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Rotationsdruck und Verlag der Vuchdruckerei des
Genkral-Anzeiger
Amtlilhts Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.
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verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
Nr. 229 MernlprechaiNâK Nr. 230.
Mittwoch den 1. Oktober
Fernsprechattschlitk Nr. 230. 1913
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14 Seiten.
Aus Hanau Stadt und Land.
Hanau, 1. Oktober.
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Hanau, 1. Oktbr. Zum vierten Male tagen Hessens Lehrer in glänzender Heerschau in unserer freundlichen Mainstadt, „der Perle am rauschenden Main", um wichtige zeitgemäße Fragen über biß Gestaltung und Einrichtung unserer an der Jugend unseres Volkes arbeitenden Schule zu erörtern, um Rechenschaft zu geben über die Verwaltung und das segensreiche Wirken seiner Wohltätigkeitseinrichtungen, nicht zuletzt auch um ein frohes Wiedersehen zu feiern oft nach langen Jahren. Und diese unsere zum Teil aus weiter Ferne zu uns gekommenen Gäste — es sind deren wohl nahezu 500 Lehrer — sind herzlichst willkommen unserer gesamten Bürgerschaft und freudigst begrüßt von der hiesigen Lehrerschaft. Die Hauptversammlungen finden in der großen Turnhalle (Jahnstraße) statt, welche — aufs reichste geschmückt — an den Seitenemporen die Bildnisse der seitherigen Vorsitzenden des Vereins, das Reichswappen und dasjenige unserer Stadt und das Bild des Vaters unserer Volksschule Pestalozzi zeigen, während zur Seite des Rednerpultes, von frischem Blattgrün umrahmt,' die lebensgroße Büste unseres Kaisers prangt.
Am gestrigen Nachmittage tagte hier die e r st e H a u p t- versammlung, welche die große Halle bis auf den letzten Platz füllte. Als Ehrengäste nahmen daran teil der , Herr Regierungs- und Schulrat Dr. Liefe- Cassel, Herr Bürgermeister H i l d-Hanau und Herr Lehrer Müller- Berlin, der Vertreter des Deutschen Lehrervereins. Der stellvertretende Vorsitzende Herr Lehrer R o f e n st o ck-Cassel eröffnete die Verhandlungen mit folgender Ansprache: „Im Namen und Auftrage des Gesamtvorstandes des Hessischen Volksschullehrervereins heiße ich Sie alle miteinander, die Sie unsere Hauptversammlung besuchen, herzlichst willkommen. Vor allen Dingen gilt mein Willkommgruß dem Herrn Regierungsrat Dr. Liese aus Cassel, dem Herrn Bürgermeister Hild-Hanau und Herrn Müller als Vertreter des Deutschen Lehrervereins aus Berlin. Wir freuen uns von ganzem Herzen, daß diese Herren schon heute in unserer Mitte erschienen sind, um unseren Verhandlungen beizuwohnen, und ich wünsche von Herzen, daß die Verhandlungen des heutigen Tages Ihnen allen immer fester WsHM Hilf ■W «ril»MWMI.MWI»IMIHM —IIriMIWIf ■—1 Hf BI I'WMW—B^M
StaMtheater in Harrau. »Filmzauber".
Nachdem am Montag der musikalische Schwank „Film- zauber" auch in Offenbach als Eröffnungsvorstellung gegeben worden ist und, wie wir aus den dortigen Zeitungen ersehen, Erfolg erzielt hat, ist er gestern auf unserer Bühne zum ersten Male wiederholt worden. Die von uns bei der Erstaufführung anerkannte abgerundete Darstellung war auch gestern zu verzeichnen, die Besetzung war die gleiche wie am Sonntag, doch ist hie und da eine Wandlung eingetreten, die mit Genugtuung erfüllen kann. Die drolligen Figuren des „Musenfett" (E Hietel) und des „Käsebier" (Karl Wanczycki) erregten wiederum stürmische Heiterkeit, ebenso konnte als „Fränzl" Frl. Else Trauner, die zudem noch durch fast märchenhaft blendende Toilette die Wirkung ihrer Partie zu ergänzen verstand, durch außerordentlich lebendiges Spiel reichen Beifall entgegennehmen. Frl. Cilly Schönberger, eine sympathische Bühnener- scheinung, führte ihren gesanglichen Teil fein abgetönt und sicher durch. In späteren Aufführungen wohl am rechten Platz stehend, wird uns die Sängerin Gelegenheit bieten, sich mit ihren Leistungen eingehender befassen zu können. Die übrigen Vertreter der größeren und kleineren Partien haben ebenfalls dazu beigetragen, den Erfolg zu gewährleisten, sodaß das hübsche Werk auch weiterhin Zugkraft ausüben wird.
Interims-Stadttheater Offenbach. »Filmzauber".
Unter der Direktion Adalbert Steffter wurde vorgestern die 7. Spielzeit mit „Filmzauber" eröffnet. Wir lassen hier die Besprechung des „Abendblattes" folgen:
und fester die Ueberzeugung einprägen möchten, daß die Wohlfahrtseinrichtungen unseres Vereins, in deren Zeichen die heutige Versammlung steht, von großem Segen für uns und unsere Angehörigen sind. Ich wünsche weiter von Herzen, daß die Verhandlungen des kommenden Tages reiche Früchte tragen möchten für die Volksschule, zu deren Wächter wir bestellt sind. Ich wünsche endlich, daß die frohen Stunden der Freude, die unserer ernsten Arbeit von den Kollegen Hanaus fürsorglich eingestreut sind, Ihnen allen eine Quelle reichen Freude und froher Erinnerung werden möchten. Damit lassen Sie uns an unsere Arbeit gehen. Glück auf zu ernster Arbeit und zu frohem Feste!" — Hierauf begrüßte Herr Bürgermeister Hild die Versammlung: M. H. Ihr Herr Vorsitzender hat auch meiner gedacht. Ich danke ihm herzlich für seine Begrüßungsworte und danke auch zugleich für die liebenswürdige Einladung zu Ihrer Tagung. Aufrichtig muß ich bedauern, daß es mir leider nicht vergönnt ist, an Ihrer morgigen Haupttagung teilzunehmen und die anregenden Vorträge zu hören. Als Schuldezernent und Vorsitzender der Schuldeputation wollte ich mir nicht nehmen lassen, persönlich zu erscheinen und Sie willkommen zu heißen und Ihrer Tagung den besten Verlauf zu wünschen. Ich heiße Sie herzlichst willkommen, besonders die von auswärts gekommen sind und hoffe, daß Sie alle eine schöne unfrohe Erinnerung an die Hanauer Tage mit hinausnehmen werden. Ich wünsche, daß Ihre Tagung einen schönen un- nützlichen Verlauf nehmen möge, daß sie Ihnen und uns viele Anregung bieten möge. M. H. Ich weiß, daß heute kein Platz in Ihrem sehr reichen Programm für lange Begrüßungen ist, daher möchte ich Ihre Geduld nicht zu sehr in Anspruch nehmen und Ihre geschäftlichen Verhandlungen nicht hinausschieben. Eins möchte ich mir aber kurz auszuführen erlauben. Einer der Faktoren, auf denen die Macht und das Ansehen Deutschlands, unseres Vaterlandes, beruhen, ist die deutsche Geistesbildung, und die beruht wieder auf unserem Schulwesen: von der Volksschule bis hinauf zur Universität. Den breitesten Raum nehmen die Volksschulen ein, sie sind die Grundlage unserer Volksbildung. Bei der Bedeutung des Volksschulwesens bringt nicht nur der Staat, sondern auch die Gemeinde ihm das größte Interesse entgegen. Wir Deutsche können mit Stolz auf unsere Volksschule blicken. Ohne Ueberhebung glaube ich auch sagen zu dürfen, daß Hanau im Volksschulwesen nicht zurückgeblieben ist, daß es kein Opfer gescheut hat, um es zu fördern. Wir wollen uns freilich nicht aufs hohe Pferd setzen, sondern wollen uns besten bewußt sein, daß noch manches zu bessern, manches auszugestalten ist. Dazu bedürfen wir Ihrer Mithilfe. Ich möchte aber der Versicherung Ausdruck geben — für meine Person und für die städtischen Körperschaften — daß uns allezeit gesunde Fortschritte zugänglich
Die diesjährige Winterspielzeit eröffnete Herr Direktor Steffter mit dem anderswo schon beliebt gewordenen „Film- zauber", einer veritablen Gesangsposte, die sich schon nicht ganz bescheiden „musikalischer Schwank" nennt, aber mit den Ambitionen einer Operette auftritt. Dazu wäre ja das Libretto blödsinnig genug, die Musik aber langt zu so hohem Fluge nicht, sie ist, um es gleich zu sagen, gar zu viel nachempfunden, zeigt gar zu oft und gar zu deutliche Anklänge an längst bekannte Weisen. Womit nicht bestritten werden soll, daß diese musikalische Kollektivarbeit der Herren Kollo und Bredschneider auch recht hübsche und originelle Einzelheiten aufweist, Couplets, Lieder, Märsche, wie „Untern Linden, untern Linden", „Machen wir zusammen eine Firma auf", „Kind, ich schlafe so schlecht", „Haben wir uns nicht schon mal kennen gelernt", die, so flott vorgetragen, wie gestern abend, einen durchschlagenden Erfolg haben müssen. Von der „Handlung" des Stückes reden wir lieber nichts. Vier auf Situationskomik gestellte Akte, pardon „Bilder", von schlechten und weniger schlechten Witzen und PZortschpielen belebt, ausgestattet mit allerlei dem Auge gefälligen Schauspielen, feschen „Tippdamen", tanzenden Pärchen, einer urkomischen Filmaufnahme usw. — es genügte, das Publikum zu amüsieren und weiter sollte es ja auch nichts. Freilich, ob dieser löbliche Zweck so restlos erfüllt worden wäre, wenn nicht eine flotte Aufführung das Ihrige dazu getan hätte, ist eine andere Frage. Nach der Richtung enttäuschte der erste Abend der neuen Spielzeit gewiß auch recht hochgespannte Erwartungen nicht. Es „war alles da". Die neue Soubrett, Fräulein Else Trauner, zeigte sich in der Rolle der abenteuerlustigen, verliebten, kecken Geheimratstochter so munter, Zünglein wie Beinchen wirbelten so übermütig daher, das ganze hübsche Persönchen war so drollig und lieb, daß wir glauben, Fräulein Trauner hat die Burg, die sich „Gunst des Publikums" nennt, gestern abend schon im Sturm genommen. Und mit Recht, denn
sein werden, daß Sie auf uns rechnen dürfen, daß wir das regste Interesse und die größten Opfer bereitet haben werden für unsere Volksschule. Ich schließe mit einem nochmaligen: Herzlich willkommen!"
Nach herzlichem Dank für diese freundlichen Vegrüßungs- worte trat hierauf die Versammlung ein in die Erledigung der Tagesordnung. Auf dieser stand die Entgegennahme der. Jahresberichte und Kastenabschlüsse folgender Vereine: 1. „V r a n d v e r s i ch e r u n g s v e r e i n h e s f. L e h r e r", Vorsitzender Herr Lehrer Rosenstock. Sein Jahresbericht gedachte zunächst zweier viele Jahre lang im Vorstände tätiger Mitglieder des Vereins, teilte dann mit, daß die Mitglie«. -erzähl auf 2694 gestiegen, mit einer Versicherungssumme von 16 804 020 Mark. Die Rechnungsablage, erstattet von Lehrer Rüppel-Castel, zeigte eine Einnahme von 18 899 Mk. und eine Ausgabe von 18 793 Mk., somit einen Kassenbeftand von 105 Mark. Das Vereinsvermögen bettägt 115 311 3RL, eine Vermehrung gegen das Vorjahr um 9225 Mark. Nachdem auf Bericht der Kassenrevisoren dem Kassierer Gaiit lastung erteilt worden, fanden verschiebet« Anträge Les Vorstandes, namentlich die von ihm beantragte Versicherung gegen EinbruchsÄiebstahl, einstimmige Annahme, ferner wurden in den Vorstand' als Ersatz gewählt Sie Herre» Lehrer Kampenhans und Buchenau-Castel und endlich dem Hauptkassierer und Buchhalter eine Vergütung vou 5001 bezw. 200 Mark bewilligt. 2. herein zur Anter« stützung der Witwen und Waise» hessische« Volksschullehrer". Der Vorsitzende, Herr Leh«« Vetting-Casfel, teilt in seinem Jahresbericht mit, daß de« Abgang an Mitgliân 41, der Zugang 43, die Gesamtzahl der Mitglieder somit 1827 bettägt von denen 1264 je 20 Mark, 446 je 10 Mark, 133 je 5 Mark trab 14 je 9 Marl Beitrag zahlen. Es erhi-^ten eine Unterstützung von je 200 Mark 155 Witwen, 100 Mark 159 Witwen, 50 Mark 122 Witwen, 30 Mark 62 Witwen, auch wurden mehre« Voll- und Halbwaisen durch namhafte Beträge unterstützt. Rach dem Kassenbericht, erstattet von Herrn Lehrer Riemen- schneiber-Castel, betrugen die Einnahmen 67 871 Mark die Ausgaben 65 901 Mark, somit der Kasienbestand 1970 Mark, das Vermögen 329 471 Mark. Auch hier finden die Anträge des Vorstandes bett. Satzungsänderung einstimmige Annahme, darunter die beantragte Erhöhung der Vergütung des Kassierers auf 400 Mark. 3. Die Kasse „Hilfeivder Not",Jubiläumsspend« 1912, konnte nach dem Jahresberichte schon in 66 Fällen helfend eingreifen und zwar 6 Lehrer, 5 Lehrersöhnen, 7 Lehrerwitwen, 48 Lehrertöchtern, welche Beträge von 150, 200 und 250 Mark erhielten. Die Einnahme der Kaste betrug 5482 Mark, die Ausgabe 5077 Mark, der Ueberschuß 405 Mark. 4. Die Pen sions- z u s ch u ß k a s s e, erst seit IX Jahren bestehend, zählt be-
neben den schon gerannten guten Eigenschaften verfügt die Künstlerin über bemerkenswerte musikalische und darstellerische Sicherheit. Das darf man bekannterweise auch von ihrem Partner, Herrn Eugen Hietel, sagen, der ja Sen Offenbachern kein Fremder mehr ist. Der »^lleichstagsabge- ordnete" Käsebier des Herrn Wanczycki war freilich der Sprache nach ein recht zweifelhafter Sachse, sonst aber von starker komischer Wirkung, gleich seinem Verhängnis, der moralinsauren Eufemia Breitsprecher der Frau Therese Wald. Von den Darstellern der übrigen Rollen wollen wir heute im einzelnen nicht sprechen; sie gaben fast ausnahmslos Gutes, Herr Wieberg als „Komczinski" sogar Vortreffliches. Die musikalische Leitung lag in den lebhaften aber festen Händen des Herrn Kapellmeisters Weißkopf, die Inszenierung aber kommt auf Konto des Herrn Direktor Steffter, der u. a. für einige sehr nette neue Bühnenbilder sorgte und für dies und alles andere den lebhaften Dank des sehr zahlreich erschienenen Publikums entgegennehmen durfte. Alles in allem: Ein guter Anfang, der Besseres noch erhoffen läßt.
Albumblätter.
Der Hypochonder ist bald kuriert, Wenn' ihn das Leben recht kujoniert. Goethe
Wo ein Menschenherz schlägt, da ist Erde, Holle und Himmel! e
Es ist kein Amt, kein Stand zu klein, Gott will darin gepriesen sein.
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Erfahrung wird durch Fleiß und Müh' erlangt Und durch den raschen Lauf der Zeit gereist.