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-Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckeret des

General-Anzeiger

AUtlilhes Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreisr

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post­bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Rummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau,

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Nr. 189

Aernsprechanschlich Nr. 230

Freitag den 15. August

Fernsprechattschlitk Nr. 230

1913

MmtttcheS.

Landkreis kjsnau

Im Hinblick auf die bevorstehenden Herbstübungen er­suche ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher auf Grund des § 11 des Nat.-Leist.-Ges., Anordnungen zu treffen, daß die vorzugsweise zu schonenden Ländereien, Obstplantagen, Drainierungsanlagen und junge Holzpflan­zungen (Schonungen) usw, durch deutliche, wenigstens 2 Me­ter hohe Strohwiepen oder Tafeln mit entsprechender Auf­schrift, daß ferner gefährliche Stellen (Hohlwege, Steilab- fälle, Sumpflöcher usw.) durch Warnungszeichen (schwarze Flaggen) auffällig kenntlich gemacht, sowie schließlich, daß die Einwohner aus Sicherung und Beaufsichtigung des wei­denden Viehes während der Manövertage hingewiesen werden.

Weiter ersuche ich, dafür zu sorgen, daß größere Wege­besserungen, wenn irgend angängig, in der Manöverzeit nicht vorgenommen werden, da hierdurch gegenseitige Be­lästigungen entstehen könnten.

Hanau den 11. August 1913. M. 1370

Der Königs. Landrat.

I. A.: Karbe.

Nach den mir von den Herren Bürgermeistern vorgeleg- ten Berichten ist die Lieferung der Furage für die Truppen, die während der diesjährigen Manöver mit Verpflegung upterzubringen sind, in allen Gemeinden sichergestellt. Soll­ten gleichwohl einzelne Gemeinden aus unvorhergesehenen Gründen für die Zeit vom 9. bis 13. September d. J. zur Erfüllung der ihnen nach § 5 Absatz 1 des Rat.-Leist.-Ges. obliegenden Verpflichtung zur Hergabe des Futters für die einquartierten Pferde außerstande sein, so ist mir dieses spätestens bis zum 18. d. M. unter Angabe der Gründe an­zuzeigen. Fehlanzeige nicht erforderlich. Die Intendantur der 21. Division wird alsdann nach erfolgter Verständigung mir mitteilen, von welchem Manöver-Proviantamt das Futter von der Gemeinde abzuholen ist.

Für jedes Pferd und jeden Tag sind etwa zu liefern: 6500 Er. Hafer, 2500 Er. Heu, 1750 Er. Stroh.

Hanau den 11. August 1913. dl. 1348

Der Königliche Landrat.

J. A.: Karbe.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher weise ich auf das in 25. verbesserter Auflage erschienene von dem Rechnungsrat E. Luge in Straßburg i. E. herausgegebene WerkchenBerechnung der Servisentschädigung für Quar­tierleistung an die Truppen im Frieden" hin. Das Merkchen

Die Emigretten.

Ein Kulturbild aus den Tagen der französischen Revolution.

ngc. Wie die Spreu im Winde, so stob der französische Adel nach allen Seiten auseinander, als die Revolution den Sieg errungen hatte und der Schrecken sein blutiges Werk begann. Die Herzöge.und die Marquis, die Grafen, Barone und Ritter, denen es glückte, mit Weib und Kind der Guillotine zu entfliehen, verstreuten sich über die alte und die neue Welt. Weitaus die meisten von ihnen aber fanden in England Aufnahme und Schutz. Denn während des 18. Jahrhunderts waren vornehme Briten in großer Zahl nach Frankreich, namentlich nach Paris, gekommen, und es hatten ach zwischen der englischen und der französischen Aristokratie vielfache Beziehungen enger Freundschaft geknüpft, die nun ven durch die Furcht vor Tod und Untergang jählings aus der Heimat vertriebenen Emigranten zur Rettung werden sEten: ihnen und ihren Frauen. Man hat diese zier- nchen, verwöhnten Geschöpfe, die alle Freuden des Daseins !o sorglos genossen hatten und jetzt plötzlich in der Fremde

einer dunklen, ungewissen Zukunft standen, dieEmi- ^retten genannt, um durch das leichte Wort anzudeuten, ?o ße auch in der Verbannung ihren leichtfertigen Sinn verloren. Doch wenn manche von ihnen sich in der Tat urch das Unglück nicht zu einer ernsten und würdigen Auf- sagung des Lebens bekehren ließen, gebührt der Mehrheit von i men die Anerkennung, daß sie den ungeheuren Wechsel ihres Lauerns mit einer heiteren Standhaftigkeit ertrugen, die bewundernswert erscheint und die holden Sünden ihrer Ueigangenheit in ein milderes Licht rückt.

...Joseph Turquan, der bekannte und fleißige französische >',i|torim, hat letzt die Geschichte der Frauen der Emigra- twn zu schreiben unternommen, und es ist ihm ein hübsches ebenso lehrreiches wie unterhaltendes Werk gelungen.*)

lurquan. Les femmes de Immigration. Paris, ^nule-PauL éditeur. 6

enthält die gesamten Bestimmungen über Quartier- und Naturalleistung im Frieden und im Kriege (Quartierlei­stung, Servisentschädigung, Vorspannleistung, Mundver­pflegung, Furagelieferung, Flurbeschädigungen usw.) und zwar nicht nur die Eesetzesparagraphen, sondern auch die hierzu ergangenen Ausführungsbestimmungen und ministe­riellen Erlasse. Aus diesem Grunde und wegen der über­sichtlichen Anordnung des Stoffes kann ich die Anschaffung des Merkchens nur warm empfehlen.

Der Preis des von dem Verleger zu beziehenden Buches beträgt 2.40 Mark. Bei Entnahme von 520 Exemplaren tritt eine Preisermäßigung von 40 Pfg., bei Entnahme von 21 und mehr Exemplaren eine solche von 60 Pfg. für das Exemplar ein.

Hanau den 13. August 1913. M. 1452

Der Königliche Landrat.

J. A. ': Karbe.

Stadtkreis Ranau.

Bekanntmachung.

Die Ausführung von Pflasterarbeiten in der Diako­nissenstraße soll unter Zugrundelegung der Bedingungen für die Ausführung von Arbeiten und Lieferung von Mate­rialien. für die Stadt Hanau verdungen werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zim­mer 20, zur Einsicht aus und können von dort gegen Ent­richtung von 50 Pfg. bezogen werden.

Verschlossene mit entsprechender Aufschrift versehene An­gebote sind bis zum Eröffnungstermin am 23. d. M., vor­mittags ^Ahr, einzureichen. >

Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa er­schienener Anbieter.

Zuschlagsfrist 4 Wochen.

Hanau den 9. August 1913. 18897

Der Maaistrat.

J. A.: Ehrich.

LsttdmrlsWicher Kreisvereiil Km«.

Der landwirt'ckaflliche Kreisverein unternimmt am 24. d. Mts. eine Reife mit Damen zur Besichtigung des Hofgutes in Habitzheim und der bäuerlichen Simmentaler Rindviehzüchtereien daselbst, sowie des Hofgutes des Oekonomierats Walter in Lengefeld und endlich der Weide bei Schloß Rauses.

Abfahrt am 24. d. Mts., vormittags 8.02 Uhr, Hanau- Ost über Babenhausen, Dieburg nach Spachbrücken. Ankunft im letzteren Orte um 9.07 Uhr vormittags. Von Spach- brücken ab Wagenfahrt nach Habitzheim. Besichtigung des

Daß die Emigranten sich mit Vorliebe nach England wandten, geschah, abgesehen von den verhältnismäßig ge­ringen Gefahren der Reise, auch deshalb, weil die Greuel der Revolution von keinem anderen Volke Europas so streng und so einmütig verdammt wurden wie von dem eng­lischen. Als Märtyrer einer edlen und großen Sache wurden die Emigranten empfangen, sobald sie Großbritanniens Boden betreten hatten. Das Parlament bewilligte die Mittel, jedem von ihnen ein Schilling täglich auszuzahlen, und alle Stände, ohne Unterschied, wetteiferten ihnen gegenüber an Hilfsbereitschaft. Sie waren für den Kampf um das trockene Brot herzlich schwach gerüstet, indessen ge­rade die Frauen machten sich tapferen Mutes daran, die natürlichen Gaben, die das Erbteil ihrer Ration sind, zu verwerten. Soviel Geschicklichkeit besaßen sie fast alle, einen Hut geschmackvoll zu verzieren oder kleine, niedliche und un­nütze Nippesgegenstände anzufertigen. Lord Buckingham richtete ihnen einen geräumigen Laden ein, in dem nichts anderes als Arbeiten von der Hand der Emigretten verkauft wurden: Wäsche, Kleider und Spitzen, Malereien und Sti­ckereien und namentlich künstliche Blumen, die das Gefallen der Britinnen in so hohem Maße fanden, daß es Mode wurde, sie den natürlichen vorzuziehen. Ganze Werkstätten entstanden, zu denen alte und junge Trägerinnen der ersten Namen Frankreichs frühmorgens in hellen Scharen zogen, um, an langen Tischen nebeneinander sitzend, aus Stofsab- fällen, die ihnen von den großen Geschäften der City ge­schenkt wurden, Handtäschchen, Serviettenringe, Bücher­einbände und tausend andere anmutige Nichtigkeiten mit flinken Fingern herzustellen. Wer sich eines besonderen Ta­lentes erfreute, zögerte nicht, es fruchtbringend zu machen und Unterricht im Malen, im Klavierspiel oder im Gesang zu erteilen. Einige Frauen fanden als Sprachlehrerinnen Anstellung, andere, die noch ein kleines Kapital besaßen, verwendeten es zu einem selbständigen Gewerbe. So eröff­nete die Gräfin Guery ein Kaffeehaus,' das Fruchteis, das sie zubereitete, galt für das beste in London. und die Söhne

Hofgutes und der Simmentaler Züchtereien daselbst. Hiernach gemeinsames Mittagessen in einer Wirtschaft dieses Ortes, die noch bekannt gegeben wird. Um l1/» Uhr mittags Weiterfahrt mit Wagen nach Lengefeld, Besichtigung des Hof­gutes daselbst. Weiterfahrt um S1^ Uhr nach Schloß Nauses und Besichtigung der Weide dase'bst. Weiterfahrt um 6 Uhr nach Station Höchst. Dortselbst gemütliches Zusammensein bis 7.22 Uhr abends, um welche Zeit Rückfahrt nach Hanau stattfindet. Ankunft Hanau-Ost 8.16 Uhr.

Diejenigen Mitglieder und Freunde des Vereins, welche sich an der Bereisung beteiligen wollen, werden ersucht, dies bis zum 19. d. Mts. dem Schriftführer des Vereins Herrn Domänenrentmeister Reinhardt mitzuteilen.

Pie nicht unerheblichen Kosten für die Wagenfahrt der Mitglieder werden aus der Vereiuskasse bezahlt.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen KreisvereinS in den Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen.

Hanau den 8. August 1913.

Der Vorsitzende.

Frhr. Laur, Landral.

Mitae uni) uertone WMM it.

Gefunden: 1 kl. Kinderportemmonaie mit 2 Pfg., 1 Krawattennadel mit 3 Steinen und 3 Perlen.

Zugelaufen: 1 jung, deutscher Schäferhund (Rüde), 1 Hund (Bastard), graugelb mit dunkler Maske.

Hanau den 15. August 1913.

In Kaiser als 5Mtrr des KassiM»M«>.

In unantastbarer G-rechtigkeit und landesväterkicher Fürsorge schirmt und schützt unser Kaiser gleichmäßig alle die verschiedenen Stände, Volksschichten und Berufsklassen seines mächtigen Reiches. Alle sollen möglichst gleichmäßig die Segnungen seiner Friedensregierung erfahren, alle, die im Dienste des Gemeinwohles etwas leisten, denen das Va­terland etwas verdankt, sollen sich seiner regen Anteil­nahme, seiner steten Huld und Gnade versichert halten können.

Soeben erst hat er in Lübeck bei seiner Erwiderung aus die Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Dr. Eschen­burg diesem Grundsatz Ausdruck gegeben, indem er den in der alten Seestadt vorherrschenden Kaufmannsstand seines landesväterlichen Schutzes versicherte.

Nach einem herzlichen und innigen Dank an die gesamte Bürgerschaft Lübecks für den Empfang in der altehrwür­digen Hansastadt knüpfte er an den kurzen historischen Ueberbkick an, den der Bürgermeister über die Zeit vor Hun, dert Jahren gegeben hatte, und fuhr fort:

des Königs Georg HL, der Prinz von Wales, die Herzöge von Pork und Clarence, gehörten bald zu ihren Kunden. Aber nicht alle hatten Ausdauer und Glück genug, festen Fuß zu fassen. Und da die Sympathien der Engländer für ihre französischen Gäste allmählich kühler wurden, um schließlich völlig zu erkalten, zwang der Hunger Frauen, die in ihrer Heimat die ganze Behaglichkeit des Wohllebens gekannt^ hatten, auch die bescheidenste Möglichkeit des Verdienstes, die sich ihnen bot, anzunehmen. Da wurde eine Herzogin de la Force Kammerzofe, nachdem ihr letztes Geld zer­ronnen war. Die ehemals neben der Königin Marie An­toinette in Schönheit und Diamantenpracht geglänzt hatten, hielten auf den Plätzen Londons Apfelsinen und Blumen feil oder fegten, in Lumpen gehüllt, das Pflaster. Und durch die Straßen der britischen Hauptstadt zog eine kleine Truppe, bestehend aus einem Greise, der ein Kamel am Halsterbande führte, einem Knaben, der ein Aeffchen possier­liche Kunststückchen vollführen ließ, und einem jungen Mäd­chen, das auf den Händen ging: die letzten Ueberlebenden eines der feudalsten Adelsgeschlechter der Bretagne. Am schlimmsten erging es den Frauen, die, ohne männlichen Beistand, nicht aus eigenem die sittliche Kraft hatten, sich von der Not nicht niederbeugen zu lassen. In anrüchigen Singspielhallen endeten sie, in dumpfen Matrosenkneipen

und versanken in tiefster Schande.

Indessen, sie bildeten nur vereinzelte Ausnahmen, und es bleibt den Emigretten der Ruhm, in überwiegender Zahl ihr Unglück mit Standhaftigkeit getragen zu haben. Sie stärkten und stützten sich gegenseitig. Abends, wenn des Ta­ges ungewohnte Arbeit getan war, führte ihr Bedürfnis nach geselliger Unterhaltung sie zusammen Die Frauen und die Mädchen zogen dann das einzige, vorher sorgsaltig ge­waschene und gebügelte Kleid an, das sie noch zu dessen Schonung sie sonst nur den Unterrock trugen. Wenn wir auch in niedrigen Dachkammern wohnten, ver­loren wir deshalb doch nicht eine Zollbreite von unserer Höhe", hatte eine der Emiavette« später geschrieben. Arq