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Amtliches Organ für AM- und Landkreis Kana«. « **» ^' ^ ° *

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

Nr. 222

Aerirsprechanschlitf; Nr. 230.

Dienstag de» 23. September

»rnnvicilhintolui; Rr. 230. 1913

AmMcheS.

Stadt- und Landkreis Hanau.

Auf die nachstehend im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Castel Nr. 37 S. 311 erlassene Bekannt­machung des Herrn Regierungspräsidenten über die Höchst­geschwindigkeit der Kraftfahrzeuge in geschlossenen Orts­teilen des Regierungsbezirks Castel mache ich besonders aufmerksam. Danach ist widerruflich für Kraftfahrzeuge, deren Gesamtgewicht 5,5 Tonnen nicht übersteigt, inner­halb der geschlossenen Ortsteile des Regierungsbezirks anstatt der bisherigen Höchstgeschwindigkeit von 15 km eine solche von 20 km in der Stunde zugelassen.

Hanau den 18. September 1913. P 10364

Der Königl. Landrat und Polizeidirektor.

I. V.: Karbe.

Bekanntmachung über die Höchstgeschwindigkeit der Kraftfahrzeuge in ge» schlossenen Ortsteilen des Regierungsbezirks Castel.

1. Gemäß § 18, Abs. 2 der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910 Reichsgesetzblatt S. 389 ff. lasse ich unbeschadet der allgemeinen Beschränkungen in Absatz 1 und 3 a. a. O. widerruflich für Kraftfahrzeuge, deren Gesamtgewicht 5,5 Tonnen nicht übersteigt, inner­halb der geschlossenen Ortsteile des Regierungsbezirks eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km in der Stunde zu.

2. Die allgemeinen Beschränkungen im Absatz 1 und 3 a. a. O. lauten wie folgt:

Absatz 1:Die Fahrgeschwindigkeit ist jederzeit so einzurichten, daß Unfälle und Verkehrsstörungen ver­mieden werden, und daß der Führer in der Lage bleibt, unter allen Umständen seinen Verpflichtungen Genüge zu leisten."

Absatz 3;Auf unübersichtlichen Wegen, insbesondere nach Eintritt der Dunkelheit oder bei starkem Nebel, beim Einbiegen aus einer Straße in die andere, bei Straßenkreuzungen, bei Straßeneinmündungen,bei scharfen Straßenkrümmungen, bei der Ausfahrt aus Grundstücken, die an öffentlichen Wegen liegen, und bei der Einfahrt in solche Grundstücke, bei der Annäherung an Eisenbahn­übergänge in Schienenhöhe, ferner beim Passieren enger Brücken und Tore sowie schmaler oder abschüssiger Wege, sowie überall da, wo die Wirksamkeit der Bremsen durch die Schlüpfrigkeit des Weges in Frage gestellt ist, end­lich überall da, wo ein lebhafter Verkehr herrscht, muß langsam und so vorsichtig gefahren werden, daß das Fahrzeug sofort zum Halten gebracht werden kann."

3. Allgemeine polizeiliche Vorschriften oder besondere für den einzelnen Fall getroffene Anordnungen der Polizeibehörden, welche, soweit der Zustand der Wege, die Eigenart des Verkehrs oder die Rücksicht auf be. sondere Verhältnisse bestimmter Oertlichkeiten es er­fordert, für den Verkehr mit Kraftfahrzeugen über­haupt oder mit einzelnen Arten auf bestimmten Wegen, Plätzen und Brücken eine geringere Höchstge­schwindigkeit festsetzen, bleiben (gemäß § 2 Absatz 1 und § 23 der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910) durch diese Bekanntmachung unberührt. Kraftwagen- führer, welche enge und unübersichtliche Straßen, für die ortspolizeilich eine geringere Höchstgeschwindigkeit an­geordnet ist, nunmehr etwa mit 20 km Geschwindigkeit durchfahren, werden sich also nach wie vor strafbar machen. (A II 6269a.)

Cassel am 8. September 1913.

Der Regierungspräsident.

I. V.: v. Wussow.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Auf Grund des Erlasses des Herrn Ministers des innern vom 29. August d. Js. werden die der Orts- 'läizeibehörde auf Grund der Vorschriften des Gesetzes u 1 nie Sicherung der Bauforderungen vom 1. Juni 1969 (R.-G.-Bl. S. 449) obliegenden Geschäfte für die .de* ^aupolizeibehörde wahrgenommen.

Wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

Hanau den 19. September 1913. 21909

Städtische Polizei-Verwaltung.

Der Oberbürgermeister.

J. V.: Hild.

Dienstnachrichten.

Unter dem Schweinebestande des Gutspächters Schilling in Bergen ist der Ausbruch der Schweineseuche festgestellt worden.

Die erforderlichen Schutzmaßregeln sind angeordnet.

Hanau den 22. September 1913. V 6409

Unter dem Schweinebestande des Landwirts Valentin Grimm Bischofsheim ist die Schweineseuche festgestellt worden.

Die erforderlichen Schutzmaßregeln sind angeordnet. Hanau den 22. September 1913. V 6458

Unter dem Schweinebestande des Gutsbesitzers Wilhelm Schultheis zu Frankfurt a. M. ist die Schweineseuche und Schweinepest festgestellt worden.

Die Eehöftsperre ist verhängt. Hanau den 23. September 1913. V 6437

Bekanntmachung.

Wegen Neupflasterung der an die Mainfähre an­schließenden Fahrstraße bleibt dieselbe vom 23. d. Mts. ab auf 3 Wochen für schwere Fuhrwerke gesperrt. Für leichtere Fuhrwerke ist ein Ersatzweg hergestellt.

Klein-Krotzenburg den 22. September 1913.

Eroßh. Bürgermeisterei.

Zilg. 22195

Gefunden in Dörnigheim: 1 silberne Remontoir-Uhr Nr. 92434, ferner 1 silbernes Kettenarmband mit rundem Anhänger Monogramm M. V. 22229

Das Bürgermeisteramt.

Politische Rundschau.

Der neue Oberlanvforstmeister. DerReichsanzeiger" meldet: Der König hat an Stelle des am 1. Oktober 1913 in den Ruhestand tretenden Oberlandforstmeister Wirkl. Geh. Rat Wesener den vortragenden Rat im Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Landforstmeister v. Freier, zum Oberlandforstmeister und Direktor der Forst­abteilung in diesem Ministerium ernannt.

Mp. Die Oktobristen. Die deutsche Heeressprache hat eine Bereicherung erfahren durch die Bezeichnung der Ok­tobristen. Mit Verschwörungen oder mit Duma hat wie uns aus militärischen Kreisen geschrieben wird der Name natürlich nichts zu tun, sondern es sind Oktobristen diejenigen sehr zahlreichen Offiziere, die durch Kaiserliche Kabinettsorder aus Bad Salzbrunn vom 10. d. Mts. in neue Dienstgrade befördert sind, aber erst mit dem 1. Ok­tober, dem Tage des Inkrafttretens des neuen Wehrgesetzes, den zweiten Stern des Hauptmanns, die Kandillen des Stabsoffiziers, die roten Hosen des Generals anlegen. Die freudigst Mitbeteiligten an diesem, schon im vorigen Jahre vorgekommenen großen Oktobristenschub sind die Militär­schneider und -effektenhändler, denn so viel Uniformsver­änderungen für Ofiziere, vor allem der Kavallerie, wie in diesem Herbst hat es seit dem Bestehen der Armee nicht gegeben. Aber auch manches soldatische Brautpaar, das für längere Jahre auf das höhere Gehalt des Bräutigams hat warten müssen, um ohne die verlangte Kaution, den Zinsenertrag einer sicherzustellenden Kapitalshinterlegung bei der Reichsbank, heiraten zu können, begrüßt den 1. Ok­tober als den Schlüffeltag zum edlichen Ehestände. Die Vermählungsanzeigen von Offizieren, die nach den Ma- j növern stets sehr zahlreich den geschäftlichen Teil der Zei­tungen füllen, werden diesmal Legion sein. Das Heer freut sich damit zugleich der indirekt der Bewilligungsfreudig- keit des Reichstages zuzuschreibenden Aussicht, in abseh­baren Jahren eine neue Führergeneration zu erhalten, denn mit den stark verbesserten Aussichten, die das Fortkommen ' und die Veförderug im Offiziersberuf wieder bietet, sollte 1 mehr, als es vorübergehend wohl der Fall gewesen ist, der Sohn das Waffenhandwerr des Vaters ergreifen. Dadurch wird der Armee ein Ersatz zugeführt, der sich stets schon darum besonders gut bewährt hat, weil er das militärische Empfinden bereits wie mit der Muttermilch einsog.

PC. Zum Aufenthalt König Konstantins in Paris. König Konstantin von Griechenland erteilte am gestrigen Vormittag eine große Anzahl von Audienzen. Am meisten bemerkt wurde der Empfang des Direktors Schneider von den Schneider-Werken in Creuzot, mit dem der König bei­nahe anderthalb Stunden konferierte. Ueber den Inhalt der Unterreduna ist nichts zu erfahren gewesen und die

diesbezüglichen Informationen französischer Blätter sind ab­solut aus der Luft gegriffen. Direktor Schneider weigert sich, irgendwie geartete Erklärungen abzugeben. Mittags frühstückte der König in der griechischen Gesandtschaft. Zahlreiche politische Persönlichkeiten waren anwesend.

PC. Eine baldige Konferenz zwischen Pichon und Safo­now. Der russische Minister des Aeußern Sasonow erklärte einem Korrespondenten desTemps", daß er bei seiner Rückkehr aus Vichy eine Konferenz mit Pichon haben werde zur Besprechung der politischen Lage, die durch die lange Valkankrise geschaffen worden sei. Des weiteren erklärte Sasonow, daß seine Reise einzig und allein seinem Ver­gnügen und seiner Erholung diene und nichts mit poli­tischen Besprechungen zu tun habe.

PC. Die Entlassung der französischen Reservisten. Der Ministerrat hat gestern vormittag auf Veranlassung des Kriegsministers beschlossen, die Reservisten der Klaffe 1910 am 8. November zu entlassen.

PC. Europäischer Protest gegen Japans kriegerische Hat» tung. Das russische Ministerium des Aeußern hat den russi­schen Botschafter in Tokio beauftragt, der japanischen Re­gierung mitznteilen, Rußland sähe den Frieden im fernen Osten durch Japans Auftreten gegen China für gefährdet. Es heißt, daß auch der französische und der englische Bot­schafter in Tokio ähnliche Instruktionen von ihren Regie­rungen erhalten haben.

Der König von Griechenland und die Franzosen.

Es ist dem König der Hellenen nicht gelungen, die guten Franzosen mit seiner gestrigen Frühstücksrede zu beruhigen. Sie scheinen erwartet zu haben, daß ihr erlauchter East den deutlichen Drohungen zuliebe, mit denen man ihm so reich­lich zugesetzt hat, der Wahrheit Gewalt antun und ihnen so flngefähr das Gegenteil von dem vorerzählen werde, was er in Potsdam aus freiem Soldatenherzen heraus gesagt hat. Ihre Enttäuschung lommt in recht freien Worten zum Aus­druck. Ein Drahtbericht meldet demVerl. Lok.-Anz.":

Die Erörterungen der Pariser Morgenblätter über die gestrigen Elysee-Reden zeigen eine auffällige Ähnlichkeit mit der Skala in den herkömmlichen Berichten der Wetterwarte. Man kann sich daraus eine ganze Stufen­leiter von Temperaturbestimmungen zusammenstellen, von sehr warm bis auffallend kühl, vom dichtbleibenden bis zum noch noch nicht völlig zerstreuten Gewölk. Das veränderliche Griechenland, das seinen ewig blauen Himmel gar nicht verdiene, solle sich an der unveränderlich beständigen Freundeshaltung Frankreichs ein Beispiel nehmen. Was die nächsten Stunden für Griechenland bringen werden, könne man nie voraussehen. In solchen Betrachtungen ergehen sich die Pariser Blätter mit Be­hagen. Eine Ausnahme macht der der Regierung nahe­stehende Radical, der klipp und klar heraussagt, daß Frankreich nicht durch Worte, sondern durch Handlungen Griechenlands Klarheit darüber gewinnen wolle, ob Griechenland auf der Sicherung der Zukunft seiner Land- und Seemacht an französische oder an deutsche Unter­stützung denkt. Krupp oder Creuzot, deutsche oder fran­zösische Dreadnoughts, das ist die Frage. In Athener Privatdepeschen wird ferner darauf hingewiesen, daß Griechenland zur endgültigen Erledigung der sich in die Länge ziehenden türkisch-griechischen Verhandlungen auf die französische Vermittelung stark angewiesen sein werde. Dies wiffe niemand besser als Herr Veniselos, der seine Reise nach Kreta verschoben habe, um jene diplomatische Aktion zu beschleunigen und der Pforte für den Fall fortgesetzter hinterlistiger Saumseligkeit mit neuen Feindseligkeiten zu drohen. Es sei sehr bemerkenswert, daß die Heimsendung der griechischen Kriegsmarine­truppen plötzlich eingestellt wurde. Der wachsame Veni­selos wollte sich durch ein immerhin mögliches Zusammen­gehen der Pforte mit Bulgarien nicht überraschen lassen. Einzelne Preßstimmen werden noch telegraphisch wie folgt übermittelt. Die R^publigue Fran^aise schreibt: Der Ton des Königs ist korrekt und steif; es ist der Ton des Feldmarschalls, in dem man von der warmen Begeiste­rung des griechischen Volkes nichts verspürt. Unter diesen Umständen sehen wir nicht ein, was General Eydoux in Griechenland tun soll. Gewiß, wir werden Griechenland unsere Freundschaft bewahren, aber wir dürfen uns nicht den Anschein geben, daß wir die uns angetane und nicht wieder gutgemachte Unhöflichkeit vergessen haben.