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Die Valkankrifis.
Bukarest, 21. Juli. Nach einer nach hier eingetroffenen »uns; Vermittlung der italienischen Gesandtschaft der rumänischen Regierung mitgetilten amtlichen Depesche der Lul- garischen Regierung nimmt diese alle Bedingungen Rumäniens an und betont insbesondere, daß Bulgarien gegen Serbien und Griechenland den Krieg nicht fortsetzt, auch wenn es sich jetzt mit Rumänien verständigt. Eine Depesche gleichen Inhalts traf auch von König Ferdinand an König Karol ein.
Der türkische Vorstotz.
Sofia, 21. Juli. Der Militärgouverneur von Thrazien meldet, daß die türkischen Truppen seit gestern von Usun- Läprue und Lule Burgas her vorrücken, die aus aus den von Enver Bey geführten Kurden bestehen, daun ter Treben. Der Führer der ersten Armee berichtet, daß in den letzten Kämpfen von Serben kriegsgefangene Offiziere und Soldaten in der brutalsten Weise niedergemetzelt wurden. 3000 Flüchtlinge aus Kilkifch, Krivolak, Strumitza, zum größten Teil Frauen und Kinder, find aus Sofia angel'om- men; sie befinden sich im Zustande äußerster Bedürftigkeit und sind der Gegenstand der öffentlichen Wohlfahrt. Flüchtlinge, an 70 000 Personen, sind auf dem Weg nach Sofia.
Sofia, 21. Juli. Die Serben und Griechen ergriffen am 18. und 19. Juli energische Offensive, beinahe auf der ganzen Schlachtlinie. Ihre Angriffe wurden überall zurückgeschlagen. Der gestern abend von der ganzen Division auf die Umgebung von Kotschana unternommene fünfte serbische Angriff wurde mit beträchtlichen Verlusten für den Feind Zurückgeschlagen. Die bulgarischen Truppen verfolgten die serbische Division. Griechische Streitkräfte in Stärke von zwei Divsionen griffen die bulgarschen Truppen zwischen Strumitza und Eetschkevo an. Die Truppen in der ersten Linie, die allein den Kanrpf gegen den Feind führten, brachten dessen Angriff zum Stillstand. Sie führten sodann einen Gegenangriff aus, schlugen zwei griechische Divisionen in die Flucht und verfolgten sie bis zum Einbruch der Nacht. Die Dunkelheit setzte der Verfolgung ein Ende.
Sofia, 21. Juli. Die Brücke von Dolni-Dybnik bei Mi- lemleatnec, an der Eisenbahnlinie Sofia-Warna, wurde von den Rumänen zerstört. Die Telegraphenanlagen bei Dolni-Dybnik sind beschädigt. Die Brücke bei Plewna, Kilometerstein 193, ist zerstört, ebenso die andere bei der Ze- meutsabrik in der Nähe von Plewna. Die Telegraphenlinie längs der Eisenbahn nach Plewna ist unterbrochen. Gerüchtweise verlautet, die Brücken bei Knjena und über den Vidfluß seien abgeb rochen. Die Rumänen requirieren Lebensmittel und Futtervorräte.
Die Mächte und die Wiederdesetzung Adrianopels.
Wien, 21. Juli. Nach einer Pariser Mitetilung der Politischen Korrespondenz überwiegt in der dortigen Diplomatie die Auffassung, daß ein Eingreifen drohenden Charakters gegen die Wiederbesetzung Adrianopels durch die Türkei nicht opportun sei, insbesondere werde von englischer und deutscher Seite auf die Unzweckmäßigkeit einer solchen Aktion hingewiesen. Auch Rußland fasse kein energisches Vorgehen ins Auge. Aus einer solchen Haltung der europäischen Kabinette folge jedoch nicht schon, daß das Verbleiben von Gebieten jenseits der Linie Enos-Midia im türkischen Besitz ihre Zustimmung erhalten werde.
Sofia, 21. Juli. Angesichts Ser verzweifelten Lage Bulgariens herrscht hier eine außerordentliche Aufregung. Man ist auf alle Eventualitäten gefaßt. Die bulgarische Armee ist dadurch vollkommen lahmgelegt, daß durch die Zerstörung der über die Vid führenden Eisenbahnbrücke die einzige Zufuhrlinie für die Verpflegung Bulgariens von Norden her unterbrochen ist.
Ein Notschrei aus Sofia.
Parrs, 21. Juli. Nach Depeschen aus Sofia ist, wie der „B. L.-A." "meldet, dort die Verzweiflung in allen
Heiligung an den Freiheitskriegen 1814/15, die ich später schildern werde.
Manchen Leser diese« kurzen historischen Rückblicks bürste es interessieren, auch einiges über die Lebens- pp. Verhältnisse unserer ehemaligen Forstbeamten zu hören. Ich entstamme einer solchen Familie, die ununterbrochen in zehn Generationen - vielleicht auch schon früher - von 1553 bis 1866 also 313 Jahre, im hessischen Staatsforstdienste stand Au einer Försterstelle im Seulingswalde (Friedewald-Hönebach) fotflte in sieben Generatiamn, von 1553 - 1760, also 207 Jahre, der älteste Sohn dem Vater im Amte. Aehnlich war es in vielen hessischen Försterfamilien.
Dies Sieben an bet Scholle war »orneljmt.dj begrünte durch den Mangel an Dienstwohnungen. Da das Bargehalt der Förster ehedem sehr gering war und ihre Haupteinnahmen aus Bezügen von Korn, Hafer, Holz, Pfändegebühren, Huie- berechtigung, Mast usw. bestanden, welche jedoch ungenügend zur Unterhaltung einer Familie waren, so waren die Forner, welche fast sämtlich in Dörfern wohnten, gezwungen, sich ansässig zu machen und Landwirtschaft zu treiben. , Das Bauholz wurde ihnen auf den Staatsforsten zu niedriger Tape verabfolgt, ebenso einiges Dienstland gegen < geringe Abgabe überwiesen. War der Förster außerdem in der Lage, noch einige Ländereien anzukaufen, so konnte er sich cium eigenen Försterhof, ein Bauerngut, gründen, von welchem, bei den ehemaligen niedrigen Arbeitslöhnen, seine Familie zu leben vermochte, wenn Frau und Kinder fleißig und anspruchslos waren, er selbst sparsam und wirtschaftlich.
Für die Ausbildung der Kinder blieb jedoch blutwenig übrig. Gewöhnlich konnte nur die Schulbildung des ältesten Sohnes, der zum Nachfolger des Vaters un Amte und im Besitz des Försterhofs in Aussicht genommen war, diuch Privatunterricht oder auf einer höheren Schule gefordert werden. Die übrigen Geschwister blieben in der Degel im Dorfschulunterricht. Die jüngeren Sohne erlernten em
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die HiobSposten ein. Der türkische Vormarsch ist nur noch 120 Kilometer von Philippopel entfernt, im Norden setzt die rumänische Armee ihren Vormarsch fort. Ein rumänisches Armeekorps hat Orkanie nördlich von Sofia besetzt, 30 000 Rumänien stehen bei Plewna, andere in Grabowo nördlich von Schipkapaß. Sie nähern sich Sofia, ohne Widerstand zu begegnen, zerstören die Telegraphendrähte, sprengen die Brücken und machen die Lebensmittelversorgung Sofias unmöglich. Dort fehlt es bereits an Brot. Wenn Europa nicht binnen einer Frist von zwei Tagen kategorisch eingreift, um ein Ende zu machen, so werden' sich die schrecklichsten Folgen ereignen.
Bulgarische Schiffe entwaffnet.
Sewastobol, 21. Juli. Der bulgarische Kreuzer „Nadjesda und sechs bulgarische Torpedoboote, die am 12. Juli eintrafen, wurden entwaffnet.
Türken und Bulgaren im Kampf.
Konstantinopel, 21. Juli. Die Türken hatten bei der Besetzung einiger strategischer Punkte, bei der die Bulgaren Widerstand leisteten, einen Kampf zu bestehen. Ein bulgarischer O ffizier unb 135 bulgarische Soldaten wurden gefangen genommen. Hierauf wurde der Bahnhof bei Luele Burgas und die große Brücke genommen. Die türkische Armee hat Usun- Kaprü und Baba-Eski besetzt.
Friedensverhandlungen. ,
. Wien 21. Juli. Das Eintreffen der bulgarischen Unterhändler in Risch stärkt hier die Zuversicht auf einen raschen Abschluß eines Waffenstillstandes und eines Vorfriedens zwischen Serbien, Griechenland und Montenegro einer- und Bulgarien anderseits. Ob auch Rumänien an den Rischer Verhandlungen teilnehmen wirb, erscheint nach den hier vorliegenden Blättermeldungen noch nicht gewiß. Dagegen gilt der Zusammentritt einer Konferenz aller Balkanstaaten in Sinai« unter Rumäniens Vorsitz als wahrscheinlich. Die Zeit vermerkt die Anwesenheit des russischen Militärattaches aus Sofia bei de.n Rischer Verhandlungen und zieht daraus den Schluß, daß Rußland dadurch sein Balkanprotektorat betonen wolle während Oesterreich-Ungarn teilnahmslos zusehe.
Deutscher Kriegertug in Breslau.
Der Deutsche Kriegerbund und der Preußische Landes- Kriegerverband haben am 13., 14. und 15. Juli in Breslau ihre Abgeordnetentage abgehalten. Da der Präsident des Deutschen Kriegerbundes, Generaloberst und Generaladjutant v. Lindequist, auf dringende ärztliche Anordnung wegen seiner geschwächten Gesundheit den Verhandlungen fernbleiben mußte, so wurden die Verhandlungen vom Geschäftsführenden Vorsitzenden des Deutschen Kriegerbundes, Geh. Negierungsrat Westphal, geleitet. Dem Abgeordnetentage des Deutschen Kriegerbundes wurde eine große Ehre und Freude dadurch bereitet, daß Se. Königl. Hoheit Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen am Sonntage den Verhandlungen beiwohnte und mit großem Interesse folgte.
Den preußischen Minister des Innern vertrat Geheimer Oberregierungsrat Schlosser, den preußischen Kriegsminister Major Lange, welche die herzlichsten Grüße ihrer hohen Chefs übermittelten und den Verhandlungen besten Erfolg wünschten. Auch der kommandierende General des G. Armeekorps bewies sein Interesse an den Kriegervereinen dadurch, daß er den Divisionskommandeur Generalleutnant v. Dorrr entsandte. Desgleichen waren die Vertreter der Zivilbehörden der Provinz, unter anderen der Oberpräsident Dr. v. Guenther und der Regierungspräsident Freiherr v. Tschammer und Quaritz, und die Geistlichkeit beider Bekenntnisse zugegen. Kardinal von Kopp hatte den Weihbischof Dr. Augustin mit feiner Vertretung beauftragt. Von der Haupt- und Residenzstadt Breslau war Oberbürgermeister Mailing erschienen. Auch der Hofmarschall Graf von Pückler aus Rogau-Rosenau wohnte den Verhandlungen bei.
Handwerk oder verbauerten, wenn nicht die Zuflucht zu einem anderen Vorwärts, zum Jägerkorps genommen wurde. Hier bot sich ständig, seit dem 7jährigen Kriege, Gelegenheit zum freiwilligen Eintritt, zum Fortdienen, zum Avancieren zum Oberjäger, zur Uebernahme einer Stellvertretung mit einem höchst annehmbaren Verdienst von etwa 300 Talern, sowie die Aussicht auf Anstellung als Forstlaufer im Staatsdienste, nach 9jähriger Dienstzeit im Korps"). Auch folgten die Forstlauferföhne ihrem Vater oft im Amte der bei Höchst kärglichem Gehalte auch auf Landwirtschaft angewiesen war. Da waren dann jene 300 Taler Stellvertretergeld, die in der Bataillonskasse als unangreifbar „ aufbewahrt wurden, höchst willkommen für die erste häusliche Einrichtung. Mancher ehemals hessische Forstlaufer wird noch heute biefe Einrichtung preisen, die den Grund ^u seinem geoibneten Leben und zu seinem schönen Vorwärts, zum Königlich preußischen Hegemeister a. D., gelegt hat. Wurde er nicht zum Oberjäger befördert, so verlief die 9;ä^rige, Dienstzeit im Frieden leicht, mit etwa nur drei Jahren in Summa aktivem Dienst; die übrige Zeit wurde er beurlaubt und tm Forstschutzdienst, mit Bezug von Tagegeldern, oder zu einem Forst- oder Jagdschutzkommaudo in Uniform mit Bezug seuicr Chargeugebühreu und einer kleinen Zulage von der ~ruppe, verwendet. Diese altgebienten Gefreiten und Jäger waren in der Regel hervorragende Soldaten.
Es dürften in dem waldreichen Hessen ehedem an 6— Staatsforstbeamte und Forstschutzbeamie gewesen sein. Rechnet man hierzu noch an 300 Privatforstbeamic (vom Adel, von den Stiftsforsten, die zahlreichen Hofjagdbeamlen), Pensionäre und die Familien der verstorbenen Forstbeämten, oie alle das Jägerkorps gleichsam als zweite Heimat betrachteten und vielfach zum Vorwärts ihrer Söhne nusnutzten (die Ge- ineindeforste mürben vom Staate verwaltet), so greife ich
*) Tie Stellvertretung bestand in Uebernahme der Dienstpflicht I eines Militärpflichtigen im ersten Aufgebot (Aktive lind Reserve) ' gegen Entaeld, nachdem der Vertreter 5 Jahre aktiv aedimt batte.
Als Vertreter der nicht zum Deutschen Kriegerbunde gehörenden Landesverbände waren folgende Herren erschienen: Für den Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes- Kriegerverbände der 1. Präsident des Württembergischen Kriegerbundes, General der Infanterie Freiherr v. Hügel. Für den König!. Bayerischen Veteranen- und Kriegerbund der 2. Präsident, Major z. D. Meyer; Justizrat, Major d. L. a. D. Schweickert; Hauptmann a. D. Engelhardt und Kom trolleur Ofterrieder. Für den Königl. Sächsischen Militär- vereinsbund: dessen 1. Präsident, Oberjustizrat Major d. L.- I. a. D. Windisch; ferner Kaufmann Klähn und Ratsobersekretär Zehmisch. Für den Württembergischen Kriegerbund außer seinem schon genannten Präsidenten: Rechtsanwalt und Oberleutnant d. R. Dr. Raiser. Für den badischen Militärvereinsverband: dessen Präsident. Generalleutnant z. D. Waenker von Dankenschweil; ferner Generalmajor und Kommairdeur des Badischen Gendarmeriekorps Anheuser und Oberst z. D. Thiergärtner-Drummond. Für die Kriegerkameradschaft „Hassia": ihr Präsidialmitglied Kammerdirektor Dern und Geh. Postrat Jung. Vom Südwestafrikanischen Kriegerverbande: Gouvernements-Topo- graph Karsunke. Von dem Deutschen Kriegerbunde waren 357 Vertreter erschienen, die 129 877 Stimmen hatten.
Nach Eröffnung der Sitzung hielt Geh. Negierungsrat Westphal eine längere Rede, in der er nach Begrüßung der Ehrengäste und Gäste eine Ansprache des Generalobersten v. Lindequnst zur Kenntnis des Abgeordnetentages.brachte. Diese schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, die Landesherren und die Senate der Freien und Hansestädte. An den Kaiser, die Kaiserin, die Kronprinzessin und den Generalobersten v. Lindequnst wurden Telegramme geschickt.
Bemerkenswert sind folgende Mitteilungen aus dem Geschäftsbericht des Bundesvorstandes: Der Kyffhäuser- Bund umfaßte am 1. Juli 1913 31 760 Vereine mit 2 827 441 Mitgliedern, der Deutsche Kriegerbund 21667 Vereine mit 1 905 730 Mitgliedern, der Preußische Landes- Kriegerverband 18 290 Vereine mit 1 628 631 Mitgliedern. Die Kriegervereine des Kyffhäuser-Bundes hatten am 1. Januar 1913 ein Vermögen von 65,3 Millionen Mark, die Vereine des Deutschen Kriegerbundes ein solches von 42,2 Millionen, die Vereine des Preußischen Landes-Krieger- verbandes ein Vermögen von 25 Millionen Mark. 1327 Vereine, das sind 7,3 v. H., haben keine Angaben gemacht. Das Vermögen des Deutschen Kriegerbundes und der ihm Zugehörenden Vereine hat sich von 27,1 Millionen Mark im Jahre 1905 auf 42,2 Millionen Mark im Jahre 1912 vermehrt. Das Vermögen der Verbände und Vereine des Kyffhäuser-Bundes stieg in derselben Zeit von 42,8 Mill, aus 65,3 Millionen Mark.
Die Jubiläumsstiftung des Deutschen Kriegerbundes, bk dem Kaiser von dem Generalobersten v. Lindequnst am Jubiläumstage überreicht ist, betrug an diesem Tage 540 000 Mark und hat sich bis heute auf 553 013 Mark erhöht. Der Kaiser-Jubiläumsfonds soll zur Erhaltung bei Kriegsrwaisenhäuser in Kriegszeiten verwandt werden nnb wirb vom Vorstände der Kronprinz- und Kronprinzessin- Stiftung verwaltet. •
Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildeten Anträge über die Erhöhung der Jahresbeiträge, um hauptsächlich notleidende Kameraden sowie deren Witwen besser unterstützen zu können. Es wurde mit großer Mehrheit beschlossen, die Beiträge von 30 auf 60 Pfg. zu erhöhen. Die Erträge der Fechtanstalt des Deutschen Kriegerbundes, die die Mittel zur Erhaltung der 5 Waisenhäuser des Bundes sammelt sind von Jahr zu Jahr gestiegen: im Jahre 1910 wurden 191541 Mark, 1911: 193170 Mark und 1912: 196 345 Mark Reingewinn erzielt. Die Generalversammlung der Lebensversicherungsanstalt und Sterbekasse des Deutschen Kriegerbundes beschloß, die Anstalt mit der „Friedrich Wilhelm, Preußischen Lebens- und Garantie- Versicherungs-Aktiengesellschaft" in Berlin zu verschmelzen.
Der nächste Abgeordnetentag des Deutschen Kriegerbundes in Bi ■■ miiHi in i ii cw
nicht fehl, wenn ich diese traditionelle Zugehörigkeit aus etwa 1000 Familien schätze, aus welchen sich die Jäger in erster Linie rekrutierten. Hierzu kam noch starker freiwilliger Andrang aus besseren und gebildeten Familien, sowie sorgsame Auswahl des aufgehobenen Ersatzes.
Dies vortreffliche Soldatenmaterial, befehligt von schneidigen, berufsfreudigen Offizieren, von den befähigsten jungen Forstbeamten als Feld-Jäger-Offiziere, unterstützt durch ein sehr brauchbares, pflichtbewußtes Oberjägerkorps, hatte in den vielen Feldzügen des 18. Jahrhunderts einen Korpsgeist gezeitigt, der die Träger bei dem Zusammenbruch des Kurhessischen Staates, 1806, in tiefster Trauer, aber auch in gewaltigen Ingrimm versetzte. Da sannst du, lieber Leser, dir denken, mit welchem Jubel in diesen Kreisen der Zusammenbruch der französischen Gewaltherrschaft, die Flucht Jeromes unb die Rückkehr des alt angestammten Landesherrn, Kurfürst Wilhelm I., begrüßt wurde.
Noch vor der Schlacht bei Leipzig, als die erste Kosakenpatrouille des General Czernictew mitternachts ganz überraschend in Oberkaufungen eintraf, in den Hof meines Großvaters (Oberförster daselbst) ritt, an das Fenster klopfte und Orientierung auf Cassel unb Jörome verlangte, da ahnte er, daß der Tag der Erlösung nahe war. Sofort weckte der feurige Patriot das ganze Haus. Alle Familienglieder und Dienstboten mugten den Sonntagsanzug anlegen, er selbst holte seine althesfische, wohlverwahrte Forstuniform aus der Truhe, legte sie an und erschien freudestrahlend am Frühkaffeetische seiner jubelnden Familie, mit ihr den erhebenden Choral „Nun danket alle Gott" anstimmend. Das hätte ich hören mögen I
Einige Wochen später rief er wieder seine Familie zu» sammen und führte sie hinaus in den Wald, in den Rothenberg. Die Kinder mußten sich mit dem Ohr an die Erde legen. Da ertönte ein anderer Gesang. Die Erde zitterte und dröhnte. Man vermutete im fernen Osten die Ent- febeibuna über die VölkerLeichicke Europas. Es war die da-