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die Eeneralfeldmarschälle, die kommandierenden Generäle, den Kriegsminister, die österreichischen und russischen Militärdeputationen, die Vertreter der österreichischen und russischen Adelsgeschlechter, die an den Ereignisien vor 100 Jahren beteiligt waren, die Vertreter des Deutschen Städtetages, den Reichskanzler, die sächsischen Minister, die Minister Delbrück und Breitenbach, ferner die Vertreter des Bundesrats, das Präsidium des Reichstags, den Chef des Eeneralstabs General v. Moltke, den Chef des österreichischen Eeneralstabs Conrad o. Hötzendorff, den Chef des russischen Generalstabs Jilinski. Nahe dem Eingang zu der Umwallung, die das Denkmal umgibt, war das Fürstenzelt errichtet. Hier trafen die deutschen Dundesfürsten und die Vertreter der freien Hansastädte ein und wurden von den Prinzen des sächsischen Königshauses empfangen.
Als die
Weihefeier
ihren Anfang nahm, spannte sich ein vollkommen klarer Himmel über den Festplatz und die helle Sonne vergoldete den rotgrauen Steinkoloß des Denkmals. Vom Fürstenzelt herauf donnerten die Klänge des Präsentiermarsches der Ehrenkompanie. Der Kaiser und der König von Sachsen waren vorgefahren. Brausende Hurrarufe klangen ihnen entgegen. Der Kaiser schritt mit dem König die Front der Ehrenkompanie ab und begrüßte die versammelten Bundesfürsten und die Bürgermeister der freien Städte. Im feierlichen Zuge nahten dann die Fürsten und ihre Gefolge in glänzender Suite. Als die Majestäten um Denkmal und Teich herum an den Studenten vorbeikamen, senkten sich Heren Fahnen. Die Majestäten schritten die große Mitteltreppe hinauf, während Glocken und Posaunen von der oberen kleinen Plattform herunter das Gralsmotiv erklingen ließen Nachdem die Fürstlichkeiten unter dem Kaiserzelt Aufstellung genommen hatten, setzte der gemeinsame Gesang der versammelten Tausende ein, von Posaunen und Kesselpauken begleitet. Das Niederländische Dankgebet stieg zum Himmel. Dann hat tiefe Stille ein. Nur die Kirchenglocken von Leipzig hallten leise herüber. Kamerad Thieme bestieg die Rednettribüne und hielt die
Weihered«:
Euer« Königliche Majestät, deutsche Brüder, deutsche Schwestern!
Wir treten im Beten vor Gott den Gerechten!
Sinn und Gemüt bewegt die Stimme der Weltgeschichte, des Weltenlenkerr. Denn heute vor hundert Jahren erbrausten um diese Stunde über die» Blachfeld die Donner des Weltgerichts.
Wir treten im Beten vor Gott den Gerechten, die deutschen Fürsten und das deutsche Volk, innig verbunden durch das Band gegenseitiger Liebe und Treue. Wir beugen in Demut unsere Knie vor dem Allmächtigen, der vor hundett Jahren die Waffen der Verbündeten segnete und ihnen den Sieg verlieh im Kampfe um die Freiheit der heißgeliebte« Vaterlandes. Gott war gerecht, Gott war mit uns, Gott machte uns frei! Er erleuchtete die Herzen der Deutschen, er führte die Scharen zur Erhebung Und zum Siege, ihm sei die Ehret Unvergänglich stehe da oben die Inschrift: Gott mit uns!
Als die große Armee in Nrchkand geschlagen, in elenden Resten, in Lumpen gehüllt, am Ende des Jahres 1912 über die Preußische« Grenzen ging — als Preußens König am 17. März 1813 den Aufruf an sein Volk erließ: da wurde der teutonische Geist wieder lebendig, da begann die gewaltig«, alle Gemüter erfassende Erhebung. Erst in einzelnen stammen und starken Männer«, denen die Ehre und die Freiheit ihres Volkes höher stand als ihr Leben, dann in den Massen, denen sie durch ihre zündenden Rede« das Gewisien schärften, durch ihr Vorbild wieder Mut und Hoffen gaben. Hell aus dem Norden brach der Freiheit Licht! Das kleine ausgesogene, aber vom Geiste höchster sittlicher Kraft erfüllte Preußen entzündete die mächtigsten Opferflam- men, und mit grenzenloser Begeisterung steht das Volk auf, bricht der Sturm los. Dom Throne bis zur Hütte erwacht ein Wille, ein Gefühl der reinsten Hingabe an die Pflichten des beiliaen Krieses:
Mit Gott, für König und Vaterland'.
Die Begeisterung fand erhebende« Widerhall in allen beut= fdjen Gauen. Das deutsche Volk wußte, mit der Erhebung Preußens handelte es sich um Sein oder Nichtsein, um die Zukunft Deutschland». „
Nicht in gewaltigen Heerhaufen strömten die anderen Stämme den preußischen Fahnen zu, zu schwer lastete noch die hatte Faust des Eroberers auf allen Landen jenseit der Elbe bis an den Rhein, von den Alpen bis zur Nord- und Ostsee. Aber es kam die Blüte der Natton: Offiziere der Rheinbundstaaten, die es als ein Gebot der Ehre betrachteten, als Deutsche auf deutscher Seite zu kämpfen, es kam die deutsche Jugend, Deutschlands Zukunft! In Lützows Freikorps sammelte sie sich, entflammt durch den von Körner in Leipzig verfaßten Aufruf. Jahn und Friesen führen die Turner, die Profesioren die Studenten als Freiwillige dem Heere zu. Profesior Krug, der Rektor der Universität Leipzig, ist mit den Leipziger Studenten einer der ersten, die dem errichteten Banner der freiwilligen Sachsen beigetreten: „Viele von Euch, teure Jünglinge," spricht er, „haben schon das Buch mit dem Schwerte vertauscht, um Deutschlands Freiheit erringen zu helfen; und ich, Euer Lehrer, habe es nicht nur gebilligt, sondern selbst meinen Hörsaal geschloßen, um mit Euch für denselben hohen Zweck zu kämpfen." In Halle, Jena, Göttingen regt sich der gleiche Freiheitsdrang, und freudig eilen Deutschlands Söhne auf den Kriegsschauplatz. Jetzt oder nie mußte der Tag kommen, per gebieterisch die erlösende Tat forderte: Die Befreiung vom schmählichen Joche der Fremdherrschaft! Deutsche für Deutsche!
Und der Tag kam!
In dumpfem Ringen wogt der Kampf monatelang von der Saale zur Oder und wieder zurück. In atemloser Spannung harren die Guten des Sieges der Freiheit und des Rechts. ^m gewaltiger Sammlung der Kräfte führt Leipzigs große Ev.-i- die Entscheidungsschlacht herauf. Das Schicksal ganz Europas steht auf dem Spiele Heiß wütet der Männerstreit auf Blutiger Bahn. Napoleons Stern erbleicht und in strahlendem Glanze steigt die Oktobersonne herauf, kündet Europas und Deutschlands Unabhängigkeit und Freiheit.
An der früheren Ouandtschen Tabakmühle, da drüben, wo jetzt der einfache Stein steht mit der Inschrift: „Der Herr ist der rechte Kriegsmann! Herr ist sein Name!", dort mußte 5:apüreon
sich für besiegt erkennen und den Rückzug anordnen, den deutschen Boden verlassen, um ihn nie wieder zu betreten.
So lange rollet der Zeiten Rad,
So lange scheinet der Sonne Strahl,
So lange die Ströme zum Meere reisen,
Wird noch der späteste Enkel preisen:
Die Leipziger Schlacht!
So ist es und so wird es bleiben?
Der Kampfplatz rings um Leipzig ist eine geweihte Stätte, ein Heiligtum des gesamten deutschen Volkes geworden, geheiligt durch die dargebrachten Opfer an Gut und Leben für die Freiheit des Vaterlandes, geheiligt, weil hier unsere Heldenväter die knechtenden Bande des Eroberers zertrümmerten, hier die so lange ersehnte Freiheit im harten Kampfe des Leibes und der Seele wiedergewannen, um wieder ein einzig Volk von Brüdern zu werden. Hier unter dem Donner der Kanonen sind das deutsche Volksbewußtsein und das deutsche Volkstum von neuem geboren worden, die hohen Güter, auf denen sich später als sicheren Grundsteinen das neue deutsche Reich gründen konnte. Die Befreiungskriege begannen die Fäden zu knüpfen, sagt Wilhelm der Große, die heute die deutschen Stämme je länger und desto inniger verbinden. Dem Werden des deutschen Reiches ging ein Werden des deutschen Volkes voraus, und hier ist die Geburtsstätte, heute der Geburtstag!
Hundett Jahre sind ins Meer der Vergangenheit dahingeflossen, vieles ins Meer der Vergessenheit gesenkt worden, doch das Andenken an die Leipziger Schlacht und an die Helden der Befreiungskriege blieb bestehen. In den Herzen des Volkes erwuchs ihnen ein dauerndes Denkmal, ein lebendiges Ehrenmal deutscher Dankbarkeit. Deutschland vergißt seine Helden nicht.
Aber was in der Seele sorgsam geborgen liegt, verlangt nach einem gewaltigen, sichtbaren Wahrzeichen. Einmal muß es urkräftig zum Ausdruck, zur Gestaltung gelangen und sollte es einhundert Jahre währen! Nie stirbt ein großer menschlicher Gedanke! Wohlan! Hier steht der zu Stein gewordene Wille des Volkes, das sichtbare Zeichen der Dankbarkeit gegen Gott und unsere Heldenväter für unsere Freiheit und unser nationales Sein! Gewaltige Zeiten, gewaltiges Zeichen! — den gefallenen Helden ein Ehrenmal, — dem deutschen Volke ein Ruhmesmal, — kommenden Geschlechtern ein Mahnzeichen! —, hoch und hehr, wie die Taten der Mütter und Väter, die Gut und Blut einsetzten für die Rettung des Vaterlandes.
Am Schlachtenbild verkörpert Michael die siegreiche Erhebung des deutschen Volkes.
Stumm trauern in der Krypta die in Stein gemeißelten Krieger um die im Kampfe gefallenen Helden und halten die Toten- wacht. Im Ruhmesmal offenbaren sinnbildliche Gestalten die hehren Eigenschaften des deutschen Volkes, die zur gewaltigen Erhebung und zum Siege führten: Opferwilligkeit, Tapferkeit, Glaubensstärke und deutsche Volkskraft. Hoch darüber wölbt sich das Mahnzeichen mit den 12 Riesengestalten. Hüter der Freiheit und Stützen des Reiches zugleich. So hat das deutsche Volk sein Denkmal für die Befreiung aus großer Not sich selbst zur Ehre errichtet.
Richt nur zur bloßen Feier einer flüchtigen Stunde der Erinnerung sind wir hier versammelt: Nein! Dies Denkmal soll des deutschen Volkes Jubelfeiertag sein, berufen, durch Jahrhunderte fortwirkend, deutschem Sinn und Geist zu dienen. Was ist alle äußere Verherrlichung, wenn nicht aus dem Andenken an der Väter Taten immer wieder neue Begeisterung in den Enkeln erwacht?!
Was einst Ernst Moritz Arndt sagte, muß Wahrheit für alle Zukunft bleiben: Das Völkerschlachtdenkmal muß die Jrminsul des deutschen Volkes sein, wohin es am 18. Oktober jedes Jahres seine Schritte und seine Gedanken lenkt, daß alle daran erinnert werden, daß sie Brüder eines Stammes und einer Liebe sind und daß sie hinfort deutsche Liebe und Treue nächst Gott als das heiligste und höchste zu achten und zu lieben haben.
Eingedenk dieser Mahnung weihe. ich dieses Denkmal den Manen der großen Zeit, daß die Väter in den Söhnen leben!
Und so legen wir als treue Söhne des Vaterlandes heute am Hundettjahrestage der Völkerschlacht im Geiste der Väter aufs neue das heilige Gelöbnis ab: Treu und fest zu sein im Glauben an den allmächtigen Gott, treu und fest zu sein in der Liebe zum angestammten Fürstenhause, zum Kaiser und zum Reich. Dazu verhelfe uns der Gott, der mit unseren Vätern war! Amen!
Immer lauter erschallende Bravos und Händeklatschen folgten der schwungvoll vorgetragenen Ansprache und ihrem begeisterten Schluß. Dann sprach der
König von Sachsen:
Die von hoher patriotischer Begeisterung getragenen Worte, die Sie, Herr Thieme, in Vertretung des Deutschen Patriotenbundes soeben an Mich gerichtet haben, haben uns Deutsche tief bewegt. Sie unterstützen den gewaltigen Eindruck des mächtigen Denkmals, das durch die freie Opferbereitschaft deutscher Männer hier errichtet worden ist als ein Zeichen deutscher Kraft und Eingkeit. Wie dieses Denkmal uns erinnert an blutige Kämpfe und an den Heldentod vieler braver Soldaten, die vor hundert Jahren auf diesem Schlachtfeld fielen, wie es uns weiter mahnt an Gottes gnädige und wunderbare Führung, der unserem Volke nach langem Ringen und Sehnen eine herrliche Einheit schuf, so möge es nach weiteren hundert, ja nach tausend Jahren noch ' späteren Geschlechtern von dem heutigen Tage Kunde geben, möge | es ihnen erzählen, wie in dieser Stunde Deutsche und Russen, Oesterreicher, Ungarn und Schweden ihre Knie in Verehrung | beugen vor Gott, dem allmächtigen Lenker der Weltgeschichte, ) und zu ihm beten, daß er uns den Frieden erhalte zum Wohle unseres deutschen Volkes, zum Wohle auch der Staaten und i Fürsten, die Mir die große Freude bereitet haben, Meiner Ein- ■ ladung zu folgen, und bei diesem Feste durch Mitglieder ihres ; Hauses und durch Abordnungen ihrer tapferen Heere vertreten sind. In diesem Sinne beglückwünsche ich den Deutschen Patrio- tenbunb zu dem wohlgelungenen Werke und nehme das Denkmal â unter Meinen Königlichen Schutz. —
Bravorufe folgten seiner Rede, Der gemeinsam gesungene Choral: „Nun danket alle Gott" schloß die eigentliche Weihefeier. i Unter den Heilrufen des Publikums nahten die Eilboten und l überreichten ihre Urkunden. Um 12 Uhr schritten die Fürstlich
keiten nunmehr zur Besichtigung des Denkmalsinnern. Voran der Kaiser mit dem König von Sachsen. Es folgten der österreichische Thronfolger und der rustische Großfürst Kyttll. Sodann der Prinzregent von Bayern und der König von Württemberg und die andern deutschen Bundesfürsten. Nach der Besichtigung des Denkmals verließen die Fürstlichkeiten unter den fernen Klängen der Salutgeschütze das Denkmal. Unter Vorantritt des Kaisers schritten sie um den Teich herum, während alle Anwesenden das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" anstimmten, und begaben sich zu den am Eingang der Umwallung bereits stehenden Wagen. Um 12K Uhr erfolgte die Abfahrt zum Schwarzenberg-Denkmal.
Am Schwarzenberg-Denkmal.
Nach der Feier am Völkerschlachtdenkmal begab sich zunächst der Erzherzog Franz Ferdinand nach dem Schwarzenberg-Denkmal, wo sich bereits die gesamten österreichisch-ungarischen Generäle und Offiziere, eine Militärkapelle des Jnf.-Regts. Nr. 37 und eine Abordnung des Schwarzenbergschen Ulanenregiments eingefunden hatten. Kurz darauf erschien der Kaiser mit dem König von Sachsen und den übrigen Bundesfürsten. Die Familie Schwarzenberg war durch fünf Mitglieder vertreten. Der junge Fürst zu Schwarzenberg hielt daraus folgende Ansprache:
Euere Kaiserliche und Königliche Majestät, Kaiserliche und Königliche Hoheit geruhen ehrfurchtsvollen Dank unserer Familie für die Ehrung unseres Vorfahren, des Feldmarschalls Karl Schwarzenberg, entgegenzunehmen. Nachdem es durch Gottes Fügung meinem Vater nicht bcschieden war, es zu tun, danke ich den Vertretern der einstens alliierten Armeen namens unser aller tiefinnigst für die Anerkennung der Verdienste ihres Führers in schweren, sorgenvollen Zeiten, Verdienste, die der Geschichte angehören und niemals der Vergestenheit anheimfallen können. Wir ehren in besten Andenken das Andenken strenger Pflichterfüllung gegenüber feinem Monarchen und seinem Vaterland. Unlösbar mit dessen Andenken verbleibt uns die Erinnerung aller jener Helden, die alles freudig aufopferten, um dem Herrscher zu folgen und das Vaterland frei von jedem Zwange zu machen. Der Glanz, der diese Zeit umgibt, im Beispiele der Selbstaufopferung eines jeden einzelnen, im Kampfe für monarchistisches Recht und freies Volkstum erblaßt nie. Er sichert den vergangenen Generationen unvergänglichen Ruhm und den kommenden die Anweisung eines einzigartigen Weges patriotischen Wirkens. In diesem Glanze leben Krieger und Führer weiter c Te perennius. „Was vergangen, kehrt nicht wieder, geht es je" .ich leuchtend nieder, leuchtet es noch lange zurück." In diesen Worten des Dichters ehren wir die damalige Zeit und alle Teilnehmer, ehren wir Fürst und Volk und fassen die Kraft zur Erfüllung der eigenen Pflicht. Genehmigen Eure Kaiserlichen und Königlichen Majestäten nochmals den tiefsten Dank unserer Familie, der Ehrung unvergeßliche, mit goldenen Lettern in deren Geschichte zu verzeichnende Erinnerung bleibt: Ewige Ehre den Toten!
Nach der Rede legte der Erzherzog Franz Ferdinand einen Kranz am Denkmal nieder, während die Musik die österreichische Nationalhymne spielte. Auch Kaiser Wilhe.'m ließ am, Denkmal einen Kranz niederlegen. Hiernach wurden dem Kaiser die Mit- glieder der Familie Schwarzenberg vorgestell,t mit denen ^ sich kurze Zeit unterhielt, um dann die Generäle der österreichischen Armee zu begrüßen. Damit war diese Feier beendet. Die Monarchen begaben sich
zur russischen Kirche.
Dort nahmen der Kaiser, die Bundesfürsten und die fürstlichen Gäste an einem Tedeum aus Anlaß des Namenstages des russischen Großfürsten-Thronfolgers teil und begaben sich von dott aus, von einer unübersehbaren Menschenmenge mit stürmischen Hochrufen begrüßt, nach dem
neuen Rathaus«.
Hier wurden die Fürstlichkeiten von Oberbürgermeister Dittrich in das imposante Treppenhaus hinaufgeleitet und in der Wandelhalle, deren Galerien mit Damen besetzt waren, von ihm feierlich begrüßt. Oberbürgermeister Dr Dittrich hielt hierbei folgende Ansprache:
Im Namen der hier versammelten städtischen Körperschaften danke ich Ew. Königlichen Majestät ehrerbietigst, daß Ew. Majestät zur heutigen denkwürdigen Feier Se. Majestät den Kaiser eingeladen und hierher geleitet haben. Wir bitten Ew. königliche und kaiserliche Majestäten, unseren freudigsten Willkommengrutz beim Eintritt in unser Rathaus entgegellnehmen zu wollen, ist es doch das erste Mal, daß ein deutscher Kaiser das Leipziger Rathaus betritt. Leipzig hat im Laufe der Jahrhunderte schwere Zeiten durchlebt, wiederholt sind seine Bürger durch Krieg und Kriegsnot hart bedrängt und bis zum äußersten erschöpft gewesen. Aus eigener Kraft haben sie unter Gottes Hilfe auch die Jahrzehnte lang auf ihnen lastenden Folgen der gewaltigen Völkerschlacht überwunden. Und heute darf sich unsere Stadt unter dem Schutze Ew. Majestät gedeihlicher Entwicklung erfreuen. In allem Wandel der Zeiten ist lebendig geblieben die Treue zum angestammten Fürstenhause und die Liebe zum Vaterlande, nie erloschen aber auch seit den Tagen der Völkerschlacht die Sehnsucht nach Einigung der deutschen Stämme. Um so tiefer empfunden wird von unserer nationalgesinnten Bürgerschaft die Freude,' daß die Stadt Leipzig Ew. Königliche und Kaiserliche Majestäten mit den verbündeten Fürsten und den hohen Gästen Ew. Königlichen Majestät an diesem bedeutungsvollen Gedenktag in ihrem Rathaus begrüßen darf. Unser Dank und unser Willkommengruß kann nur Ausdruck finden in dem Gelübde: Allzeit treu bereit für des Reiches Herrlichkeit! Gott segne, Gott schütze Ew. Königliche und Kaiserliche Majestäten und unser gesamtes deutsches Volk! —
Der Kaiser und der König von Sachsen verneigten sich nach der Rede gegenüber den Herren der Stadt, die um den Oberbürgermeister Aufstellung genommen hatten, und schritten in den Festsaal des Rathauses, wo gegen 2 Uhr das Frühstück begann, das vom Rat der Stadt gegeben wurde. Es wurde an einzelnen Tischen gespeist. An der Haupttafel saß der Kaiser neben dem König von Sachsen, links von diesem der Großfürst Kyrill, rechts vom Kaiser der Erzherzog Franz Ferdinand, der Prinzregent Ludwig und Prinz Wilhelm von Schweden. Nach beiden Seiten schlossen sich die deutschen Bundesfürsten und die Bürgermeister der freien Städte an. Gegenüber den Majestäten saß der Ober- ' Bürgermeister Dittrich. Auch Reichskanzler Dr. v. Bethmann