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H anauer
SinrÜckungsgebähr:
Die Sgefpaktene Petitzeile oder deren Naum 20 Pfg. im Rellameteil die Zeile 50 Pfg.
General-Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
.Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60Pfg, für Post- bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.
Kr. 226 ffer, .sprech-, .schlich Nr. 23». Samstag den 27. September
Ferttsprechanschluf; Nr. 230. 1913
Sie Mutige Wammer «mW wer èem ««inhawssdlall
Amtliches.
Stadtkreis Hansa.
Zwecks Herstellung der Kanalanschlußleitung wird die Hauptstraße in Hanau-Keffelstadt zwischen Mittel- und Vienengasse vom Montag den 29. d. Mts. ab auf die Dauer wn fünf Tagen für den öffentlichen Fuhrverkehr gesperrt. Hanau den 26. September 1913. P. 10797
Königliche Polizeidirektion.
J. V.: K a r b e.
Bekanntmachung.
Stadtkreis Hanau.
Auf Grund des § 65 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 wird bekannt gemacht, daß an Kommunal- rbgaüen.im Steuerjahre 1913 erhoben werden:
Zuschläge zur
a) Staatseinkommensteuer . , . 165 %
b) Gewerbesteuer......180 %
c) Grund- und Eebäudesteuer . . 213 % and zwar im seitherigen Stadtbezirk Hanau in Form einer Temeinde-Grundsteuer durch Erhebung von 3,4 °/oo des gemeinen Werts der Besitzungen.
Festgesetzt und zur Hebung gestellt sind schon zu a) 151 %t b) 171 % und zu c) 171 % bezw. 2,7 °/°°, sodaß Tui noch über den Unterschied in diesen Tagen Steuerzettel zugestellt werden.
Auf die auf Grund des § 9 des Eingemeindungsvertrages bevorzugten Bewohner des früheren Gemeindebezirks Kesselstadt bezieht sich diese Erhöhung nicht.
Die Hebelisten über die besonderen Grund- und Gewerbesteuern im seitherigen Stadtbezirke Hanau liegen vom 29. d. Mts. an im Zimmer 16 der städtischen Steuerverwaltung, Markt 14, 1 Treppe hoch, zwei Wochen lang aus. Einsprüche sind binnen einer mit dem ersten Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist beginnenden Frist von 4 Wochen bei uns anzubringen.
Hanau den 27. September 1913. 22745
Der Magistrat.
Hild.
Bekanntmachung.
Kirchweihe in Hanau-Kesselstadt.
Mittwoch den 8. Oktober d. Zs., nachmittags 4 Uhr, werden auf den sogen. Vleichwiesen am Salisweg in Keffel- stadt für die Dauer der Kirchweihe, beginnend am 12. Oktober ds. Js., eine Anzahl Plätze zur Aufstellung von Schaukeln, Schau-, Schieß- und Photographiebuden sowie sonstigen Verkaufsständen öffentlich an die Meistbietenden versteigert.
Das Platzgeld ist von dem Meistbietenden sofort zu entrichten. Nähere Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben.
Hanau den 24. September 1913. 22743 Der Magistrat.
J. A.: Bartmuß.
Bekanntmachung.
Das hierher verlegte Eisenbahn-Regiment Nr. 2 am 1. Oktober d. Js„ vormittags 10.20 Uhr, hier ein. Die Bürgerschaft wird gebeten, aus diesem Anlaß die Häuser zu beflaggen.
Hanau den 26. September 1913. 22751 Der Magistrat.
______________ Htld.
Zwangsversteigerung.
"' ^ege der Zwangsvollstreckung soll das in der jcm Ortung Langenselbold belegene, im Grundbuche von .angcmelbold Artikel 1412 in Abteilung I unter Nr. 4 jur der Eintragung des Versteigerungsvermerkes aus Den Namen des Schreiners Johann Heinrich Fuchs 13t ' < Langenselbold eingetragene Grundstück: Krtbl. 41 Nr. 23 die Hohlgärten, Acker, 0,74 ar,
0,19 Tlr. R.-E. am 9. Dezember 1913, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Eerichtsstelle — versteigert werden.
Langenselbold den 24. September 1913. 22667 Königliches Amtsgericht.
Wmdm M verlorene Em«MM rc.
Gefunden: 1 neue schwarze Damentasche (Inhalt: Portemonnaie mit 14.91 Mk., Spiegel und weißes Taschentuch); im Zirkus.
Stehengeblieben bei Wiedersum Nachf.: 1 Damens chirm; Empfangnahme dasebst.
Aus Hanau Stadt und Land.
Hanau, 27. September.
* Evang. Vereinshans. Die G es e l ls ch a ft zur Ausbreitung des Evangeliums, die vor 10 Jabren von Pfarrer Fliedner in Kaiserswert begründet wurde, hält Sonntag abend 8 Uhr ihre diesjährige Jahresversammlung ab. Nach dem Jabresberichl wird Herr Pfarrer Goebels einen Vortrag über die Lage unserer evangel. Glaubensgenoffen in Brasilien halten. Die Mitglieder ' und Freunde dieser wichtigen Arbeit werden freundlichst eingeladen. Der Eintritt ist frei.
* Wallonisch-Niederländische Kirche. Noch immer schweigen die Glocken der Neustädter Kirche, doch ist zu hoffen, daß in kurzer Zeit das Geläute — vielleicht schöner als früher? — sich wieder vernehmen lassen wird. Es war ein unglücklicher Zufall, daß im letzten Sommer, als der Hahn und der Knopf frisch vergoldet worden waren, der Glockenturm ins Wanken geriet, die Spitze sich neigte und das Läuten der Glocken unterbleiben mußte. Schon einmal, vor nunmehr bald 300 Jahren, war etwas ähnliches geschehen. Als man nämlich die Glocken zum ersten Male läuten wollte, schwankte das Türmchen dermaßen, daß man es einstellen mußte. Ein Glockenstuhl, der von den Gerüsten des Turmes ganz unabhängig war, wurde eingebaut, und dann erst konnte geläutet werden. Dieser Glockenstuhl ist nun ganz defekt geworden. Er muß durch einen ganz neuen ersetzt, und es müssen noch weitere Reparaturen ausgeführt werden. Einheimische und auswärtige Sachverständige haben die Sache geprüft und es zeigt sich, daß es eine große Rechnung geben wird. Wenn nur das Allernotmendigste ausgeführt wird, wird die Ausgabe ungefähr 7500 Mark betragen. Die Kirchbaukasse, welcher der Unterhalt des Kirchgebändes obliegt, ist außerstande, diese große Ausgabe zu leisten. Dnrch die laufenden Unterhaltungskosten und durch den Orgelbau sind ihre Einnahmen auf mehrere Jahre festgelegt. Es bleibt daher nichts anderes übrig, als die Gemeindeglieder zu bitten, die Kosten dieser großen Reparatur durch freiwillige Beiträge zu decken. Zur Erleichterung der Aufgabe sollen die Beiträge auf die nächsten drei Jahre verteilt werden. 630 Mark sind bereits gezeichnet, und bei bey opferwilligen Sinne der Gemeindeglieder, der sich schon oft bewährt hat, ist zn hoffen, daß bald die ganze Summe gezeichnet wird. In einiger Zeit werden den einzelnen diesbezügliche Mitteilungen zugehen. Bei dieser Gelegenheil wäre aber die Frage aufzuwerien, ob es nicht möglich wäre, das Geläute der Neustädter Kirche zu verbessern. Bis jetzt mußte jedes Unternehmen dieser Art an der Schwäche des Turmes und des Glockenstuhles scheitern. Jetzt, da ein ganz neuer eiserner, besser funbainentierter Stuhl errichtet werden soll, könnte auch eine weitere, größere Glocke aufgehängt werden. Diese müßte im Tone mit den schon vorhandenen zusammen- stimmen, und der neue Dreiklang müßte sich dem Geläute der Altstädter Kirchen harmonisch verbinden. Die benötigte größere Glocke winde sich, mit allen Nebenausgaben, auf etwa 2500 Mark stellen. Den wohlhabenderen Mitgliedern beider Gemeinden zeigt sich hier ein schöner Anlaß, der Liebe zu ihrem GotteShause einen bleibenden Ausdruck zu geben,, indem sie außer dem notwendigen Bc trage für die Reparatur einen solchen für die neue Glocke zeichnen. Der Gedanke ist schon in einigen Kreisen gefaßt und in einer Familie sind 115 Mark für eine neue Glocke gesammelt worden. Es wird niemand direkt in dieser speziellen Angelegenheit angegangen werden. Wenn die Kirche eine neue Glocke erhalten soll, kann cs nur auf ganz freiwilligem, spontanem Wege aeschehen. Vielleicht geben aber diese Zeilen weiteren Kreisen Veranlassung, dem Gedanken näherzutreten, um der Kirche diesen Schmuck zu verschaffen.
* Meisterprüfung im Hündwerk. Am nächsten Dienstag den 30. September d. Js. läuft der Termin ab bis zu welchem noch Anmeldungen zur Meisterprüfung bewirkt werden können, von solchen Handwerkern, die keine Gesellenprüfung abgelegt haben. Wer also von den erleichterten Zulaffungsbedingungen Gebrauch machen will, hat sich noch vor dem 1. Oktober bei dem Vorsitzenden der Prüfungskommissionen, Herrn Direktor Geißler an der gewerblichen Fortbildungsschule, unter Zahlung der Prüfungsgebühr von 20 Mark anzumelden. Dort werden auch die Anmeldnugen zu dem am 28. Oktober beginnenden Vorbereitungskurs für die Meisterprüfung (Gewerberecht, Buch- j führung, Kalkulation und Korrespondenz) entgegen genommen.
* Zöglingswetturnen und Familienabend. Wir wollen nicht verfehlen, nochmals darauf aufmerksam zu machen, daß morgen vormittag um 8 Uhr auf dem Turnplatz der Turn- gemeinde Hanau, Jahnstraße, das alljährliche Z 5 g- lingswett urnen abgehalten wird, wobei alle Mit- turnende je eine Pflicht- und Kür-Uebung an Reck, Barren und Pferd auszuführen haben, hierzu kommen noch drei volkstümliche Uebungen und zwar wurde bestimmt: Für die U n t e r st u f e (14—16 Jahre) Hochsprung, Hürdenlauf und Schleuderball, für die O b e r st u f e (16—18 Jahre) Stabhochsprung, Hürdenlauf und Schleuderball. Außerdem sind Stasfettenläufe unter den einzelnen Zöglings- riegen vorgesehen. Dieses Wetturnen soll zugleich den Zuschauern vor Augen führen, was die Zöglinge unter der Leitung der Turnwarte und Vorturner gelernt haben und daß die Jugend mit Lust und Liebe bei der Sache ist. Im Anschluß hieran finden sich die Mitglieder mit ihren Freunden am Abend zu einer ungezwungenen Festlichkeit zusammen, wozu eine Reihe von Darbietungen mannigfacher Art als Unterhaltung vorgesehen sind, so daß Langeweile wohl nicht aufkommen wird. Der Beginn dieser Veranstaltung ist auf 7 Uhr festgelegt und liegt es im Interesse der Mitglieder, dieser Feier beizuwohnen.
* Turn- und Fecht-Club. Wie bereits an dieser Stelle erwähnt, hält morgen früh um 9 Uhr der Turn- und Fecht- Club in der Vereinsturnhalle, Grünerweg Nr. 1, sein Ver- einswetturuen ab. Hierbei sind Zuschauer stets willkommen. Abends um 6 Uhr findet im Sagle der „Schönen Aussicht" in Kesselstadt die Preisverteilung mit anschließendem Tanz statt. Der Eintritt ist frei und bitten wir unsere Mitglieder um zahlreiches Erscheinen.
* Stadttheator. Für die mq-^gige Eröffnungsvorstellung sind noch gute Plätze an der Theaterkasse erhältlich. Die Vorstellung wird mit einem von der jugendlichen Heldin Frl. Becker gesprochenen Prolog eingeleitet und es geht sodann unter der Spielleitung des Herrn Direktor Steffter der Musikschwank „F i l m z a u b e r" in Szene. Dirigent ist der neuverpflichtete Kapellmeister Herr Weiskopfs. Inzwischen hat „Filmzauber" auch an dem rühmlichst bekannten Carl Schultze-Theater, der bedeutendsten Operettenbühne Hamburgs, seine Premiers am 12. September mit ungeheurem Erfolge erlebt. Das bekannte „Hamburger F r e md e nb la t t" ist des Lobes voll und urteilt wie folgt: „Filmzauber" ist wirklich ein amüsantes, sehenswertes Stück. Es ist noch mehr, nämlich ein Anlauf zur Wiedergeburt der alten Gesangs- poffe. die vor einem Vierteljahrhundert sogar den bedeutendsten Künstlern Gelegenheit gab, ihre Komik und ihren Humor unter die Leute zu bringen. Die Herren Rudolf Bernauer und Rudolf Schanzer haben vor allen Dingen den guten Einfall gehabt, als Höhepunkt ihrer Posse eine Filmaufnahme auf die Bühne zu bringen, und um diesen Haupleinfall haben sie ganz geschickt ein lustiges Getriebe aufgebaut. Auch an der Musik sind zwei Urheber beteiligt, die Herren Walter Kollo und Willi Bredschneider — man muß es ihnen lassen, daß sie eine große Zahl gefälliger, volkstümlicher Weisen erfunden haben. Höher noch schlage ich die reizenden musikalischen Scherze an, mit denen besonders der zweite Akt ausgestattet ist. Das Stück steckt voll von guten Einfällen, Wortwitzen, komischen Personen und grotesken Situationen. Die Verfasser haben sich in den beiden ersten Akten nichts entgehen lassen. Schon die Eröffnung durch eine Reihe allerliebster Tipfräulein, das Entree der Kino-Duse, die mimische Unterhaltung mit ihr, die Ankunft der lustigen Geheimratstochter, alles das ist von höchst komischer Wirkung. Zum Gesang gehört in einer modernen Poffen-Operette oder Operetten-Posse natürlich der Tanz, und auch hier quillt die Erfindung reich. Aber den Höhepunkt erklimmt die Posse im zweiten Akt, wenn unterhalb der historischen Mühle die große Filmaufnahme vor sich geht. Napoleon und seine Generäle in stummem Spiel auf der Bühne umherwüten zu sehen, zu beobachten, wie alle sich in heroischen Posen ergehen und den Muno weit aufreißen, ohne einen Laut über die Lippen zu bringen, das ist in Wahrheit zwerchfellerschütternd. Die musikalische Begleitung durch lauter bekannte Melodien durch die die Vorgänge auf das Ergötzlichste illustriert werden, erhebt die ganze Szene, nicht zu ihrem luachteil, in d Groteske. Nach den beiden ersten Akten wollte der VerM des Publikums kein Ende nehmen Die Klager an Gesängen und Tänzen mußten vielfach wiederholt werden. Di» Couplets „Haben wir uns nicht schon mal geseh n? , „Kind, ich schlafe so schlecht", „Untern Linden, untern Linden" und andere bereits bekannte Weisen wurden da capo gefordert Auch nach den letzten beiden Akten war der Beifall noch stark. Direktor, Kapellmeister, Regisseur wurq den mit den Hauptdarstellern stürmisch gerufen. Der Bei« fall war nach allen Seiten hin wohlverdient.