichts

Erscheint täglich

Nr. 247

Aerttsprechattfchlitst Nr. 230

für Stadt- und Landkreis Sanaa.

Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau,

Mittwoch den 22. Oktober

Ferirsprechamchlits; Nr. 230» 1913

Amtliches.

Landkreis Ranau.

An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.

Am 1. Dezember d. I. findet im Deutschen Reiche eine allgemeine Viehzählung statt, mit der in Preußen zugleich eine Obstbaumzählung verbunden ist.

Die hierzu erforderlichen Formulare werden den Herren Bürgermeistern und Eutsvorstehern in den nächsten Tagen ohne Anschreiben übersandt.

Ein etwaiger Mehrbedarf dieser Formulare ist mir um­gehend mitzuteilen.

Wegen der den Ortsbehorden bei der Zählung obliegen­den Arbeiten verweise ich auf die §§ 37 der im Formular D abgedruckten ministeriellen Bestimmungen. Die hier­nach einzurichtenden Zählbezirke sind alsbald zu bilden und, daß dies geschehen, mir bestimmt bis zum 5. k. Mts. anzu- zeigen.

Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, daß die unter der Bevölkerung immer wieder auftretende Annahme, daß die Viehzählung zu irgend welchen steuerlichen Zwecken er­folge, irrig ist, weil die Zählung lediglich zu statistischen Zwecken erfolgt. Die Herren Bürgermeister und Eutsvor- steher wollen nötigenfalls ebenfalls die erforderliche Auf­klärung geben.

Hanau den 20. Oktober 1913. V. 6775

Der Königliche Landrat.

Frhr. Laur.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Die Küchenabfälle und das Gespül des städtischen Pflegehauses sollen vom 1. November d. J. ab vergeben wer- , den. Angebote werden bis zum Montag den 27. d. Mts., vormittags 11 Uhr. im Zimmer 2 der Armenverwaltung, Langstraße 43, entgegengenommen.

Hanau den 21. Oktober 1913. 25253

Der Magistrat, Armenamt.

H t lb.

Bekanntmachung.

Im Hause Marktplatz Nr. 14 ist der westlich ge­legene neuhergerichtete Laden, bestehend aus: einem 65 qm großen Verkaufsraums, einem anschließenden Nebenzimmer und

einem 62 qm großen Kellerraum sofort zu vermieten.

Der Laden ist mit Zentralheizung und elektrischer Beleuchtung versehen.

Nähere Auskunft wird auf Zimmer Nr. 27 des Rat­hauses erteilt.

Hanau den 20. Oktober 1913. 25061

Der Magistrat.

Dr. E e b e s ch u s.

Dienstnachrichten.

Die Schweineseuche und Schweinepest unter dem Schweinebestande des Gutsbesitzers Wilhelm Schultheis in Frankfurt a. M. ist erloschen.

Die Sperre ist aufgehoben.

Hanau den 20. Oktober 1913.

MuMm der AndelrtMmer

am Mittwoch den 29. Oktober d. Zs., 4^ Uhr, nachmittags, im Sitzungssaals der Handelskammer (Stadtschloß).

Tagesordnung:

1. Entwürfe eines Patentgesetzes, eines Warenzeichen- und eines Gebrauchsmustergesetzes.

2. Förderung der gemeinnützigen Volksversicherung.

3. Talonsteuer.

4. Besteuerung des» Erundstückserwerbs in der Zwangsver­steigerung.

5. Errichtung von Submissionsstellen.

6. ^ Detailreisen mit Wäsche.

7. Bestellung zweier Ausschußmitglieder für die Verwal­tung der Stiftung zur Jahrhundertfeier der Oberreal- schule zu Hanau,

8. Handels- und Handwerkskammer.

9. Gesetzliche Regelung des Waffenhandels.

10. Verkehr mit Mineralölen.

11. Industrielle Förderung einzelner Orte im Hanbelskam- merbezirk.

Mitteilungen.

Vertrauliche Sitzung.

Die Handelskammer zu Hanau.

C a n t h a l.

Der Syndikus:

Dr. phil. Grambow.

Der Geburtstag der Kaiserin.

Bedeutungsvoll wie kaum je zuvor naht diesmal unserer erhabenen Landesmutter die Feier ihres Geburtstages, denn er schließt ein Lebensjahr ab, das der Himmel noch reicher als sonst mit seinem Segen erfüllt hat, und er er­öffnet den Ausblick auf ein neues, in dessen Beginn eine weitere, ganz besondere Freude das Herz der hohen Frau beglücken soll.

Im verflossenen Jahre war es unserer Kaiserin vor allem vergönnt, an der Seite ihres erlauchten Gemahls das fünfundzwanzigjährige Regierungsjubiläum Kaiser Wil­

helms II. mitzufeiern und teilzunehmen an den überwälti­genden Kundgebungen von inniger Liebe und dankbarer Verehrung, die das ganze deutsche Volk seinem erhabenen Herrscherhause auch aus diesem Anlasse wieder entgegen­brachte. Sie durfte trotz der ihr eigenen bescheidenen Zu­rückhaltung sich mit berechtigtem Stolze erfüllt fühlen, denn ein gut Teil all dieser Ehrungen und Huldigungen vor dem Kaiser bezog sich auch auf sie, denEdelstein, der an seiner Seite glänzt", auf sie, von der er selbst gesagt hat: ... ihr danke ich es, wenn ich im Stande bin, die schweren Pflichten meines Berufes mit dem freudigen Geiste zu führen und ihnen obzuliegen, wie ich es vermag."

Aller Welt ist es ja bekannt, daß unsere Kaiserin es verstanden hat, ihrem hohen Gemahl ein Familienleben von so reinem Glück und so friedlichem, freundlichem Ein­klang zu bereiten, daß er aus den stillen Freuden dieses Familienglücks immer wieder Erholung von den Regie­rungssorgen und frische, fröhliche Kraft zu neuem Schaffen gewinnen konnte. Gerade in ihrem engeren Familienleben hat die Kaiserin während des vergangenen Lebensjahres eine weitere große Freude erfahren, vielleicht die größte bisher: ihre einzige Tochter, der Liebling ihrer Eltern, unsere Prinzessin" Viktoria Luise hat die Wahl ihres Herzens getroffen und ist dem Prinzen Ernst August, Her­zog zu Braunschweig und Lüneburg, vermählt worden. Die jubelnde Anteilnahme der weitesten Kreise an diesem Ehrentage der Hohenzollerntochter, die innigen Gebete, die im ganzen deutschen Volke den Segen des Himmels für ein ungetrübtes Glück der Prinzessin heiß erflehten, der würdige Glanz und die fürstliche Pracht, mit der diese Hoch­zeit begangen wurde, hat die Kaiserin für ihre Tochter als wohlverdient empfinden dürfen, und all diese Zeichen der Liebe und Treue haben ihrem Mutterherzen wohlgetan.

In kurzer Zeit soll nun die Kaisertochter mi^ ihrem hohen Gemahl den braunschweigischen Thron besteigen und somit eine ihrer Abstammung würdige Rangerhöhung er­fahren. Gewiß, das Glück des Herzens bedürfte einer sol­chen Aeußerlichkeit nicht mehr, und doch wird die Kaiserin auch die bevorstehende Thronbesteigung ihrer Tochter als eine besondere Freude empfinden. Ist doch die Prinzessin erst als regierende Fürstin in der Lage, über den engen Rahmen der Hausfrauenpflichten hinaus einem ganzen Volke als Landesmutter zum Vorbilde echt weiblicher Tugenden zu dienen, getreu dem glänzenden Beispiele, das ihr auch in dieser Beziehung ihre erlauchte Mutter geq geben hat.

Unsere Kaiserin hat ja doch seit jeher ihre Lebensauf­gabe nicht darauf beschränkt, in ihrem Familienleben das Muster einer echt deutschen Hausfrau und Mutter zu geben, sie hat vielmehr ihren Pflichtenkreis dahin erweitert, all den Millionen ihres deutschen Volkes eine treusorgende Landesmutter zu sein. Wohltätigkeit und Glaubenspflege, das sind die beiden ungeheuren und hochwichtigen Gebiete, auf denen die Kaiserin durch unermüdliche, hingebende Ar-

Kaiserin-Geburtstag.

Es steht manch stiller Garten Mit Rosen noch geschmückt, Die duften lind und warten, Bis traute Hand sie pflückt, Bis sie zum Strauß gebunden In reichem Farbenspiel, Und bis sie froh gefunden Ein holdes, hehres Ziel.

Nimm, Herrin, heut vom Hage Die letzte Rosenpracht, Ob auch die Sommertage Dir schönere gebracht.

Das war ein stolzes Blühen In diesem ganzen Jahr, Ein Leuchten und ein Glühen, Wie es noch nimmer war.

Prinzeßchen schritt, das feine, In diesem Rosenjahr Im goldnen Sonnnescheine Auf Rosen zum Altar, llnd Rosen allerwegen, Wie Volkes Dank sie beut, Tie haben Heil und Segen - ein Jubilar gestreut.

Und klangen ernste Töne è.us ferner Zeit hinein, Die gaben all der Schöne ' ^n rechten, tiefen Schein: Dies Reich, das festverbündet In stolzer Freiheit steht, Hat Väterhand gegründet Im Kampf und im Gebet!

Drum aus den Herbstestagen Nimm, Herrin, letztes Blüh'n, Und laß dir jubelnd sagen, Wovon die Herzen glüh'n: Ob Blumen auch vergehen Und Glück nicht immer lacht, Fest soll und wird bestehen Treudeutschen Wesens Macht!

R. Pfannschmidt-Beutner.

Konzert des Geson-^vereinsTonblüte"

am 30. Oktober.

Nachdem wir vor kurzer Zeit eine kleine Besprechung über die Zusammenstellung der Chöre bei dem am 30. Ok­tober a. c. stattfindenden Konzert des GesangvereinsTon­blüte" veröffentlicht hatten, sind wir heute in der Lage, unseren verehrten Lesern einige Urteile der Presse über die mitwirkenden Solisten Frau Kammersängerin A n n a ; Erler-Schnaudt aus München und Fräul. Terese { Sarat a, Violinvirtuosin aus Köln zu übermitteln. Wir lassen dieselben hier folgen:

Mnsikfest in Sondershausen.

Leipziger Neue ste Nachrichten. Frau Erler- ! Schnaubt erwies sich als Liedersängerin von hohem Range. ; Den stärksten künstlerischen Eindruck dieses ersten Konzertes erzielten, nicht allein nach dem Beifall gewertet, die Dar­bietungen der Frau Erler-Schnaudt ...

Der Deutsche. Die Konzertsängerin Frau Erler- Schnaudt aus München verfügt über einen herrlichen Kon- ; ira-Alt von fast unglaublichem Umfang und sonorer Fülle. ; I Und sie sang die Lieder von Reger, von denen vornehmlich das zweite tief empfunden ist, die jedoch alle in zarte- Töne

gekleidet sind, stimmungsvoll und musikalisch vornehm. So rund und voll der Ton in der tiefen und mittleren Lage ist, so gewaltig und wuchtig wurde er in den höheren leiden­schaftlichen Stellen. Die Sängerin beherrscht das ganze Ge­biet der Empfindung mit voller Meisterschaft.

Eisenach erZeitung. Mit großer Spannung wurde die Uraufführung von RegersAn die Hoffnung" erwartet. Vorgetragen wurde sie von Frau Erler-Schnaudt, die man den Großen ihres Faches beizählen darf. Sie hat eine mäch­tige Altstimme, die sie frei beherrscht und hingebend in den Dienst der Komposition stellte. Auch die nun folgenden drei Schubertlieder mit Orchesterbegleitung waren abgerundete und vortreffliche Leistungen.

Magdeburger Zeitung. Frau Anna Erler- Schnaudt. München, verhalf dem WerkAn die Hoffnung" für eine Altstimme mit Orchester mit ihrer umfangreichen, in allen Lagen herrlich ausgeglichenen Altstimme und der Gefühlstiefe ihres Vortrages zu einem vollen Erfolg. Die Darbietung löste eine ergreifende und packende Wirkung aus. Reger und die Sängerin, die im Laufe des Abends noch in künstlerischer Vollendung die Schubertschen Lieder Ganymed",Der Tod und das Mädchen" und dieAll­macht" sang, wurden mit lebhaftem Beifall und wiederhol­tem Hervorruf ausgezeichnet.

Hildburghauser Zeitung. In Frau Erler- Schnaubt hatte Reaer eine Solistin gewonnen, wie er sie kaum sich besser wünschen kann. Mit ihrer wundervollen, großen und pastosen Stimme verbindet sie klare und reine Aussprache und verinnerlichte Vortragsweise: dazu kommt ein völliges Beherrschen der Stimmung und eine impo­nierende äußerliche Ruhe. Das sind Vorzüge, wie man sie nicht oft findet. Was über die Vornehmheit und Gediegen­heit der Sängerin beim Regerschen Werk gesagt worden ist, das gilt auch für die drei Gesänge von Schubert. Der lang- anhaltende Beifall war wohl verdient.