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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für LIM- «nk Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post» bezug vierteljährlich 2.10 Ml., monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau,
Nr. 245
Aernsprechanschlitf; Nr. 2.30»
Montag den 20. Oktober
Nernsprechanschlns; Nr. 2.30. 1913
Amtliches.
Landkreis Hansa.
Unter Bezugnahme auf meine Rundverfügung vom 12. Mai 1913 — Nr. 2548 A — werden die Herren Bürgermeister und Eutsvorsteher des Kreises an die Einreichung des Nachtrags zum Verzeichnis der Hundebesitzer bis zum 30. d. Mts. erinnert. Fehlanzeige erforderlich. In dem Nachtragsverzeichnis sind alle nach der im Juni d. Js. erfolgten Hundeaufnahme neu hinzugekommenen Hunde aufzuführen.
Die auf sie entfallenden Steuerbeträge sind alsbald an die Kreiskommunlkafse zu zahlen..
Hanau den 14. Oktober 1913. J.-Nr. ^ 4663 Der Vorsitzende des Kreisausschusfe?.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Im Hause Marktplatz Nr. 14 ist der westlich gelegene neuhergerichtete Laden, bestehend aus: einem 65 qm großen Verkaufsraums,
' einem anschließenden Nebenzimmer und
einem 62 qm großen Kellerraum sofort zu vermieten.
Der Laden ist mit Zentralheizung und elektrischer Beleuchtung versehen.
Nähere Auskunft wird auf Zimmer Nr. 27 des Rathauses erteilt.
Hanau den 20. Oktober 1913. 25061
Der Magistrat.
Dr. ® e b e i d) u 5.
Viehfeuchenpolizeiliche Anordnung.
Die unterm 29. August b. Js, zum Schutze gegen die Weiterverbreitung der Schweineseuche in der Gemeinde Neuses auf Grund des § 18 des Viehseuchen-Gesetzes vom 26. Juni 1909 (R. G. Bl. S. 279) und deS § 272 der Preußischen Viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 1. Mai 1912 erlassene viehseuchenpolizeiliche Anordnung sKreiSblatt Nr. 104) ivird hiermit aufgehoben.
Gelnhausen den 11. Oktober 1913.
Der Königliche Landrat.
Graf von Wartensleben.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Kesselstadt belegenen, im Grundbuchs von Kesselstadt Blatt 646 Abteilung I Nr. 2, 3, 4, 5 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Ehefrau des Bauunternehmers Heinrich Usenet, Marie geb. Neuling eingetragenen Grundstücks:
Krtbl. 4 Parz. 251/102 bebauter Hofraum und Hausgarten, Hessenstraße 14 = 4,70 ar,
Gebäudesteuerrolle Nr. 343 jährlicher Nutzungswert 1450 Mark,
Krtbl. 4 Parz. 252/102 bebauter Hofraum und Hausgarten, Hessenstraße Nr. 12 = 3,28 ar,
Gebäudesteuerrolle Nr. 342, jährlicher Nutzungswert 1280 Mark,
Krtbl. 4 Parz. 253/102 bebauter Hofraum und Hausgarten, Hessenstraße Nr. 10 — 3,28 ar, Gebäudesteuerrolle Nr. 341, jährlicher Nutzungswert 1280 Mark, Krtbl. 4 Parz. 254/102 bebauter Hofraum und Hausgarten, Hessenstratze Nr. 8 — 3,34 ar, Grundsteuermutlerrolle Nr. 340, jährlicher Nutzungswert 1270 Mark ant 10. Dezember 1913, vormittags 9T/a Uhr, durch das unterzeichnete Gericht, an der Gerichtsstelle, Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 21, versteigert werden. Hanau den 8. Oktober 1913. 25009
Königliches Amtsgericht, Abt. 6.
LsMirWftlicher Kreisserki« Mn.
Nächste Versammlung Samstag den 25. d. Mts., nachmittags 21/a Uhr, im Gasthaus „zum g o l d n e n Löwen" hier.
Tagesordnung.
1. Geschäftliche Mitteilungen.
2. Besprechung über die diesjährigen Ernteergebnisse.
3. Besprechung über die Aenderung in der Haltung der Deckhengste für den hiesigen Kreis.
4. Besprechung über die diesjährigen Ergebnisse der Kreisjungviehweide.
5. Besprechung über die im Jahre 1915 abzuhaltende Kreistierschau.
6. Berichterstattung über die im letzten Sommer ausgeführten Besichtigungsreisen.
7. Berichterstattung der Delegierten über die letzte Generalversammlung des Vereinsausschusies der Landwirtschaftskammer in Frankenberg.
8. Sonstiges.
Die Herren Bürgermeister wollen vorstehende Bekanntmachung in den Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen lassen.
Hanau den 18. Oktober 1913.
Der Vorsitzende. Frhr. Laur, Landrat.
Die Lage auf dem Balkan. Der serbische Vormarsch.
Durazzo, 18. Oktbr. Die serbischen Expeditionstruppe« setzen ihren Vormarsch in das Innere Albaniens fort und stehen bisher bereits längs einer Strecke, die nur 40 Kilometer von der Küste des Adriatischen Meeres entfernt ist. — In der Gegend von Mitrowitza im ehemaligen südlichen Sandschak von Rovibazar ist eine Aufstandsbewegung gegen die Serben ausgebrochen, an der sowohl die dortigen Albanesen als auch die mohammedanischen Serben teilnehmen.
Sinlenkung Serbiens.
Belgrad, 19. Oktbr. Mit Rücksicht aus den ernsten Charakter der österreichischen Demarche wird in politischen Kreisen der Ansicht Ausdruck gegeben, daß Serbien der Forderung Oesterreich- Ungarns entsprechen werde, da es einer weiteren Verschärfung der Erenzfrage vorzubeugen wünsche.
Die griechisch-türkischen Verhandlungen.
Athen, 19. Oktbr. Während der gestrigen Sitzung der Friedensunterhändler wurde die Besprechung der Prüfung des Artikels, worüber man sich zwei Tage zuvor nicht einigen konnte, fortgesetzt. In einigen Punkten wurde eine Annäherung der verschiedenen Standpunkte erreicht. Von jeder Seite wurden zwei Delegierte zur Vorprüfung des Artikels über die Wakufs beauftragt.
Konstantinopel, 19. Oktbr. Bezüglich der noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Griechenland unb der Türkei wird von unterrichteter Stelle der Pforte folgendes erklärt: In Artikel 8 stützt sich die Pforte bezüglich des Unterhaltes der Gefangenen auf die Bestimmungen der letzten Haager Konvention, womit die Kosten des Unterhaltes der Gefangenen jedem Staate zur Last fallen, in dessen Gewalt sie sich befinden. Die Offiziere sollen die Gehälter erhalten, welche von dem Staate, dem sie angehören, zurückzuzahlen sind. In Artikel 9 verweigert die Pforte keineswegs eine Entschädigung für die in Konstantinopel vor der Kriegserklärung zurückerhaltenen griechischen Dampfer, es bleibt noch die Summe der Entschädigung zu bestimmen. Bezüglich Artikel 10 wird bemerkt: Nach der Uebergabe des Protokolls der Uebergabe von Salonik sollten die Waffen der Soldaten, einschließlich der Kanonen, in einem Depot aufbewahrt und nach dem Kriege zurückgestellt werden. Griechenland verweigert jetzt die Zurückstellung, indem es dieser Klausel eine andere Interpretation gibt. In Artikel 11 besteht die Pforte darauf, daß der Obermufti die Investitur vom Scheich ul Islam erhalte, damit er die Amtsgewalt habe, Fetwas zu erlaßen und Imams zu ernennen.
Berlin, 19. Oktbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt in ihrer Wochenrundschau: Die Verhandlungen zwischen der Türkei und Griechenland haben in dieser Woche erfreuliche Fortschritte gemacht. Ueber die wichtige Jndigenatsfrage ist eine Verständigung bereits erzielt. Dagegen steht die Einigung in den Fragen des Mufti und der Wakufs noch aus. Wenn die Verhandlungen bei gegenseitigem guten Willen fortgeführt werden, so werden sich auch diese Schwierigkeiten wohl ausgleichen lassen. Zu einer günstigen Beurteilung der griechisch-türkischen Beziehungen trägt der Umstand bei, daß in der türkischen Demobilisation jetzt ein lebhaftes Tempo eingeschlagen worden ist. Auf beiden Seiten scheint sich danach der Wunsch zu befestigen, die Differenzen zu einer friedlichen Lösung zu bringen.
Oesterreichisches Ultimatum an Serbien.
Wien, 18. Oktbr. Von unterrichteter Seite verlautet: Der österreichisch-ungarische Geschäftsträger, Herr v. Störk in Belgrad, hat den Auftrag erhalten, der serbischen Regierung mitzuteilen, daß Oesterreich-Ungarn erwarte, daß Serbien längstens binnen acht Tagen seine Truppen aus den von ihm besetzten Gebieten des autonomen Albaniens Zurückziehe.
Der Festtag in Leipzig.
Leipzig, 18. Oktober.
Ein mächtiges Leben und Treiben erfüllt am heutigen Haupt» tage der Völkerschlachtfeier von den frühesten Morgenstunden an die festlich geschmückte Stadt. Das Hinausströmen zum Denkmal selbst hatte schon in aller Frühe eingesetzt und nahm in den Vormittagsstunden ungeheure Dimensionen an.
Die fürstlichen Teilnehmer find außer dem Kaiser, dem König von Sachsen und den Prinzen des sächsisch« Königs. Hauses: Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich, Großfürst Kyrill Wladimirowitsch von Rußland, Prinz Wilhelm von Schweden, Herzog von Soederland, Prinzregent Ludwig von Bayer«, Prinz Ruprecht von Bayern, König Wilhelm n. von Württemberg, Herzog Albrecht von Württemberg, D roßherzog Friedrich H von Baden, Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bet Rhein, Großherzog Wilhelm Ernst von Sachs«, L roßherzog Friedrich August von Oldenburg, Großherzog FriÄnttch Franz IV. von Meck- lenburg-Schwerin, Großherzog Adolf Friedrich mm Mecklenburg- Strelitz, Erbprinz Bernhard von Sachsen-Meiningen, Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg, Herzog Karl Eduard von Sach, sen-Koburg und Gotha, Herzog Friedrich TL von Anhalt, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg-Schwerin, Regent de, Herzog, tums Braunschweig, Fürst Friedrich zu Waldeck Mb Pyrmont, Fürst Leopold IV. zur Lippe, Fürst Heinrich XXVIL zu Reuß j. L, Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe, die Bürgermeister der Hansestädte: Dr. Schröder-Hamburg, Dr. Barlhansen-Bremen und Dr. Eschenburg-Lübeck.
Das preußische Heer vertreten die GeneraffeQmrarschLlle, die Generalinspekteure der Armeeinspektioue», der Chef des Großen Generalstabs, der Kriegsminister, die kommandierende« Generäle; das bayerische Heer di« kommandierende« Generäle der drei Armeekorps, der Kriegsminister trab der Chef des Generalstabs; das württembergische Armeekorps der Kriegsminister und der kommandierende General. Als Vertreter des österreichisch-ungarischen Heeres find « schienen: der Chef des Generalstabs Frhr. Conrad v. Hötzendorff Kriegsminister v. Krobatin und die Kommandant« der Regi, meuter, die an der Leipziger Schlacht hervorragend« Anteil genommen hab«; als Vertreter der russischen Armee außer der unmittelbar« Begleitung des Großfürst« Kyrill noch (Seite» raladjutant Baron Meyendorff, Flügeladjutant Fürst Mescht- schersky und 12 Offiziere unter Führung des Chefs des General- stabs General Jilinski; als Vertreter der schwedische« Armee der Generalstabschef Generalleutnant K. G. Bildt, der persönliche Adjutant des Prinz« Wilhelm Kapitän Frhr, K. 6. 6. Leijonhufnud, ferner K. A. O. Oberst Toll, Major C. W. A. Hammarskiöld und Kapitän G. A. A. Blüm.
Ferner find vertret« die Familien der Heerführer der Befreiungskriege durch d« Major (Stasen York vo« Wartenburg, ben Rittmeister Graf« Blücher von Walstatt und den Leutnant Grafen Bülow v. Dennewitz; aus Oesterreich find zugegen Vettreter der Familie des Fürst« von Schwarzenberg sowie der fürstlich« und gräflich« Famili« Radetzky, Bianski, Folliot de Greneoille, Rostiz, Rieneck und Hardegg.
Die Ankunft des Kaisers.
Der Kaiser traf um 10.45 Uhr von Bonn kommend auf dem Hauptbahnhof mittels Sonderzug ein. Zum Empfang war« auf dem Bahnsteig erschienen: der König von Sachsen in der Uniform der sächsischen Husaren, ferner Staatssekretär v. Tirpitz, der sächsische Kriegsminister Frhr. v. Hausen u. a. Es fand ein großer militärischer Empfang statt. Der Kaiser trug die Uniform des 1. Garde-Regiments zu Fuß mit dem Band des Schwarzen Adlerordens. Die Monarchen begrüßten einander sehr herzlich. Rach der Vorstellung der Gefolge schritten die Monarchen die Front der Ehrenkompanie ab und nahmen darauf den Vorbeimarsch derselben entgegen. Sodann geleitete der König den Kaiser in das prächtig dekorierte Fürstenzimmer. Beim Austritt aus dem Bahnhof wurden die Majestäten von dem vieltausendköpfigen Publikum stürmisch begrüßt. Der König und sein hoher East bestiegen den bereit stehenden â la Daumont bespannten Wagen. Begleitet von einer Eskadron Ulanen traten die Majestäten unter stürmischen Hochrufen durch die Feststraße die Fahrt zum Völkerschlachtdenkm"! an.
Die Feier am Denkmal.
Vom frühen Morgen an strömten unzählige Volksscharen zum i Völkerschlachtdenkmal, dessen gewaltige Umrisse noch im Dunst des Oktobermorgens verschwanden. Schon frühzeitig füllten sich die großen Tribünen, welch- winzig erscheinen gegenüber bet ungeheuren Wuchr des Denkmals. Die Fahnenträger der Krre- gerv°reine Innungen und anderer Vereine nahmen auf den Stufen der Denkmalstreppe Aufstellung. Um den Teich herum gruppierten sich die Vertreter der deutschen Studentenschaft, mehrere Tausend an der Zahl, mit ihren Chargierten in Wichs und 'h-en Fahnen und Bannern. Zahlreiche Alte Herren hatten Band und Mütze angelegt und sich den Kommilitonen zugesellt. Die Ehrengäste fanden sich auf der großen Plattform im Kaiserzelt ein. Hier sah man die Mitglieder des Deutschen Patriotenbun- des, den Rat der Stadt Leipzig, die Geistlichkeit, die Rektoren,