Sette 10
Donnerstag
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Die verwüstete Goldgräberstadt Nome.
New-Aork, 8. Oktbr. Nach hierher gelangten Depeschen aus Nome (Alaska) brach dort nach dreitägigem Sturm, der einen großen Teil der Goldgräberstadt in Trümmer legte, Feuer aus und vernichtete viele Vorräte an Nahrungsmitteln, Die Einwohner, die gezwungen sind, dort zu überwintern, befinden sich in Gefahr, zu verhungern oder zu erfrieren, da nur ein Minimum an Lebensmitteln und Heizmaterial in den wenigen unzerstörten Häusern vorhanden ist. Ob und wieviel Menschen den entfesselten Elementen zum Opfer gefallen sind, steht noch nicht fest; doch sind schon etwa 20 als „vermißt" gemeldet. Die Schilderungen der hiesigen Presse bringen grauenerregende Einzelheiten der Katastrophe. Danach wurde ein großer Teil Nomes vom Orkan in den Ozean geweht. Gleichzeitig trieb die Sturmflut Massen von Meerwasser am Sonntagabend weit in die unglückliche Stadt hinein. Hunderte von Häusern wurden umgeworfen. Feuer, das bald aus den Trümmern emporloderte, zerstörte den Rest bis auf einige weiter in Land stehende vereinzelte Gehöfte. Die Zerstörung der elektrischen Anlagen und der Warenhäuser mit Lebensmitteln ist besonders verhängnisvoll. Angesichts des rasch hereinbrecheu- ben Winters dürfte es kaum möglich fein, Vorräte zur Linderung der Not heranzuführen, zumal der Hafen zerstört ist. Der Schaden wird jetzt auf über 10 Millionen Mark geschätzt, ganz abgesehen von den verschlammten oder ersoffenen Goldgruben.
Aus Nah und Fern.
X Groß-Steinheim, 9. Oktbr. Die Kreisobst- und Gartenbauausstellung in Offenbach a. M. erbrachte lür bie Aussteller von Groß- und Klein - Steinheim ein glänzendes und ehrenvolles Resultat. Eserhielten: Herr Oswald Spahn einen Ehrenpreis, zweimal die silberne, viermal die bronzene Medaille und zwei Diplome, Herr Gustav Jung zweimal die bronzene Medaille. Von Klein-Steinheim erhielten: Herr Sanitätsrat Dr. Uebel zwei Ehrenpreise und eine bronzene Medaille, Frau Sanitätsrat Dr. Uebel eine silberne Medaille, Herr Pfarrer Wahlig eine bronzene Medaille und ein Diplom, Herr Heinr. Kaiser ein Diplom.
Frankfurt, 8. Oktbr. Eine 45jährige Frau in der Nibelungen-Allee, die schon seit längerer Zeit nervös leidend ist, begoß sich mit Benzin und steckte dann ihre Kleider in Brand. Trotz sofortiger Hilfe trug die Frau so schwere Brandwunden davon, daß sie in hoffnungslosem Zustand ins Marienkrankenhaus geschafft wurde. — Kurz nach 3 Uhr ereignete sich in der Bauschlofferei von Christian Albus in der Bendergasse eine Explosion. Der 41jährige Schlossergeselle Paul Schecker war gerade bei der Reinigung eines mit Acetylen gefüllten Kessels beschäftigt, als plötzlich die Explosion derselben erfolgte. Schecker, dem das Hinterhaupt zertrümmert wurde, war auf der Stelle tot. Ein fünfzehnjähriger Lehrling erlitt eine unbedeutende Quetschung des Handgelenks. Die Polizei beschlagnahmte den Kessel; eine Gerichtskommission wird die Unglücksstätte besichtigen.
Schlüchtern, 6. Okt. Wie bekannt, hat der Kreis Schlüchtern seit 1910 die Bürgschaft für Baudarlehen an Arbeiter und Handwerker der Landerversicherungsanstalt Hessen-Nassau gegenüber übernommen. Die Kreissparkasse Schlüchtern bewirkt die nötige Vermittelung. Im abgelaufenen Berichtsjahre sind, wie der Verwaltungsbericht des Kreisausschusses mitteilt, hierdurch 8 Arbeiter (gegen 11 im Vorjahre) des Kreises Schlüchtern in die Lage versetzt worden, sich eigene kleine Wohnhäuser mit Zubehör zu errichten.
Hünfeld, 6. Okt. Wie aus Schmalkalden gemeldet wird, ist die Errichtung von Postautolinien im Kreise Schmalkalden als gesichert zu betrachten. Die Kraftwagenlinien werden am 1. Juli 1914 in Betrieb genommen. Unter den projektierten Linien befindet sich auch folgende: Schmalkalden— Wernshausen —Roßdorf — Dermbach —Gehaus — Oechsen— >■—— —*
Was haben mir während dieser ganzen Zeit seine Briefe für Sorgen gemacht, wie mich ständig gequält! In der Dämmerstunde, wenn ich nach alter, lieber Gewohnheit träumend in meiner Kaminecke saß, schweiften so oft meine Gedanken hinüber nach G., und ich sah deutlich das abgehärmte und abgehetzte Gesicht meines Freundes, wie er, über den Schreibtisch gebeugt, an der Arbeit saß und all die alten Akten sichtete.
So saß ich auch eines Tages in der Dämmerstunde in meineOEcke, und meine Gedanken weilten bei meinem Freunde in G., vielleicht heute mehr denn je, denn der fällige Brief war seit zwei Tagen ausgeblieben, und der letzte mar stellenweise so eigenartig müde und abgespannt gestimmt gewesen, daß mich eine unbegreifliche Angst um meinen Freund erfaßt hatte. Draußen tobte der Herbststurm, als wären sämtliche höllischen Mächte losgelassen worden. Hier drinnen, in meinem Zimmer, herrschte jedoch jenes geheimnisvolle Dunkel, jene Stille, bei der man sich so recht seinen Gedanken hingeben kann. Es mochte vielleicht schon 9 Uhr geschlagen haben, ich hatte nicht aus die 3eit acht gegeben. Da öffnete sich mit einem Male die Tür, die Flamme im Kamin lodert hell auf und wirft ihren Lichtstrahl gespenstisch durch das ganze Zimmer, und herein schreitet der, bei dem gerade meine Gedanken weilen, mein Freund Karl. Ich will aufstehen, ihm entgegengehen und ihn bgrüßen. Aber eine geheimnisvolle Macht hält mich am Sessel gebannt. Ich will ihn anreden: „Wo kommst denn du so plötzlich her?", aber ich vermag kein Wort hcrauszu- bringen. Langsam schreitet mein Freund auf meinen Platz zu, fest faßt er meine Hände und beugt sich über mich. Ich fühle den Kuß seiner Lippen auf meiner Stirn, und etwas wie ein kaltes Erschauern geht durch meine Seele. Dann fühle ich plötzlich etwas Warmes, Feuchtes auf meine Hand fallen, und wie sich mein Karl zurückbeugt, da — da — da sehe ich — ich denke, mich soll das Grausen packen — da sehe ich beim Schein der Kaminflammen deutlich an der reckten
Geisa—Rasdorf—Hünfeld. Ausgangspunkt dieser Rhönlinie wird Schmalkalden, wo auch das Reserve-Automobil stationiert wird. Ob die Rhönlinie bis Hünfeld durchgeführt wird, hängt von dem Entgegenkommen des Kreises Hünfeld ab. Der Kreis ist sich wegen des Zuschusses noch nicht schlüssig geworden. Zweifellos wird er sich aber dazu verstehen, da doch der Kreis, wenn die Stadt Hünfeld Ausgangspunkt der Linie wird, große Vorteile von der Verbindung hat. Auf der Rhönlinie sollen im Sommer und Winter zwei Automobile verkehren.
Cassel, 8. Okt. Oberbürgermeister Scholz hat gestern zum letzten Male eine Sitzung des Magistrats präsidiert. Er siedelt nunmehr nach Charlottenburg über, um an die Spitze der dortigen Stadtverwaltung zu treten.
Stettin, 8. Okt. Gegen den Arbeiter Brandenburg, der am 5. Juni vor der Cichorienfabrik von Weiß in Frauendorf den streikenden Arbeiter Kühn durch Messerstiche so schwer verletzte, daß dieser einige Minuten später starb, wurde gestern unter großem Andrang des Publikums vor dem Schwurgericht verhandelt. Der Angeklagte erklärte, er habe sich durch den Arbeiter Kühn bedroht gefühlt und nur in der Notwehr gehandelt, als er auf seinen Angreifer losstach. Der Staatsanwalt gab der Meinung Ausdruck, daß Brandenburg, der zu einer Schar von Arbeitswilligen gehörte, die sich dem Streik nicht anschließen wollten, sich in der Notwehr befand, diese aber überschritten habe. Die Geschworenen verneinten alle Schuldfragen, sodaß der Angeklagte sreigesprochen wurde.
Kunst und Leden.
ngc. Zur Naturgeschichte des Flirts. Wer das im modernen internationalen Sprachgebrauch zu so großer Anerkennung gelangte Wort „Flirt" in seiner eigentlichen Bedeutung ersassen will, muß auf seinen Ursprung zurückgehen. Es kommt von dem alten französischen-Wort „fleureter" („parler fleurs"), im bildlichen Sinne haftet dem Ausdruck also etwas duftendes, zartes und durchaus harmloses an. Mit Recht gilt der Flirt als ein Kompromiß zwischen der Tugend und dem Instinkt des Herzens, als das Vorspiel der Liebe, das aufhört, wo diese beginnt. Die früheren Jahrhunderte kannten das nicht ganz ungefährliche Spiel mit dem Feuer auch schon, aber unserer Zeit war es vorbehalten, dem Flirt in den Beziehungen der beiden Geschlechte zueinander einen so hervorragenden Platz einzuräumen, besonders in England, wo der Flirt als Sport betrieben wird. Er gehört bereits unzertrennbar zum englischen Leben, wie die öden englischen Sonntage, die „public-houses" und die „Cabs". In den Vereinigten Staaten, wo bekantnlich nicht die Schafe die Wölfe, sondern die Wölfe die Schafe fürchten, hat diese Art des Tändelns ebenfalls eine sehr zahlreiche und eifrige Gemeinde gefunden. Eine amerikanische Braut seufzte einst: „Ja, ich bin glücklich, wenigstens bilde ich es mir ein, aber nur mit Grauen denke ich daran, daß ich nach meiner Verheiratung nicht mehr flirten darf." Vor etwa zehn Jahren wurde im Lande der unberechenbaren Blaß- gefichter ein Bund gegen den Flirt gegründet, dessen Mitglieder sich nicht allein jede Art des Flirtens versagen wollten, sondern sich sogar verpflichteten, andere mehr oder weniger energisch davon abzuhalten. Aber man hat nichts davon gehört, daß diesem Bunde, den vermutlich grämliche Matronen und mißmutige alte Jungfern erdacht hatten, ein sehr langes Leben beschieden gewesen sei. An Versuchen zur Erläuterung des Wortes Flirt, die zum Teil weit auseinandergehen, fehlt es nicht. Einigen gilt er als „Männerfalle", anderen als eine „Vorspiegelung der Aufrichtigkeit mit einem Schatten der Wirklichkeit" noch anderen als „die als Liebe verkleidete Grausamkeit, die das Drama bcr Lebens spielt". Einfach: „Flirt" hat den Vorzug, erheblich kürzer zu sein., ,
Schläfe meines Freundes eine kleine, runde Wunde, aus der Blut tropft, und sehe ferner, wie von dem linken Handgelenk aus einer breiten, roten Wunde das warme Lebens- blut sich ergießt, immer mehr, bis es den Teppich ringsumher rot färbt mit der edlen, purpurroten Farbe des Lebens. Ich will aufspringen, ihm die Wunden verbinden, die Quelle zuhalten, aus der das Leben entfliehen will, doch falle ich ohnmächtig zurück in meinen Sessel. Ich will laut um Hilfe schreien, doch nur ein leises Stöhnen entringt sich meiner Brust. Dann erklingt wie der Hauch eines Sterbenden noch ein leises „Lebe wohl, geliebter Freund!", und die Gestalt verschwindet lautlos, wie sie gekommen.
Ich weiß nicht mehr, wie lange ich in der Erstarrung dagesessen habe. Ich weiß nur noch, daß ich, als ich wieder zur Besinnung kam, mich an den Kopf faßte, mich in die Arme und Beine kniff, ob ich wachte oder träumte. War das alles wirklich gewesen oder nur der Spuk meiner Phantasie, hervorgerufen durch die Angst um meinen Freund?
Eine jähe Furcht vor einem entsetzlichen Ereignis ergriff mich, ich sprang aus, rief laut nach meiner Wirtin, die schleunigst mit Licht herbeistürzte und aufgeregt fragte, wa denn los sei. Ich besah meine Hände, sie waren rein von Blut. Auch der Teppich, der Boden des Zimmers, nichts zeigte eine Spur. Ich fragte meine Wirtin, ob jemand hier gewesen. Sie hatte nichts gehört. Die Korridortür war geschlossen gewesen, und wenn jemand geklingelt hätte, so hätte sie etwas hören müssen, da sie in der Küche neben der , Korridortür gearbeitet hatte.
— Also doch nur ein Traum, aber welch schrecklicher Traum. Und doch ließ er mir keine Ruhe, ich konnte die Sorge nicht los werden, daß meinem Freunde irgend etwas
■ Schreckliches zugestoßen sein müsse. Obgleich es schon spät war, lief ich doch zur nächsten Post und gab ein dringendes Telegramm mit Rückantwort an meinen Freund auf. Nach etwa zwei Stunden langen Wartens, die mir wie eine Ewiakeit schienen, hielt ich ein Antworttelearamm in der
Aus Hana« Stadt und Land.
Hanau, 9. Oktober.
Vereins- und Vergnügungs-Nachrichten.
für Donnerstag den 9. Oktober.
Gesangverein „Germania": Abends 7V- Uhr: Konzert in den Sälev der „Centralhalle".
Blaukreuz-Verein: Blaukreuzstunde im ev. Pfarrhause, Rückertstraße 9 Turngemeinde: Von halb 9 bis halb 11 Uhr, Turnen der Jugendabt Turn- u. Fechtklub: Von 5—7 Uhr, Turnen der beiden Mädchen» abteilungen; von 7—8 Uhr, Turnen der Turnerinnenabteilnng; von halb 9—10 Uhr, Fechten; von 9—10 Uhr, Turnen der Männerabteilung.
Turnverein Kesselstadt: Abends von 9—10 Uhr, Turnender Männer» abteilung.
Arends'scher Stenographenverein „Apollobund": Vereinsabend im Gasthaus „zum Grasen Philipp Ludwig".
Kreuzbindnis, Verein abstinenter Katholiken, Ortsgruppe St. Jakobus, abends 9 Uhr, Versammlung im kleinen Saale des Pfarrhofes, Sternstraße 18, mit Vortrag und Diskussioir. Gäste willkommen.
Katholischer Männerverein: Vereinsabend im Restaurant Mohr.
Gesangsabteilung des Kath. Kasino „Eintracht": Singstunde in bei „großen Krone".
Dramatisch-literarischer Verein „Melpomene" : Lesung in der „Sonne". Gesangverein „Fröhlichkeit" : Singstunde im Vereinslokale.
Gesangverein „Concordia"-Kesselstadt: Singstunde im „Schwanen". Nationalliberaler Donnerstags-Stammtisch in der „Concordia".
Oesterr.-Ung. Klub: Vereinsabend in der Brauerei Orschler.
Jung-Hanau: Diskussionsabend im „Hotel zur Post".
Gesangsabteilung der Hochspessartfreunde „Rothenbuch": Singstunde im Vereinslokal.
Spessart-Touristenverein: Vereinsabend im Elesanten.
Verein der Hundefreunde für Hanau und Umgegend: Zusammenkunft in der „Concordia".
Handel, Gewerbe und Berkehr.
Berlin, 8. Oktbr. Weizen Okt. 189.-, Dez. 192.50, Mai 199.75. Roggen Okt. —.—, Dez. 163.—, Mai 166.75; Hafer Dez. 160.50. Mai 164.25, Mais Dez. —.—. Mai —.—, Rüböl Okt. 65.—, Dez. —.—. Weizenmehl 23.00—27.50. Roggenmehl 19.70-21.80.
Hamburg, 8.Oktbr. Kaffee Santos Okt. 57*/a, Dez. 58’/2, März 58*7, Mai 59— Pf. Rohzucker Oktbr. 9.45—, Novbr. 9.42 Va, Dez. 9.50—, Jan.-März 9.627», Mai 9.85—, Aug. 10.05. Weizen Mecklenburg. Oktober. 190.—. Gerste Südrussische Okt. 111V». Mais ruh. Amerik. mix. Jan.-April--. La Plata Jan.-April 106—. Rüb öl ruh. Loco verz. 66—. Salpeter ruh. loco 10.15—, Jan.-Febr. 10.25, Okt.-Nov. 1914 10.55—, Schmalz, stet. Amerik. steam. 53—, Chamberlain 55—, Cacao: Quayanil. 60—, Trinidat 64—.
Paris, 8. Oktbr. Ro ggen Okt. 19.25, Rov. 19.25, Rov.-Febr. 19.25, Jan.-April 19.25, Weizen Oktbr. 26.35, Novbr. 26.50, Nov.-Febr. 26.80. Jan.-April 27.20. Mehl Oktbr. 35.70, Nov. 35.65, Nov.-Febr. 35.55, Jan.-April 35.80. Rüb öl Okt. 763A, Novbr. 76^/2, Jan.-April 74^2, März-Juni 73 74. Sp iritns Oktbr. 453/4, Novbr. 44%, Jan.-April 45SA, Mai-Aug. 47— Rohzucker loco 273A, Zucker Okt. 313/8, Nov. 317a, Jan.-Apri! 323/g, März-Juni 323/4, Leinöl Oktbr. 603/*, Nov. 61—, Jan.- April 6374, März-Juni 633/4.
Budapest, 8. Oktbr. Weizen Oktober 10.62, April 11.38, Roggen Oktober 8.10. Hafer Okt. 7.49. Mais Okt. —.—, Mai 6.38.
Cchiffsuachrichten.
(Mitgeteilt von, Vertreter des Norddeutschen Lloyd in Bremen, M. Schuster, Fahrstraße Nr. 1.)
Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Prinz Friedrich Wilhelm" ist am 5. Oktober wohlbehalten in New - Jork angekommen.
Bremen, 5. Oktober. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Kleist" ist gestern wohlbehalten in Colombo ein« getroffen.
Hand mit der erschütternden Nachricht: „Herr S. tödlich verunglückt, sofort kommen!"
Noch der Frühzug führte mich nach G., wo ich am Vormittag eintraf. Ich fand meinen Freund nicht mehr unter den Lebenden. In seiner nervösen Ueberreiztheit, vielleicht auch in einem Anfall von Geistesgestörtheit hatte er sich die Pulsader der linken Hand ausgeschnitten und sich außerdem noch eine Kugel in den Kopf geschossen. Das muß zur selben Stunde gewesen sein, in der er mir in meinem Arbeitszimmer erschienen war, um mir Lebewohl zu sagen. Seine Wirtsleute hatten nichts davon gemerkt, da er es ihnen verboten hatte, ihn in der Dämmerstunde in seinen Wohnräumen zu stören. Erst als meine Depesche an/om, hatte man ihn wecken wollen und dabei die schreckliche Wahrnehmung machen müssen, daß mein Freund in seinem Blut auf der Chaiselongue lag. Noch schlug zwar das Herz, aber es schlug nur noch ganz matt, und dann losch sein Lebenslicht ganz aus. Jegliche ärztliche Hilfe, die bald zur Stelle war, war vergebens. Der Tod ließ sein Opfer, das den Weg zu ihm selbst gewählt, nicht mehr aus den Händen. Vielleicht, wenn mein Telegramm früher gekommen wäre, wenn ich, durch die Erscheinung geschreckt, nicht so lange in voller Erstarrung dagesessen, wenn ich gleich mich aufgerafft hätte? Doch wer vermag es zu wissen, wer kann rechten?
Ich habe meinem toten Freund noch einmal die Hand gedrückt, noch einmal zum Abschied mit meinen Lippen die bleiche Stirn geküßt, wie er es mir getan hat in jener Dämmerstunde. Dann hat man ihn in den Sarg gelegt und zr^ Grabe getragen mit allen kirchlichen Ehren.
Seit jenem Tage weiß ich jedoch, daß es noch mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als wir bis jetzt gewußt haben, und die Dämmerstunden sind mir seitdem noch lieber geworden; weiß ich doch, daß mich dann die Seele Karls umschwebt und unsere beiden Seelen wieder Zwiesprache miteinander halten, wie voreinst.