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EinrückungsgeLSHr:

Die Ogespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil di« Zelle 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis!

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post« bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau,

Nr. 186

Zyernsprechansthlutz Nr. 230

Dienstag den 12, August

Fernsprechanschlusj Nr. 230.

1913

Amtliches.

Dienstnachrichten.

In der Gemeinde Eidengesäß, Kreis Gelnhausen, ist die Schweineseuche und die Schweinepest festgestellt worden. Die Gemeinde Eidengesäß bildet einen Sperrbezirk.

Hanau den 11. August 1913. V 5589

Zugelaufen: 1 Wolfsspitz mit Halsband und schwärz­lichem Rücken, männlichen Geschlechts.

Großkrotzenburg den 8. August 1913.

Bürgermeisteramt. 18719

Wmd« und m!mm EWnMdè it.

Zugelaufen: 1 rotbrauner Pinscher, weibl. Gesch., 1 braun- und schwarz-gefleckter Foxterrier, 1 klein. Schwein­chen (Spanferkel).

Gefunden: 2 Schippen, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Sack mit Bohnen (34 Pfd.), 1 Portemonnaie mit 4.67 Mark und Lohnabrechnungen für Ph. Jüngling, 2 Tüllwesten.

Verloren: 1 Brosche mit Brillanten und blauem Stein.

Entlaufen: 1 dunkelbrauner Jagdhund weibl. Ge­schlechts, auf den Namen Diana hörend.

Hanau den 12. August 1913.

Politische Rundschau.

Das deutsche Reichsheer 18741913. Nach dem Gesetz zur Ergänzung der Friedenspräsenzstärke vom 3. Juli 1913 zählen zum deutschen Reichsheere im Jahre 1913 669 Ba­taillone Infanterie (1874 469 Bataillone), 550 Eskadrons Kavallerie (465), 633 Batterien Feldartillerie (300), 55 Batterien Fuhartillerie (29), 44 Pionierbataillone (18), 31 Bataillone Verkehrstruppen (1874 bestanden noch keine), 26 Trainbataillons (18). In den nahezu verflossenen 40 Jahren hat hiernach eine Vermehrung stattgefunden von 200 Bataillonen Infanterie, 85 Eskadrons Kavallerie, 333 Batterien Feldartillerie, 26 Batterien Fuhartillerie, 26 Pionierbataillonen, 31 Bataillonen Verkehrstruppen und 8 Trainbataillonen.

Mp. Feldgrau und Kenntlichmachung der Stäbe. Die feldgraue Uniform, die seit dem Frühjahr von allen Waf­fengattungen zu den Gefechts- und FelddienstüLungen ge­tragen wird, Lei denen es sich nicht nur um einen markier­ten Feind handelt, gewöhnt Führer und Truppen an die durch die unscheinbare Farbe der Bekleidung geschaffenen neuen Verhältnisse und ermöglicht ein abschließendes Ur­teil über die Dauerhaftigkeit des Stoffes. Die jetzt in Tragung kommenden Röcke und Hosen stammen aus den ersten Fertigungsjahren des Feldgrau, d. i. aus einer Zeit, in der die Tuchfabriken hierin wohl noch kaum ihre jetzige Leistungsfähigkeit besaßen. Mit diesen abschließenden

Der Tag von Großbeeren.

Am 10. August 1813 endete der Waffenstillstand, der lange, der tatendurstigen Jugend alluzulange, die Kraft der Armeen zurückgehalten hatte. Sofort begannen nun aber die beiden kriegführenden Parteien, Napoleon einerseits, Russen und Preußen, denen sich während des Waffenstill­standes noch die Oesterreicher und Schweden angeschlossen hatten, andererseits, den lange durch großartige Rüstungen mit fieberhaftem Eifer vorbereiteten Angriff auf den ver­haßten Gegner ins Werk zu setzen. Drei Armeen hatten die Verbündeten ins Feld gestellt: die Nordarmee in Branden­burg, bei der, unter dem Oberbefehl des schwedischen Kron­prinzen Bernadotte, Schweden, Russen und Preußen stan- en, die schlesische Armee unter dem Befehl Blüchers, auf den schon damals alle guten Deutschen ihre größten Hoff- nungen setzten, die aus Russen und zum Hauptteil aus Preu- l'dstand, und schließlich die böhmische Armee, die unter ein Oberbefehl des österreichischen Generals Fürst Karl von Schwarzenberg stand, und in der neben den Oester- fonden" ""$ einige preußische und russische Korps sich be- richtigen Erkenntnis, daß die Prußen seine ge- rayrllchsten Feinde, seine Hauptgegner seien, beschloß Na-

b°s böhmische Heer zunächst fast unbeachtet und un- behelllgt zu laßen und sich mit einem gewaltigen, wuchtigen Doppelschlage gegen Blücher und Bernadotte" zu wenden.

^em Rcac schall Oudinot wurde von Napoleon der bün­dige Auftrag erteilt,das Nordheer zu zerstreuen, die preu­ßische Landwehr zu entwaffnen und Berlin, wenn es Wider­tand leiste, zu verbrennen". Und wahrlich, zunächst schien ore Lage der Verbündeten auf dem nördlichen Kriegsschau-

Trageproben sind vereinzelt Versuche inbezug auf die mehr unauffällige Kenntlichmachung der Offiziere der Stäbe ver­bunden worden. Hierfür kommen später vor allem die Generalstabsoffiziere und die Adjutanten von der Brigade aufwärts in Betracht, die derzeit durch die breite, schräg über die Brust getragene Schärpe weithin kenntlich sind. Mit dem einfachen Abschaffen dieses Unterscheidungszeichens ist es wie man uns aus militärischen maßgebenden Kreisen schreibt aber nicht getan. Die Kriegsgeschichte lehrt vielmehr, daß zur Vermeidung von unter Umständen folgenschweren Mißverständnissen und Irrungen und im Interesse einer raschen, gesicherten Befehls- und Meldungs­übermittlung es unerläßlich ist, die Gehilfen der Führer durch besondere Abzeichen leicht erkennbar zu machen, mög­lichst auch die Zugehörigkeit des einzelnen zu einem be­stimmten Stabe außer Zweifel zu stellen. In letzterer Be­ziehung gaben bisher die verschiedenen Uniformfarben wenigstens einigen Anhalt; dieser ist nun weggefallen. Eine einheitliche und durchgreifende Neuregelung der Frage erscheint unabweisbar. Wie schon mehrfach in rein technischen Dingen sind urzs auch hierin die Franzosen mit gutem Beispiel Vorangegangen. Sie haben die General- stabsoffiziere, Adjutanten und Ordonnanzoffiziere mit ab­knöpfbaren Armbinden in verschiedenen Farben ausge­stattet, die über die Zugehörigkeit des Trägers durch auf­genähte Ziffern und Buchstaben Auskunft geben. Es ist zu bezweifeln, ob sich ein anderes, einfacheres, dabei doch voll ausreichendes Mittel bei uns finden läßt. Schließlich wird in Erwägung zu ziehen sein, ob man nicht auf den bei Regenwetter von den berittenen Offizieren häufig ge- tragenen*Umhängen die z. Z. abgesehen von der belang­losen verschiedenartigen Farbe des Kragens für alle Dienst­grade und Waffengattungen völlig gleich sind Ab­zeichen anbringen muß, die Rang und Regiment des Trägers erkennen lasten.

Mp. Wie die deutsche Handelsmarine der Kriegsmarine half. Unter den amerikanischen Teerjacken ist stille Trauer. Die zeitgeheiligten Bezeichnungen Starboard (Steuerbord) und Port (Backbord) sind von dem neuen Staatssekretär des Marineamts abgeschafft und durch die Bezeichnungen rechts und links ersetzt worden. Auch die deutsche Handels­marine hat einmal und zwar für volle zehn Jahre an Stelle der alten Bezeichnungen Steuerbord und Backbord das Komando rechts und links eingeführt. Während aber bei der Flotte der Vereinigten Staaten die neue Bezeich­nung anscheinend dauernd erhalten bleiben soll, hat jene Aenderung in den deutschen Bestimmungen lediglich eine vorübergehende und erzieherische Bedeutung gehabt. In den 80er Jahren rekrutierte sich der Ersatz unserer Kriegs­marine noch sehr viel mehr als heute aus der seefahrenden Bevölkerung der Waterkant. Diese Leute kamen mit einer Aufastung der Begriffe Steuerbord und Backbord in den kaiserlichen Dienst, die ihrer, bei der Marine geltenden Be­deutung genau entgegengesetzt war. Es ergab sich dies aus den alten Ruderkommandos, die aus der Zeit übernommen

platze schwierig und bedenklich genug! Denn nicht allèin Oudinot bedrohte die Hauptstadt mit einer Armee von 70 000 Mann, die von Sachsen über Wietstock nordwärts rückte, sondern auch von Magdeburg und Hamburg zogen die Generale Girard und Davoust mit ziemlich bedeutenden Truppenmasten heran, um sich mit Oudinot zu gemein­samem, entschlossenem Handeln zu verbinden. Verschlimmert wurde die Sachlage noch durch des schwedischen Kronprinzen abwartende Haltung; Bernadotte wollte keinen entschei­denden Schlag wagen und zog sich langsam nordwärts zurück. Als er auch Berlin aufgab und auf die Vorstellungen der Preußen nur die geringschätzige Antwort hatte:Was ist denn Berlin? Eine Stadt!" beschlossen die preußischn Ge­nerale, die unter ihm kommandierten, selbständig zu han­deln. Der feingebildete, geistvolle Bülow tat den stolzen, in seiner packenden Einfachheit zündenden Ausspruch:Vor Berlin sollen unsere Knochen bleichen und nicht jenseits der Spree!" Und mk er, so dachten seine heldenmütigen Waffengeführten, die Gnerale Tauentzien und Borstell so dachte die ganze, von freudigstem Opfermut und stolzer Va­terlandsliebe beseelte Schar der Preußen, die südlich von Berlin, im Heinersdorfer Forst, zurückblieb, um den mäch­tigen Anprall der Feinde zu erwarten.

Es war am 23. August. Von Wietstock aus zogen träge die Kolonnen des Feindes bei strömendem Regen, der die ganze Landschaft in trübes, trostloses Grau hüllte, nord­wärts, der preußischen Hauptstadt zu. Kein Gegner ließ sich blicken, man glaubte sich schon sicher im unbestrittenen Besitz Berlins. Bis Großbeeren war die Armee gelangt; dort, etwas westlich von dem Dorfe, sollte abgekocht werden. Aber übel wurde den Franzosen, die in ihrer stolzen Ueberhebung ziemlich sorglos an das Abkochen gegangen waren, das Mahl gewürzt, denn in die Kelle! Drosselten vlötzlick) die vreußi-

I waren, als in der Segelschiffahrt das Ruderrad noch ein unbekannter Begriff war und die Steuerung durch ein­faches Umlegen der Ruderpinne geschah. Während also in der deutschen Kriegsmarine ein Drehen des Steuerrades nach rechts dem Kommando: Steuerbord-Ruder! entsprach und dem Schiff dadurch eine Drehung nach Steuerbord ge­geben wurde, waren die Begriffe der Handelsmarine die umgekehrten. Der Handelsschiffmatrose, der bei der Ma­rine diente, machte daher leicht Irrtümer. In der richtigen Erwägung, daß es notwendig sei, die handelsmarinege­wöhnten Matrosenrekruten grundsätzlich umlernen zu lasten, wurde deshalb von den privaten Reedereien um das Jahr 1890 das Kommandorechts" für das bisherige Steuerbord und das Kommandolinks" für Backbord eingeführt. Zehn Jahre beließ man es dabei und griff dann, nachdem wäh­rend dieses Interregnums eine Andersgewöhnung der früher kriegsmarinetechnisch verbildeten jungen Mannschaft erfolgt war, auf das Marine-Kommando zurück, das stets? auf S. M. Schiffen galt. Wie notwendig die Bezeichnun­genSteuerbord" für die in der Fahrtrichtung des Schiffes rechte Seite undBackbord" für die in der Fahrtrichtung linke Seite sind, geht aus den leichten Verwechslungen her­vor, die bei einer der Fahrtrichtung abgewendeten Front aus den Kommandos rechts und links leicht folgern. Auch dann, wenn der Matrose mit der Front nach der Heckseite Les Schiffes arbeitet, ist eine Verwechslung der Schiffsseite bei dem Komando Steuerbord und Backbort unmöglich, während der Rechts- und Links-Begriff bei der Inversion, der Kehrtwendung, wechselt.

Die Diktatur in Böhmen. Blättermeldungen zufolge wurden von der Prager Statthalterei an bk Bezirkshaupt­mannschaften, zusammenhängend mit der Einsetzung btt Kaiserlichen Verwaltungskommission, drei Erlasse herauS- gegeben, durch die strengste Preßzensur, scharfe ^Handhabung deS Vereins« und Versammlungsgesetzes und rücksichtsloses Vorgehen gegen unerlaubte Straßendemonstrationen, ge­gebenenfalls mit Waffengewalt, vorgeschrieben wird. Auf die Tätigkeit von Agitatoren soll besonderes Augenmerk ge­richtet werden. Die Erlasse wurden in der vergangenen Woche nochmals in Erinnerung gebracht.

Der Streik in Mailand neigt sich seinem Ende zu. Die Wiederaufnahme der Arbeit macht sich stark bemerkbar. Zahlreiche Straßenbahnwagen und Fuhrwerke verkehren. Der Versuch, den Streik auf andere Verkehrsmittelpunkte auszudehnen, ist tatsächlich gescheitert. In Rom setzte die Arbeitskammer den Beginn des Streikes auf vier Uhr nach­mittags fest, aber überall wurde bis abends gearbeitet._ Di« Stadt hat ihr normales Aussehen. Der Verkehr ist un­gestört. Nur einige Zeitungen mußten die vierte Ausgabe ausfallen lassen, weil später am Abend die Typographen streikten. Teilweise Arbeitseinstellungen werden nur auS Pisa, San Pier d^Arena und Sestri Ponente gemeldet. Die Arbeitskammer in Genua riet öffentlich und eindringlich vom Streik ab.

schen Granaten, sie platzten in die Reihen der ganz über­raschten Feinde und richteten dort grausame Verheerungen an. Die Franzosen zogen sich ostwärts auf Großbeeren zurück, wo sie besonders den hochgelegenen Kirchhof besetzten. Aber auch dorthin folgten ihnen stürmend die todesmutigen Preu­ßen, die in heißem Kampfe die Dorfgasten und' nach bluti­gem Kampfe schließlich auch den heißumstrittenen Kirchhof nahmen. Während der Schlacht strömte der Regen, es ver­sagten die Gewehre, und mit gefälltem Bajonett warfen sich die Preußen mit Hurra auf den Feind; ja, die Bauern- burschen von Linie und Landwehr handhabten mit grimmi­ger Wut die schweren Gewehrkolben wie die heimatlichen Dreschflegel,so flutschte et bäter!" Dem heldenhaften, un­widerstehlichen Anprall konnten die Feinde nicht standhal- teg; die nicht fielen unter den grimmigen Streichen der Landwehrmänner, die ihre Kriegstüchtigkeit bei Großbeeren zum ersten Mal bewähren durften, wurden in die Sümpfe und Moräste südlich des Dorfes getrieben, wo viele von ihnen

elend umkamen.

Unermeßlich war in Berlin der Jubel über diesen , Sieg; die halbe Stadt eilte auf den blutigen Kampfplatz, wir da irgend konnte, brachte den wackeren Streitern Er- frifchungen. Frauen und Mädchen jedes Standes und Alic wetteiferten aufopfernd in der M«-e der »«mmtâ^

Auf dem Kirchhof, um den der h-ih°st° KampsS'toit hatte, hat König Friedrich Wilhelm III. !°m°nJ"^^ Kriegern in danlbarem Gedenken °m°n °^-n-n M gesetzt; auf dem Schlachtfelde, westlich vom Dorfe -nah eine einfache Steinpyramide an benf Denkmal entsteht der Schlacht und ein drittes, prunkvolles Denlmal entsteyt jetzt mitten im Dorfe, das das Andenken an den glorreichen 23. Auaust 1813 wachhalten soll.