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Die Sgejpalten« Petitzeile ober deren Raum 20 Pfg. tat Sr-riametetl die Zette 60 Pjg.
General-Anzeiger
Rotationsdruck und Vertag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- nnd Landkreis Sanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 3RL, monatlich SVPfg. fKPost- bezug vierteljährlich 2JO SRL, monatlich Al P^
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Berantwortl. RedaLeur: 8. Schrecker in Hanau.
Nr. 167
^erttsprechanschluft Nr. 230.
Montag den 21. Juli
Ferusprechattschluk Sir. 230.
1913
Amtliches.
Ich weise darauf hin, daß alle Anträge auf Gestattung von Haussammlungen für das Jahr 1914 mit dem vorgeschriebenen Kollektenorganisationsplan spätestens bis zum 1. August d. Js. unmittelbar an den Herrn Oberpräsidenten hier einzureichen sind. Bei Kollekten, die sich über den hiesigen Bezirk hinaus auch auf den Regierungsbezirk Wiesbaden erstrecken sollen, sind für jeden Bezirk getrennte Anträge (an den Herrn Oberpräsidenten) einzureichen.
Anträge, die nach dem 1. August d. I. eingehen, können nur dann Berücksichtigung finden, wenn die Kollekten zur Beseitigung eines Notstandes dienen sollen und die Anträge nicht vorher eingereicht werden konnten. (A II 5666).
Cassel am 10. Juli 1913.
Der Regierungspräsident, I. A.: Bossar-t.
Landkreis Hana«
Die Unterseeboots-Abteilung Kiel-Wik stellt zum 1. Juli, 1. Oktober und bei Bedarf auch am 15. August d. Js. noch Freiwillige als Maschinistenanwärter und Heizer ein.
Allgemeine Bedingungen: Hine mindestens dreijährige Lehrzeit in einem technischen Beruf, kräftiger Körperbau, Mindestalter 17 Jahre.
Besondere Bedingungen können jederzeit von der Unterseeboots-Abteilung eingefordert werden.
Dem Eintrittsgesuch sind folgende Scheine beizufügen:
1. Ein vom Zivilvorfitzenden des Aushebungsbezirkes der Ersatzkommission ausgestellter Meldeschein zum freiwilligen Eintritt auf 3 Jahre lautend,
2. Lehrzeugnisse und Arbeitszeugnisse.«
Hanau den 15. Juli 1913. M 942
Der Königliche Lairdrat.
J. V.: Scheelhaase.
Von dem Regierungsrat Kreutz, Hilfsarbeiter im Ministerium für Landwirtschaft rc. ist eine „Erläuternde Darstellung des neuen Wassergesetzes unter besonderer Berücksichtigung der für die Landwirtschaft wichtigen ^Bestimmungen* bearbeitet worden. Es wird darin ein allgemeiner Ueber- blick über den Inhalt des neuen Gesetzes gegeben und auf die Neuerungen, die das Gesetz für die Landwirtschaft bringt, noch besonders hingewiesen. Die Schrift ist im Verlage von Paul Parey in Berlin (SW. 11, Hedemannstraße 10) als Heft 12 der Veröffentlichungen des Landes-Oekonomie- KollegiumS erschienen. Der Einzelpreis für diese Schrift stellt sich auf 1.20 Mark.
Die Herren Bürgermeister und Eutsvorsteher ersuche ich, etwaige Bestellungen auf diese Schrift bis zum 1. August d. Js. an mich zu richten.
Hanau den 15. Juli 1913. V 4917
Der Königl. Landrat.
J. V.: Karbe.
Aufruf zur
Sammlung der Briefe und Tagebücher pp. aus Kriegszeite«.
In den urkundlichen Beiträgen und Forschungen zur Geschichte des preußischen Heeres, herausgegeben vom großen Eeneralstabe sind über die Schlachten von Lobositz und Prag, also aus den Jahren 1756 und 57, achtzehn Briefe preußischer Soldaten abgedruckt. Sie stammen aus dem Fürstlich Stolberschen Hausarchiv in Wernigerode und sind für den regierenden Grafen Christian Ernst (geboren 1771), einem treuen Anhänger Friedrichs des Großen, gesammelt worden.
Der Eeneralstab hat den Briefen eine kritische Würdigung eigegeben: Von Kantonspflichtigen und Kapitulanten, also e nen geworbenen Ausländern, sondern preußischen Landeskin- ern geschrieben, gäben sie mit. ihrem vielseitigen Inhalt Kunde
-f1?’ °iPPcn und Freundschaft, Heimat und Garnison; der I ui uh uhe Geist der Briefschreiber falle in die Augen, der * i jmu , mit dem von Hunger, Durst und allen Beschwerden ^' w wird, die Bewunderung für ihren König, ie nhnng rchkeit an. ihre Offiziere und die große Familie ihres " ^"G einfach und pflichttreu gäben sich diese wacke- auner, denen eine stille, selbstverständliche Frömmigkeit eigen un as Gefühl der Vaterlandsliebe nicht mehr fremd sei.
^ ub sie schon das Große ahnten, was eine spätere Zeit en Beruf Preußens genannt hat. Naive und unrichtige Mit
teilungen über den Gang der Ereignisse kämen vor, doch ließe sich die Grenze, innerhalb deren volle Glaubwürdigkeit vorhanden sei, von dem Kundigen leicht ziehen. Den besonderen Wert der Briefe mache es aber aus, daß sie nicht nur die Erlebnisie, Betrachtungen und' Gefühlsäußerungen einzelner, sondern ganzer Schichten enthielten; ihr Inhalt werde dazu beitragen, manche „falsche Ansicht über den Geist des Heeres, mit dem der große König die Schlachten der ersten Jahre des Siebenjährigen Krieges schlug, zu beseitigen".
Hat dies Urteil nicht eine überaus wichtige, über den vorliegenden Fall hinausgehende Bedeutung? Wenn jenen an Zahl so geringen, glücklich erhaltenen Briefen aus dem Siebenjährigen Kriege ein solcher Wert zuerkannt wird, sind wir vor die Frage gestellt, ob die Sammlung von Briefen dieser Art nicht auch für unsere Zeit geboten ist, damit sie nicht allmählich spurlos verschwinden, da es sich um ein äußerst vergängliches, dem gewöhnlichen Auge nichts besonderes bietendes Material handelt. Es wird sich heute im wesentlichen wohl nur noch um die Briefe aus der Zeit Wilhelms I. handeln, wenn auch zu hoffen ist, daß sich noch manches aus den früheren Perioden finden wird. Was wurden aber diese Nachrichten, zumal aus dem Einigungskriege von 1870 und 1871 zu künden haben? — und zwar nicht nur die Briefe aus dem Felde, sondern auch aus der Heimat: die Briefe also, welche Mann und Frau, Kinder und Eltern, Freunde und Verwandte, Vorgesetzte und Untergebene, Freund und Feind gewechselt haben sowie ferner die Tagebücher, in denen die ganz Einsamen oder Wortkargen ihre Gedanken und Eindrücke bei den ungeheuren Erlebnissen ohne jeden Gedanken an Veröffentlichung ausgesprochen haben? Weitz denn heute trotz des überreich scheinenden Quellenmaterials an Zeitungsberichten, Brief- abdrucken, Kriegserinnerungen und Denkwürdigkeiten irgendwer genau zu sagen, was alles unser Volk damals erfüllt und am tiefsten bewegt hat? Waren wir damals kriegerisch gesinnt oder friedlich? Heroisch und opferbereit bis zur Hingabe unseres Lebens oder kleinherzig? Stark im Vertrauen auf die Vorsehung und die ewige Gerechtigkeit, welche dem hilft, der feine ganze Pflicht tut? Waren wir haßerfüllt gegen unser« Feind, wie dieser es damals glaubte und wie es die Franzofen auch heute noch vielfach von uns glauben? Auf solche und andere Fragen würde die Antwort heute sehr verschieden ausfallen, allein die Beweise dafür hat niemand, und nur jene Dokumente, welche die innersten Gedanken und Gefühle der Gesamtheit des Volkes enthalten, könnten sie liefern. Carlyle spricht den Satz aus, daß „die Geschichte so weniges kennt, was nicht eben so gut hätte unbekannt bleiben können"; nun, der Geschichtsschreiber Friedrichs des Großen würde jene achtzehn Briefe in Wernigerode nicht zu dieser Makulatur gerechnet haben.
Allen, die den Krieg von 1870/71 miterleben durften, wird es das Unvergeßlichste sein, wie stark und konzentriert damals die Stimmung unseres Volkes war — die ganze Volksmasse durchdrungen von der furchtbaren Gefahr und den jedermann deutlich erkennbaren Notwendigkeiten und Zielen. Wie sich das Volk unter erhöhten Pulsschlägen damals spontan vertraulich geäußert hat, das muß das Tiefste und Veste unserer Volksseele gewesen sein, weil es unter so gewaltigem Ernste ausgesprochen wurde, während die Herzen heiß schlugen, alle Erlebnisie viel stärker ausgenommen wurden und das Gefühlsleben in unserem sonst nicht gerade leicht beweglichen Volke den berechnenden Verstand ganz überwog. Wo die durch Temperament und harte Berufsarbeit für gewöhnlich ganz zurückgedrängte Mitteilungslust und Mitteilungsfähigkeit plötzlich frei wird und nun ungehemmt zum Ausdruck kommt, wo plötzlich andere und heißere Sorgen ein Volk ergriffen haben als die Sorge und Bitte um das tägliche Brot, da schreibt ein Volk seine Annalen. Co wenig es sich hier um eine Lobrede auf den Krieg handelt, für den es in Deutschland ohne scharfe Herausforderung keinen Boden gibt, so bleibt das bestehen, daß ein mannhaftes, treues Volk in solcher Zeit hohe Blüten treibt, sich mit plötzlichem Ruck vorwärts entwickelt, Ernten aus früherer Saat Anholt und Zukunftsknospen ansetzt, welche das Vaterland groß, herrlich und hoffnungsreich machen. Denn wer wollte verkennen, daß es ohne Fehrbellin kein Roßbach und Leuthen gegeben hätte, ohne diese keine Befreiungskriege, kein Wörth, Eravelotte und Sedan.
Liegt somit in den Briesen und Tagebüchern aus Kriegszeiten ein großer Schatz, so soll dringend gemahnt werden, diesen schleunigst zu heben, öftrer Natur nach sind diese Dinge täglich und stündlich so sehr gefährdet! Die Miklebenden von damals werden nach den eigenen Erfahrungen ahnen, wie viel schon verloren sein mag. Breite Schichten des Volkes werden indes noch vieles bewahrt haben. Was so erhalten blieb, muß an bestimmten Stellen gesammelt werden. Daß jeder einzelne das Seinige dazu tun würde, dessen vertrauen wir unserem Volke.
Eine so weitschichtige und tiefgehende Sache kann freilich gar nicht anders als durch Mitwirkung der Behörden gemacht werden. Wenn die Zentralstellen in allen Bundesstaaten den Gedanken
bis in die Schulzenämter, Bürgermeistereien, die Schul- und Pfarrhäuser, in die Kriegervereine, die Schützen-, Turn-, Gesang-, Arbeiter- und zahllosen anderen Vereine tragen, so wird sich alles und selbst ohne irgendwie erhebliche Kosten machen lassen. Denn an opferwilliger Hilfe und Begeisterung für eine als gut erkannte Sache wird es bei uns nirgends fehlen. Alles, was nicht schon in Familienarchiven gesichert lag, muß in den heimischen Provinzen an amtlicher Stelle gesammelt werden. Ohne Zweifel werden viele Familien die Kriegsbriefe, die sie als wertvollen Familienbesitz hegen, nicht fortgeben mögen; um so bereitwilliger werden sie beglaubigte Abschriften liefern, die vollauf genügen. Dringend mutz diese Sache unseren Mitbürgern und Behörden ans Herz gelegt werden. Keine Zeit ist zu verlieren.
Es mutet fast wunderlich an, daß diese Sammlung in deutschen Landen nicht schon gemacht ist. Arbeitet denn unser Volk wirklich durchgehends so schwer an den täglichen Aufgaben des Berufs, daß dieser Gedanke so fernab liegt, zumal in einer Zeit, in der sonst nahezu alles gesammelt und vielfach über den materiellen und ideellen Wert hinaus mit Geld ausgewogen wird, und in der ferner die Geschichtsforscher mehr als jemals in Archiv- und Quellenstudien aufgehen? Denn neu ist der Gedanke ja nicht, wie schon jener Graf Stolberg zeigt, der die Friderizia- nischen Soldatenbriefe sammelte, wie auch schon der Eeneralstab der Armee die Feldzugsbriefe von der Ostasiatischen Expedition und dem südwestaftikanischen Kriege unter Zusicherung ihrer Geheimhaltung innerhalb dreißig Jahren, eingesammelt hat. In Frankreich hat man gleichfalls solche Dinge gesammelt, doch ist dort, wo alles der „Initiative prjvee" mit^ Liebhaber- oder Partei- gesichtspunkten überlasten blieb, soweit zu hören ist, nichts Umfassendes herausgekommen. Nun hat es sich wohlverstanden in all diesen hier aufgeführten Fällen immer nur pm Briefe aus dem Felde gehandelt, nicht auch um die Briefe aus und innerhalb der Heimat während eines Krieges, welche das Zeitbild für den Geschichtsforscher und Völkerpsychologen erst vollständig geben können. Nach diesem Gesichtspunkte ist bisher nur in Dänemark verfahren worden. Dort hat Professor Larsen Kriegsbriefe und Tagebücher aller Stände aus dem Kriegsjahre 1864 gesammelt und die Ergebnisse in einem höchst lesenswerten Buche veröffentlicht, das auch deutsch vorliegt (Karl Larsen: Ein modernes Volk im Kriege. Deutsch von Prof. R. v. Fischer-Benzon, Kiel, Lipsius & Tischer 1907). Diese Ergebnisse find so schön und reich, zeigen ein so umfassendes, vielfach neues und überraschendes Bild von der Stimmung eines ganzen Volkes während des Krieges, nebenbei auch häufig eine so verständnisvolle Würdigung des Gegners, daß sich auch der deutsche Leser davon ergriffen fühlen wird. Die damit ans Licht gekommenen neuen Gedanken geben eben den Beweis, daß die bisherigen Quellen keineswegs ausreichen, diese Briefe aus Feld und Heimat vielmehr ein festeres, individuell unendlich reicheres Bild zeigen. Diese wichtigen Ergebnisie haben den hochverdienten Mann dahin geführt, durch Vorträge und die die deutsche Ausgabe seines Buches das deutsche Volk zu einer ähnlichen Sammlung anzuregen.
Wenn die Briefe und Tagebücher unseres Volkes aus Kriegszeiten gesammelt sein werden, wird es nur nötig sein, ein Verzeichnis der eingegangenen Stücke zu gegebener Zeit zu veröffentlichen, damit übersehen werden kann, wie sich das Material verteilt und wo es für die spätere Erforschung bereit liegt.
Es ist eine schöne große Sache, die auch das gesunde Empfinden im Volke stärken kann.
v. llbisch.
Unter Bezugnahme auf den vorstehend abgedruckten, von dem Direktor des Zeughauses, Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. v. Ubisch in den „Erenzboten" veröffentlichten Aufruf, weise ich darauf hin, daß die Schriftstücke sowohl geschenkweise, wie unter Vorbehalt des Eigentumsrechts hergegeben werden können, und daß etwaigen Wünschen der Geber wegen vorläufiger vertraulicher Behandlung der Archivalien entsprochen werden wird.
Als Sammelstellen bezeichne ich das Landratsamt Hanau und die Königliche Universitäts-Bibliothek in Marburg-
Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, in den Gemeinden für die weitere Bekanntgabe des Aufrufes in der Bevölkerung Sorge zu tragen und auch in sonst geeigneter Weise wiederholt auf die Sammlung hinzuweisen, damit der erstrebte Zweck voll erreicht wird.
Hanau den 6. Januar 1913.
Der Königliche Landrat.
J. A.: Karbe.
^üfe^ttennung.
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