General-Anzeiger
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Die Kgespaltens PetitzeUe oder deren Naum 20 Pf» im Reklameteil die Zeile 50 Pf»
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei Les 'verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg^ fitz Postbezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pf»
Die einzeln« Nummer kostet 6 Pf»
Verantwort!. Redakteur: (5. Schrecker in Hanau.
$1* 177 Aernsprechanschlitfj Nr. 230.
Freitag deu 1. August
Fernsprechattschltttz Nr. 230. 1913
Amtliches.
Nach amtlichen Nachrichten ist sowohl unter den bulgarischen als auch unter den griechischen Truppen in der Gegend von Saloniki die Cholera ausgebrochen. Zeitungs- nachrichten melden das Auftreten der Cholera auch in anderen Teilen der Balkanhalbinsel.
Die Polizeibehörden des Bezirks werden deshalb angewiesen, die aus den Valkanländern einschließlich Rumänien zureisenden Personen bis auf weiteres gemäß § 8 der Anweisung des Bundesrats zur Bekämpfung der Cholera vom 28. Januar 1904 einer Beobachtung zu unterwerfen.
Cassel den 23. Juli 1913. V 5235
Der Regierungspräsident.
Graf von Bernstorff.
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Der Herr Unterrichtsminister hat mit Erlaß vom 27. Juni 1913 — U. III. E. Nr. 5,1 — auf Grund der Vorschrift im § 48 Abs. 2 des Lehrerbesoldungsgesetzes vom 26. Mai 1909 zur Bestreitung der Mehrausgaben für die Gewährung eines Alterszulagen-Einheitssatzes von 100 Mark für die Lehrerstellen des Bezirks für das laufende Rechnungsjahr die an den Staatszuschüssen für die Lehre- rinnenstellen des Bezirks ersparte Summe von 15 568 Mark überwiesen. Davon entfallen auf eine Lehrerstelle 6.50 Mark (bis zu 25 Stellen in einem Schulverbande).
Die Beträge werden auf die von den Schulverbänden im Rechnungsjahre 1913 zu zahlenden Kassenbeiträge angerechnet werden. B II 3607 Gaffel den 14. Juli 1913. V. 5204 Königliche Regierung, Abt. für Kirchen- und Schulwesen. "» - ^- ------------------------------------------------------------------------ .. ... ■
Iagdverordnung.
Für den Umfang des Regierungsbezirks Caffel wird für das Jahr 1913 auf Grund der §§ 39 und 40 der Jagdord- nung vom 15. Juli 1907 die
Eröffnung der Jagd auf Rebhühner auf
Montag den 25. August festgesetzt.
Cassel den 18. Juli 1913.
(L. S.) Der Bezirksausschuß zu Gaffel.
Graf von Bernstorff.
Eandkreis Hanau.
Dem Vizewachtmeister Philipp Finow sind die Geschäfte des Kreisvollziehungsbeamten von heute ab übertragen korben.
Hanau den 1. August 1913.
Der Vorsitzende des Kreisausfchuffes.
F r h r. L a u r.
Dienstnachrichten.
Unter dem Schweinebestand des Jakob Wilhelm Fritzel in Bergen ist der Ausbruch des Rotlaufs festgestellt worden.
Die erforderlichen Schutzmaßregeln sind angeordnet.
Hanau den 31. Juli 1913. V. 5344
AMm mH miorm ßtecniWe k.
Gefunden: 1 Herrenschirm (stehengeblieben bei Karl Fritz, Vorstadt 3; Empfangnahme auf dem Fundbureau), 1 schwarzes Ledertäschchen mit Taschentuch.
Verloren: 1 grünes Portemonnaie mit 50 Pfg., 1 10-Markstück.
Hanau den 1. August 1913.
Politische Rundschau.
Der neue Kriegsminister und die Presse. Dem Nnchsverband der Deutschen Presse ging folgendes Schreiben des preußischen Kriegsministeriums zu: ^Für die freundliche Ueberfenbung der Nummer 6 der Mitteilungen Ihres Vcr- btlndktz sage sch aufrichligen Dank. Ich habe mit großem V' eresse von den Verhandlungen über die Aufgabe der in Krisenzeiten und die Behandlung militärischer Nach- " yn durch die Presse Kenntnis genommen, kann Sie aber '' Wurm, daß es dieses Einblicks in Ihren Meinungsaus- nicht bedurfte, um mein Verständnis für die Bedeutung b ■ nn allgemeinen, wie Ihre Bestrebungen im be- IojIbeien zu wecken. Sie wollen überzeugt sein, daß ich der benimm Presse die Erfüllung ihrer schweren, vercmt- wortungsvollen Aufgabe, soiveit es an mir liegt, mit allen Kräften erleichtern werde, v. Falkenhayn." Die in vor- stehendem Schreiben erwähnte Nummer 6 der Mitteilungen enthielt einen ausführlichen Bericht über die Düsseldorfer Vertreterverjammlung des Reichsverbandes der Deutschen Treffe.
Die Beratung der französischen Militärvorlage. Der Senat hat gestern die Beratung der Militärvorlage über die dreijährige Dienstzeit begonnen. 13 Senatoren waren in die Rednerliste eingetragen worden, von denen 7 für und 6 gegen die Vorlage sprechen werden. Die Regierung hat erklärt, sie wolle dem Senat den weitesten Spielraum zu etwaigen Abänderungen einzelner Paragraphen lassen. Man erwartet inehrere Zusatzanträge, namentlich bezüglich der von der Kammer besprochenen Bestimmungen für den Unterhalt von bedürftigen Familien dienender Soldaten, sodann auch betreffs der Rekrutierung im Alter von 20 Jahren. Diese Zusatzanträge dürften jedoch auch im Senat abgeleht werden. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß die Verhandlungen nur 2 Tage in Anspruch nehmen werden.
Schnelle Sühne. Die Besch pfung einer deutschen Flagge durch einen französischen Arbeiter ist von der französischen Polizei schnell gesühnt worden. Gestern fuhr ein Kaufmann aus Berlin mit einem Motorboot den Rhein- Marnekanal hinunter, machte in Nancy Halt unb stieg aus, um einen Spaziergang durch die Stadt zu machen. In seiner Abwesenheit entfernte ein französischer Arbeiter die deutsche Flagge vom Boote und verbrannte sie. Alsbald nach seiner Rückkehr meldete der Kaufmann die Angelegenheit der Polizei. Diese verhaftete den Arbeiter und verurteilte ihn sofort zu 10 Tagen Gefängnis.
Eine Kritik des Kriegsamtes. Bei der Beratung des Heeresetats im englischen Unterhause beantragte die Opposition eine Reduktion als Kritik der allgemeinen Politik des Kriegsamtes. Die erforderliche Zahl von Armeeflugzeugen bildete den Hauptstreitpunkt. Die Opposition erschien in Kroßer Zahl zur Abstimmung. Obwohl die Besetzung des Hauses während bei ganzen Sitzung nur schwach gewesen war, würde der Reduktionsantrag doch mit 280 gegen 247 Stimmen abgelehnt. Die Ministeriellen brachen in lauten Beifall aus, als sie sahen, daß sie einer Niederlage entgangen waren. Die Unionisten gaben ihrer Freude Ausdruck, daß die Majorität der Regierung so klein war.
Der Papst von neuem erkrankt. Wie von maßgebender Seite erklärt wird, gibt der Zustand des Papstes zu Besorgnissen Anlaß. Er muß seit einigen Tagen wieder das Bett hüten. Die Audienzen sind abgesagt worden.
Schwere französische Verluste in Marokko. Die „Presse coloniale" veröffentlicht den Brief eines in Marokko stehenden Offiziers, wonach die Verluste der Franzosen in den Kämpfen bei Tadla bedeutend größer gewesen sind, als die amtlichen Meldungen angeben. Die Kolonne Mangin verlor am 8. Juni 24 Mann, wovon 14 gefangen genommen und von den Marokkanern unter Foltern getötet wurden. Am 10. Juni hatte sie 50 Tote zu beklagen, von denen 43 von den Marokkanern gefangen genommen und ebenfalls zu Tode gemartert wurden. Unter den letzten 50 wären 15 Europäer. Außerdem hatte die Kolonne am gleichen Tage 119 Verwundete. Auch verlor sie ein Schnell- feuergeschütz und 55 Gewehre. Der Führer der Vorhut Oberst Picard wurde mit seiner drei Kilometer vorausreiten- den Abteilung umzingelt. Als das Gros der Kolonne nachrückte, fand es alle Reiter niedergeschossen. Der Oberst war bei lebendigem Leibe verbrannt worden. Am Schluß des Briefes heißt es, daß die Zahl der französischen Posten, die von Marokkanern überfallen, gefangen genommen und dann getötet wurden, sehr groß ist. Die Abberufung des Obersten Mangin aus Marokko dürfte nicht zum wenigsten diesen militärischen Mißerfolgen zuzuschreiben sein.
Die Umtriebe Castros. In Willemstad auf Curacao sind Telegramme aus Cora (Veuezuela) eingegangen, welche die Empörung der Garnisoit bestätigen. Die Rebellen seien ans Ruder gelangt und übten die Funktionen der Regierung aus. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Bewegung von den. Anhängern Castros geführt wird, der einen auf der Höhe von Curacao liegenden Dampfer zur Verfügung haben soll. Von dem Schiffe sind noch keine Nachrichten hierher gelangt. Es wurde auch noch nicht gescheit. Eine Anzahl Briefe liegt für Castro auf dem Postamte von Willemstad.
Die Wirren in Süd-China. Hukau wurde kampflos eingenommen. General Lui (neutral) ist aus Kiukiaug nach Anhai geflohen. In der Nähe von Saho ist ein Kampf im Gange.
Eine Verfassungsreform in Aegypten dürfte in nächster Zeit in Kraft treten. Wie amtlich mitgeteilt wird, besteht die Absicht, den Gesetzgebenden Körper und die Nationalversammlung in eine gesetzgebende Körperschaft zu vereinigen. die von den Ministern, 66 gewühlten und 17 ernannten Mitgliedern gebildet wird. Die letzteren umfassen den Präsidenten, den Vizepräsidenten, 4 Kopten, 3 arabische Beduinen, zwei Aerzte usw. Diese Körperschaft wird die Gesetzgebung aufnehmen, jedoch mit Ausnahme derjenigen, die Verfassungsangelegenheiten betreffen. Die gewählten und die ernannten Mitglieder werden sechsjährige
Mandate erhalten, je ein Drittel der Mitglieder hat nach zwei Jahren zurückzutreten.
Die Balkankrifis.
Der Preis für Montenegro.
W. London, 31. Juli. In der Sitzung der Botschafter* Vereinigung am Donnerstag der vorigen Woche hatten dis Botschafter von der Erklärung des montenegrinischen Bevollmächtigten Woinowitsch Akt genommen, daß sämtliche montenegrinische Truppen Albanien geräumt hätten. Die Botschafter waren dahin übereingekommen, an die Regierungen der Großmächte die Bitte zu richten, daß sie ihre Montenegro wiederholt gegebene Zusicherung, in eine internationale Anleihe an Montenegro zu willigen, bestätigen und Montenegro bei den EntwäfferungsarbeUen am Skutarisee unterstützen möchten. Man glaubt, daß die Anleihe sich auf 30 Millionen Francs belaufen wird, die zu gleichen Teilen unter den Großmächten verteilt werden. Montenegro hat die Mächte daran erinnert, daß es als Grenzberichtigung die von dem Stamm der Clementi bewohnte Enklave mit Vraka am rechten Ufer des Skutarisees wünscht und außerdem das rechte Ufer des Bojana. Montenegrinische Kreise versichern, Montenegro werde für diese Grenzberichtigungsansprüche bei den Friedensverhandlungen in Bukarest in bestimmtester Form eintreten.
Die Bukarester Konferenz.
W. Bukarest, 31 .Juli. Die zweite Sitzung fett Frie* denskonferenz fand heute nachmitag 4^.Uhr statt. Vorher hatten die rumänischen Delegierten in einer vertraulichen Konferenz endgültig "die Grenzpunkte, deren Abänderung Rumänien verlangt, topographisch festgelegt. In der Plenarsitzung der Konferenz wurde dem Protokoll der vorhergehenden Sitzung zugestimmt, das von allen Delegierten unterzeichnet wurde. Majorescu schlug vor, daß die Mitglieder der Konfernz sich in strittigen Punkten bei entsprechender Gruppierung gegenseitig in besonderen Sitzungen Vorschläge machen sollten, derart, daß die hauptsächlichsten Fragen bereits erörtert und geklärt vor die Konferenz zurückkämen. Die Führer der Missionen stimmten dem Vorschläge zu. Abends wird die bulgarische Mission mit den rumänischen Delegierten arbeiten, um die rumänisch-bulgarischen Fragen zu erörtern. Morgen früh werden die Delegierten der Verbündeten mit den bulgarischen Abgesandten arbeiten. Am Nachmittag um 4 Uhr findet eine Plenarsitzung statt, deren Dauer von dem Umfang der geleisteten Arbeit in den Sondersitzungen abhängt.
Die Unkultur der Albanesen.
ngc. Alle Reisenden, die in neuerer Zeit Al» banien besucht haben, stimmen darin überein, daß die Bewohner des Landes von allen Völkerschaften der Balkanhalbinsel die unkultiviertesten sind und in mancher Hinsicht noch im paradiesischenUrzustande leben. Der russische Generalkonsul Pastrebow bezeichnet die Bevölkerung eines bestimmten Gebietes als das wildeste Volk das man sich überhaupt nur denken könne. Von einem Hemd hätten die Leute überhaupt keine Ahnung, in einigen Dörfern wußten sie von Scham ebenso wenig etwas wie die Tiere. Im Sommer geht hier alles ohne Unterschied des Alters im Adams- und Evaskostüm, im Winter bedeckt man sich mit allerlei Fetzen. Wie wilde Tiere mit Menschengesichtern erschienen diese Albanesen dem Russen. Ihre Nahrung besteht aus Mais ohne Salz, Milch und Käse. An vielen Orten hielten sie den Zucker, den der Fremde zu seinem Tee nahm, für Schnee. Während die übrige Valkanhalbinsel hunderte, wenn nicht tausende von öffentlichen Bädern, Dampfbädern, Hamams und Flußbädern aufzuweisen hat, soll sich vor nicht langer Zeit in ganz Albanien nur ein einziges Wasserklosett befunden haben, wozu Siebertz in seinem Buche „Albanien und die Albanesen, Landschafts- und Charakterbilder" — Wien, Manz — treffend bemerkt: „Daß ein einziges Wafferklosett in ganz Albanien existiert ist auch als Gradmesser für die „Höhe" der albanesischen Kultur mit zu bewerten." Und das Ergötzlichste an der Sache ist daß man sich in diesem dunkelsten ^bret des s'ldoP lichen Europas mit verblüffender Selbstüberhebung. w Punkte der Reinlichkeit allen übrigen Völkern überleg . dünkt. Als Yastrebow in Netsch weilte und wegen se m europäischen Kostüms bewundert wurde, bemerke von den Eingeborenen, der sich ba d bald dort kratzen mußte: „Ihr könnt sagen, was ihr wollt von de: ^ heit dieses Moskauer Menschen^ es g ^ ^
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SÄSÄ
nicht allzusehr blamieren will.