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Erst-S Blatt.

EinrückungsgeSuhr:

Ditz ögespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Rettameteil Die Zelle 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Bezugspreis:

General-Anzeiger

Anllliches Organ für Stadt- and FandKreis Ksasa.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post­bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

Ml. 214 fferirsprechanschlitsr Nr. 230,

Samstag den 13. September

Ferrzsprechattschlittz Nr. 230,

1913

Sie Oeiilige Summer iiMI Mn Sem MnWtmgsW!

16 Seiten.

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Amt« Ä es.

Eandkreis ßanau.

In der Zeit vom 6. Oktober bis 1. bezw. 8. No­vember d. Js. wird bei genügender Beteiligung im hiesigen Schlacbthofe unter Leitung des Direktors Dr. Becker ein Unterrichtskurms in der Schlachtvieh- und Fleischbeschau, sowie in der Trichinenschau abgehalten.

Die Teilnehmer, die täglich vor- und nachmittags vier Wochen lang im Schlachchofe anwesend sein müssen, wollen sich bei dem Leiter des Unterrichts unser Beifügung der Ge­bühren von 30 Mark spätestens bis zum 25. d. Mts. melden.

Für diejenigen Personen, welche sich gleichzeitig als Fleischbeschauer und Trichinenschauer ausbilden wollen, dauert die Unterrichtszeit 5 Wochen und betragen die Gebühren 50 Mark; eine Rückerstattung der Gebühren bei eventl. Rücktritt vom Kursus erfolgt nicht.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Personen ihrer Gemeinden, die zur Ausübung der Fleisch- und Trichinen­schau gesetzlich zuqelasscn sind und sich darin ausbilden wollen, hierauf aufmerksam zu machen.

Hanau den 4. September 1913. V 6067

Der Königliche Landrat.

I. V.: Karbe.

Zugelaufen: 1 brauner Dackel, männl. Geschlechts. Gegen Erstattung der Einrückungsgebühr und Futtergeld abzuholen. 21315

Der Ortsvorstand Oberissigheim.

Lind, Bürgermeister.

Politische Rundschau.

Mp. Ein Dreibundgeschent. Der König von Italien hat dem 13. Husarenregiment in Diedenhofen, das den Namen seines Vaters, des Königs Humbert, trägt und dessen Chef König Viktor Emanuel III. ist, zur kürzlichen Hundert­jahrfeier Pelze geschenkt. Der Kaiser hat durch Kabinetts­order dem Regiment die Annahme des Geschenkes gestattet.

Mp. Kaisermanövernachlese. Der bei den großen Herbst­übungen getragene feldgraue Waffenrock wird in der Truppe nicht durchgängig günstig beurteilt. Es macht den Ein­druck, als ob das Rohtuch die graue Färbung nicht so gut an­

Stadttheater in Hanau.

Der gesamten heutigen Auflage dieses Blattes liegt der Prospekt bezw. die Abonnementseinladung für die kommende Winterspielzeit des wudervoll renovierten Hanauer Stadt­theaters bei.

Die Direktion hat ein ausgezeichnetes, zahlreiches Künstler- personal engagiert und wird mit treiflichen Novitäten auf dem Gebiete des Schauspiels und der Operette aufwarten. Die Saison beginnt am Sonntag den 28. September dem MusilschwankFilmzauber" von Bernauer und Schanzer, Musik von Bredschneider und Kolle als Vor­stellung außer Abonnement und es ist zu erwarten, daß

ganz famose Stück, welches mit einer Fülle durch­schlagender und melodienreicher Musikschlager ausgestattet ist, Hanau denselben großen Erfolg zu verzeichnen hat, der ein Werk bisher ausnahmslos an sämtlichen Bühnen be- ' neben gewesen ist. Ein würdiger Beginn steht sodann er Sxvie der Abonnementsvorstellung bevor, indem als ernes Stück hierfür das gewaltige historische Drama1812

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nie Mittwoch den 1. Oktober unter der Regie des Herrn ue Steffi er vorbereitet wird, gleichzeitig eine er- K der Freiheitssiege bildend. Die erf iw im Schauspiel nimmt hierauf milder brillanten e spanische Fliege" von Arnold m.., en Anfang, einem urkomischen Stück von großer

®nhHH weiter das große Drama Gabriel Schillings Flucht" von Gerhard ' bU ??âieVater und S o h n" von Gust. Ermann und die LustspieleW i e s e l ch e n" von Leo "dye E h e" von Peter Nansen, nJ \ e e r 2 r a ü" von Lothar Schmidt, sowie das Scham spielD a s G e h e i m n i s" von Henry Beru­ftem anschließen, alles bedeutende und interessante Novitäten mefer namhaften Autoren. Die Operette bietet in ihrem weiteren Verlauf runäckst die Schlaaer .Der lachende

nimmt wie das Jndigoblau der alten Röcke. Der Stoff be­kommt nicht überall, aber doch häufig etwas brett­artiges, erscheint undurchlässig und macht dadurch heiß. Einmal schmutzig, ist die feldgraue Tracht noch viel unan­sehnlicher als die erdbedeckteste blaue Montur. Sehr ge­lobt, auch von dem einzelnen Reiter, werden dagegen die neuen Patronentragbünder der Kavallerie mit Karabiner­anhängevorrichtung nach englischem Muster und die Proben kürzerer, rundgeschnittener Reitstiefel. Die Infanterie hat sich mit einem Fußschoner gut abgefunden, der die Bänder des Fußgewölbes und damit den ganzen Fuß unterstützt, also die Anstrengung beim Marschieren vermindert. Selbst mit wundgelaufenen Füßen haben u. a. eingezogene Reser­visten durch diesen Fußschoner weiter mitmachen können. Die Versuche damit sind in besonderem Umfange beim 1. Bataillon 3. Garderegiments z. F. geführt worden. Ziem­lich unbemerkt ist die Benutzung von Scheinstellungen, u. a. am ersten Manövertage bei Striegau, geblieben. Die 6. Jäger aus Oels hatten dort auf dem Fuchsberg Rohrrück­laufbatterien mit Beobachtungsständen für die Führer aus Ofenröhren, Leitern, Drunnentrögen uff. aufgebaut und mit Vogelscheuchen besetzt, die durch ihr Kanonenschlagfeuer selbst auf ganz kurze Entfernungen die angreifende Infan­terie täuschten, von den Fliegern aber als richtendgehende Artillerie gemeldet worden sind. Daß der unermüdliche Feldmarschall Graf Haeseler sein bequemes Breslauer Quartier verschmähte, sich in Striegau bei der kämpfenden Truppe einquartierte und zu Pferde den drei Tagen folgte, ist für den fast 78jährigen ein Zeichen noch nicht geschwun­dener Felddienstfähigkeit. Besonders gut ist die Reichs- Post und Telegraphenverwaltung den, auch von der Presse, an sie gestellten hohen Anforderungen nachgekommen. In Freiburg i. Schl, war der Oberstock eines Hauses nahe der Hauptdurchgangsstraße mit Telephonzellen und Tischavpa- raten eingerichtet; ferner sind alle für das Manöver in Be­tracht kommenden Ortschaften, die Postbetriebsstellen be­sitzen, nach Freiburg direkt angeschlossen gewesen, um dem starken Verkehr der Manöverleitung, über die Benutzung des Feldtelegraphen hinaus tunlichst Rechnung zu tragen. Der Telegraphenbetrieb hat besonders in den Nachtstunden einen gewaltigen Umfang angenommen.

Bulgarisch-türkische BündnisSsstrebungen? Den be­stimmt lautenden Meldungen, es sei ein türkisch-bulgari­sches Schutz- und Trutzbündis zwischen Sawow und Talaat- Vey bereits in den Grundzügen festgelegt worden, steht man in Berliner diplomatischen Kreisen, wie man aus dor­tigen wohlunterrichteten Kreisen erfährt, skeptisch gegen­über. Es müsse doch jedenfalls einmal erst abgewartet werden, in welcher Weise die Friedensunterhandlungen zwischen den beiden Mächten zu Ende geführt würden, die

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Ehemann", Musik von Edmund EySler,Hoheit tanzt Walzer", Musik von Leo Ascher und Püppchen", Musik von Jean Gilbert.

Der mit Herrn Carl Reinhart abgeschlossene Vertrag ist auf gütlichem Wege gelöst und anstatt dessen von der Direktion der 1. Operetfentenor des Stadttheaters in Frank­furt a. O., Herr Erich Möller engagiert worden, dem ein guter Ruf voransgeht. Als 1. Held und Bonvivant wurde Herr Walter Steinert verpflichtet, ein vortreff­licher Schauspieler, welcher bereits die jetzige Spielzeit der Direktion in Bad Homburg mitmacht und bei Publikum und Presse glänzende Anerkennung findet.

Ein genauerer Bericht über die prächtigen Renovationen im Stadttheater folgt in Kürze.

Gottes Führungen.

Erinnerungen aus den Tagen der Schlacht bei Hanau.

Mitgeteilt von W. C a l a m i n u s. Hebr. 12 Vers 11.

Unter dieser Überschrift veröffentlichte im Jahre 1844 der damalige Hüttenaesäßer Pfarrer W. Calaminus (1835 bis 1862 in Hüttengesäß, später in Langendiebach, wo er als Metropolitan starb) in Nr. 14 des 1. Bandes vonDer Friedensbote"*) seine Erinnerungen an das, was er als neunjähriger Knabe mit seiner Mutter und seinen Ge­schwistern an Not und Drangsal, aber auch an gnädiger Bewahrung und wunderbarer Hilfe Gottes im Pfarrhaus auf dem Berg bei Gelnhausen im Jahre 1813 erlebt hatte. Dieser Band desFriedensboten" ist mir von zwei noch lebenden Kindern des Pfarrers Calaminus freundlichst zur Verfügung gestellt worden, mit der Bitte, die Hauptsachen aus den Aufzeichnungen ihres Vaters durch eine Vespre-

* Zeitschrift zur Belebung und Förderung des christlichen Lebens. Herausgeber: Pastor C. A. Wildenbabn in Bautzen, Verleger: Geb- bardt u. Neisland in Leipzig.

trotz der weitgehendsten Nachgiebigkeit Bulgariens noch ge» nug Konfliktsstoff böten, ehe man die Wahrscheinlichkeit derartiger Kombinationen in Betracht ziehen dürfe. Außer­dem dürfte sich das geschwächte Bulgarien vorläufig wohl hüten, das Mißtrauen der anderen Mächte durch feindselige Maßnahmen-zu erregen.

Neue Gefechte in Marokko. Eine in Madrid vorliegende Depesche meldet, daß in der Nähe von Tetuan spanische Pa­trouillen, aus einem Unteroffizier und 6 Mann bestehend, von den Rifkabylen in ungeheurer Ueberzahl überfallen wurden. Die Spanier legten sich hinter eine Böschung mit Rückendeckung und es gelang ihnen, sich 6 Stunden lang bis zur Ankunft von Verstärkungen gegen die Feinde zu halten. Die Rifkabylen ließen eine ganze Anzahl von Toten zurück. Von den Spaniern ist nur ein Soldat getötet und einer verwundet worden, obwohl sie von den Kabylen mit einem förmlichen Kugelregen überschüttet wurden.

WeiterePolitische Rundschau" im zweiten Blatt.

XXL Miier AsmItsliz.

S. & H. Breslau, den 11. September 1913. Der XXL Deutsche Anwaltstag, zu dem eine überaus große Zahl deutscher Rechtsanwälte aus allen Teilen des Reiches hier eingetroffen sind, wurde heute mit einer nichtöffentlichen Vertreterversammlung des Deutschen Anwaltsvereins einge­leitet. Nach Mitteilungen des Vorstandes berichtete Justizrat Dr. Lehmann (Leipzig) über die Errichtung eines Fonds zur Unterstützung von Bureaubeamten und Rechtsanwalt Dr. Dittenberger (Leipzig) über die Ausgestaltung der Vereins- Publikaüonen durch Einrichtung eines Vereinsnachri^enblattes. Darauf beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage des numerus clausus.

Die Anregung dazu gab ein Aufruf der Vereinigung Rheinisch- westfälischer Rechtsanwälte betreffend die Abänderung der Zulassuugsvorschriften. Berichterstatter über das Thema war Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs (Berlin). Die Ver­einigung Rheinisch-westfälischer Rechtsanwälte hatte bekannt­lich vor kurzer Zeit durch Versendung von Pappkartenformularen eine Abstimmung der deutschen Rechtsanwälte über die Not­wendigkeit von Zulassungsbeschränkungen veranstaltet. Die Abstimmung wurde vielfach als ein Bekenntnis der deutschen Rechtsanwälte zum numerus clausus aufgefaßt und deshalb in einen Gegensatz zu den Beschlüßen des Würzburger An­waltstages von 1911 gebracht. Heute nahm nun die Vertreterversammlung des Deutschen Anwaltsvereins mit allen gegen 10 Stimmen folgende vom Vereinsvorstand ein» gebrachte Resolution

an:Der von der Vereinigung Rheinisch-westfälischer An­wälte erlassene Aufruf hat eine Meinungseinholung nur

chung in einem Tagesblatte weiteren Kreisen zugänglich zu machen,-um sie dadurch jetzt in diesem erinnerungsreichen Jahre 1913 der Vergessenheit zu entreißen. Gern komme ich hiermit dieser Bitte nach, da ich überzeugt bin, daß diese Schilderungen eines Augenzeugen aus der Heimat es wert sind, wiederum zu Worte zu kommen.

Wie der Großvater, so war auch der Vatèr von W. Calaminus während des größten Teiles seines Lebens Pfarrer auf dem Berg bei Gelnhausen gewesen und hatte dem großen Kirchspiel mit ganzer Kraft und Treue gedient. Einige Monate vor der Völkerschlacht bei Leipzig starb er und hinterließ eine gebeugte Witwe mit vielen, zum Teil noch kleinen Kindern, deren jüngstes erst vor kurzem geboren war. Welcher Kummer und welche Sorgen lasteten damals auf dieser Pfarrwitwe! Und doch verzagte sie nicht. Voll dankbarer Bewunderung erzählt ihr Sohn von ihr in seinen Erinnerungen:Mit Mut und Zuversicht blickte sie der Zu­kunft entgegen, denn sie kannte jenen höheren Schutz, der Witwen und Waisen verheißen ist, sie wußte, daß, wo ihre Kraft nicht hinreiche, ein stärkerer Arm für sie streiten werde. Und auch jetzt, wie in ihrem ganzen Leben, fand sie sich in dieser Hoffnung nicht getäuscht."

Unter den französischen Flüchtlingen, die nach dem Zu­sammenbruch Napoleons der Hauptmaße seines geschlagenen Heeres vorauszogen, unaufhörlich von Kosacken verfolgt, be­fand sich auch der Proviant-Rechnungsführer der 8. Division des 3. Armeekorps, Mr. Rigal, mit zwei Kameraden deren einer ein Sanitätsbeamter Leföbore war. Diese Unglück lichen klopften eines Tages aufs äußerste erschöpft am Pfarrhaus auf dem Berg an mit der flehentlichen Bitte um Aufnahme und Obdach. Ihr Wunsch war, sich fixer so lange zu verbergen, bis das französische Heer angclaugt sei und sie wieder zu ihrem Truppenteil stoßen konnten. Man nahm üe freundlich auf und erquickte sie nach Möglichkeit. Aber schon am nächsten Tage war eins ihrer Pferde aus dem Stall gestohlen, also ihr Aufenthalt bekannt nnh Kosacken