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G meral-Anzeiger
A«t!lchks Orgait für Stadt- Nd taaddreis Ksaa».
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verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Hanau.
Nr. 246 R<riifo«dwiWiifi Nr. 230.
Dienstag den 21. Oktober
Arr»Iprrch«uschI,itz Nr. 230. 1913
Amtliches.
Landkreis Hanau.
Uebersicht
Über die im Jahre 1913 den Gemeinden des Kreises Hanau aus dem Verkauf von Gemeindeobst zugeflossenen
Einnahmen.
Lfd.
Nr.
Name
Eingegangener Erlös
Mark
Pfg.
1
A Städte: Windecken .
157
79
2
Summe für sich
B Landgemeinden: Bergen .
144
60
3
Bischofsheim . .
191
35
4
Bruchköbel ....
34
20
5
Butterstadt .
—
—
6
Dörnigheim .
632
—
7
Eichen .....
124
60
8
Erbstadt ....
213
50
9
Fechenheim ....
—
—
10
Gronau ....
301
50
11
Großauheim
—
12
Großkrotzenburg .
—
—
13
Hochstadt .
23
—
14
Hüttengesäß .
25
20
15
Kilianstädten . .
20
30
16
Langendiebach , . .
88
30
17
Langenselbold
94
60
18
19
Marköbel ....
Mittelbuchen . . ,
3
21
50
30
" 20
Neuwiedermuß .
22
81
21
Niederdorfelden . ,
—
-
22
Niederissigheim . . .
141
40
23
Niederrodenbach . . .
141
80
24
Oberdorfelden . . .
57"
10
25
Oberissigheim
12
26
Oberrodenbach
—
27
Ostheim ,
132
30
28
Ravolzhausen
429
62
29
Roßdorf . . . .
85
—
30
Rückingen ....
—
31
Rüdigheim ....
26
40
32
Wachenbuchen
—
Summe
2966
38
Hanau den 16. Oktober 1913. V 6637
Der Königliche Landrat. Frhr. Laur.
Äriegstleii Md freiwilige Hilse in »»i 1813.
(Abdruck nur mit Erlaubnis des Verfassers gestattet.)
Im Verlag von Pillardy & Augustin zu Cassel ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen (25 Pfg.) Dr. theol. Sardemann, Vorsteher a. D. des Diako- nissenhauses zu Cassel: „Kriegsnot und Opferwil- ligkeit in denTagen der Väter", ein Rückblick auf die Pflege der Verwundeten, das Seuchenelend und die freiwilligen Hilfsleistungen in den Jahren der Freiheitskriege. Der obenstehenden Schrift sind die nachfolgenden Mitteilungen entnommen:
Den von Leipzig zurückweichenden Franzosen folgten die Verbündeten, voran die Vlüchersche Armee, deren von dem Gneral von Porck geführte Division zuerst die Führung hatte. Der Marsch der französischen Hauptarmee ging über Freyburg an der Unstrut ins Thüringerland und von da über Vacha ins Fulda- und weiter ins Kinzigtal auf Hanau, Marnz zu. '
""d fort stießen die feindlichen Truppen zusammen, iS^vT verlustreichen Gefechten. Die letzten größeren '°vden tn der Umgegend von Eisenach statt. Für _ " lienden, durch welche sich die Heeressäulen wälzten, * „r' .i/ÜT entseeltester Heimsuchungen. Zuerst wur-
1 - ®n französischen Soldaten gebrandschatzt und ausgesogen und dann durch die der Verbündeten der Preußen Rutzen und Oestereicher, die durch die Not dazu ge- rreben auch gewaltsam nehmen mutzten, was sie zu ihrem Unterhalt bedurften. Ganz besonders waren die Kosaken al s erbarmungslose Nuttberer und Räuber gefürchtet. Noch scyllmmer oh? die Requisitionen und die Plünderungen aber waren die Leuchen, welche von den französischen Kranken- und Verwundetentransporten und nicht Mir von diesen.
Der Porteseuiller Friedrich Haschert in Fechenheim und der Schneider Konrad Walther in Wrndecken sind nach bestandener Prüfung zu amtlichen Desinfektoren ernannt, ersterer für den Bezirk Bergen-Enkheim, Bischofsheim, Dörnigheim, Fechenheim, Hochstadt und Wachenbuchen, letzterer für den Bezirk Bruchköbel-Vutterstadt, Eichen,- Erbstadt, Gronau, Kilianstädten, Mittelbuchen, Niederissigheim, Nie- derdorfelden, Oberdorfelden, Ostheim, Marköbel und Roßdorf, sowie für die Gutsbezirke Baiersröderhof, Kinzighei- merhof, Dottenfelderhof und Gronauerhof.
Ich verweise aus meine Bekanntmachung vom 5. Oktober 1907 — A. 3514 — (Nr. 18 der amtlichen Beilage zum „Hanauer Anzeiger" Dam 9. November 1907) nach welcher die aus Grund des § 8 des Gesetzes betreffend die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten vom 28. August 1905 (Gesetzsammlung Seite 373) vorzunehmende Schlußdcsmfek- tion, welche nach Genesung der Kranken, nach seiner etwaigen Ueberführung in ein Krankenhaus oder nach seinem eventl. Tode erfolgen mutz, in allen Fällen der im § 8 des Essetzes aufgeführten Krankheiten von dem amtlich geprüften Desinfektor auszuführen ist.
Die Kosten der behördlich angeordneten Desinfektion sind als Pobizeikosten aus Gemeindemitteln zu bestreiten, wenn der Zahlungspflichtige Haushaltungsvorstand ohne Beeinträchtigung des für ihn und seine Familie notwendigen Unterhaltes diese Kosten nicht zu tragen vermag.
Dis Desinfektoren haben folgende Vergütungen zu beanspruchen
1. für jede Stunde ihrer Tätigkeit — einschließlich der Hin- und Rückreise — gleich 0,75 Mark,
2. für jede notwendige Uebernachtung 1.50 Mark.
Die Desinfektionsmittel für die Schlußdesinfektion werden auf Kreiskosten beschafft.
Hanau den 14. Oktober 1913. A. 1606
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Frhr. Laur.
&e&annttnad;ttng.
Zu den diesjährigen Herbst-Kontrollverfammlungen haben die int Stadt- und Landkreis Hanau wohnhaften Mannschaften des Beurlaubtenstandes wie nachstehend angegeben zu erscheinen:
Montag den 3. November 1913, vormittags 8.30 Uhr, in Langendiebach — Garten der Gastwirtschaft zum Schwan von Wilh. Dückhardt — die Mannschaften von Langendiebach ^mit Reuserhof, Ravolzhausen und Rückingen.
Montag den 3. November 1913, nachmittags 1.30 Uhr, in Langenselbold — Hof der Knabenschule oder Turnhalle — die Mannschaften von Langenselbold mit Vruderdiebacherhof und Baumwieserhof, Oberrodenbach, Niederrodenbach, Hüttengesätz und Neuwiedermuß.
sondern von dem gesamten Heer ausgingen und das ganze Land verseuchten. Der Generalquartiermeister der Blücher- schen Armee, General non Müffling, berichtet darüber: „Ueberbies konnte es freilich nichts Unangenehmeres und ; Ekelhafteres geben, als der französischen Armee auf dem Fuße zu folgen. Längs der ganzen Straße lagen Leichen oder im Sterben begriffene Menschen. Die Gefangenen, die man einbrachte,'trugen den Tod auf dem Gesichte; kurz, man konnte nicht ohne Ekel daran denken, daß man auf derselben Stelle, vielleicht auf demselben Stroh schlafen sollte, wie diese Nervenfieber-Armee, welche noch überdies auf der Straße, welche sie marschierte, die Bewohner angesteckt und alles, was an Lebensmitteln vorhanden war, aufgezehrt ( hatte."
Der deutsche Dichter mit dem französischen Namen Friedrich de la Motte-Foqüs, welcher als Offizier der freiwilligen Jäger zu den verfolgenden Truppen gehörte, dichtete beim Anblickes großen Elends sein Gedicht: An Napoleon, dessen erster Vers lautet:
Sahst d» ^n schönen Wartburgstal
Der Siechen und der Wunden Qual?
Sahst die- Geschütz' und Pulverwagen,
Die Straßen sperrend, fast zerschlagen,
Und Roß an Roß dahingestreckt,
j Und Tote halb mit Schlamm bedeckt?
Da rufst du wohl: Die führst ich her,
Das war mein Volk, das war mein Heer!
Nein, flüchtend reißt dein wilder Lauf
Dich rasch dem flüchtigen Heer vorauf,
Daß sie hinter dir erbleichen Zu Leichen!
Vacha wurde furchtbar mitgenommen; das Dorf Buttlar, von der französischen Nachhut angezündet, brannte ganz ; ab. Auf der Straße von Buttlar bis Salmünster gab es . keine Stelle, von der aus man nickt Seichen von Menschen
Dienstag den 4. November 1913, vormittags 8.30 Uhr, in Großauheim — Turngarten Rochusstraße — die Mannschaften von Großauheim, Großkrotzenburg, Pulverfabrik und Wolfgang.
Dienstag den 4. November 1913, nachmittags 1.45 Uhr, in Bruchköbel — Garten der Gastwirtschaft Baumann — die Mannschaften von Bruchköbel, Kinzigheimerhof, Mittelbuchen, Niederissigheim, Rotzdorf, Rüdigheim, Rüdigheimerhof und Oberissigheim.
Mittwoch den 5. November 1913, vormittags 10.30 Uhr, in Niederdorfelden — Schulhof — die Mannschaften von Niederdorfelden, Oberdorfelden, Gronau, Gronauerhof und Dottenfelderhof.
Mittwoch den 5. November 1913, nachmittags 12.30 Uhr, in Windecken — Schloßberg — die Mannschaften von Windecken, Baiersröderhof, Butterstadt, Eichen, Erb, stadt, Kilianstädten, Marköbel mit Hirzbacherhof und Ostheim.
Donnerstag den 6. November 1913, vormittags 9 Uhr, in Hochstadt — Ausgang nach Bischofsheim — die Mann- schäften von Hochstadt, Wachenbuchen Bischofsheim Dörnigheim.
Donnerstag den 6. November 1813, nachmittags 3 Uhr, in Enkhcim — Hof der neuen Schule — die Mannschaften von Bergen und Enkheim.
Freitag den 7. November 1813, vormittags 9 Uhr, in Fechenheim — alter Schulhof hinter dem Jahndenkmal — die Mannschaften der Jahresklassen 1906 bis 1908, Freitag den 7. November 1813, vormittags 10 Uhr, in Fechenheim — alter Schulhof hinter dem Jahndenkmal — die Mannschaften der Jahresklasien 1909 bis 1913.
Montag den 18. November 1913, vormittags 9 Uhr, in Hanau — Paradeplatz — die Mannschaften der Jahres- klassön 1906 und 1907 von Hanau, Hanau-Kesselstadt, Philippsruhe, Wilhelmsbad und Neuhof.
Montag den 10. November 1913, vormittags 11 Uhr, in Hanau — Parade ^atz — die Mannschaften der Jahresklassen 1908 und 1909 von Hanau, Hanau-Kesselstadt Philippsruhe, Wilhelmsbad und Neuhof.
Montag den 10. November 1913, nachmittags 3 Uhr, in Hanau — Paradeplatz — die Mannschaften der Jahres- klasscn 1910 bis 1913 von Hanau, Hanau-Kesselstadt, Philippsruhe, Wilhelmsbad und Neuhof.
Vorstehendes wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß zu den diesjährigen Herbstkontrollverfammlungen zu erscheinen haben:
1. Sämtliche Reservisten; ferner die Jäger der Klasse A der Jahrgänge 1901 bis 1905.
2. Sämtliche zur Disposition ihrer Truppenteile entlassenen Mannschaften, sowie diejenigen, welche wegen vor der Einstellung verübter Vergehen, sowie auf Grund von Reklamationen oder wegen Dienstunbrauchbarkeit zur Disposition der Ersatzbehörden entlassen worden sind.
oder gefallene Pferde liegen sehen konnte. In Naßdorf int Kreise Hünfeld waren alle Bauernhöfe mit Leichen und krepierten Pferden und Nirrdern angefüllt. In Rückers ■ herrschten ähnliche Zustände. Es war sehr schwer, die Beerdigung der Leichen durchzusetzen, weil die meisten Ortsvorsteher, Straßenwärter und Lohnarbeiter typhuskrank waren. Von den Wärtern an jener Straße starb mehr als die Hälfte an dieser Seuche.
Der französischen Armee war eine Kosakenabteilung von 1500 Mann vorausgeeilt. Als die erstere in die Nähe Fuldas kamen, plünderten die Kosaken die Stadt und verschwanden dann in den Bergen. Von den Franzosen wurde in Fulda eine Sammelstelle für ihre Kranken eingerichtet, zunächst das dortige Landkrankenhaus. Dann wurden das dortige Stadtschloß und das Schloß Fasanerie zu Lazaretten eingerichtet und hernach noch der Ackerhof und die Militärkaserne. Der Typhus war so bösartig, daß im Zeitraum von acht Tagen im Landkrankenhaus zu Fulda der erste Arzt, drei ärztliche und drei wundärztliche Gehilfen, der Verwalter und dessen Gehilfe und sechzehn Krankenwärter der Seuche erlagen. Die Straße durchs Kruzigtal wurde von der Hauptarmee benutzt; die Krankentransport«, wurden über die Nebenstraße Oberkalbach, Schwarzenfels, Neuengronau geleitet. Dort wurde in vielen Orten llnter- kunft-istellen für Transportunfähige geschaffen, welche naturgemäß zu Seuchenherden für die Bewohner und ihre Umgebung wurden. Nicht wenig trug es zur Verbreitung der Kriegsseuchen bei, daß viele ärmere Bewohner der Städte sich an den Kleidungsstücken und sonstigen Besitztümer der Toten vergriffen und mit ihnen die Seuche in ihre Häuser trugen. Auch im Kinzigtal sah es nach jeder Richtung hin schlimm aus, vor allem in Schlüchtern und dessen Umgebung. Die Landleute flohen, wenn Truppenkörper nahten, wie in den Zeiten des 30jährigen Krieges mit ihrem Vieh in die Wälder und brachten ihre Töchter und