Einrückungsgebühr:
Die Kgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. toi ReklameteU die Zeil« 60 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckers! des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
Bezugspreis»
Vierteljährlich 1.80 ML, monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich MO ML, monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Nr. 230 8rmifrre<6anM)faß Nr. 230.
Donnerstag de» 2. Oktober
Fernsprechattschlttsz Nr. 230* 1913
AmM»es.
Stadtkreis fianati.
Nachdem die Eberhardstraße zwischen Nordstraße und Sandeldamm und die Vlachi restraße zwischen Grüner Weg und Gartenstraße mit Pflasterdecken versehen sind, werden die Anlieger dieser Straßenstrecken auf die Vorschriften der Polizeiverordnung vom 28. Mai 1909/27. März 1913 aufmerksam gemacht.
Danach müssen die Straßen einschließlich Rinnen und Bürgersteige Mittwochs- und Samstagsnachmittags längs der ganzen Frontlänge eines Grundstücks bis zur Mittellinie des Stratzendammes gründlich gereinigt werden. Verantwortlich sind die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke oder die Mieter ganzer Häuser.
Die Verpflichtung zur Straßenreinigung beginnt am Mittwoch den 15. Oktober 1913.
Hanau den 1. Oktober 1913. P 10918
Königliche Polizeidirektion.
I. A.: Karbe.
Nach Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten zu Gaffel vom 18. d. Mts. — A. III. 4684 b — kann die nach der viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 4. Januar dieses Jahres vorgeschriebene amtstierärztliche Untersuchung des an den drei letzten Tagen vor den Hanauer Viehmärktep auf den hiesigen Bahnhöfen zur Entladung kommenden Schlachtviehes bis auf weiteres bei sämtlichen vom Schlachthof Frankfurt a. M. hier eintreffenden Schlachttieren unterbleiben, unter der Bedingung, daß der Transporteur für jeden Transport eine Nachweisung über den Empfänger der fraglichen Tiere vor dem Ausladen in dem Sekretariat der Königlichen Polizeidirektion, Hainstraße 10, einreicht.
Hanau den 29. September 1913. P. 10576
Königliche Polizeidirektion.
J. A.: Karbe.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Papierwarenhändlers Ludwig Speitel in Hanau ist Termin zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen anberaumt auf
den 21. Oktober 1913, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 6 in Hanau, Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 21.
Hanau den 25. September 1913. 23241
Königliches Amtsgericht 6.
Gefunden: 1 Handtasche (Netz) mit Kartoffeln auf dem Marktplatz; abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.
Hanau den 1. Oktober 1913. 23297
Politische Rundschau.
Frankreich und Spanien. Aus Madrid wird gemeldet: „Jmparcial" meint, daß der Zusammenkunft des Ministerpräsidenten Varthou mit König Alfons eine große Wichtigkeit beizumessen sei. Für Frankreich sei die Bündnispolitik eine nationale Politik und wenn Frankreich Spanien seiner Entente mit England hinzugeselle, so müsse dies als ein Triumph der Politik Poincar6s angesehen werden. Immerhin sei es möglich, daß die französischen Auslegungen in dieser Hinsicht zu weit gegangen seien und daß auch die Madrider Reise des Generals Liautey nicht die ihr von manchen Seiten beigemessene Bedeutung habe. Es ist zu hoffen, daß enge Freundschaft geschlossen wird, aber man darf nicht bis zu einem neuen Schutz- und Trutzbündnis gehen und muß die Freundschaft jedenfalls auf das Unter- neMen Spaniens in Marokko beschränken.
Der österreichische Thronfolger auf der Hofjagd in der Vohrde. Der Kaiser hat zu der Hofjagd in der Göhrde, die am 7 und 8. November stattfinden soll, verschiedene Fürst- uchkmten eingeladen, unter ihnen auch den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand.
Prämie für die Ergreifung von Werbern der Frem- denlcgron. Ein Mitglied des deutschen Schutzverbandes $ gegen die Fremdenlegion, Sitz München, sichert eine Prämie i’is 300 Mark demjenigen zu, der den ersten Werber für die französische Fremdenlegion auf deutschem Gebiete^ anzeigt, so daß seine Verhaftung und Bestrafung erfolgen kann-
Die nördlichen Staaten der Republik Mexiko haben erklärt, von Mexiko abfallen und einen republikanischen Sonderbund bilden zu wollen.
Die Niederwerfung bet Revolution in San Domingo. Nach einem Telegramm aus San Domingo hat sich am Sonntag Puerto Plata, das Hauptbollwerk der Aufständischen im Norden, den Regierungstruppen ergeben.
Japan und China. Zu den Gerüchten, die Japaner entfalteten- im Pangtsetal eine lebhafte Tätigkeit mit der Absicht, ein Unternehmen zu beginnen, das berechnet sei, zur Aufteilung Chinas zu führen, erhält Reuter von zuverlässiger Quelle die Versicherung, Japan beabsichtige keineswegs einen Kurs einzuschlagen, der zu unerwünschten Folgen führen könne. Die Gerüchte von einer Vermehrung der japanischen Streitkräfte in Hankau und die Landung zahlreicher Truppen in Nanking, sowie die Absendung eines Ultimatums seien unbegründet. Nur 200 Matrosen seien in Nanking gelandet, um die japanische Niederlassung zu bewachen. Die japanischen Kriegsschiffe in Nanking würden zurückgezogen, sobald die Ordnung wiederhergestellt sei.
Die Lage auf dem Balkan.
Die Türkei und Griechenland.
W. Konstantinopel, 1. Oktbr. Da die Erkrankung Re- schid Beys andauert, beauftragte die Pforte den Rechtsbeirat im Ministerium des Aeußern, Herant Bey Abro, die Friedensverhandlungen mit Griechenland fortzusetzen. In Pfortekreisen werden die Gerüchte, die Türkei wolle die Verhandlungen in die Länge ziehen, für unrichtig erklärt. Es wird versichert, die Pforte wer^e sich entgegenkommend zeigen und in der Frage der Wakufgüter Konzessionen machen. — Herant reist am Freitag nach Athen ab.
Essad Pascha.
W. Belgrad, 1. Oktbr. Die „Tribuna" meldet: Effad Pascha richtete ein Schreiben an die serbische Regierung, in welchem er sein Bedauern über die blutigen Ereignisse an der serbisch-albanischen Grenze ausspricht, gleichzeitig aber erklärt, daß er mit seinem Anhang die Integrität der durch die Londoner Botschaftervereinigung abgegrenzten albanischen Staatsterritorien gegen die serbische Armee verteidigen werde.
Der Text des türkisch-bulgarische»» Frievensvertrages.
Der offizielle Text des türkisch-bulgarischen Friedensvertrages lautet in den bisher noch nicht bekannten Punkten:
Artikel 7: Die aus den von der Türkei an Bulgarien abgetretenen Gebieten stammenden und .dort wohnhaften Personen werden bulgarische Untertanen. Diese zu bulgarischen Untertanen gewordenen Personen werden während eines Zeitraumes von vier Jahren die Freiheit haben, an Ort und Stelle zugunsten der ottomanischen Nationalität zu optieren durch eine einfache Erklärung bei den lokalen bulgarischen Behörden und Eintragung bei den ottomanischen Konsulaten.
Die Muselmanen in den abgetretenen Gebieten, die bulgarische Untertanen geworden sind, werden während einer Zeit von vier Jahren nicht zum Militärdienst herangezogen werden und haben keinerlei Militärsteuer zu bezahlen.
Die Muselmanen, die von ihrem Optionsrecht Gebrauch machen, werden die abgetretenen Gebiete verlassen, und zwar bis zu dem Ablaufstage der oben vorgesehenen vierjährigen Frist, wobei sie das Recht haben, ihr Hab und Gut zollfrei auszuführen. Sie können jedoch Immobilien jederart in Stadt und Land behalten und sie durch Dritte verwalten lassen, •
Artikel 8: Die muselmanischen Untertanen Bulgariens werdenina llen Gebieten Bulgariens die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte genießen, wie gebürtige Bulgaren. Sie werden Gewissensfreiheit und Freiheit der äußeren Ausübung ihres Kultes haben. Die muselmanischen Gewohnheiten werden respektiert werden.
Der Name des Sultans als Khalifen wird weiterhin in den öffentlichen Gebeten der Muselmanen genannt werden. Die muselmanischen Religionsgemeinschaften, die gegenwärtig bestehen oder in Zukunft errichtet werden, foiuie ihre hierarchische Organisation und ihre Vermögen werden anerkannt und respektiert werden.»
Artikel 16: Die bulgarische Regierung ist auf die Rechte und Verpflichtungen der ottomanischen Regierung gegenüber der Gesellschaft der o r i e n t a l i s ch e n E,i s e n- b ah neu beschränkt für den in den abgetretenen Gebieten ; ihr konzedierten Teil der Bahnlinie. Die bulgarische Re- j gierung verpflichtet sich, unverzüglich alles rollende Material : und andere Objekte, welche der genannten Gesellschaft ge- l hören und von der bulgarischen Regi wurden, zurückzugeben.
beschlagnahmt
Aus Hauau Stadt und Land. Hanau, 2. Oktober.
36. IWtvNsMMlW her HesMen »iWrerMus.
(Zweiter Tag.)
Hanau den 2. Oktober 1913.
Zur 2. Hauptversammlung vereinten sich gestern Hessens Lehrer, diesmal in noch viel zahlreicher Beteiligung, in der Turnhalle, um die im Mittelpunkte der Tagung stehenden Verhandlungen über sehr wichtige Fragen der Zukunft unserer Volksschule oder Gestaltung des Unterrichts zu erledigen. Als Ehrengäste waren erschienen die Herren Re- gierungs- und Schulrat Dr. Liese-Cassel, Superintendent Fritsch- Hanau als Vertreter der Kirche, Stadtschulrat Dr. Berensmann- Hanau als Vertreter der Stadt- und Schulbehörde, Kreisschulinspektor Junker- Hanau, Direktor Dr. Schmidt-Hanau, Leiter der Oberrealschule, Dr. Bungen st ab, Direktor des Lyceums, und die Vertreter des preußischen und deutschen Lehrervereins,Rektor V o r p a h l - Magdeburg und Lehrer M ü l- l e r - Berlin.
Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Lehrer Rosenstock - Cassel, begrüßte nach dem gemeinschaftlichen Gesang der 1. Strophe des Chorals „O, Gott, du frommer Gott" in seiner Eröffnungsansprache aufs herzlichste und dankbar die Ehrengäste und Lehrer Hessens, wünschend, daß alle von dem einen Gedanken beseelt sein mögen, der Volksschule freie Bahnen zu schaffen, daß wir es gut meinen mit dem deutschen Volke und durch die Volksschule in die erste Reihe unter den Völkern eintreten, und uns darin halten, daß dis Verhandlungen getragen seien vom Geiste der Begeisterung, ohne verletzenden Hieb nach links oder rechts, daß endlich die Stunden der Freude eine Quelle reiner Freude werden möchte. — Hierauf folgten die Begrüßungen durch die Vertreter des Staates, der Stadt, der Kirche und Schule. Zunächst ergriff Herr Regierungs- und Schulrat Dr. Liese-Cassel das Wort: „Der Herr Präsident der Kgl. Regierung und die Abteilung für Kirchen- und Schulsachen entbieten Ihnen zur diesjährigen Tagung Ihres Vereins herzlichsten Gruß und Glückwunsch. Es ist seit Jahren Gepflogenheit der Behörde, Ihrer sehr dankenswerten Einladung Folge zu leisten und sich hierbei vertreten zu laffen, und das ist gut so, und ich wünschte, daß es immer so bliebe, denn wir wollen mit der Lehrerschaft zusammen raten und taten, die Schulfragen — große und kleine — zu lösen suchen, um zu erreichen, was Schule und Lehrer frommt und begeistert, zugleich aber auch Ihren besonderen Wünschen Rechnung tragen, soweit sie erfüllbar sind. Den Verhandlungen Ihrer diesjährigen Tagung bringen wir großes Interesse entgegen. Sie zeigen uns wieder einmal, wie Sie in besonders gründlicher und umfassender Weise als große Vrudergemeinschaft das ökonomische und soziale Wohl Ihrer Mitglieder zu mehren bestrebt sind, und haben uns hineintreten lassen in die Hallen der Kunst, um mit Nachdruck zu betonen, daß die hehre Musik, die Schafferin wirklich froher Stunden, in der Lehrerschaft eine Heimstätte gefunden hat. Sie werden uns heute hineintreten lassen in den wahren Kreis Ihres geistigen Ringens, um Vervollkommnung Ihres Strebens nach berechtigter Entwicklung und gesunden Fortschritts. Es sind hohe, wichtige Fragen der Schulpolitik und der Schulverwaltung, die Sie heute erörtern wollen. Möchte dabei nicht vergessen werden, daß alles Gute, alles Vollkommene, daß das wirklich Gesunde niemals von heute auf morgen geworden ist. Ich danke dem Leiter der Versammlung, ihrem Herrn Vorsitzenden, für die freundlichen Motte der Begrüßung. Und nun hinein in die Tiefe Ihrer Berufsarbeit, der Arbeit an dem heiligen, hehren unb schönen Beruf, unser herzliches „Glückauf!" begleite Sie!" —
Hierauf begrüßte Herr Stadtschulrat Dr. Berens- mann-Hanau die Versammlung. Gern habe er seinen Urlaub unterbrochen, da es ihm ein Bedürfnis gewesen sei, hier zu sein, nicht allein als Schulaufsichtsbeamter, sondern aus Interesse für alles, was das Schulwesen fördern und ihm dienen könne. Einer Lehrersfamilie entstammend, habe er selbst als Mittelschullehrer gewirkt. Wiewohl erst % Jahre am hiesigen Orte tätig, könne er doch das Urteil abaeben, daß Hanau für seine Schule stets Gutes geschaffen habe und weiter schaffen werde. Wo gute Volksschulen sind da ergeben sich wirtschaftliche Fortschritte, und Hanau folge einem gesunden Fortschritte. Es liege ja die Gefahr nahe, daß die Interessen für die Gesamtheit zurllckstehen müssen, wenn diejenigen eines Standes in den Vorder-