Zweites Blatt.
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EinrSckungsgedShrr
Die bgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im ReklametsU die Zeile 60 Psg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckers! des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Aozeiger
Amtliches Organ für Stadt- and FaadKreis ßaaau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk.» monatlich 60 Pfg., M P^ bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 78 Pfg» Die einzelne Nummer kostet 5 Psg.
Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Hanau,
Ml. 137 K«»»spr«cha»sck>l»sl Nr. 230.
Montag den 16. Juni
Fcr»spr«cha»schlntz Nr. 230. 1913
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Amtliches.
Landkreis hanau.
Wegen- Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird die Hanau-Frankfurterstraße von Station 5, 2—6, 8, d. i. von Dörnigheim bis an den Landweg nach Mühlheim in der Zeit vom 16. bis 30. d. Mts. für Automobile und Lastfuhrwerke über 20 Zentner Ladegewicht gesperrt. Der Last- und Automobilverkehr wird auf der durchgehenden Verbindungsstraße über Bischofsheim—Hochstadt von der Abzweigung des Bischofsheimer Landweges an der Mainkur bis zur Rosenau vor Hanau aufrechterhalten.
Lastfuhrwerke, welche die Steigung in Hochstadt ver- V meiden wollen, können vor Hochstadt die chauffierte Verbindung nach Dörnigheim benutzen und hier schon wieder die Frankfurterlandstraße erreichen bezw. in der Richtung von Hanau von dieser abbiegen.
Hanau den 10. Juni 1913. V 4080 Der Königliche Landrat.
F r h r. Laur.
Stadtkreis hanau. Bekanntmachung.
Die Rückzahlung des Restes d-r nach der Ordnung betr. Deckung der Kosten der Entwässerungsanlage vom 9. September 1910 erhobenen Anschlußgebühren, Beiträge und Ableitungsgebühren erfolgt am
Dienstag den 17. Sunt d. J. und Mittwoch den 18. Juni d. J.
bei der Stadthauptkasse, Marktplatz 18, während der Kassenstunden 8 Uhr vormittags bis 121/» Uhr nach, mittags.
Als Legitimation sind die s. Zt. von der Kanalkasse erteilten Quittungen vorzulegen, bei Verlust derselben ist der letzte Steuerzettel mitzubringen.
Hanau den 13. Juni 1913. 14367 Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
Beschluß.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des am 13. Juni 1912 verstorbenen Oekonomen Leonhard Bracker in Hanau, wird eine Gläubigerversammlung aus den 27. Juni 1913, vormittags 10 Uhr,
Kunst und Leben.
Ems-Nassauer Stein-Festspiele Nassau a. d. Lahn. Ueber die geplanten Veranstaltungen wird uns geschrieben: Die Vorbereitungen für die mehrfach erwähnten, großzügig gedachten Veranstaltungen der Städte Ems und Nassau zu Ehren des Freiherrn vom und zum Stein, des Reformators deS preußischen Staates, schreiten rüstig vorwärts. Am . Juli wird die erste Aufführung des großen, von Heinz Gorrenz verfaßten Weihefestspiels „Am Nornenstein" statt- < finden. Prächtig mitten im Walde gelegen, ist die Naturbühne im romantischen Mühlbachtal zu Füßen der Stammburg derer vom und zum Stein. Erste Wiesbadener Schauspieler werden die Träger der Hauptrollen des aus drei Handlungen und einem Vorspiel bestehenden Spieles sein, das außer ihnen noch 120 Darstellern aus Ems und Nassau Gelegenheit zur Mitwirkung gibt. Vor jeder Aufführung ist die Festrede eines berufenen deutschen Mannes geplant. Allererste Redner, deren Namen noch veröffentlicht werden, sind hierfür gewonnen worden. Der fleißige örtliche Ausschuß ist in glücklicher und wertvoller Weise durch die Spitzen der staatlichen und militärischen Behörden, die Rektoren der benachbarten Hochschulen usw. als Ehrenausschuß ergänzt worden. Festliche Veranstaltungen in Ems, Höhenbeleuch- tungen, ein großer akademischer Tag, besondere Feiern für Schulen und Vereine werden für Abwechselung in dem bunten Bilde der vatriotischen Feiern sorgen. Jedenfalls sind alle Kräfte am Werke, in einer Nassaus und seines großen Sohnes würdigen Weise die gewaltige Zeit vor hundert Jahren und unseren Anteil an ihrer Ehrung lebendig werden zu lassen.
Die „Jmperator"-Fahrt der deutschen Journalisten.
London, 14. Juni. Die deutschen Journalisten, die die Fahrt des „Imperator" bis Portsmouth mitgemacht haben, unternahmen gestern eine Rundfahrt durch London. Nack-
an der Eerichtsstelle — Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 21, einberufen.
Gegenstand der Tagesordnung ist die Beschlußfassung über die Anhängigmachung und Fortführung von Prozessen der Konkursmasse.
Hanau den 12. Juni 1913. 14407
Königliches Amtsgericht 6.
Die ValkaNkrisis.
König Ferdinands Antwort auf das Zarentelegramm.
Die Antworten auf die Mahnung des Zaren an die Bulgaren und die Serben, einen slawischen Bruderkrieg zu vermeiden, trafen aus Sofia und Belgrad durch den dortigen russischen Gesandten erst Freitag Mitternacht im russischen Auswärtigen Amt ein und wurden dechiffriert und dem Zaren nach Zarskoje-Sselo übersandt. Die Antworten enthalten trotz aller Ergebenheit und Dankbarkeit für den russischen Zaren verschiedene Klauseln, die, wie man in Petersburg meint, die friedliche Schlichtung des Zwistes sehr erschweren.
Sofia, 14. Juni. Das vom 11. Juni datierte Antworttelegramm des Königs der Vulgaren auf das Telegramm des Kaisers von Rußland lautet: „Ich habe die Depesche erhalten, durch welche Euere Majestät in Ihrer Fürsorge für den Frieden und die slawische Sache unmittelbar an mich appellieren in betreff der schweren Krise, welche unsere Beziehungen mit unseren Verbündeten durchmachen und die leider nur durch sie selbst hervorgerufen worden ist. Ich bin es der Wahrheit schuldig, Euerer Majestät in Erinnerung zu bringen, daß meine Regierung, tief durchdrungen von der Verantwortlichkeit, die sie auf sich genommen hätte, wenn sie einen anderen Weg verfolgt hätte, im voraus den Gefühlen Euerer Majestät entsprochen hat. Schon am 13. April dieses Jahres hat sie sich an Herrn Ssasonow gewandt, um ihn zu bitten, die Erregung auf beiden Seiten der Grenze aufhören zu machen durch die Einladung beider Parteien, sich dem in ihrem Bündnisvertrag vorgesehenen Schiedsspruch zu unterwerfen. Diese Einladung ist erfolgt; meine Regierung hat sie sofort angenommen. Was die serbische Regierung betrifft, so setzte sie nur ihre Politik fort, deren letzte Kundgebung, die Erklärung des Ministerpräsidenten Paschitsch in der Skupschtina, in meinem Lande eine umso größere Erregung hervorgerufen hat, als ihre Verlesung in dem Augenblick erfolgte, wo eine Zusammenkunft der Ministerpräsidenten in Vorbereitung stand. Euere Majestät werden es nicht ablehnen, anzuerkennen, daß Bulgarien seinem Worte treu gewesen ist, daß es noch immer erwartet, daß der Schiedsspruch in gleicher Weise und nach seinem Beispiel von Serbien angenommen wird, und daß es wohl
mittags besuchten sie das Unterhaus und nahmen auf dessen berühmter „Terrasse" den Tee ein. Am Abend gaben Fürst und Fürstin Lichnowskys den deutschen Journalisten und den hiesigen deutschen Pressevertretern in den prächtigen Räumen der Botschaft auf der Eharlestonterrasse einen Empfang. Unter den Gästen befanden sich Botschaftsrat v. Kühlmann und andere Mitglieder der Botschaft, Generalkonsul Geheimrat Dr. Johannes, Konsul v. Ranke, verschiedene Mitglieder der deutschen Kolonie und die hiesigen Vertreter der deutschen Presse. Die Unterhaltung des Botschafters mit den Pressevertretern war nicht politischer Art, sondern bezog sich hauptsächlich auf Kunst und Literatur. Dieses entsprach auch den Neigungen der Fürstin, die selbst als Schriftstellerin erfolgreich aufgetreten ist.
Breslau, so siehst Du aus!
S. & H, Breslau, 13. Juni. Nachdem soeben erst die Angelegenheit des Gerhart Hauptmann-Festspiels auf der Jahrhundertausstellung in Breslau die Gemüter aufs heftigste erregt hat, beschäftigt jetzt eine neue Festspielkifföre die schwergeprüfte schlesische Hauptstadt. Diesmal ist es der auch außerhalb Breslaus wohlbekannte Komiker Henri Bender, der früher am Apollo-Theater, im Wintergarten und im Metropol-Theater in Berlin tätig war. Bender hat seit einigen Jahren Breslau zu seinem Tätigkeitsgebiet erkoren und führt dort zurzeit am Liebich-Theater eine Jahrhundert- Revue auf, deren tieferer Sinn durch ihren Titel „Breslau, so siehst Du aus" zwanglos erklärt wird. In diesem Jahr- Hundertfestspiel läßt Bender verschiedene Bieslauer Größen passieren, darunter auch einen Fleischermeister Pipenbrink, den der kugelrunde Komiker im zweiten Akt selbst zur Darstellung bringt. In diesem Fleöchermeister Pipenbrink hat sich nun aber der Breslauer Wurstfabrikant Georg Hildebrand wieder erkannt, und da er in dem Stück eine äußerst komische Rolle spielt, erblickte er in der Szene eine Ver- svottuna seiner Person und seines Geschäftsbetriebes.
die serbische Regierung ist, die, indem sie sich diesem Schiedsspruch entzieht und feindliche Kundgebungen gegen Bulgarien häuft, fortfährt, die Gefahren eines Lrudermörde- rischen Kampfes heraufzubeschwören. Diesen Kampf würden ich und meine Regierung mehr beklagen als irgend ein anderer. Wir wünschen aufrichtig, ihn zu vermeiden, aber wir können nicht den einmütigen Gefühlen der Erbitterung entgegentreten, die bei meinem ganzen Volke am Tage nach unerhörten Anstrengungen und ruhmreichen Siegen die Versuche unserer Verbündeten Hervorrufen, die ihm dem Rechte und dem beschworenen Glauben zum Hohn die heiligsten Früchte dieser Anstrengungen und dieser Siege entreißen wollen. Bulgarien hat nicht nur Rechte auf Mazedonien, es hat aucy unausweichliche Pflichten gegen die Bevölkerung, die stets bulgarisch gewesen ist und es um jeden Preis bleiben will. Und Euere Majestät werden sich zu erinnern geruhen, daß die Pflichten durch Jahre hindurch von Rußland' selbst anerkannt worden sind."
In ähnlichem Sinne scheint die Antwort des
Königs Peter von Serbien
ausgefallen zu sein. Der „23erL Lok.-Anz." erhält darüber folgendes Privattelegramm:
Belgrad, 14. Juni. Auf das Telegramm des Zaren antwortete König Peter auf telegraphischem Wege; seine Erwiderung teilt sich in zwei Teile. Im ersten Teile dankt der König dem Kaiser für seine väterliche Fürsorge, einen brudermordenden Krieg zu verhindern, und für die große Aufmerksamkeit, die er den Serben und Südslawen entgegenbringt. Im zweiten Teile wird ausführlich ausei«- andergesetzt,' >wie es die Lebensintereffen Serbiens verlangten, daß der Hauptteil der von der serbischen Armee eroberten Gebiete Serbien zufällt. Es wird festgestellt, daß Serbiens Bestand gefährdet würde, sollte durch de« Schiedsspruch Serbien der südliche Teil davon nicht -uge- sprochen werden. In diesem Falle würden im Lande innere Erschütterungen entstehen, die eine ruhige Entwicklung unmöglich machen und die Regierung wie die Dynastie in eine sehr schiefe Lage bringen würden.
Der Eindruck in Petersburg.
Paris, 14. Juni. Der Petersburger Korrespondent des „Temps" will aus guter Quelle erfahren haben, daß Kaiser Nikolaus die Antwort des Königs Ferdinand und des Königs Peter als befriedigend ansehe. Ssasonow werde die Ministerpräsidenten der Balkanstaaten unverzüglich nach Petersburg berufen.
Bulgarische llebergrifse.
W. Belgrad, 15. Juni. In den letzten Tagen berief die Polizei in Sofia eine größere Anzahl serbischer Staatsbürger, zumeist Gewerbetreibende, und forderte sie auf,
I Flugs lief er zum Kadi und klagte auf Streichung der Szene. Das Landgericht erließ denn auch eine einstweilige Verfügung, durch die Henri Bender verboten wurde, die Szene, in der die Figur des Fleischermeisters Pipenbrin? auftritt, weiterzuspielen und zwar bei einer für jeden Fall der Zuwiderhandlung vom Gericht festzusetzenden fiskalischen Strafe. Um allen Scherereien aus dem Wege zu gehen, fehlt nun in diesen Tagen der Jahrhundert-Revue die kritische Stelle, jedoch hat Bender durch seinen Verteidiger den durch die Umstände gerechtfertigten Beweisantrag gestellt, dem Breslauer Landgericht das Stück in einer besonderen Vorstellung vorführen zu dürfen, damit es sich selbst davon überzeugen könne, oß die durch ihn verkörperte Rolle des Fleischermeisters Pipenbrink zu irgendwelchen Beanstandungen seitens des Klägers Anlaß geben kann und ob dieser sich überhaupt durch die Figur des Pipenbrink beleidigt fühlen könne. In dieser Beziehung hat er auch die Vernehmung von Sachverständigen beantragt und vor allem jene des Obermeisters der Breslauer Fleischerinnung, der darüber befinden soll, ob sich überhaupt ein Fleischermeister in seiner Person oder in seinem Geschäftsbetrieb durch die von Bender gespielte Szene benachteiligt fügten kann. — Auf den Ausgang der Rechtsstreite» kann man unter diesen Umständen gespannt sein.
Frankfurter Theater.
Opernhaus. Montag, 16. Juni, 6 Uhr, Festvorstellung aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Maj. des Kaisers. In der neuen Inszenierung: „Dia Meistersinger von Nürnberg". Auß. Abonn. Groß« Pr. — Dienstag, 17. Juni, halb 8 Uhr: „Der Bajazzo". Hierauf: „Cavalleria rusticana". Im Abonn. Gew. Pr. — Mittwoch, 18. Juni, 7 Uhr, Abonnementsoorstellung für den am 17. Mai 1913 ausgefallenen Samstag „Figaros Hochzeit". Im Abonn. Große Pr. — Donnerstag, 19. Juni, halb 8 Uhr .Martha". I«