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Zum 15. juni 1933.

H^nser Kaiser" ja, unser geworden ist er nach hartem ^ Ringen in 25 Jahren, unser in dem Sinne, wie zwei

Menschenkinder nach 25 Jahren gemeinsamer Pilger- klchrt es voneinander sagen können;Kaiser und Volk" werden heute als Einheit mit dem Silberkranz geschmückt. Ein Vierteijahrhunderi gesegneten Schaffens für beide liegt hinter uns. Man schaut auf volle Scheuern, auf feste Stauern, aus die Schar des Nachwuchses, und man drückt einander froh beglückt die Hand.Unser Kaiser", das unser" muß heute wie ein brausender Akkord ihn über­fluten. Was einst zur grünen Hochzeit in Liebe sich fand, das ist zum Silberfest Seite an Seite wie immer fest ver­bunden.

Junge Thronerben haben es fast immer gut, denn die Herzw fliegen ihnen zu, und alle Hoffnungen, die die karge Gegenwart nicht erfüllen will, sieht man gedankenvoll in der Zukunst reifen. Der Thronerbe wird aller Wünsche Erfüllen in der Phantasie des Volkes. So ging es auch dem Prinzen Wilhelm, unserm jetzigen kaiserlichen Herrn, der umjubelt wurde, wo er sich nur zeigte, ja, der sogar auf der Eisbahn die Volksschulkinder nicht von seinen Rockschößen bekam. Sein sonniger Charakter und doch auch gleichzeitig der Ernst seines Pflichtbewußtseins machten ihn dem Volke lieb. Und vor allem: eine deutsche Frau hatte er geheiratet, keine Fremde, eineliebe" Frau. Man fand alles herzig und gut, man war noch weit mehr begeistert als sogar jetzt beim Anblick der Kinderschar des gegenwärtigen Kronprinzen.

Ein Rückblick auf die ersten der 25 Jahre unter unserm Kaiser tut uns gut, denn er zeigt uns, wieviel wir ihm abzubitten haben. Am Tage vor der Silber­hochzett findet auch sonst wohl ein Jubelpaar sich zu stiller Zwiesprache, und auch manches unausgesprocheneVergib!" findet seinen Ausdruck in schweigendem Händedruck. Das Reich hat einen ungeheuren Aufschwung genommen, uni) fast überall in Heer und Flotte, in Handel und Wirt­schaft, in Gesetz unb Erziehung, in Kunst und Wissenschaft unter direkter, persönlicher Einwirkung des Monarchen, der überall in die Bresche trat.

Unser Kaiser" unser geworden ist er durch die Größe seines Charakters, er, der nach Zollernart zu leiden verstand, ohne zu klagen, und selbst in den Zeiten der Verkennung nie den Glauben an den endlichen Sieg der Wahrheit, nie den Glauben an sein Volk verlor. Heiß wallt es heute in uns auf, die Herzen schlagen dem Kaiser entgegen, in scheuer Achtung ziehen selbst Feinde ihren Hut. Innig danken wir es dem Monarchen, daß er nie in der Arbeit für Reich und Voll ermattet ist, wo andere längst verbittert die Dinge hätten gehen lassen; rastlo'e Mühe und Arbeit ist sein ganzes Leben gewesen.

Wie eine große Familie stolz ist auf ihr Haupt, an besten Jubeltage von weit und breit die Glückwünschenden sich einstellen, so sonnen wir uns in dem Bewußtsein, daß selbst die uns feindliche Well in Europa uns um diesen Herrscher beneidet. In seiner Hut fühlen wir uns sicher gegenüber den Stürmen der Zeit. Sollte er, wie einst sein Großvater, gezwungen sein, nach langen Friedens- jahren im Silbergrau des Alters noch das Schwert ziehen zu müssen, so wird er auf sein Volk sich ebenso verlassen können, wie dieses ihm die Vorbereitung auf ernste Tage anoertrauen konnte. Es sieht in Europa nicht gerade freundlich aus, Feinde umlagern uns, aber unsere wachsende Stärke macht ihnen das Losschlagen nicht leicht. Es sind Millionen Gewappneter, die hinter dem Kaiser stehen. Und hinter diesen noch aber Millionen, die dm Kaiser und sein Voll auf betendem Herzen tragen.

Kaiser und Volk" sie sind zusammengeschweißt tn mancher harten Prüfung,up ewig ungedeelt", ein einziger lebendiger Organismus, in dieser Zusammen- gehörigkeit die gewaltigste Macht in unserem Erdteil. Einst sang ein Dichter von seinem Jahrhundert, es sei eine Lust, in ihm zu leben. Wir aber loben uns unser Zeitatter, das uns diesen Herrscher geschenkt hat, den stürmenden Vorkämpfer einer ungeahnt glanzvollen Ent­wicklung, den Mehrer des Reiches und Eckart des Volkes. Nun sind wir seit 25 Jahren vereint. Wir schauen hoffnungsfroh den nächsten 25 entgegen. Und über­wältigend quillt aus tiefster Überzeugung der Wunsch empor:Gott segne, Gott schütze, Gott erhalte uns unsern

Kaiser!" *

Uns allen, und vor allen Dingen uns Fürsten, hat der große Kaiser ein Kleinod wieder emporgehoben und zu hellerem Strahlen verhalfen, welches wir boco und heilig halten mögen: das ist das Königtum von Gottes Gnaden, das Königtum mit seinen schweren Pflichten, feinen niemals endenden, stets andauernden Mühen und Arbeiten, mit seiner furchtbaren Verantwortung vor dem Schöpfer allein, von der kein Mensch, kein Minister, kein Abgeordnetenhaus, kein Volk den Fürsten entbinden kann." (Kaiser Wilhelm beim Festmahl der Rheinprovinz am 81. August 1897.)

Kaiser und Hrmee.

Von einem alten deutschen Offizier.

'^^ridericus Rex, unser König und Held, Wir schlagen den Teufel für Dich aus der Welt!" So hat es aus Soldatenkehlen gejubelt, und so wird es immer bleiben, wo in der Armee das unbedingte trauen herrscht, daß der oberste Kriegsherr weiß, wa^ er will, und kann, was er will. Und dieses Vertrauen ut

bei uns vorhanden. Wenn man gelegentlich liest, daß im Reichstage Kritik geübt wird an dem Verhältnis zwischen Kaiser und Armee, so kann man versichert sein: das ist Zivilkritik. Im Heere selbst, das unter diesem Herrscher so gewaltig angewachsen, so außerordentlich modern ge­worden ist, denkt man anders. Man ist dankbar und stolz. Und man könnte wieder hinausjubeln:Wilhelmus Rex, unser König und Held!" Denn wenn auch die Probe auf das Exempel noch nicht da war, wenn der große Krieg noch nicht über uns gekommen ist und Könige als Feldherren bewährt hat, so können wir ihn doch getrost erwarten. Es ist nichts verabsäumt. Mit eiserner Energie hat Kaiser Wilhelm H in 25 Jahren daran gearbeitet, daß unser gutes Schwert sich scharf erhielt.

In dieser Zeit ist die Armee von rund 470 000 auf rund 770 000 Diann Friedensstärke gebracht worden, und das in einer Zeit, in der gleichzeitig die Flotte von der sechsten an die zweite Stelle unter den großen Seemächten rückte. Wir können, ohne an die ältesten Jahrgänge herauzugehen, im Kriegsfall heute ein Feldheer von 4*/2 Millionen Mann statt der 3 Millionen aufstellen, die wir früher hatten.

Das ist an sich eine nichtssagende Zahl. Die Fran­zosen stampften nach der Niederlage ihrer kaiserlichen Armee 1871 neue Armeen aus dem Boden, aber die Masse macht es nicht, sondern die Ausbildung, die Bewaffnung, die Manneszucht, der Geist. Im Vergleich zu den Zu­ständen, wie sie sich in den letzten Jahren unter dem alten Kaiser Wilhelm I. herausgebildet hatten, ist unsere heutige Armee etwas vollkommen neues. Vor allem eines ist in sie hineingetragen worden, was man früher so nicht kannte: ein Training von einer bis dahin unerhörten Anspannung der Kräfte. Wenn man darüber klagt, daß heute unsere Hauptleute frühzeitig verbraucht würden, ihre Nerven im Dienste aufrieben, wenn man weiter sich darüber wundert, daß man heute nicht mehr wie vor 30 Jahren die Leutnants den ganzen Nachmittag auf den Straßen flanieren sieht, so hängt dies damit zusammen. Unsere Väter hätten die Köpfe geschüttelt, wenn man ihnen gesagt Hütte, wieviel Dienst sich in 12 Tagesstunden und oft noch in die Nacht hineinpressen läßt. Absolut not­wendig wurde das durch die Einführung der zweijährigen Dienstzeit, die 1893 zum Gesetz erhoben wurde und nun schon nach einem Jahre, wie früher nach zweien, einen fertig ausgebildetenalten" Soldaten verlangt, der daraufhin den kommenden Rekruten schon ein Vorbild sein soll. Da kann der Hauptmann nicht mehr den Oktober und November hindurch sich vom vorhergegangenen Manöver ausruhen und erst im Dezember sich seine Re­kruten zum erstenmal ansehen, wie es früher üblich war. Nein, nach wenigen Wochen kennt er sie schon alle beim Namen, werden sie schon mit den ersten Anfängen des Feld- und Schießdienstes bekannt gemacht, während sie vor 1888 um diese Zeit erst im Grüßen und imlangsamen Schritt nach Zählen" ausgebildet waren. Insbesondere der Schießdienst lag in den letzten Regierungsjahren unseres alten Herrn im Argen, weil man den An­forderungen, die das moderne, weittragende Gewehr an den Mann stellt, nicht gefolgt war. Früher schoß man auf verhältnismäßig nahe Entfernung und in so dichten Schützenlinien, daß der Offizier seine Leute beisammen be- hielt. Heute wird von dem Einzelnen bei den Riesen­entfernungen und bei der Unscheinbarkeit moderner Ziele (geschickte Deckungen, feldgraue Uniformen) ein ganz anders ausgebildetes Auge verlangt als damals, ferner, da immer mehr kleine Gruppen einzeln vorgehen, gutes Schätzungs­oermögen und Feuerdisztplin auch ohne Aufsicht durch Vorgesetzte. Um das zu erreichen, hat Kaiser Wilhelm U. sofort nach Regierungsantritt nicht nu^bie Patronenmenge vermehren, das feldmäßige vor dem Schulschießen bevor­zugen, Schützenschnüre und andere Auszeichnungen ein­führen lassen, sondern auch das Schießen derart zu einem Kriterium guter Kompagnieausbildung gemacht, daß jetzt die Hauptleute, Bataillons- und Regimentskommandeure dahinter sind, wie ein Teufel hinter der armen Seele; denn auch ihre Karriere hängt daran.

Wo etwas zu erneuern war, da ist es erneuert worden. Wir waren in diesen 25 Jahren in der Bewaffnung den Franzosen immer auf irgendeinem Gebiete so heute be­sonders auf dem artilleristischen voraus; wir haben die gesamte Kavallerie mit der Lanze bewaffnet, die früher nur die Ulanen führten; und die technischen Truppen und ihr Material haben von vornherein beim Kaiser hervor­ragendes Interesse gefunden. Geradezu Ungeheures ist aber auf dem Gebiete des Festungswesens geschaffen worden. Metz, Straßburg, Königsberg sind gegen früher nicht wiederzuerkennen. Uns würde es nicht so gehen wie den Franzosen 1905: daß bei drohenden Verwicklungen schleunigst und überhastet ein paar hundert Millionen in die Armierung der Festungen gesteckt werden müssen, weil überall Lücken klaffen.

Am allermeisten hat von dem Feuergeist des obersten Kriegsherrn das Offizierkorps profitiert, demdas Prinzip der Unermüdlichkeit" um ein Wort des Feldmarschalls Freiherrn v. d. Goltz zu benutzen so eingehämmert worden ist, daß die alten Inaktiven Jicb schütteln und sagen:Da war es früher doch gemütlicher!" Es gibt gar keine rein repräsentativen Regimenter mehr. Ins­besondere der Kavallerieoffizier, der einst nach den paar Stunden Vormittagsdienst sein freier Herr war, gehört heute zu den gehetztesten Geschöpfen.. Eine Erkundung bei Nacht ist schon zu einer ganz gewöhnlichen Würze des Daseins geworden, und Ritte von 70 Kilometern gehören noch nicht zu den größeren. Die militärtechnische Hoch­schule die es früher nicht gab und andere Institute halten den Offizier auch wissenschaftlich auf der Höhe. Und die körperliche Eignung muß sich bei den fortgesetzten scharfen Felddienstübungen erweisen, bei denen es auch für ehedem bequeme Herren heißt: Herunter vom Gaul und Marsch Marsch über Sturzacker!

Die Armee ist der stählerne Ring, der das Reich zu- sammenhält, wenn äußere Gewalt oder innere Unruhe es sprengen will, die Armee ist laut Treitschkedie geordnete physische Kraft der Nation", und es ist ein altes Vorrecht der Hohenzollern, ihre Hauptpflicht in der Arbeit für die Armee zu erblicken. Unser Kaiser ist Soldat. Ihm ist die Uniform nicht etwa die Prunkbekleidung, sondern das Arbeitsgewand. Vor seinem Schreibtisch im Neuen Palkis zu Potsdam steht nicht etwa ein bequemer Sessel, sondern ein Sattel auf festem Bock, in dem der Kaiser aufrecht und ohne Lehne beim Arbeiten sitzt, um stets im Training zu bleiben. Ein Außenstehender ahnt nicht, wie gewaltig

hi allen Dingen die persönliche Einwirkung des Monarchen auch durch sein Beispiel ist. Er ist außerordentlich mäßig, und auch bei großen Feiern nippt er nur am Sektglas; und im Ofsizierkorps nimmt die Enthaltsamkeit von Jahr zu Jahr zu, und manche Leute würden sich wundern, wenn sie erfuhren, wie groß in den Kasinos der Verbrauch an Milch und Selterwasser ist. Daß die Zahl der Zweikämpfe im Heere minimal geworden ist, verdanken wir des Kaisers ruhigem Hinarbeiten auf dieses Ziel. Die Armee ist unter ihm aus derSoldateska" von früher, die immer in einem gewissen Gegensatz zum Bürgertum gedacht wurde, zu einem Volksheer geworden, zu einem Instrument, das nur für den Krieg gedrillt wird und nicht zum Markieren desersten Standes" im Frieden.

So hat denn der Kaiser wenn auch mit schwerem Herzen, denn das preußische Blau war Jahrhunderte hin­durch auf allen Schlachtfeldern gefürchtet noch vor den Franzosen die Umkleidung des Heeres in das unscheinbare Feldgrau befohlen. Man soll das nicht zu gering- schätzen. Ist doch dieUniformspielerei", das Anbringen stets neuer Litzen und Tressen und Knöpfe, die ureigent­liche Liebhaberei aller Monarchen aller Zeiten, selbst der großen Feldherren unter ihnen, gewesen, Friedrich den Großen und Napoleon nicht ausgenommen. So wie unser­eins Briefmarken sammelt oder Rosen züchtet oder Porzellan bemalt. Der graue Mantel, die Feldbinde, der lange Stiefel, die stählerne Degenscheide, die braunen Handschuhe sind umgekehrt außerordentlich praktische Neueinführungen unter dem Regime des jetzigen Herrn.

Wer den gewaltigen Umschwung in diesen 25 Jahren ganz ermessen will, der braucht sich bloß erzählen zu lassen, was Kaisermanöver früher waren, und dann jetzt eines mitzumachen, es ist fast ein Unterschied wie zwischen Parade und Krieg. Die Armee ist gut im Zug. Es ist kein Friedensrost daran. Und sie hat treffliche Führer. Die hat der Kaiser immer noch mit scharfem Blick heraus­zufinden gewußt, die Haeseler und Goltz, die Moltke und Scholtz und wie sie heißen mögen, und sie alle, die reifsten unserer Feldherren, sind einer Stimme, einer Über­zeugung:Wilhelmus Rex, unser König und Held, Wir schlügen den Teufel für Dich aus der Welt!"

*

In der Armee ist die feste, unverbrüchliche Zu­gehörigkeit zum Kriegsherrn das Erbe, welches vom Vater auf den Sohn, von Generatton zu Generation geht. Und ich gelobe, stets dessen eingedenk zu sein, daß die Augen meiner Vorfahren aus jener Welt auf mich herniedersehen, und daß ich ihnen dermaleinst Rechenschaft über den Ruhm und die Ehre der Armee abzulegen haben werde. So gehören wir zusammen ich und die Armee, so sind wir füreinander geboren und so wollen wir unauflöslich fest zusammenhalten, möge nach Gottes Willen Friede oder Sturm sein!" (Armeebefehl Kaiser Wilhelms beim Regierungsantritt am 15. Juni 1888.)

Der Schöpfer unserer flotte.

Von Graf Bernstorff, Korvettenkapitän a. D.

Wir haben uns, obwohl wir noch keine Flotte haben, so wie sie sein sollte, einen Platz an der Sonne erkämpft. Es wird nun meine Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß dieser Platz an der Sonne uns unbestritten erhalten bleibt, damit ihre Strahlen befruchtend wirken können auf Handel und Wandel nach außen, Industrie und Landwirtschaft nach innen und auch auf den Segel­sport in den Gewässern; denn unsere Zukunft liegt auf dem Wasser." (Kaiser Wilhelm beim Regatta- Festmahl auf der Unterelbe am 16. Juni 1901.)

Kaiser Wilhelm n. vor 25 Jahren zur Regierung kam, bot die deutsche Marine im großen und ganzen keinen sehr erfreulichen Anblick, besonders was das Schiffsmaterial anbetraf, während der Geist und der Diensteifer des Personals nach keiner Richtung hin etwas zu wünschen übrig ließ. Aber in der Oberleitung fehlte, trotz bestem Willen, doch das eingehende Verständnis für die Bedeutung einer starken Flotte. Um so klarer hatte dagegen schon der bisherige Prinz Wilhelm von Preußen erkannt, daß der Aufschwung des deutschen Handels, der sich nach 1871 in beispielloser Weise vollzog und der dem deutschen Volk neben gewaltigem Erwerb eine führende Stellung unter den Handel treibenben Nationen verschaffte, eines ganz anderen, stärkeren maritimen Schutzes bedurfte, als es die vorhandenen Schiffe, einige wenige unmoderne, teilweise bereits völlig veraltete Linienschiffe und eine Anzahl sogenannter Kreuzer-Fregatten und -Korvetten, lauter Schiffe mit Takelage, gewähren konnten. Schon als Prinz bemühte sich der spätere Kaiser Wilhelm II., das Verständnis für die Marine besonders den Offizieren der Armee nahe zu bringen, ohne hier auf besondere Gegenliebe zu stoßen, da befürchtet wurde, daß die traditionelle Vorliebe der Hohenzollern für das Heer nachlassen und ein Rückschritt eintreten möchte. Wie sich später herausstellte, war beides gänzlich unberechtigt, und, vorweg sei's gesagt, heute sieht kein Armeeoffizier mehr in einem Kameraden von der Marine einen Nebenbuhler, sondern es herrscht vollstes Verständnis für die Bedeutung der Marine und daher auch überall erfreuliches Einverständnis und gute Kamerad­schaft.

Eine der ersten Amtshandlungen nach dem Regierungs- antritt des jungen Kaisers bestand darin, daß er zwei Seeoffiziere an die Spitze der Marine stellte, und dann ividmete er einen großen Teil seiner außerordentlichen Arbeitskraft der weiteren Förderung der Marine. Aus­gehend von dem richtigen Grundgedanken, daß die Werte des deutschen Seehandels sowie die Mitte der achtziger Jahre erworbenen Kolonien, die zusammen einen großen Teil des deutschen Nationalvermögens darstellen, nur auf See und nicht von der Küste aus geschützt werden können, bestrebte sich der Kaiser, die bisherige Verteidigungsflotte Deutschlands in eine Hochseeflotte umzuwandeln, und so wurden die Pläne für die ersten wirklichen Linienschiffe, die sogenannteBrandenburg"-Klasse, zum Teil unter eigenhändiger Mitarbeit des Kaisers entworfen. Im Jahre 1890 begann der Bau der vier Schiffe auf deutschen Werften, da sowohl die Werften wie die Eisen- und Stahl­werke Deutschlands vollkommen genügend leistungs­fähig waren, um alles dazu nötige Material selbständig herstellen zu können. Das war das Verdienst des Admirals von Stosch gewesen1 In den Jahren 1893/1894 waren alle vier Schiffe bicaftbereit und bildeten den